Studium 125 Jahre Frauenstudium an der Universität Heidelberg
22. Dezember 2025
Vier Studentinnen schrieben sich im Jahr 1900 an der Ruperto Carola ein – Sie gehörten zu den ersten in Deutschland
Mit vier Pionierinnen fing es an: Im Jahr 1900 – vor 125 Jahren – wurden an der Universität Heidelberg erstmals Frauen regulär zum Studium zugelassen. Damit gehörte die Ruperto Carola zu den ersten beiden Universitäten in Deutschland, die Studentinnen willkommen hießen – und das nicht nur als Gasthörerinnen. Georgine Sexauer, Rahel Goitein, Irma Klausner und Else von der Leyen wurden damit zu Vorreiterinnen für die Gleichberechtigung an deutschen Hochschulen. „Das Jahr 1900 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte unserer Universität. Die ersten Studentinnen haben Barrieren überwunden, die heute kaum noch vorstellbar sind. Ihr Mut und ihr unbedingter Wille zu lernen waren der Beginn einer dauerhaften Öffnung der Wissenschaft für Frauen“, erklärt Prof. Dr. Frauke Melchior, Rektorin der Universität Heidelberg.

Die erste Frau, die sich an der Universität Heidelberg regulär immatrikulierte, war Georgine Sexauer. Sie schrieb sich am 28. April 1900 für Klassische Philologie und Germanistik ein. Im Sommersemester 1900 folgten drei Medizinstudentinnen: Rahel Goitein, Irma Klausner und Else von der Leyen. Ihrer Einschreibung vorausgegangen war eine Entscheidung des Senats der Ruperto Carola: Am 13. Januar 1900 hatte dieser beschlossen, Frauen zum Studium zuzulassen – wenn auch zunächst „versuchs- und probeweise“. Am 28. Februar 1900 wurde diese Entscheidung durch das Großherzogtum Baden bestätigt. Baden war damit das erste deutsche Land, das Frauen den regulären Zugang zum Studium ermöglichte – und die Universitäten Heidelberg und Freiburg kurz darauf die ersten Hochschulen, an denen sich Studentinnen ordentlich einschreiben konnten.
Bis 1900 hatten Frauen in der akademischen Welt keine große Rolle gespielt. Zwar wurden sie Mitte des 19. Jahrhunderts als Gasthörerinnen zugelassen; um ordentlich zu studieren, mussten sie jedoch ins Ausland gehen. In Deutschland war ein Studium nur in Ausnahmefällen und mit einer Sondergenehmigung möglich. Und auch nach der ordentlichen Immatrikulation war die Studienzeit für die ersten Studentinnen mit Hindernissen verbunden: Viele Professoren und Kommilitonen betrachteten die Frauen mit Skepsis. „Ich kam mir immer klein und dumm vor gegenüber all den anderen. Die männlichen Kollegen trugen eine große Sicherheit zur Schau, auch wenn sie nichts wussten“, schrieb Rahel Goitein (später: Rahel Straus) 1961 in ihrer Autobiografie über ihre Zeit an der Universität.
Dennoch absolvierte Rahel Goitein ihr Medizinstudium in Heidelberg erfolgreich und war auch danach eine Pionierin: 1908 wurde sie zur ersten niedergelassenen Ärztin in Deutschland. Heute ist ein zentrales Programm zur Förderung von hervorragenden Wissenschaftlerinnen an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Ruperto Carola nach ihr benannt. Irma Klausner und Else von der Leyen setzten ihr Studium nach einem Semester in Halle fort, als sich auch dort die Universität für Frauen öffnete. Georgine Sexauer studierte acht Semester an der Universität Heidelberg, bevor sie nach Freiburg wechselte.
Für die Ruperto Carola war die Öffnung des Studiums für Frauen eine Erfolgsgeschichte. Die Universität gehörte im Jahr 1900 nicht nur zu den Vorreiterinnen in Deutschland, sie war auch danach lange Zeit die beliebteste deutsche Hochschule bei Studentinnen. Ihr Anteil wuchs von 0,25 Prozent im Jahr 1900 innerhalb eines Jahrzehntes auf acht Prozent an. Heute studieren an der Universität Heidelberg deutlich mehr Frauen als Männer – ihr Anteil liegt bei rund 55 Prozent. Im Bereich der abgeschlossenen Promotionen ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen (49,8 Prozent Frauen im Jahr 2024). Zwar gibt es noch immer deutlich mehr Professoren als Professorinnen (rund 23 Prozent), doch auch hier kann die Universität Heidelberg Fortschritte bei der Gleichberechtigung vermelden: In den Jahren 2023, 2024 und 2025 wurden erstmals in etwa gleich viele Frauen wie Männer berufen.
„125 Jahre Frauenstudium – dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass, auf die große Bedeutung hinzuweisen, die Gleichstellung und Vielfalt in der Strategie unserer Universität zukommt. Als Rektorat werden wir uns mit aller Kraft auch weiterhin dafür einsetzen, herausragende Talente unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Identität über alle Fächer und Disziplinen hinweg zu fördern“, betont die Rektorin.