Bereichsbild
Konzerte

Camerata Carolina

1+1=1: Doppelchörige Motetten von Schütz bis zur Moderne

  • Freitag, 23. Juli 2021, 20 Uhr, Universitätskirche St. Peter
  • Samstag, 24. Juli 2021, 20 Uhr, Universitätskirche St. Peter

 

Capella Carolina

J. Haydn: Die Schöpfung

  • Freitag, 8. Oktober 2021, 20 Uhr, Mannheim, St. Bonifatius
  • Samstag, 9. Oktober 2021, 20 Uhr, Heidelberg, Universitätskirche St. Peter
  • Sonntag, 10. Oktober 2021, 17 Uhr, Heidelberg, Universitätskirche St. Peter

 

Allgemeine Infos & VVK

 
Vorsingtermine

Capella Carolina

Vorsingen nach Voranmeldung. Meldet euch dazu bitte beim Chorleiter (Kontakt).

 

Camerata Carolina

Einzelvorsingen nach Vereinbarung. Anmeldung telefonisch oder per Mail beim Chorleiter erforderlich.

 
Proben

Capella Carolina

Donnerstags 19:30-22 Uhr, Großer Hörsaal der Chemie, INF 252


Camerata Carolina

Dienstags 19:30-22 Uhr, Großer Hörsaal der Chemie, INF 252

 

Probenbeginn WiSe 2020/21

  • Capella: 2.9.2021
    J. Haydn: Die Schöpfung

  • Camerata: 31.8.2021        Doppelchörige Motetten von Schütz, Bach, Mendelssohn, Reger, Chorwerke von Dvořák

 

 
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Camerata
Musikhistorisches
Capella

Camerata Carolina

KatzensymphonieLiebe Freunde der Camerata Carolina, trotz der Kontakt-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona Pandemie probt die Camerata Carolina virtuell weiter. Einmal die Woche treffen wir uns online, sprechen gemeinsam die Musikstücke für unsere nächsten Konzerte durch und können so weiterhin die Chor-Gemeinschaft erleben, die uns so viel Freude bereitet. Anschließend nimmt jede Sängerin und jeder Sänger die eigene Stimme auf und schickt die Datei an unseren Dirigenten Franz, der dann den fleißigen Cameraten telefonisch ein Feedback gibt. Mit diesem Blog wollen wir Ihnen / Euch einen Einblick in unsere Probenarbeit geben. Geschrieben ist der Blog aus Sicht von Franz Wassermanns Katzen Trixi und Sissi.

Unter Kontakt ist auch angegeben, wie Mann oder Frau sich bei Neigung und Fähigkeit zum Singen anspruchsvoller Werke mit dem Dirigenten in Verbindung setzen kann.

 

27. April 2021

Heute haben wir etwas über Resonanzräume des Körpers gelernt – subglottal und supraglottal – oder war es Glottertal? Dort habe ich nämlich schon in den 80er Jahren in der schönen Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ meine Gesangskünste zum Besten gegeben. Das dies in der Probe unerwähnt blieb, war zu erwarten. Der Herr Musikdirektor ist ja auch nicht Professor Brinkmann. Geprobt wurde dann auch noch, nämlich „Hail, gladdening light“ von Charles Wood. Ihre Sissi.

20. April 2021

In der heutigen Probe wurde von unserem Historiker über Homilius referiert. Ich fasse mal zusammen, was ich mir gemerkt habe: 1735 hat er die Schule abgeschlossen und war dann in der Nicolaikirche in Leipzig tätig von wo aus er 1989 die Friedensgebete geleitet hat – oder so ähnlich. 1742 wurde er an die Dresdner Frauenkirche berufen. Dann wurde noch auf die zeitlich Überlappung mit einem Grafen von Brühl hingewiesen, was mich hellhörig werden ließ: Ein Graf von Brüll - das wäre doch ein geeigneter Sänger für unseren Chor, wenn ich ihn zusammenstellen dürfte. Aber ich darf ja leider nicht. Schade eigentlich. Ihre Sissi.

13. April 2021

In der heutigen Probe wurden Bach und Homilius verglichen. Besser gesagt, wurde festgestellt, dass man sie nicht vergleichen sollte, weil ihre Musik anderen Zwecken diente – so, wie man ja auch nicht einen Kombi mit einem Sportwagen vergleicht. Je nach Anlass nutzt man das eine oder andere Gefährt. Ob jetzt Bach oder Homilius der Sportwagen ist, bleibt dem geneigten Leser selbst überlassen. Ihre Sissi.

6. April 2021

Heute ein Referat über Mozarts „Venite Populi“. Wie der referierende Mediziner den Vortrag auf die verschiedenen Schleimhäute des menschlichen Körpers lenkte bleibt das Geheimnis der Zuhörerschaft und des Vortragenden. Jedenfalls war es ein sehr lustiger weil leicht obskurer Vortrag. Ansonsten wurde natürlich auch Mozarts Stück geprobt. Das miaut sich doch ganz flüssig. Viele Grüße, Ihre Sissi.

30. März 2021

Wieder einmal Stimmtechnikübungen. Jeder Mensch sollte alle Vokale in der selben Mundstellung zu singen in der Lage sein. Und was ist mit der Katze? I, A und U gehen ja ganz gut, aber bei E und O habe ich so meine Probleme. Typisch, dass wieder keiner an die mitsingende Katze denkt. Die zweite Übung, das „apporgiare in petto“ – sich in die Brust lehnen – klappt bei mir jedoch hervorragend. Da denke ich einfach an meine Venedigreisen und meine dortigen Aufführungen, und schon schwillt mir die Brust. Bis zur nächsten Probe, Ihre Sissi.

23. März 2021

Heute der große Skandal in der Probe: Da behauptet der Herr Musikdirektor doch tatsächlich, ich würde die Probe verschlafen. Ich, die ich schon in der Grande Chartreuse, im Teatro La Fenice und im Musical "Cats" miaute, kann es mir ja wohl erlauben, die Dehn- und Gähnübungen zu Beginn der Probe auszulassen. Diese Übungen mache ich ja sowieso den ganzen Tag. In entspannter Haltung und mit geschlossenen Augen durfte ich dann noch einem sehr gelungenen Referat zu Bachs „Singet dem Herrn ein neues Lied“ lauschen. Außerdem wurde das Pater Noster von Bernhard Klein geprobt. Ihre Sissi.

