RAN Newsletter 02/2025 Neuer Ansprechpartner: Nachwuchsforscher:innen aufgepasst!
Das Mentoring-Programm von Heidelberg Alumni International bietet Studierenden und Nachwuchswissenschaftler:innen die Chance, von erfahrenen Persönlichkeiten zu lernen. Seit Kurzem ist der Mediziner und Krebsforscher Dr. Berk Aykut Teil des Mentor:innen-Teams. Mit seiner Expertise aus Forschung und klinischer Praxis möchte er insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Studierenden zur Seite stehen, die in ihrer akademischen Ausbildung bereits weit fortgeschritten sind.
Berk Aykut studierte von 2007 bis 2014 Humanmedizin an der Universität Heidelberg. 2015 wurde er am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) promoviert und begann seine klinische Ausbildung in der Chirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. 2016 ging er als Postdoktorand an die New York University in den USA, wo er sich intensiv mit der Rolle des Mikrobioms bei Bauchspeicheldrüsenkrebs befasste. Im Jahr 2021 wechselte er als „Surgeon-Scientist“ an die Duke University im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina. Hier arbeitet er als Assistenzarzt in der Chirurgie sowie als Forscher insbesondere im Bereich Transplantationsmedizin und Mikrobiomforschung.

Herr Aykut, mit ihren 35 Jahren haben Sie eine beeindruckende Karriere in der Forschung und der klinischen Medizin vorzuweisen. Seit einigen Monaten bringen Sie sich aktiv als Mentor bei Heidelberg Alumni International ein. Was hat Sie dazu motiviert, sich hier zu engagieren?
Ich erinnere mich noch gut an den Examensball, an dem wir gemeinsam den Hippokratischen Eid ablegten. Obwohl dies auf den ersten Blick wie ein Ritual oder eine veraltete Tradition erscheinen mag, trägt dieses Gelöbnis doch zeitlose Werte in sich, die uns auch heute noch als Ärztinnen und Ärzte leiten. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Eids ist die Verpflichtung, das erworbene Wissen an Kolleginnen und Kollegen sowie an Studierende kommender Generationen weiterzugeben. Ich profitiere noch heute von dem Wissensschatz, der mir während meines Studiums in Heidelberg vermittelt wurde. Darüber hinaus hatte ich das Privileg, Professoren und Mentoren an meiner Seite zu wissen, die mir als Vorbilder dienten und mich gleichermaßen forderten und förderten. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen haben meinen beruflichen Weg maßgeblich geprägt. Diesen Mentoren möchte ich meine Dankbarkeit erweisen, indem ich Studierenden bei ihrer Karriereplanung zur Seite stehe – so wie es mir damals zuteilwurde.
Welche Erfahrungen aus Ihrer eigenen Studien- und Promotionszeit an der Universität Heidelberg prägen Ihre Arbeit als Mentor?
Meine Studienzeit in Heidelberg hat maßgeblich mein heutiges Verständnis der akademischen Medizin geprägt. Meine Mentoren haben mir die wesentlichen Prinzipien akademischer Medizin vorgelebt: Exzellente medizinische Versorgung zu gewährleisten, medizinischen Fortschritt durch Forschung und Innovation mitzugestalten und Studierende zu inspirieren. Trotz der spannenden Perspektiven, die eine Karriere in der akademischen Medizin bietet, verliert diese zunehmend an Attraktivität. Ich möchte die Leidenschaft und Begeisterung für die akademische Medizin, die ich während meines Studiums in Heidelberg entwickelt habe, weitergeben und jungen Kolleginnen und Kollegen als Mentor zur Seite stehen.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Nachwuchswissenschaftler:innen heute?
