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Kurzporträts

Lebensläufe prominenter Alumni der Ruperto Carola aus verschiedenen Jahrhunderten

 

Hannah Arendt
Foto: Ricarda Schwerin

Hannah Arendt (1906 bis 1975)

Publizistin und Philosophin

Hannah Arendt, die von 1926 bis 1928 an der Ruperto Carola bei Karl Jaspers Philosophie studierte und bei ihm promovierte, lehnte für sich selbst die Bezeichnung „Philosophin“ ab und sah sich als „politische Theoretikerin“. Die von den Nationalsozialisten ausgebürgerte Jüdin, die 1950 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, war nach ihrer Flucht aus Deutschland als Publizistin und Hochschullehrerin tätig. Hannah Arendt entwickelte ein Erklärungsmodell totalitärer Herrschaft und setzte sich mit antiken und neuzeitlichen Philosophen auseinander. Als Berichterstatterin im Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Israel prägte sie den Begriff der „Banalität des Bösen“, der eine heftige Auseinandersetzung auslöste. In ihrer Heidelberger Zeit war Arendt eng mit dem späteren Germanisten Benno von Wiese und dem späteren Philosophen Hans Jonas befreundet. Auch mit Jaspers verband sie eine lebenslange Freundschaft.

 

 

 

Bauer Fritz

Fritz Bauer (1903 bis 1968)

Jurist, als Generalstaatsanwalt von Hessen Initiator der Auschwitz-Prozesse

Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer spielte eine zentrale Rolle bei der juristischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Während seines Jurastudiums in Heidelberg wurde Bauer von den Schriften Gustav Radbruchs geprägt, dessen Konzept des „Juristen aus Freiheitssinn“ maßgeblich für sein berufliches Handeln wurde. 1927 wurde er bei dem Rechtswissenschaftler Karl Geiler, der 1945 der erste Ministerpräsident des Landes Hessen, „magna cum laude“ promoviert. Der Jude und Sozialdemokrat Bauer wurde 1933 in einem KZ inhaftiert und emigrierte 1935 nach Dänemark und danach nach Schweden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1949 trieb er wie kaum ein anderer die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen voran, um gegen das Vergessen und Verdrängen im Nachkriegsdeutschland anzugehen und über das Entstehen faschistischen Denkens und Handelns aufzuklären. 1952 erreichte er als Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Braunschweig in einem Prozess die Rehabilitierung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und setzte erstmals die Auffassung durch, dass der NS-Staat kein Rechts-, sondern ein Unrechtsstaat gewesen ist. Als hessischer Generalstaatsanwalt war er entscheidend am Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse beteiligt, die im Dezember 1963 in Frankfurt am Main begannen. Fritz Bauer war es auch, der dem israelischen Geheimdienst Mossad den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort von Adolf Eichmann – als Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt einer der Hauptorganisatoren des Holocaust – in Argentinien gab. Der humanistischen Idealen verpflichtete Jurist war neben seinem Engagement für die Aufarbeitung der NS-Zeit auch einer der bedeutenden Vorkämpfer für Strafrechts- und Strafvollzugsreformen und Resozialisierung. Portrait: Fritz Bauer — Jurist aus Freiheitssinn

 

 

Bauer Theresia 100x100

Theresia Bauer (geboren 1965)

Grünen-Politikerin, Wissenschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg

Theresia Bauer studierte von 1985 bis 1993 an der Ruperto Carola Politikwissenschaft, VWL und Germanistik. Seit 2001 ist sie für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Landtags Baden-Württemberg für den Wahlkreis Heidelberg und war dort unter anderem im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie als hochschulpolitische Sprecherin der Grünen tätig. Nach der Landtagswahl im März 2011 wurde sie in der grün-roten Landesregierung von Baden-Württemberg Wissenschaftsministerin im Kabinett von Winfried Kretschmann, dem ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands.

 

 

Rufus Beck
Foto: CC BY 3.0 Siebbi

Rufus Beck (geboren 1957)

Schauspieler und Sprecher

Rufus Beck wurde in Heidelberg geboren und studierte nach seinem Zivildienst Ende der 1970er Jahre Islamwissenschaften, Ethnologie und Philosophie an der Ruperto Carola, bevor er sich – zunächst an den Städtischen Bühnen in Heidelberg – dem Schauspiel zuwandte. Bekannt wurde er mit der Rolle des Paradiesvogels Walter beziehungsweise „Waltraud“ im Film „Der bewegte Mann“. Große Popularität erlangte Beck als Sprecher der „Harry Potter“-Hörbücher, bei denen er alle rund 80 verschiedenen Rollen sprach. Seither gilt er als „König der Vorleser“.