16. März 2021

Heute haben wir sehr interessante Vorträge einiger Mitsänger zu Heinrich Schütz und zu dem beprobten Werk „Herr, wenn ich nur Dich habe“ gehört. Besonders interessiert haben mich die Ausführungen über die venezianische Mehrchörigkeit und tatsächlich kann ich von meiner letzten Venedigreise bestätigen, dass dort eine herrliche mehrstimmige Katzenmusik gepflegt wird. Abends kurz vor Sonnenuntergang miaut dort jede Katze wie sie möchte. Ganz vortrefflich, und wie ich das schon mehrfach in diesem Blog betont habe, schwebt mir eine ähnliche Ausrichtung auch für diesen Chor vor. Ich fürchte nur, dass der Herr Dirigent das mal wieder anders sieht. Viele Grüße und bis zur nächsten Probe, Ihre Sissi.

9. März 2021

Apropos Sport: Handelte unser letzter Blog von den richtigen Getränken, so habe ich bisher unerwähnt gelassen, dass wir natürlich vor jeder Probe auch ausgiebige Dehnübungen veranstalten. Schultern rollen, sich dehnen und strecken und auch ausgiebiges Gähnen darf nicht zu kurz kommen. Das Räkeln, Strecken und Gähnen kommt mir sehr zupass. Insofern freue ich mich immer wieder auf jede neue Probe. Bis zum nächsten Mal, Ihre Sissi.

2. März 2021

Wie es sich für Profisportler gehört (und das sind wir Singenden schließlich) wurde im heutigen Training – Verzeihung: Probe – über die richtige Ernährung gesprochen, genauer gesagt über die richtigen Getränke vor einem Konzert oder einer Probe. Vieles ist verboten: Schnaps trocknet die Stimmlippen aus und Kaltgetränke sind auch ungeeignet, womit ein kühlendes Bier oder kühler Weißwein auch wegfällt. Somit kamen wir zu dem Schluss, dass lauwarmer Rotwein eines der wenigen geeigneten Getränke zum Verzehr vor dem Auftritt ist. Das Gerücht, dass ein verquirltes Ei im Rotwein der Stimme helfen soll, wurde jedoch ins Reich der Märchen verwiesen. Ich persönlich bevorzuge vor lautem Miauen eine lauwarme Milch. Na denn Prost. Ihre Sissi.

23. Februar 2021

Heute wieder Technikübungen für ein federndes Zwerchfell. Federn und Fell kann ich ja gar nicht leiden, die stören mich immer beim Essen und auch die heutige Übung war so gar nicht für eine Katze geeignet. Man sollte sich vorstellen, dass man einen Tennisball auf dem Boden springen lässt und in Wiederholungen hopp, hopp, hopp rufen - allerdings ohne den Laut „h“. Als ob ich als Katze Tennis spielen würde. Ich spiele lieber mit Vögeln und Mäusen. Damit habe ich dann auch meines Erachtens 2/3 der Übung - nämlich Federn und Fell - gemeistert. Nur der, die oder das Zwerch müsste von mir noch bearbeitet werden. Da werde ich mich gleich mal auf die Suche danach machen. Viele Grüße, Ihre Sissi.

16. Februar 2021

Heute war Fasching oder Karneval, und da waren doch einige der Sängerinnen und Sänger tatsächlich vor ihren Kameras verkleidet. Ein Flamingo war da, ein Schwein, Obelix, eine Erdbeere, ein Döner, zwei mal Axel und eine Hexe. Ich selbst brauchte mich nicht zu verkleiden. Als Katze kommt man auf jeder Kostümparty gut an. Passend einerseits zum venezianischen Karneval und andererseits zu Corona die heutige Technikübung, den Gesang in die Maske - nella maschera - zu setzen. Diese Gesangstechnik soll einen besonders schönen und runden Chorklang erzeugen. Ich bin schon gespannt, wenn der Chor zum ersten Mal wieder zusammen kommen kann und ich diesen Klang dann live erleben darf. Viele Grüße, Ihre Sissi.

9. Februar 2021

Heute wurde die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Bach geprobt. Dazu wurden gefühlte 30 Mal die Aufnahmen der Camerata und eines Berliner Ensembles abgespielt und unsere Chorsänger konnten dazu mitsingen. Aufgrund des Versatzes durch das Internet geht das natürlich nur stumm geschaltet und man kann sich gegenseitig nicht hören. Obwohl die Aufnahmen vielfach gelobt wurden, sind sie meiner Meinung nach vollkommen unzulänglich. Es handelt sich ja um eine mehrstimmige Motette und auf den Aufnahmen sind maximal 8 verschiedene Stimmen zu hören, manchmal auch nur 4 oder 3. Und das bei einer Chorstärke von mindestens 20 Leuten. Da hätte man doch viel mehr draus machen können, wenn jeder seine eigenen Töne und diese auch möglichst laut hätte anklingen lassen. Nun ja, wenn die reale Probenarbeit wieder los geht, werde ich zumindest eine neunte Stimme hinein miauen können. Das werde ich gleich mal proben. Ihre Sissi.

2. Februar 2021

In der heutigen Probe wurden wieder viele Technik- und Atemübungen durchgeführt. Es ging um die Entspannung des Kehlkopfes bei der Einatmung und die Übung war so gestaltet, dass Mensch und Katze sich an den Kehlkopf fassen sollten um die Veränderung der Kehlkopfstellung beim Singen und Einatmen zu fühlen. Originalton des Herrn Musikdirektors: „Den Kehlkopf ins Körbchen fallen lassen“. Also sowas, ich lasse doch als Katze nicht meinen Kehlkopf ins Körbchen fallen, sondern lieber mich selbst. Das werde ich nach dieser anstrengenden Probe nun auch tun und wünsche einen entspannten Abend. Ihre Sissi.

26. Januar 2021

Heute haben wir die Motette „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ von Max Reger geprobt und darüber hinaus auch viel über Max Reger erfahren, zum Beispiel auch über seine Ess- und Trinkgewohnheiten. Und über Schnitzel-Flatrates bei Venedig-Konzertreisen. Der geneigte Musikhistoriker mag hier einen Zusammenhang erkennen. Auf jeden Fall forderte der Dirigent den Chor auf, den a-moll Akkord zu Beginn des Stückes rein und schwebend zu intonieren. Wieder einmal bin ich gegenteiliger Meinung, denn nach dem Verzehr von 5 Schnitzeln kann man doch nicht schwebende Töne einfordern von Sängern mit blei- bzw. schnitzelschweren Bäuchen! Ich werde wohl noch einige Diskussionen mit dem Herrn Musikdirektor über die Interpretation der Stücke führen müssen. Das gehe ich gleich mal an. Bis zur nächsten Woche, Ihre Sissi.