Aus meiner Sicht gehört es zu den größten Herausforderungen, die eigene wissenschaftliche Nische zu finden – also ein Themengebiet, in dem man fachlich wachsen und sich weiterentwickeln kann und das zugleich Raum für eine langfristige, nachhaltige Positionierung bietet. Zugleich verlangen Fördergeber und Forschungseinrichtungen häufig ein klar umrissenes Profil, sodass man sich frühzeitig auf bestimmte Schwerpunkte festlegen muss. Dieser Balanceakt zwischen persönlicher Neugier, gesellschaftlicher Relevanz und Realisierbarkeit macht die Orientierung oft schwierig. Umso wichtiger ist es, die eigenen Stärken auf ein Thema auszurichten, das genügend Raum für Neues lässt und in dem man nachhaltig ein unverwechselbares Profil entwickeln kann.
Was war für Sie der entscheidende Moment, sich für eine Laufbahn als „Surgeon-Scientist“ zu entscheiden?
Einen einzigen Schlüsselmoment gab es für mich nicht; vielmehr hat sich meine Entscheidung im Verlauf des Medizinstudiums allmählich herausgebildet. Mein frühes Interesse an der Chirurgie wurde durch Hospitationen am Europäischen Pankreaszentrum der Chirurgischen Klinik in Heidelberg vertieft. Dabei wurde mir zunehmend klar, dass echter Fortschritt in der Chirurgie nicht allein am OP-Tisch entsteht, sondern auch im Labor. Die Arbeit mit Zellkulturen und Tiermodellen liefert wichtige Erkenntnisse, die helfen, Operationen präziser, schonender und effizienter zu gestalten und langfristig Kosten zu sparen. Mit dem Einblick in die experimentelle Forschung wurde mir klar, dass klinisches Können und wissenschaftliche Neugier demselben Ziel dienen: die Qualität der Patientenversorgung kontinuierlich zu verbessern. Diese Einsicht war für mich entscheidend und führte mich schlussendlich dazu, dass ich den Weg des „Surgeon-Scientist“ als logische Folge meiner bisherigen Erfahrungen gewählt habe.
Welche Fehler würden Sie aus heutiger Sicht vermeiden – und welche waren vielleicht sogar hilfreich?
Rückblickend war es ein Fehler, in meiner Anfangszeit als Nachwuchswissenschaftler zu versuchen, jede Publikation als bahnbrechend darzustellen. Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, dass wissenschaftlicher Fortschritt meist schrittweise erfolgt und nicht jede Arbeit zu spektakulären Ergebnissen führt. Manche Projekte führen zu Artikeln in renommierten Fachzeitschriften, andere hingegen sind kleinere, aber nicht minder wichtige Beiträge in spezialisierten Zeitschriften. Heute halte ich es für entscheidend, den wissenschaftlichen Prozess mit Konstanz fortzuführen und damit stetig zur Weiterentwicklung des Fachs beizutragen. Jeder Beitrag zählt, solange er fundierte Erkenntnisse liefert und dem Fachgebiet dient. Geduld und konsequentes Engagement erweisen sich schließlich als wertvoller als der ständige Drang nach bahnbrechenden Ergebnissen.
Welche Kompetenzen sind für eine erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn besonders wichtig?
Einen großen Anteil am Erfolg in der Wissenschaft haben nicht nur Fachkompetenz und Forschergeist, sondern vor allem Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke: Die wissenschaftliche Laufbahn ist weniger ein einsamer Wettlauf, sondern ein Formel-1-Rennen, bei dem ein talentierter Fahrer ohne eine eingespielte Crew beim Boxenstopp kaum vorankommt. Kollegen, die mitdenken, Verantwortung teilen und konstruktiv unterstützen, sind ebenso unverzichtbar wie interdisziplinäre Partner, die neue Perspektiven und Impulse einbringen. Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht im Zusammenspiel wechselseitiger Unterstützung und nicht in Einzelleistungen. Ein stabiles persönliches Umfeld – Freunde, Familie und Mentoren– fungiert dabei wie das sichere Fahrerlager, das Rückhalt und Ausgleich gewährt. Die entscheidenden Kompetenzen liegen deshalb im Aufbau und der Pflege dieser Beziehungen, in konstruktiver Kommunikation und in der Offenheit für Anregungen von allen Seiten.
