Bereichsbild
Kontakt

Kommunikation und Marketing
Grabengasse 1
69117 Heidelberg
Tel. +49 6221 54-19012
Fax +49 6221 54-19020
kum@uni-heidelberg.de

Kommunikation und Marketing

 
SUCHE

Weiß und rot

Philipp Schaeffer, Heidelbergs erster Sinologiestudent, starb im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Philipp Schaeffer - Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Philipp Schaeffer vermutlich 1922 in Heidelberg

Seit mehr als 60 Jahren trägt eine städtische Bibliothek in der Berliner Brunnenstraße den Namen Philipp Schaeffer. Das Leben ihres Namensgebers währte nur 49 Jahre. Von den Nationalsozialisten wegen Hochverrats verurteilt, starb der Heidelberger Alumnus Philipp Schaeffer 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil. Er gilt als der erste Doktorand des Sinologischen Instituts der Ruperto Carola.

Geboren wird Philipp Schaeffer 1894 in Königsberg. Kurz darauf zieht die deutsche Offiziersfamilie nach St. Petersburg, wo Schaeffer 1913 ein Studium der Orientalistik beginnt. Der Kriegsbeginn macht den Studienplanungen einen Strich durch die Rechnung; als „feindliche Ausländer“ werden Vater und Sohn im nordrussischen Archangelsk interniert.

Nach dem Krieg schließt sich Philipp Schaeffer den Freikorpskämpfern im Baltikum an. Als die Sache der „Weißen“ verloren ist, geht Schaeffer nach Deutschland, wo er sein Studium ab 1920 in Heidelberg fortsetzt. Promoviert wird er 1923 mit einer Arbeit über den Buddhisten Nagarjunas und dessen „60 Sätze des Negativismus“. Zu seinen Heidelberger Bekanntschaften zählt auch Netty Reiling, die später als Schriftstellerin Anna Seghers Berühmtheit erlangt.

Das Abgangszeugnis Philipp Schaeffers von 1923, das sich im Universitätsarchiv befindet

Foto: Universitätsarchiv Heidelberg

Das Abgangszeugnis Philipp Schaeffers von 1923, das sich im Universitätsarchiv befindet

Freundschaft mit der späteren Schriftstellerin Anna Seghers

1926 geht Schaeffer nach Berlin, wo er sich zu Beginn mit Gelegenheitsarbeiten bei der Ufa in Babelsberg über Wasser hält. Im Jahr darauf findet er eine Anstellung an der Bezirkszentralbibliothek Berlin-Mitte, die er in den folgenden fünf Jahren zu einer der bedeutendsten sozialwissenschaftlichen Bibliotheken in Berlin entwickeln wird. 1928 tritt der ehemalige Anti-Bolschewik in die Kommunistische Partei Deutschlands ein. Seine politischen Aktivitäten – unter anderem als Redakteur der Roten SA-Standarte, einer Publikation, die sich gegen die SA richtet – führen 1932 zu seiner Entlassung.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten beginnt für Schaeffer ein Verhaftungsmarathon. Die erste Verhaftung erfolgt schon 1933 nach dem Reichstagsbrand, trotzdem engagiert er sich weiterhin für die illegale KPD Berlin-Brandenburg. Im Winter 1934/35 wird Schaeffer erneut inhaftiert, setzt seine politische Aufklärungsarbeit – besonders unter der Berliner Studentenschaft – aber auch danach unbeirrt fort. Im März 1935 kommt es dann zur dritten Verhaftung – und diesmal auch zur Verurteilung: Fünf Jahre Haft im Zuchthaus Luckau, 80 Kilometer südlich von Berlin. Nach der Entlassung 1940 steht Schaeffer unter Polizeiaufsicht. Trotz des Verbotes nimmt er erneut aktive Verbindung zum Widerstand auf. Viele seiner Kontakte – einige knüpfte er in Luckau – lassen sich dem losen Widerstandszirkel um die „Rote Kapelle“ zuordnen.
 

Kontakte zur Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“

Ostern 1942 erreicht Schaeffer der Hilferuf einer jüdischen Freundin. Deren Onkel und Tante haben in der Wohnung den Gashahn aufgedreht, um zu sterben. Doch der Hausmeister verweigert Schaeffer den Zugang zur Wohnung. Beim Versuch, sich an der Wand des Hauses abzuseilen, um von außen zum Fenster im dritten Stock zu gelangen, stürzt Schaeffer ab und verletzt sich schwer. Für das jüdische Ehepaar kommt jede Hilfe zu spät.

Auf einen sechsmonatigen Krankenhausaufenthalt Schaeffers folgt im Oktober 1942 eine erneute Verhaftung, kurz darauf die Verurteilung wegen Hochverrats. Am 13. Mai 1943 wird der vom Sturz noch immer schwer gezeichnete Philipp Schaeffer im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet.

In Erinnerung an den Widerstandskämpfer wurde die Zentralbibliothek Berlin-Mitte 1952 in „Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer“ umbenannt. Sie liegt in der Brunnenstraße 181, unweit des Rosenthaler Platzes. Seit 1975 erinnert zudem eine Gedenktafel an Schaeffers ehemaligem Wohnhaus in der Berliner Dorotheenstraße 68 an ihn. Die Inschrift lautet „Hier wohnte der Wissenschaftler und Widerstandskämpfer Dr. phil. Philipp Schaeffer / Geb. am 16. November 1894 / Ermordet am 13. Mai 1943 in Plötzensee."

Gedenktafel an Philipp Schaeffers ehemaligem Wohnhaus in der Berliner Dorotheenstraße

Foto: CC-BY-2.0-DE/Axel Mauruszat

Gedenktafel an Philipp Schaeffers ehemaligem Wohnhaus in der Berliner Dorotheenstraße

 

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 02.10.2014
zum Seitenanfang/up