19. Januar 2021

Heute lernten wir, dass bei den Motetten die Bässe sich lautstärketechnisch oftmals bemühen, alle anderen Stimmen zu Statisten zu machen. Bei der Camerata sollte dies jedoch nicht vorkommen, weshalb ein weiches piano geübt wurde. Meines Erachtens vollkommen unnötig, denn wenn die Live-Proben und -Konzerte wieder starten, dann werde ich ja höchstpersönlich den Sopran unterstützen und mit meiner durchdringenden Stimme dort für ein sattes fortissimo sorgen. Das sollte als Gegengewicht für die Bässe ausreichen. Tenor und Alt müssen dann einfach in ein gepflegtes Brüllen überwechseln, um nicht komplett unterzugehen und dann haben wir eine richtig schöne Katzenmusik. Ich fürchte nur, dass unser Dirigent und ich andere Vorstellungen der Interpretation einer Motette haben. Schade, aber bei der nächsten Probe werde ich ihn mit einem besonders lauten Miauen von meinen Vorstellungen zu überzeugen versuchen. Bis dahin übe ich weiter, Ihre Sissi.

12. Januar 2021

Ich habe mich nun eine Woche lang auf die Johannespassion vorbereitet, indem ich die Bauchdecke möglichst oft nach außen habe fallen lassen. Und stellen Sie sich vor: Meine ganze Vorbereitung wurde nicht gewürdigt und war sogar umsonst, denn leider werden wir dieses Jahr die Johannespassion aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht aufführen können. Wie schade. Aber für Ersatzprogramm ist gesorgt: Zunächst dachte ich dass ein tierisches Programm über Motten und Würmer geprobt werden sollte. Beide Tierchen kann ich übrigens als kleinen Zwischensnack durchaus empfehlen. Im Laufe der Probe erkannte ich jedoch, dass der Chorleiter keinen stotternden Sprachfehler ausgebildet hat, sondern dass es sich bei den neuen Stücken nicht um Motten, sondern um Motetten handelt und zwar von Bach, Mozart, Mendelssohn und Reger. Und ein Textbaustein lautet: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch“. Aha. Da kann ich nur sagen: Ich aber bin eine Katze und kein Wurm und fange mir jetzt erstmal eine Motette - Verzeihung, Motte. Bis zur nächsten Probe, Ihre Sissi.

5. Januar 2021

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist Sissi und ich bin die neue Chorkatze der Camerata Carolina nachdem meine Vorgängerin verschieden ist. Ich entspringe dem Geschlecht der Kartäuserkatzen und bin direkt aus Grande Chartreuse entsandt worden, um die Berichterstattung über das Online-Probengeschehen der Camerata Carolina wieder aufzunehmen. 
Viel Wert wird in diesem Chor offensichtlich auf die technischen Übungen gelegt. Einige Übungen kann ich aus anatomischen Gründen nicht mitmachen, aber was mir besonders zusagt sind die Gähn-Übungen zur Kieferöffnung und der Tipp, die Bauchdecke beim Einatmen nach außen fallen zu lassen - Plopp. Letzteres mache ich auch gerne nach dem Essen. Heute wurde die Johannes-Passion geübt. Die 16tel Stafetten über einen Mantel der nicht zerteilt werden soll sind dermaßen flott, dass mir ganz schwindlig wird. So schnell kann man doch nicht mit-miauen. Da muss ich mich erst einmal ausruhen und verbleibe mit hochachtungsvollen Grüßen, Ihre Sissi.

30. Juni 2020

Heute ist die letzte Online-Probe, denn die Cameraten bekommen die großzügige Möglichkeit im Vortragssaal von MLP mit großem Sicherheitsabstand ihre Präsenzproben wieder zu starten. Mit Faceshield, Masken, Hygienekonzept und allem was dazugehört. Ich bin beeindruckt, was da auf die Beine gestellt wurde. Die Online-Proben werde ich vermissen, denn manchmal war der Chor schon dicht dran an der Perfektion der Katzenmusik. Dann konnte ich wunderbar mit einstimmen. Andererseits liegen ganz offenbar Franz' und meine Vorstellungen von einem guten Chorklang weit auseinander. Insofern werde ich den Präsenzproben fern und in meinen Gefilden bleiben, wenn sich der Chorklang immer weiter vom Ideal der Katzenmusik entfernen wird. Ich übernehme dann lieber zu Hause den Sologesang. Damit endet auch meine Berichterstattung von den Online-Proben mit einem kräftigen Solo-Miaaau. Eure Trixi.

23. Juni 2020

Camerata Online-ProbeHeute ist mein großer Auftritt! Es soll ein Foto von der Web-Konferenz gemacht werden, und ich soll als Katze des Dirigenten mit auf’s Bild. Den ganzen Tag bin ich an der Fellpflege, denn ich stelle mir das ja vor, wie in einem James Bond Film. Die Organisation – oder war es der Chor? – trifft sich per Videoschalte und ich auf dem Schoß von Nummer 1: Blofeld - äh Franz. Anwesend sind auch Nummer 2, 3, 4 (wie der aufmerksame Leser weiß, endet hier mein Zahlenraum) und viele weitere Mitglieder, z. B. der Beißer, den ich schon immer mal kennen lernen wollte oder Lotte Lenya aus dem Film Liebesgrüße aus Moskau. Blofeld sagt mit leicht näselnder Stimme: „Nummer 3, Sie haben die Ihnen aufgetragene Aufgabe nicht richtig erfüllt. In Takt soundso wurde das Gis 2 Hertz zu hoch intoniert“. Um die Drohkulisse weiter aufzubauen, werde ich mit einem rohen Filetstück gefüttert… Nun ja, zurück in der Realität wurden die Allmachtsfantasien einer Katze dann doch nicht erfüllt und es wurde wieder eine sehr harmonische und lustige Chorprobe. Seht selbst, wie das Bild geworden ist. Kein Filetstück, aber eine ordentliche Portion Futter gab’s dann auch noch als Belohnung. Mit lieben Grüßen aus Wiesloch, Eure Trixi.

