FoF3: Mensch und Maschine - TRN Digital Voice: A theory of spoken language for the 21st century
1. Thematic Research Network
Das Thematic Research Network (TRN) ist eine Initiative des Forschungsrats des Field of Focus 3 an der Universität Heidelberg und wurde im März 2025 im Rahmen der Exzellenzstrategie der Universität initiiert. Ziel ist es, den interdisziplinären Austausch und die Zusammenarbeit zu zentralen Forschungsschwerpunkten wie Verkörperung, Wissen und kulturellem Wandel zu fördern. Unser Forschungsprojekt Digital Voice: A Theory of Spoken Language for the 21st Century ist Teil dieser Initiative und befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Themenfeld „Mensch und Maschine“.
2. Focus: “Digital Voice: A theory of spoken language for the 21st century”
Gesprochene Sprache ist heute selten nur gesprochen. Sie ist häufig intensiv medial vermittelt, digital kuratiert oder synthetisiert, technologisch verändert, bearbeitet oder erzeugt. Ob in Zoom-Meetings, TikTok-Videos, Podcasts, persönlichen Sprachnachrichten oder in Form maschinell generierter Sprache durch digitale Assistent:innen: Digitale Stimme ist zu einer zentralen Kommunikationsform geworden. Anstatt Stimme als entweder gesprochen oder geschrieben zu verstehen, begreifen wir sie im Projekt Digital Voice als ein Spektrum menschlicher und maschinell erzeugter Sprachpraktiken, von dem wir erwarten, dass es tiefgreifende Auswirkungen auf Vorstellungen von Urheberschaft, Authentizität und geistigem Eigentum haben wird.
Das Forschungsprojekt Digital Voice verfolgt das Ziel, neue wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen, indem ein innovatives Modell digitaler Stimme entwickelt wird, das sich bewusst von bisherigen Paradigmen gesprochener und geschriebener Sprache unterscheidet, die die Philologien der letzten 40 Jahren geprägt haben. Das Modell verknüpft technologische Entwicklungen, soziale Praktiken und sprachlichen Wandel und bietet so einen vielschichtigen Zugang zur digitalen Stimme. Ziel ist es, eine Theorie zu erarbeiten, die die Komplexität, sprachliche Variabilität und gesellschaftliche Relevanz medialisierter, maschinell erzeugter und mobiler Stimmphänomene umfassend abbildet.
Die Initiative ist in sprach- und diskursorientierten Fächern wie der Linguistik, der Literatur- und Kulturwissenschaft, der Computerlinguistik und der Translationswissenschaft verankert. Gleichzeitig streben wir eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kolleg:innen aus den Sozial-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an – etwa der Theologie, der Musikwissenschaft und der Politikwissenschaft – sowie mit Vertreter:innen der technischen und humanwissenschaftlichen Disziplinen, insbesondere der Informatik, der Medizin und der Psychologie. Ein besonderes Vernetzungspotenzial sehen wir innerhalb der Neuphilologischen und der Philosophischen Fakultät sowie in der Zusammenarbeit mit dem Heidelberg Center for Digital Humanities (HCDH).
3. Team
Prof. Dr. Theresa Heyd (Anglistisches Seminar) theresa.heyd@as.uni-heidelberg.de
Prof. Dr. Daniela Landert (Anglistisches Seminar) daniela.landert@as.uni-heidelberg.de
Salma Mourad (Studentische Hilfskraft: Anglistisches Seminar) salma.mourad@stud.uni-heidelberg.de
4. Aufruf zur Beteiligung
Das Forschungsnetzwerk Digital Voice lädt Wissenschaftler:innen aller Fachrichtungen ein, deren Arbeit sich mit Fragen zu Stimme, Modalität und digitaler Kommunikation befasst. Wenn Sie Interesse haben, Teil des Netzwerks zu werden, Ihre Forschung einzubringen oder über zukünftige Veranstaltungen informiert zu werden, kontaktieren Sie uns gerne unter [theresa.heyd@as.uni-heidelberg.de; daniela.landert@as.uni-heidelberg.de; salma.mourad@stud.uni-heidelberg.de]
5. Aktuelles & Veranstaltungen
Bevorstehende Veranstaltungen
Vernetzungstreffen am 16. Juli 2025 (17–19 Uhr)
Ort: Anglistisches Seminar (Kettengasse 12); Raum 122
Ein Treffen zur Diskussion von Ideen, Kooperationen und zukünftigen Ausrichtungen des Projekts Digital Voice
6. Leseempfehlungen
Samsung’s fridges now recognize family members by voice
SZ-Magazin 22/2025: Total verquasselt. Die Menschen schreiben immer weniger, dafür hören und reden sie mehr. Klingt harmlos – ist aber eine Gefahr für die freie Gesellschaft.
7. Publikation
Heyd, T. (2010). How you guys doin'? Staged orality and emerging plural address in the television series Friends. American Speech, 85(1), 33–66.
Heyd, T. (2021). Tertiary orality? New approaches to spoken CMC. Anglistik, 32(2), 131–147.
Heyd, T., & Pithan, J. (2025). Voices in the linguistic landscape: Anthropomorphization of artifacts and the pronominal construction of speakerhood. Linguistic Landscape.
Jucker, A. H., & Landert, D. (2015). Historical pragmatics and early speech recordings: Diachronic developments in turn-taking and narrative structure in radio talk shows. Journal of Pragmatics, 79, 22–39. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2015.01.010
Landert, D., & Jucker, A. H. (2011). Private and public in mass media communication: From letters to the editor to online commentaries. Journal of Pragmatics, 43(5), 1422–1434. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2010.10.016