Field of Focus III - Geförderte ProjekteePolyGlott

Mehrsprachige historische Lexika mit (kirchen)slavischem Anteil als Kulturerbe in der digitalen Moderne

Projektleitung

Prof. Dr. Irina Podtergera

 

Im Mittelpunkt dieses Pilotprojekts steht die Durchführung von Vorarbeiten für ein mehrsprachiges Wörterbuchportal auf der Basis digitalisierter Handschriften und ihrer in TEI/XML annotierten Transkripte.

In die Datenbank des Wörterbuchportals sollen insbesondere folgende vormodernen Lexika und Florilegien Eingang finden, die in der Mitte oder in der zweiten Hälfte des 17. Jhs. vor dem Hintergrund theologischer Kontroversen bei den Ostslaven verfasst wurden:

  1. Griechisch-(Kirchen)slavisch-Lateinisches Wörterbuch des Epifanij Slavineckij
  2. Lateinisch-Slavisches Calepino-Wörterbuch des Epifanij Slavineckij
  3. Slavisch-Lateinische Version des unter (2) genannten Calepino-Wörterbuchs
  4. Slavisch-Griechisch-Lateinisches Wörterbuch des Fëdor Polikarpov
  5. Lexicon Polono-Slavicum des Simeon Polockij
  6. Griechisches „Philologisches Lexikon“ des Epifanij Slavineckij
  7. Lateinische und polnische Florilegien in Handschriften von Simeon Polockij

Die hier genannten griechisch-(kirchen)slavisch-lateinischen, polnisch-(kirchen)slavischen oder lateinisch-(kirchen)slavischen Lexika sowie Florilegien wurden im Moskauer Staat der vorpetrinischen Zeit für die Korrektur kirchlicher Bücher und für umfangreiche Übersetzungsprojekte herangezogen. Bis heute sind die fraglichen Quellen in der Forschung nur teilweise bekannt. Für die Untersuchung des abendländischen Einflusses in der orthodoxen Slavia und speziell im ostslavischen Sprachraum sind sie jedoch von höchster Relevanz. Sie belegen die Rezeption des abendländischen Wort- und Gedankenguts in der vormodernen Slavia und zeugen von der Vermittlerrolle des Lateinischen im Ausbau der Wortschätze ostslavischer Sprachen in der frühen Neuzeit. Letzteres ist umso wichtiger, als die Bedeutung des Lateinischen in der Herausbildung ostslavischer Schriftsprachen bis heute nicht ausreichend erforscht ist.

Durch die Digitalisierung und die Erschließung der genannten Nachschlagewerke werden verschiedenen Wissenschaftsgebieten (Linguistik, Theologie, Philosophie, Geschichte, Klassische und Neulateinische Philologie, Byzantinistik, Slavistik) neue Primärquellen zur Verfügung gestellt, die der wissenschaftlichen Forschung sowohl in Deutschland als auch weltweit wesentliche Impulse geben können. Ferner kann anhand eines digitalen Korpus nachvollzogen werden, wie sich die Ostslaven westeuropäisches Wortgut zu eigen machten. Die Relevanz des Vorhabens ergibt sich auch aus den in der Forschung immer größeres Interesse findenden eurolinguistischen Studien, die das Slavische allerdings bislang ungenügend berücksichtigen. Insgesamt erlaubt ein annotiertes digitales Korpus auf der Grundlage der erwähnten Nachschlagewerke die Wechselwirkung zwischen dem Abendland und dem kirchenslavischen Kulturkreis in der frühen Neuzeit aus einer neuen Perspektive zu untersuchen. Durch die Entwicklung des beschriebenen Wörterbuchportals wird somit ein signifikanter Fortschritt in der Erforschung der Europäisierungstendenzen in den Wortschätzen der Sprachen der sog. Slavia Orthodoxa gemacht.

Das Ziel des aktuellen Pilotprojekts besteht in erster Linie in der Auswertung der aufzubereitenden Daten und in der Schaffung der Grundlagen für eine technische Infrastruktur, die in einem anschließend geplanten drittmittelgeförderten Vorhaben den effizienten Aufbau eines Wörterbuchportals ermöglichen wird.

 

Kontakt:

irina.podtergera@slav.uni-heidelberg.de

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