16. Juni 2020

Heute wurde zunächst besprochen in welcher Chorstärke möglicherweise demnächst wieder geprobt werden kann und darf. Dazu bedarf es höherer Mathematik, sage ich euch - Ob Quartett, Doppelquartett, 2 Doppelquartette – ich komme rechnerisch nicht mehr mit, da mein erweiterter Zahlenraum nur bis 4 geht. Reicht auch vollkommen aus, um im 4/4 Takt mit zu miauen. Darüber hinaus wurde natürlich auch geprobt: Das Benediktus aus Dvoraks Messe und Molitva von Franjo Dugan. Ich gehe jetzt erstmal ein Quartett Mäuse fangen und verbleibe mit vielen Grüßen. Eure Trixi.

9. Juni 2020

Heute wurden die Einsendungen der Chormitglieder zum Sanctus aus Dvoraks Messe und zum Mjesecina von Blagoje Bersa besprochen. Letzteres wurde als ausgesprochen haariges Stück beschrieben, was ich als Katze nur gutheißen kann. Besonders haarig scheint das morendo von ppp zu ppppp zu sein. Lasst euch mal überraschen, wie die Sängerinnen und Sänger das hinbekommen werden. Als neues Werk kam heute Zyczenie – Mädchens Wunsch – mit einer Melodie von Frédéric Chopin hinzu, wobei da besonders gut auf die verrückten Rubati des Dirigenten – oder waren es die Rubati des verrückten Dirigenten? – geachtet werden soll. Na, da müssen der polnische Text und die Melodie aber sitzen. Ich verabschiede mich für heute in der Universalsprache der Katzen mit einem einfachen Miau. Eure Trixi.

2. Juni 2020

In der heutigen Probe werden zum ersten Mal Gesangsübungen gemacht. Franz singt vor, die Chormitglieder singen (ohne Mikro) nach. Unter anderem drehen sich die Übungen um den Vokalausgleich von A zu U. Mehrere Dinge sind mir nicht ganz klar: Was die Wohnungsnachbarn der SängerInnen zu deren Vokalausgleich sagen, wie Franz allein vom Zuschauen den Vokalausgleich beurteilen kann und welchen tieferen Sinn die Übung überhaupt hat. Nachdem Franz die richtige Mundstellung erläutert und später zum Sanctus (na, welche Vokale tauchen da wohl besonders häufig auf?) aus Dvoraks D-Dur Messe überleitet, klären sich immerhin die beiden letzteren Punkte. Ich singe fleißig mit, wobei ich als Katze beim Vokalausgleich von A nach U von Natur aus natürlich Vorteile genieße. Gelobt werde ich dennoch nicht.  

Über das Singen hinaus lerne ich ganz nebenbei, dass es wohl gerade Melone irgendwo im Angebot geben muss, da gefühlte 50% der SängerInnen diese während der Probe verputzen. Auch sonst dreht sich viel ums Kochen und Essen bei der gemeinsamen Unterhaltung nach der Probe. Hört sich lecker an, ich hoffe es fällt mal was für mich ab. Bis zur nächsten Probe, Eure Katze Trixi.

 


 

Musikhistorisches

Thomas Tallis
Thomas Tallis – Stich von Niccolò Haym nach einem Portrait von Gerard van der Gucht

Thomas Tallis...

…, der im Jahre 1565 die Motette „If Ye Love Me“ veröffentlichte, war ein wahrer Überlebenskünstler. Mehrfach musste er seinen Kompositionsstil dem regierenden Monarchen und dessen Konfession anpassen. So schrieb er im Laufe seines Lebens (ca. 1505-1585) zunächst lateinische Messen, stieg dann jedoch im Zuge des Bruchs mit der römischen Kirche, den Heinrich VIII. vollzog, als einer der ersten englischen Komponisten auf schlicht gehaltene, englischsprachige Sakralwerke um. Aus dieser Zeit stammt das Werk „If Ye Love Me“, das vermutlich bereits mehrere Jahre vor seiner Veröffentlichung verfasst wurde.

In dem vierstimmigen Chorstück vertont Tallis eine kurze Passage des Johannes-Evangeliums. Obwohl es in weiten Teilen homophon klingt, schafft er es geschickt, die einzelnen Stimmen in Polyphonie überzuleiten und dem Stück so mehr Komplexität zu verleihen, als man beim ersten Hören vermuten mag. Auf diese Weise konnte Tallis den Vorgaben des damaligen Monarchen gerecht werden und dabei ein wunderschönes Stück Chormusik schaffen. Nachdem es mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, erfreut sich das Werk heute großer Beliebtheit; es erklang z.B. bei der Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle (2018).

 

Vineta
Vineta auf der Matrikelkarte von Koserow und Damerow, 1693

Vineta – Die versunkene Stadt

Das von Wilhelm Müller verfasste Gedicht „Vineta“ handelt von einer im Meer versunkenen reichen Stadt und der Sehnsucht, diese ins Dasein zurückzurufen. Noch immer kann man die Klänge der Glocken aus den Tiefen des Meeres hören, die Kunde geben von vergangener Zeit. Wilhelm Müller war es auch, der die dichterische Vorlage für Schuberts Liederzyklen „Winterreise“ und „Die schöne Müllerin“ schuf.

„Vineta“ wurde unter anderem von Johannes Brahms vertont. In seinem sechsstimmigen Chorsatz lässt er die Wellen musikalisch über Vineta hereinbrechen. Eindrücklich webt er die Sehnsucht nach einem Wiedersehen der Stadt in seufzende Wehklagen ein. „Aus des Herzens tiefem, tiefem Grunde“ erklingt unisono in einer chromatischen Abwärtsbewegung, welche die Zuhörer/-innen auf den Grund des Meeres mitnimmt. Die Sage schreibt den Untergang Vinetas dem Hochmut der Einwohner/-innen zu, ähnlich dem biblischen Gleichnis um die Stadt Ninive. Die Stadt Vineta soll an der Ostsee in der Nähe der Odermündung gelegen haben, bevor sie versank.

Ich freue mich sehr, das schöne Werk von Brahms während der schwierigen Zeit in den Online-Proben der Capella Carolina zu erarbeiten. Diese sind eine gelungene Abwechslung zum Alltag der Home-Uni. Ähnlich wie Vineta kann man für kurze Zeit in den Proben versinken und sich in die Zeit der gemeinsamen realen Proben zurückträumen. „Aus tiefem, tiefem Grunde kann man uns schon wieder live singen hören.“

 

Bach
Johann Sebastian Bach 1746, mit Rätselkanon – Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Johann Sebastian!

21. März 1685 nach dem julianischen Kalender

Heute gratulieren wir Johann Sebastian Bach zu seinem 336. Geburtstag!
Die Camerata Carolina probt zurzeit online an seiner doppelchörigen Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied", die auch schon Teil des Programms ihrer Kanada-Konzertreise 2019 war. Unsere damalige Interpretation findet sich in unserem Film der Konzertreise auf YouTube ab Minute 15:00.

