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Field of Focus IIIForschungsschwerpunkte

Der Research Council hat vier thematische Schwerpunkte der geisteswissenschaftlichen Forschung identifiziert, die er durch verschiedene Maßnahmen weiterentwickelt:

  • Wissensforschung mit Fokus auf Geltungsfragen
  • Kulturelles Erbe, insbesondere die Aspekte Sammeln und Stiften
  • Transformationsprozesse (Ordnung/Unordnung/Neuordnung)
  • Verkörperung von Wahrnehmung und (sprachlicher Interaktion)
  • Freundschaft und Feindschaft

Der Research Council unterstützt diese Schwerpunkte mit Mitteln der Exzellenzuniversität, um bestehende Forschungsaktivitäten zu den Schwerpunkthemen zu vernetzen und zu stärken sowie strukturbildend in Forschung und Lehre sowie in den Bereichen Nachwuchsförderung und Internationalisierung zu wirken. Themenübergreifend werden darüber hinaus die Digital Humanities und der für den Standort Heidelberg lange schon prägende regionalwissenschaftliche Ansatz gestärkt.

 

Wissensforschung

Die Geisteswissenschaften an der Universität Heidelberg prägen die Wissensforschung mit einem besonderen Fokus auf historisch global-transkulturelle Dimensionen sowie auf narrative Aspekte. Gegenüber erstarkender Desinformationskampagnen/Fake Facts sind Institutionen tradierter Wissensproduktion besonders herausgefordert. Im FoF 3 bündelt sich die Wissensforschung derzeit im Thematic Research Network „Wissensgeltung“ (mit der SFB Initiative „Geltungskulturen“), das den Fokus auf Geltungsressourcen (materiell, immateriell, informell, institutionell etc.) und Wissensphilologien legt. Die Forschung am GRK „Authority and Trust“ gehört dabei ebenso in den Schwerpunkt wie das an der Forschungsstelle Antiziganismus angesiedelte Projekt „The antizigane gaze“ mit Fokus auf die Analyse toxischen Wissens und medienhistorischer Aspekte. Der Forschungsschwerpunkt soll durch weitere historisch, aber auch systematisch angelegte Projekte ergänzt werden, insbesondere kann die Krise herkömmlicher Wissensproduktion durch Fake News etc. thematisiert werden.

Kulturelles Erbe

Die Erforschung des Kulturellen Erbes ist seit Einrichtung des SFB 933 „Materiale Textkulturen“ und seiner Nachfolgeeinrichtung, dem 2012 gegründeten Heidelberg Center for Cultural Heritage – HCCH, ein international anerkannter Forschungsschwerpunkt. In Kooperation mit der Flagship Initiative „Transforming Cultural Heritage“ sowie aufbauend auf die Aktivitäten der Gruppen „Stiftungen in der Longue Durée“, „Heimat(en)“ sowie den universitären Sammlungen sollen Konzept und Diskurse des Kulturellen Erbes auch weiterhin als Forschungsprofil ausgebaut werden. Künftige Projekte sollen sich insbesondere mit dem Begriff des Kulturellen Erbes, seiner Kritik und Weiterentwicklung, aber auch mit der Bedeutung der digitalen Wende für den Erhalt kulturellen Erbes oder auch mit immateriellem Kulturerbe sowie ‚dark heritage‘ befassen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Reflexion sowie der methodischen Weiterentwicklung von Digital Heritage in Kooperation mit dem Heidelberg Center for Digital Humanities sowie auf dem Anschluss an editionstheoretische und -praktische Expertise an der Universität Heidelberg und der UB. Auch der für geisteswissenschaftliche Methoden spezifische Blick auf Imaginarien kultureller Zukünfte aus dem Erbe hat in dieser Profillinie seinen Ort.

Transformationsprozesse/Unordnung/Disorder

Angesichts großer gesellschaftlicher Umwälzungen kommt der Erforschung von Transformationsprozessen große Relevanz zu. Ausgehend von den Forschungen am Center for Apocalyptic and Postapocalyptic Studies (CAPAS), dem Worldmaking Kolleg und dem Thematic Research Network „Umwelten – Umbrüche – Umdenken“ in Kooperation mit dem HCE, aber auch des neueingerichteten GRK „Ambivalent Enmity“ werden am FoF 3 Momente der Transformation sowie der Entstehung von Unordnung mit jeder Festlegung von Ordnung erforscht. Als ungeordnet sind dabei alle Abweichungen innerhalb der Ordnung bzw. die Ränder und das Außen der Ordnung aufzufassen. Es kann in möglichen weiteren Projekten einerseits um Abweichungen/Auflösungen bestehender Ordnungen und (kultureller) Räume sowie um Prozesse des Übergangs und der Neufindung gehen. Forschungen zu Nachhaltigkeit im Sinne neuer Ordnung des vormals Ungeordneten haben ebenfalls in diesem Schwerpunkt Relevanz. Auch in diesem Schwerpunkt kann es um Imaginarien kultureller Zukünfte gehen.

Körperlichkeit/Verkörperung/Synästhesie/Interaktion

Seit Längerem wird die Gruppe „Cognitive Science“ als Brücke zwischen FoF 3 und FoF 4 gefördert, sie untersucht die neuronale Basis von Ereigniskognition. Mit dem Projekt „Objects of Attraction“ (GRK-Initiative) hat sich darüber hinaus eine Initiative gebildet, die sich mit der körper-leiblichen Repräsentation von Dingen befasst. Der Bereich soll sich weiter entwickeln, daher werden interdisziplinäre Projekte gefördert, bei denen es um die Körperlichkeit des Ausdrucks und der Interaktion, aber auch des Erkennens sowie um die Interaktion von Sprache und Leib/Körper geht. Auch Themen wie die Interaktion zwischen Mensch und Maschine (KI) können in diesem Schwerpunkt untersucht werden. Auch Projekte, die Medialität zum Gegenstand haben, können in diesem Forschungsschwerpunkt gefördert werden, insofern sie die Interaktion von Personen Dingen/Umwelten betrifft. Der Brückenschlag auch in die FoFs 1 und 2 ist besonders erwünscht.

Freundschaft und Feindschaft

Mit zwei neuen großen Projekten wird an der Universität Heidelberg das Spannungsverhältnis von Ablehnung und Anziehung erforscht. Dabei geht es einerseits um die diskursiven, aber auch realpolitische Dynamiken, die durch Narrative über Aggressoren erzeugt werden (Ladenburg Kolleg zu Geschichtsnarrativen in gesamteuropäischer Perspektive, andererseits um die Ambivalenz, die jeder feindschaftlichen Bindung implizit ist (GRK „Ambivalent Enmity“). Beide Projekte sind in starkem Maße interdisziplinär angelegt. Die Erforschung von Freundschaft und Feindschaft, Anziehung und Ablehnung in transregionaler, -temporaler sowie -kultureller Perspektive soll künftig als neuer Forschungsschwerpunkt an der Universität Heidelberg ausgebaut werden. Themen können dabei auch im Schnittfeld zum Forschungsschwerpunkt Wissensforschung mit Fokus auf Geltungsfragen oder zur Erforschung von Transformationsprozessen liegen. Auch hier ist der Brückenschlag zwischen den Fields of Focus sowie die Einbeziehung der Area Studies erwünscht.