DEUTSCHLANDSTIPENDIUM Deutschlandstipendiat:innen auf den Spuren von Friedrich Ebert
Sara wird im Master Germanistik gefördert und engagiert sich für das Deutschlandstipendium, indem sie u.a. regelmäßige Stipendiat:innen-Stammtische organisiert; im März 2025 war es ein Ausflug ins Heidelberger Friedrich-Ebert-Haus.

Von Sara H.
Mitten in der Altstadt, in einer Querstraße zur Unteren liegt das Geburtshaus von Friedrich Ebert, dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Dort haben wir uns am 26. März zu einer Führung verabredet. Ich bin vor allem neugierig, mehr über das Leben der Familie zu erfahren. Wir steigen eine schmale Holztreppe hoch und ducken uns unter einem Türbalken in die Wohnung. Beim Betreten fällt uns sofort auf: Die ist aber klein. Auf 43 m2 haben sieben Menschen gelebt?! Da wirkt für manche die eigene WG plötzlich wie Luxus! Der Guide erzählt uns, dass Friedrich Eberts Vater als Schneider arbeitete. Seine Werkstatt nahm einen Teil der bereits kleinen Wohnung ein. Wir betreten das Schlafzimmer. Hier stehen 3 Betten. Das ist ziemlich kuschelig, aber auch notwendig, denn der Raum besitzt keine Heizquelle.
„Die Kinder“, erklärt der Guide, „hielten sich vor allem draußen auf.“ In einer Zeit, in der es Mode war, dass Jungs auch im Winter kurze Hosen trugen und die Kindersterblichkeit sehr hoch war. Wir erfahren, dass die Familie selbst 3 Kinder verlor. Die sich anschließende Ausstellung zeigt Eberts Werdegang. Nach einer Sattlerlehre ging er auf Wanderschaft durch Deutschland und begann sich gewerkschaftlich zu engagieren. Seine politische Laufbahn zog sich durch den Ersten Weltkrieg, die Inflation und die Weimarer Republik, deren erster Präsident er wurde. Er führte ein bewegtes Leben voller Umbrüche und Entscheidungen. Als ich das Friedrich-Ebert-Haus wieder verlasse, um mit den anderen Richtung Marstall zu gehen, frage ich mich unweigerlich, ob der junge Friedrich Ebert auch hier entlang gegangen ist? Ein spannender Einblick in die deutsche Geschichte, der mir eine neue Perspektive auf Heidelberg eröffnet hat und mich noch lange begleiten wird.
Stand: Juni 2025