Aber auch ein Blick auf Bachs umfangreiches Gesamtwerk lohnt sich natürlich! Ein besonderes Augenmerk wollen wir dabei auf den Choral BWV 336 "Herr Jesu Christ, wahr' Mensch und Gott" richten. Es handelt sich um einen recht kurzen Choral, welcher in vier Abschnitte unterteilt ist. Jedoch regt der Text, verfasst von Paul Eber, nicht gerade zum Feiern an, da er von den Leiden Jesu Christi und vom Tod handelt. Auch mag er nicht so recht zu J. S. Bachs "Unsterblichkeit" durch seine Musik passen, die ja nun schon seit 336 Jahren anhält. Da würde es sich doch eher anbieten, sich zum Beispiel seine Kantate "Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!" zu Gemüte zu führen. So erheben wir das Glas zum Klang von Pauken und Trompeten!

 

 

 

Haydn 1
Joseph Haydn 1770 – Porträt von Ludwig Guttenbrunn

Joseph Haydn

Der österreichische Komponist der Wiener Klassik (Franz) Joseph Haydn ist am 31. März 1732 (einigen Quellen zufolge 1733) in Rohrau bei Bruck in Niederösterreich geboren. Zeitlebens wurde sein Nachname allerdings schon in verschiedensten Schreibweisen angegeben: so etwa Hätten, Heyten, Haytn oder eben Haydn. Da Haydn in einer Gegend geboren wurde und aufwuchs, in der auch Ungarn und Kroaten lebten, zweifelte man seine deutsche Abstammung an, Haydns Muttersprache war allerdings deutsch: seine Eltern hießen Mathias Haydn (1699-1763) und Anna Maria Haydn, geborene Koller (1707-1754); Haydn hatte insgesamt elf Geschwister (Joseph selbst war das zweitgeborene Kind).

Neben der sehr strengen Erziehung der Eltern Haydns hatte die Musik in der Familie auch immer eine große Rolle gespielt, denn Vater Mathias spielte Harfe und sang in Tenorlage; seinem Sohn Joseph ermöglichte er sehr früh die Laufbahn eines Musikers, da dieser schon früh Talent zeigte, aber auch seine jüngeren Brüder Michael Haydn und Johann Evangelist Haydn schlugen die Musikerlaufbahn ein. Während seiner Schulzeit in Hainburg sang er bis zum Stimmbruch im Sopran, ehe er 1740 achtjährig am Stephansdom in Wien Sängerknabe unter der Leitung Georg von Reutters wurde.

 

 

Haydn 2
Stephansdoms in Wien, im Vordergrund das Kapellhaus (1804 zerstört), wo Haydn als Chorknabe lebte – Aquarell

Haydn bekam umfassenden Unterricht u.a. in Latein, Religion, Rechnen und Schreiben und vor allem eine musikalische Ausbildung in Singkunst, Klavier und Violine, ließ sich wohl aber auch in Musiktheorie ausbilden und studierte u.a. Johann Matthesons Der vollkommene Kapellmeister und Johann Joseph Fux‘ Gradus ad parnassum. Erste Kompositionen (v.a. Streichtrios) gibt es aus den 1760er- und 1770er-Jahren; er verdiente seinen Lebensunterhalt als freier Musiker und auch als Violinist bei etlichen Kirchenorchestern. 1760 heiratete er Maria Anna Keller im Stephansdom, die Tochter eines wohlhabenden Perückenmachers. 1761 wurde Haydn eine Anstellung in Eisenstadt, nicht weit entfernt von Wien, bei Familie Esterházy angeboten, einer der wichtigsten und reichsten Familien des Königreichs Ungarn, zunächst als Vizekapellmeister, und nach dem Tod des Kapellmeisters dann als Erster Kapellmeister. Sein Arbeitsumfeld umfasste Komposition, Leitung des Orchesters, Spielen von Kammermusik und die Organisation von Opern. In Haydns fast dreißigjährige Dienstzeit bei den Esterházys (1761-1790) fallen zahlreiche Kompositionen wie die Pariser Sinfonien (1785-1786) oder die erste Orchesterversion seiner Passionsmusik Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze (1786), mit denen er große Popularität besonders im Ausland erlangte. In diesen Anstellungsjahren hatte er auch etliche Möglichkeiten, seinen Kompositionsstil stetig zu erweitern. 1781 lernte Haydn Wolfgang Amadeus Mozart in Wien kennen, mit dem er gut befreundet war: Mozart spielte einige Streichquartette gemeinsam mit Haydn und ließ sich von seinem Kompositionsstil inspirieren; im Gegensatz zu Mozart schrieb Haydn aber nur wenige Opern.

 

 

Haydn 3
Joseph Haydn mit einem Streichquartett – Gemälde

Im nächsten Abschnitt seines Lebens, 1790 bis 1809, nahm Haydn nach dem Tod des Fürsten Esterházy ein Angebot in England an, dort neue Sinfonien mit großem Orchester aufzuführen. So entstanden zahlreiche Sinfonien, darunter die Militärsinfonie oder Londoner Sinfonie. Haydn hatte in England so großen Erfolg mit seinen Aufführungen, dass er kurzzeitig (vergleichbar mit Georg Friedrich Händel) erwog, englischer Staatsbürger zu werden, letztendlich aber kehrte er doch nach Wien zurück. Nach seiner Rückkehr entstanden seine großen Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten, die beiden gewichtigsten Werke seiner späten Jahre. Unter einer Reihe von ihm komponierter Streichquartette befindet sich auch das Kaiserquartett, das ein Auftragswerk des Kaiserhofes war. Ebenso ein Auftragswerk wurde das Gedicht Lorenz Leopold Haschkas „Gott! Erhalte Franz, den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!“, das 1797 anlässlich des Geburtstags von Kaiser Franz II. von Haydn vertont wurde. Es ist nicht nur die österreichische Kaiserhymne, sondern sogar die Melodie der heutigen deutschen Nationalhymne. In den letzten Jahren seines Lebens konnte Haydn aufgrund von Krankheit keinen großen kompositorischen Aufträgen mehr nachgehen; er starb am 31. Mai 1809 in Wien.