Wie gehen Sie mit Rückschlägen oder Misserfolgen im Forschungsalltag um?
Rückschläge sind ein integrierter Bestandteil des Forschungsalltags – gescheiterte Experimente, abgelehnte Publikationen oder nicht bewilligte Anträge zählen zur Normalität im wissenschaftlichen Leben. Daher ist es wichtig, eine Haltung der Beharrlichkeit und Lernbereitschaft einzunehmen: Anstatt entmutigt zu sein, versuche ich jeden Misserfolg als Anlass zu nehmen, die Gründe für das Scheitern zu analysieren. Auf dieser Basis überarbeite ich Methoden oder Hypothesen und entwickle alternative Ansätze. Forschung lebt schließlich von Iteration und Anpassung; ein konstruktiver Umgang mit Unsicherheit und die Flexibilität, aus negativen Ergebnissen Impulse für den nächsten Schritt zu gewinnen, gehören ebenso dazu. Es ist notwendig, Misserfolge als Lernchancen zu begreifen, die den wissenschaftlichen Prozess voranbringen, statt sie als persönliche Niederlage zu empfinden.
Gibt es Mentor:innen oder Vorbilder, die Sie besonders geprägt haben?
Im zweiten Fachsemester meines Medizinstudiums arbeitete ich in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thilo Welsch, der damals als Assistenzarzt an der Chirurgischen Klinik tätig war. Prof. Welsch vermittelte mir Wissen, ermutigte mich stets und stellte mich zugleich vor anspruchsvolle Aufgaben. Er verkörperte für mich das Ideal des „Surgeon-Scientist“: mit Einfühlungsvermögen seine Patienten zu versorgen, unermüdlich daran zu arbeiteten, die Fähigkeiten als sicherer und kompetenter Chirurg weiterzuentwickeln, und durch Grundlagenforschung und translationale Forschungsprojekte zum Fortschritt des Fachgebiets beizutragen. Prof. Welsch beeindruckte mich gleichermaßen als Mensch und als „Surgeon-Scientist“ und ist bis heute mein wichtigstes Vorbild. Ich kann mit Recht sagen, dass jeder meiner bisherigen Erfolge in der einen oder anderen Form durch seine Unterstützung geprägt wurde. Dafür werde ich ihm stets dankbar sein.
Was können Nachwuchswissenschaftler:innen von Ihnen als Mentor konkret erwarten?
Durch meine Erfahrungen in Deutschland und den USA habe ich Einblick in unterschiedliche akademische Kulturen gewonnen, was mein Verständnis von Mentoring prägt. Im Zentrum steht für mich ein individuell zugeschnittenes, stärken- und interessensorientiertes Mentoring. Ich verstehe meine Aufgabe darin, Nachwuchswissenschaftler:innen durch Beratung und konstruktives Feedback zu unterstützen, damit sie ihre Potenziale erkennen und gezielt weiterentwickeln können. Mein übergeordnetes Ziel ist es, sie zu befähigen, langfristig tragfähige und nachhaltige wissenschaftliche Laufbahnen zu gestalten.
Wenn Sie auf Ihre eigene akademische und berufliche Laufbahn zurückblicken: Was möchten Sie jungen Wissenschaftler:innen mit auf den Weg geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
Ich würde jungen Wissenschaftler:innen mit auf den Weg geben, sich stets von Neugier leiten zu lassen. Ebenso unerlässlich ist Ausdauer: Es kommt darauf an, aus Fehlern zu lernen und hartnäckig weiterzumachen. Schließlich gehört auch Mut dazu, neue Wege zu beschreiten – etablierte Pfade genügen oft nicht, um wirklich Neues zu entdecken. Diese Mischung aus Wissbegierde, Beharrlichkeit und Lernbereitschaft bildet das Fundament einer erfolgreichen wissenschaftlichen Laufbahn.