Alumni Projektwoche Alumnus Felipe Mejia-Medina im Interview
Bereits seit 2011 beschäftigt sich Heidelberg-Alumnus Felipe Mejia-Medina aus Kolumbien mit dem Thema Digital Health, mittlerweile als Berater mit Schwerpunkt auf dem Bereich KI.
Wir haben ihn zu seinen Erwartungen an die Projektwoche, seinem Forschungsgebiet und seinem Engagement HAI-Netzwerk für Global Health befragt.

Warum wollten Sie an dieser Projektwoche teilnehmen?
Ich arbeite seit 2011 im Bereich Digital Health, wobei ich mich hauptsächlich mit Governance und Politikgestaltung beschäftige. Ich habe auch in der Forschung gearbeitet, aber eher auf der Implementierungsseite. Ich war fast elf Jahre als externer Berater für die Pan American Health Organization (PAHO) tätig, das Regionalbüro der World Health Organization (WHO) in Washington, D.C., was eine großartige Erfahrung war. Ich habe dabei einen guten Einblick in viele verschiedene Bereiche von Digital Health bekommen. Da das Büro für ganz Amerika zuständig ist, ist es eher im Bereich Global Digital Health angesiedelt, und das hat mich fasziniert und mein Interesse daran geweckt. Dann bin ich auf das Thema Künstliche Intelligent (KI) gestoßen, und genau das mache ich jetzt: 2023 habe ich meine eigene Beratungsfirma gegründet, in der wir zu den Themen KI-Governance, KI-Ethik und Kapazitätsaufbau für verschiedene Regierungen und Institutionen arbeiten. Diese Projektwoche war also einfach wie für mich gemacht, so dass ich mich beworben habe – und glücklicherweise wurde ich angenommen.
Leider konnte ich wegen eines familiären Trauerfalls am ersten Teil in Köln größtenteils nicht teilnehmen, aber ich wollte trotzdem dabei sein, um ein wenig von meinen eigenen Erfahrungen zu teilen. Denn ich beschäftige mich mit dem Einsatz von KI zur Bewältigung von Einsamkeit, insbesondere bei Männern – und jetzt bin ich quasi selbst zum Gegenstand meiner eigenen Forschung geworden, weil ich nun mit denselben Problemen zu kämpfen habe, so dass es mir sinnvoll erschien, hierher zu kommen und meine Geschichte zu erzählen. Ursprünglich ging es nur um den Forschungsaspekt, aber dann wollte ich auch zeigen, dass meine Forschung tatsächlich funktioniert. Oft scheint es bei diesen Treffen von Forscher:innen so, als hätten sie kein Leben, da sie nur Wissen, Strukturen und Methoden austauschen. Aber wir sind alle Menschen, die bestimmte Momente durchleben, und wir können auch die Nutzer:innen unserer eigenen Forschung sein.
Was erwarten Sie sich von dieser Projektwoche für Ihre Arbeit?
Ich nehme in der Regel jährlich an mehreren Workshops teil und habe im Laufe der Jahre gelernt, wie wichtig Networking und externe Sichtweisen auf alles sind, was man in der Forschung und im Leben tut. Denn wenn jemand von außen auf das blickt, was man tut, sieht diese Person Dinge, die man selbst nicht mehr wahrnimmt. Und wenn es wie bei mir um KI-Governance, Ethik und psychische Gesundheit geht, braucht man wirklich interdisziplinäre Teams – bei dieser Projektwoche findet man genau so ein interdisziplinäres Team aus erstaunlichen Menschen, die Unglaubliches leisten. Deswegen versuche ich bei solchen Veranstaltungen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam ein Projekt aufzubauen, über den Workshop hinaus.
Sie haben ein interessantes Forschungsthema – männliche Einsamkeit. Wie sind Sie darauf gekommen?
Heutzutage ist das ein sehr wichtiges Thema. Ich glaube, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem auch diejenigen, die scheinbar die Macht haben, Fürsorge und Aufmerksamkeit brauchen. Von meiner Mutter, die eines meiner ersten Vorbilder beim Thema Feminismus war, und von meinen Freundinnen habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich zu Wort zu melden und zusammenzuhalten, und als LGBTQ+-Person weiß ich auch aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine Gemeinschaft ist, in der man sich gegenseitig unterstützt. Aber gerade, weil Männer Macht innehaben – auch wenn es immer nur eine Minderheit der Männer ist –, haben sie das Gefühl für Gemeinschaft verloren. Aber wir brauchen Gemeinschaft. Wenn wir also eine gute Gesellschaft wollen, von der alle profitieren, müssen wir auch alle miteinbeziehen, Männer wie Frauen. Frauen haben auch Söhne, Väter und Brüder, und das Gleiche gilt für Männer -– wir alle müssen also einen Weg finden, uns gegenseitig zu unterstützen. Aber wir müssen auch die Unterschiede erkennen, damit die Maßnahmen auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind. So wie wir gelernt haben, wie wichtig es ist, Maßnahmen für Mädchen und Frauen zu entwickeln, so müssen wir auch Maßnahmen entwickeln, die speziell auf Jungen und Männer zugeschnitten sind.
Sie engagieren sich im HAI-Netzwerk für Global Health – warum ist Ihnen dieses Engagement wichtig?
Ja, ich leite bereits seit fast zehn Jahren die Fachgruppe Alumni Global Health. Ich engagiere mich auch für andere Global-Health-Netzwerke, beispielweise beim Stipendienwerk KAAD, dem Katholischen Akademischen Ausländer-Dienst. Und vor kurzem haben wir auch ein Netzwerk für Lateinamerika ins Leben gerufen, im Rahmen eines schönen Projekts für internationale Kooperationsteams bei der PAHO. Wir haben jetzt die Technologie für diese Art von Kontakt und Austausch, aber wir brauchen diese Art der Zusammenarbeit auch. Ohne Menschen, die zusammen an einer Idee arbeiten, ist es schwierig, funktionierende und nachhaltige Lösungen zu finden. Aber die Perspektive des Globalen Südens wurde langer vergessen – die Ideen kamen aus dem Globalen Norden, wo Maßnahmen ergriffen wurden, ohne uns zu fragen, ohne unser Wissen zu nutzen. Und wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir diese Netzwerke wirklich aufbauen müssen, damit jeder davon profitieren kann. Das ist im Grunde genommen der Grund für mein Engagement.
Ich arbeite wirklich sehr gerne am Aufbau von Netzwerken mit, und ich habe dabei viel aus den scheinbaren Unterschieden gelernt. Wir sagen immer, dass der Kontext wichtig ist, und das ist er auch definitiv – aber je mehr man mit Menschen zusammenarbeitet, desto mehr wird einem bewusst, wie ähnlich sich die Menschen sind. Die Grundlagen sind immer dieselben – wir suchen alle nach derselben Art von Dingen. Das drückt sich je nach Kultur vielleicht unterschiedlich aus, aber letztendlich ist es gar nicht so unterschiedlich.
Gefördert von
Die Förderung der Veranstaltung erfolgte durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).