 

Schöpfung
Aufführung der Schöpfung 1808 im Festsaal der alten Universität Wien – Balthasar Wigand

Die Schöpfung (Hob. XXI:2)

Als das dritte seiner vier oratorischen Werke komponierte Haydn die Schöpfung in den Jahren 1796 bis 1798, die Uraufführung fand vor vielen hohen Gästen im Wiener Palais des Fürsten Schwarzenberg statt. Erste Anregungen zu dieser oratorischen Komposition erhielt Haydn sicherlich im Rahmen seiner Konzertreisen nach England, wo er mit großangelegten Aufführungen von Händels Oratorien in Londons Westminster Abbey in Berührung kam. Diese Werke haben bei Joseph Haydn einen nachhaltigen Einfluss hinterlassen; bei seiner Abreise aus London wurde ihm ein ursprünglich für Händel konzipiertes Libretto für ein Oratorium über die biblische Schöpfungsgeschichte überreicht. In Wien angekommen, machte sich Haydn gleich an die Arbeit und trat in regen Austausch mit Gottfried Bernhard Freiherr von Swieten (1733-1803), einem niederländischen Diplomaten in habsburgischen Diensten. Van Swieten hatte bereits Erfahrung mit der Musik Händels und Bachs und konnte Haydn in seiner kompositorischen Arbeit an der Schöpfung beeinflussen. So konzipierte Haydn mit van Swieten das Oratorium mit einigen Stellen aus der Bibel: Teil I und Teil II beschreiben das sechstägige Schöpfungswerk aus den Bibelversen 1. Buch Mose (Genesis 1, 1-31) in rezitativischem Stil, Teil III erzählt vom ersten Menschenpaar Adam und Eva mit ihrer Schöpfungsverbundenheit. Tonmalereien als musikalische Naturbeschreibungen, deklamatorische Rezitative und Lobpreis-Chöre mit volkstümlichen Sphären machte Haydn zu seinem Programm. Der Chor übernimmt in allen Passagen eine tragende Rolle, einige Chorteile feiern das Ende eines Schöpfungstages und dessen göttliches Werk. Das Orchester „malt“ einzelne Ereignisse der Schöpfungsgeschichte in rein instrumentalen Passagen, und es bringt auch den zahlreichen Arien der Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael sowie im dritten Teil dann den Duetten Adams und Evas eine farbenreiche Klanggestaltung.

 


 

Capella Carolina

15. April 2021

Nymphadora: „Mensch, war das letzte Woche wieder ein Stimmworkout!"
Hermine: „Mein Fiepgesang klingt, als hätte ich einen ganzen Konzertsaal in mir drin. Das ist wirklich cool, da brauche ich nur meinen Kehlkopf ins Körbchen fallen zu lassen und schon singe ich wie die beste Sopran-Maus der Welt!“
Luna: „Pscht ihr beide, ich versuche, etwas auf dem Bildschirm zu sehen. Jetzt proben sie gerade den Teil, in dem alle durcheinander singen. Da muss ich gut aufpassen.“
Khaleezi fiepst: „Des Herren Ruhm, des Herren Ruhm, des Herren – jetzt muss ich euretwegen noch einmal anfangen. Die ganzen Koloraturen im Schlusschor machen mich furchtbar nervös. Da muss ich mit dem Zwerchfell gut dopsen. Das bedeutet üben, üben, üben.“
Hermine: „Lass es uns Stück für Stück angehen, dann schaffen wir das schon! Übung macht den Meisterfiepser!“
Nymphadora piepst dazwischen: „… und die Meisterfiepserin!“

28. Januar 2021

Hallo! Wir sind das beste weibliche Mäusequartett im Rhein-Neckar Kreis. Khaleezi und Hermine im Sopran und Luna und Nymphadora im Alt. Seit Beginn des Wintersemesters begleiten wir unser Frauchen bei den Online-Proben der Capella Carolina und müssen zugeben, dass der Chor uns wirklich Konkurrenz macht! Leider hören wir die anderen Sänger/-innen nicht immer, da beim gemeinsamen Singen die Mikrofone ausgeschaltet bleiben, damit keine Katzenmusik entsteht – nicht unsere Lieblingsmusik, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Man munkelt übrigens, dass bei unserem Schwesterchor, der Camerata Carolina, seit einiger Zeit die Hauskatze des Dirigenten die Berichterstattung über die Proben übernommen hat. Ob das gut gehen kann?
Wir beschäftigen uns unterdessen mit Gesangstechnik. Ein Sängermündchen zu formen, ist übrigens gar nicht so einfach. Das übt unser Frauchen fleißig während der Proben, nur bei uns will das noch nicht so recht funktionieren. Wir fiepen trotzdem fröhlich weiter bis zur nächsten Probe. Liebe Grüße, euer Mäusequartett.

 

Sommersemester 2020

Liebe Freunde und Chorbegeisterte der Capella Carolina,

wir alle wissen um die gegenwärtige Situation rund um Corona. Wir lassen uns aber nicht von der Kunst des Singens abhalten und so finden unsere Chorproben weiterhin wöchentlich online statt. Alles geht also weiter, um uns schon jetzt für die nächsten geplanten Auftritte Januar nächsten Jahres vorzubereiten und unsere Kooperation mit dem Chor und Orchester des Collegium Paedagogicum der Karls-Universität zu Prag zu stärken.

Wem dies zu früh erscheint, sei gesagt: „Die lange Bank ist des Teufels liebstes Möbelstück.“ Denn was wir uns vorgenommen haben, ist durchaus anspruchsvoll: Carl Orffs monumentale Carmina Burana.

Das auf unserer Ausgabe abgebildete Rad der Fortuna, der Orff den ersten und letzten Teil widmete, mag so für unsere Situation stehen: Nach zahlreichen Erfolgen in den letzten Jahren und einer fruchtbaren Kooperation mit Prag möchte uns die Fortuna in ihrer unberechenbaren Art nun niederschmettern.

Doch wir lassen uns nicht vom Rad der Fortuna überrollen und können der Gesamtsituation tatsächlich etwas Positives abgewinnen! Dadurch, dass die Proben dieses Semester online stattfinden, freuen wir uns sehr, auch die Gesichter eigentlich bereits weitergezogener Mitsingender wieder in unserer Chorgemeinschaft begrüßen zu können – teils aus vom Heidelberger Boden so fern gelegenen Orten wie Prag oder Venedig. Und tatsächlich dürfen wir auch dieses Semester trotz der widrigen Umstände wieder Neuankömmlinge herzlich willkommen heißen.
So kommen insgesamt schon 70 aktiv Mitsingende für dieses Semester zusammen.

Auch wenn wir nicht mit Trixi aufwarten können, wird Euer Capella-Schreiberteam keine Fortuna-Allüren zeigen und sich zuverlässig darum kümmern, dass Ihr stets auf dem Laufenden bleibt!

SEMESTER-ENDE … NOCH NICHT GANZ! | 09. Juli 2020 

Heute war die letzte Online-Probe für dieses Semester und wir sind ganz nach dem geplanten Verlauf mit allen Stücken für die Carmina Burana durch. Zur Abrundung haben wir in diesem Treffen zuletzt noch einmal die Stücke von Nr. 20 Veni, veni, venias bis Nr. 25. O Fortuna einmal komplett und ohne Unterbrechungen zusammen durchgesungen. Und auch die Planung der Aufteilung, wer die Kinderchor-Teile singen wird – Frauenstimmen ohne Tremolo – steht. 

Natürlich wird es nächstes Semester interessant, wenn wir das erste Mal in großer Runde alle Stimmen zugleich üben werden. Denn letztendlich kann man nicht leugnen, dass chorisches Singen doch etwas anderes ist, als zuhause sozusagen "allein" mit einer CD-Aufnahme zu proben. Alles in allem sollten wir aber durch die wirklich fantastische Krisenbewältigung, die die Organisation unseres Chores trotz aller widrigen Umstände dieses Semester bewiesen hat, sehr weit gekommen sein. Dank der wirklich zusammenbringenden und auch sängerisch unterstützenden Treffen und den zur Verfügung gestellten Tutorials könnten wir uns sehr gut vorstellen, dass die hoffentlich im nächsten Semester kommende erste Probe als reales Treffen nur schön werden und klingen kann! 
Und wir erwarten natürlich auch gerade zum Wintersemester wieder Neuankömmlinge im Chor. Wobei deren Auswahl nicht so streng ausfallen wird, wie Franz seine Sopran-Solistinnen oft auszuwählen pflegt – indem sie die Nr. 23 Dulcissime vorsingen. 

Also bis dann!

REINRUFEN AUF NACHFRAGE | 02. Juli 2020

Gleich zu Beginn der Probe ist es Franz herausgerutscht: Manchmal vermisst er inzwischen doch die unaufgefordert eingeworfenen Zwischenbemerkungen aus seinem "Publikum" – genauer: uns – die in den Proben normalerweise vorkommen. Doch nichts leichter als das! Für seinen Dirigenten tut so ein Chor doch alles und die nächste Gelegenheit kam schneller als gedacht:

Nach einer rhetorischen Frage von Franz, was den Unterschied zwischen Dirigenten und Terroristen denn ausmache (gemeint war natürlich, dass man mit Terroristen verhandeln könne) kam sogleich der erste Einwurf: "Ich dachte Du meinst 'Terroristen haben Sympathisanten'" von einem unserer Mitsänger – selbst auch Dirigent versteht sich.

Wir tun also alles, was wir können und noch mehr. Ungeachtet der Situation halten wir, die Chöre der Carolina, zusammen – was man mittlerweile nicht mehr von allen Chören behaupten kann.

Und so bahnen sich bereits jetzt Pläne zum Wettmachen der durch Corona erfahrenen Versäumnisse an. Mittlerweile hätten unsere Konzerte mit Haydns Schöpfung bereits stattfinden sollen. Dies werden wir im nächsten Jahr nachholen und sowohl in Mannheim als auch in unserem schönen Heidelberg konzertieren. Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass die Zeit so schnell vergeht, wie sie es zu tun scheint, wenn alle konsequent auf ihrem Atem singen, was wir selbstverständlich tun – besonders in den ersten Takten des Veni veni venias, das als doppelchöriger Teil eine besondere Herausforderung darstellt.

Mit dem kommenden Ende dieses Semesters haben wir inzwischen fast alle Stücke behandelt und gemeinsam gesungen. Das wird uns zum ersten Mal klar, als die Erläuterungen zu dem Punkt voranschreiten, an dem Franz erklärt, wie Anfang und Ende der Carmina Burana ihre Zirkelstruktur bilden. O Fortuna, O Fortuna.

GEBURTSTAGSKANON | 25. Juni 2020

Heute war ein ganz besonderer Tag, zu dessen Anlass alle Mitglieder der Capella Carolina zum ersten – jedoch wohl auch zum letzten – Mal zusammen über die Onlineverbindung gleichzeitig hörbar gesungen haben! Zu Linas Geburtstag wurde in der diesmaligen Probe das Ständchen "Viel Glück und viel Segen" gebracht. Entsprechend der Natur des Geburtstagskanons mehrstimmig, wobei wir hierbei wohl von einer sehr – sehr – modernen Interpretation sprechen müssen; mit so vielen Stimmen, die über alle Mikrofone zu hören waren. Wenn sich doch zwei Stimmen synchronisiert hatten, so doch wohl eher durch Zufall. Alles in allem ist es wohl keine so gute Idee, online laut miteinander zu singen; allein die versetzten Übertragungszeiten machen es uns unmöglich. So oder so, unsere Mühen wurden mit einem strahlenden Geburtstagskind belohnt und alle hatten doch ihren Spaß dabei. Nur, bitte nicht noch einmal.

Dann ging es weiter wie gehabt. Einsingen, Nachbesprechen der Hausaufgabe und die Einführung in den als nächstes anzugehenden Teil der Carmina Burana, nämlich Blanziflor et Helena. Diese musikalische Interpretation und Anspielung auf die Ilias einerseits und den Hit der Mittelalterliteratur Floire et Blanchefleur (sogar in höfischer und volkssprachlicher Fassung!) andererseits folgt auf das Dulcissime, aus dem die Albträume eines jeden Soprans gesponnen sind. Diese werden durch Blanziflor et Helena von Liebesträumen, die Venus hier beschert, verdrängt.

Nun ist es ja aber kein Geheimnis, dass in vielen Teilen nicht nur der Sopran seine Stimmbandbreite bis in ungeahnte Höhen ausweitet. Franz gibt jedoch die besten Ratschläge zu diesem Thema, damit die Tenöre als Ritter des hohen C auch noch obendrein in den (Ton)Springturnieren brillieren können.

ERINNERUNGEN AN 1998 | 18. Juni 2020

„Es kommt der Tag, an dem wird alles offenkundig.“ So beginnt Franz die Chorprobe und weist so darauf hin, dass gemeinsames Proben im Max-Weber-Haus rascher wieder möglich sein könnte, als man allgemein erwartet.

Auch eine Überraschung hat Franz für uns parat: Eine der heutigen Mitsingenden hat tatsächlich schon 1998 in den Reihen der Capella Carolina die Carmina Burana mitaufgeführt. Es gibt auch Aufnahmen davon, die wir zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt bekommen werden.

In dieser Woche begannen wir die Probe mit dem über die Woche zu übenden Teil Floret Silva – sozusagen eine Nachbesprechung und nochmaliges, gemeinschaftliches Üben unserer Hausaufgabe. Besonders hilfreich ist hier, eine Aufnahme zuhause simultan einzuspielen: So können wir uns zwar nicht gemeinsam und gleichzeitig singen hören, aber jeder einzelne bekommt zur selben Zeit einen virtuellen Chor in guter Klangqualität an seine Seite gestellt. Natürlich ist an diesem Aufnahmen nicht immer alles perfekt. An manchen Stellen ist der fremde Chor zu schnell, an anderen nicht flexibel genug – und an manchen Stellen wagt er es zu atmen. Das wird Franz uns nicht durchgehen lassen, wie er uns versichert. Um schlechten Gewohnheiten vorzubeugen und unseren ganz eigenen Klang zu entwickeln, ziehen wir dann die eigenen Aufnahmen zu Rate.

Weiter geht es dann mit inhaltlichen Ausführungen und Erläuterungen zum Teil dieser Woche: Were diu werlt alle min. Zwar wird uns die Textübersetzung online zur Verfügung gestellt, aber der Fundus an historischem und literarischem Wissen unseres Chorleiters scheint unerschöpflich zu sein.

Ein bekannter und beliebter Topos aus dem Minnesang ist hier präsent: „Ich gebe Krone und Land für die von mir verehrte Dame“, wie Franz es sehr elegant ausdrückt und kurz darauf jede Vorstellung von Romanze zerstört: Damals schienen solche Deklarationen schlicht zum guten Ton zu gehören, und auf Krone und Land verzichtete damals kaum jemand freiwillig. Die bezeichnete Dame ist hier Eleonore von Aquitanien, die, jeweils durch Heirat, erst die Königin von Frankreich und dann von England war, was sehr an die schöne Helena von Sparta bzw. Troia erinnert. Auch hier führte die Eheschließung zwischen Eleonore und Heinrich II von England zum Krieg zwischen den beiden Nationen. Daran wollen wir im 21. Jahrhundert mit Orffs jubelmusikalischer Interpretation gar nicht denken.

Nachdem wir nun also genau wissen, was wir eigentlich singen sollen, geht es darum, tatsächlich zu singen. Und wenn Franz uns dann an seinem Flügel durch die Kamera vorspielt und -singt, fühlt man sich wie in eine reale Probe zurück- (und hoffentlich bald vor-) versetzt.

DURSTIGE KARPFEN | 11. Juni 2020

Widmen wir uns einmal dem Aufwärmen. Da ein Video-Tutorial zum Einsingen zur Verfügung steht, kommen alle mit geölten Stimmen in die Probe. Gemeinschaftlich machen wir dann dennoch ein paar Übungen zusammen. Schultern kreisen, Oberkörper dehnen. Soweit das eben zu erkennen ist, wenn man aufsteht und die Laptopkamera es nicht mehr vermag, einen optimal einzufangen.

Dabei können wir aus eigener Erfahrung sagen, dass Gähnen – im Zwecke des Einsingens natürlich – auch über eine Kamera ansteckend sein kann. Und wir sind uns alle einig, dass Franz recht hat: Wenn alle beim Singen ihr Mikrofon stummgeschaltet haben, sieht die Capella Carolina aus „wie viele Karpfen, die Durst haben“.

Und auch der Rest der Unterhaltungen findet stumm statt. Es können sich in einem Video Chat nun einmal nicht mehrere simultan zu Worte melden, aber eine Mischung aus kollektivem Nicken, Daumen hoch, verschiedensten Gesichtsausdrücken und ab und zu eine Wortmeldung funktioniert erstaunlich gut.

Wie Sopran und Alt im Floret Silva ihren davon gerittenen Liebsten herbeisehnen, während der Wald grünt, vermissen wir in diesem Sommer das gemeinsame Singen mit unseren Mitstreitern im Max-Weber-Haus. Aber es liegt nicht in der Natur der Capella Carolina, klein beizugeben und das Schicksal so anzunehmen, wie es ihr zuteilwird. Wir machen das Beste aus dem, was wir vorfinden – und dieses Projekt könnte durchaus eines unserer Besten werden.

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER | 04. Juni 2020

Wie läuft das Ganze denn nun ab? Unsere Proben finden wie gewohnt wöchentlich statt und wir treffen uns per Video-Chat. Es wäre jedoch rein technisch unmöglich und auch für das musizierende Ohr nicht gerade angenehm, würden alle gleichzeitig singen.

Unsere Lösung: Vor und zwischen den Proben können sich alle mit online zur Verfügung gestellten Video-Tutorials einsingen und die jeweiligen Stimmen einstudieren. Während der Treffen absolvieren wir gemeinsam verschiedenste Aufwärmübungen. Danach geht es mit dem Hauptprogramm weiter. Die Aussprache der lateinischen und mittelhochdeutschen Texte wird geklärt, Franz gibt uns verschiedene Tipps zum chorischen Singen und erläutert verschiedene Textinhalte. Gut gerüstet singen wir stummgeschaltet, jeder für sich und dennoch irgendwie gemeinsam, begleitet von eingespielten Tonaufnahmen.

Wir proben also fleißig! Und ganz nach dem Motto ‚Übung macht den Meister‘ spielt sich nicht nur der Umgang mit der Technik, sondern auch das Singen langsam aber sicher ein. So wird durch die musikalischen Feinheiten, die Franz uns näherbringt, immer deutlicher, was für einen groben Fehler Stravinsky beging, als er Orff als musikalischen Neandertaler bezeichnete.

Wie Franz gern betont, schrieb Orff die Carmina Burana für ein Orchester und einen Chor, und nicht für ein Orchester, das mit gelegentlichen Einwürfen von einem Chor begleitet wird. Umso wichtiger ist es, dass alle Singenden nicht nur die mittelhochdeutschen und lateinischen Texte beherrschen: Wir üben alle – ungeachtet einer zukünftigen Einteilung – sowohl den großen als auch den kleinen und den Kinderchor ein.

Auch wenn wir uns gerne wieder wie in früheren Zeiten treffen würden: Was auf keinen Fall fehlt ist der Spaß und die Gemeinschaft, die uns auch zu dem machen, was wir sind.

 
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Letzte Änderung: 30.05.2021
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