 

 

 

Heinrich Bedford-Strohm
Foto: Ulrich Hacke/EKD

Heinrich Bedford-Strohm (geboren 1960)

Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Heinrich Bedford-Strohm, dessen Bruder Christoph Strohm Professor für Kirchengeschichte an der theologischen Fakultät der Ruperto Carola ist, studierte von 1981 bis 1988 in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA) Theologie. Nach dem Examen war er bis 1992 in Heidelberg Assistent am Lehrstuhl Systematische Theologie und Sozialethik – bei Wolfgang Huber, der von 2003 bis 2009 ebenfalls EKD-Ratsvorsitzender war und seit 2012 Ehrensenator der Ruperto Carola ist. 1992 wurde Bedford-Strohm in Heidelberg mit der Arbeit „Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit“ promoviert. 1998 folgte ebenfalls an der Ruperto Carola seine Habilitation zum Thema „Gemeinschaft aus kommunikativer Freiheit. Sozialer Zusammenhalt in der modernen Gesellschaft. Ein theologischer Beitrag“. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer übernahm Heinrich Bedford-Strohm Professuren an den Universitäten Gießen, Bamberg und Stellenbosch (Südafrika). Seit November 2014 ist er Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

 

 

 

Gero von Boehm
Foto: CC BY 3.0
von Boehm

Gero von Boehm (geboren 1954)

Journalist und Fernsehproduzent

Der in Heidelberg aufgewachsene Journalist Gero von Boehm, der sich vor allem mit TV-Interviews mit bekannten Persönlichkeiten einen Namen machte, studierte an der Ruperto Carola Jura und Sozialwissenschaften. Schon während des Studiums begann er, für Zeitungen und später auch für den Rundfunk zu arbeiten. Von 1980 bis 1990 interviewte er in der Sendung „Wortwechsel“ im SWF bekannte Persönlichkeiten, beim Sender 3sat moderierte er von 2002 bis 2010 die Sendung „Gero von Boehm begegnet...“. Daneben gründete er zwei Produktionsfirmen, mit denen er Dokumentarfilme und zeitgeschichtliche Dokumentationen dreht und fiktionale Stoffe für Fernsehen und Kino entwickelt und produziert.

 

 

 

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Reinhard Bütikofer (geboren 1953)

Grünen-Politiker

Reinhard Bütikofer studierte ab 1971 in Heidelberg Philosophie, Geschichte, Alte Geschichte und Sinologie. Von 1982 an engagierte er sich in der Grün-Alternativen Liste. 1984 wurde er in den Heidelberger Stadtrat gewählt, vier Jahre später in den Landtag von Baden-Württemberg. Von 1998 bis 2008 war er zunächst Bundesgeschäftsführer und anschließend Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen. Nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik ist er seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments und Sprecher der Grünen-Fraktion, seit November 2012 auch Co-Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei.

 

 

Bunsen Robert Wilhelm 100x100

Robert Wilhelm Bunsen (1811 bis 1899)

Wegbereiter der Physikalischen Chemie, Mitbegründer der Spektralanalyse

Robert Bunsen lebte 44 Jahre in Heidelberg und lehrte und forschte von 1852 bis 1888 an der Ruperto Carola. Er gilt als Wegbereiter der modernen Physikalischen Chemie und leistete auch auf dem Gebiet der anorganischen und der organischen Chemie herausragende Beiträge. Zu Bunsens größten Verdiensten zählen neben zahlreichen Innovationen des physikalisch-chemischen Instrumentariums – darunter der nach ihm benannte Bunsenbrenner – vor allem die Entwicklung gasometrischer Methoden und die gemeinsam mit dem Physiker Gustav Kirchhoff geleistete wissenschaftliche Begründung der Spektralanalyse. Bunsen übernahm 1852 nach Lehrtätigkeiten in Marburg und Breslau an der Chemischen Fakultät der Universität Heidelberg den Lehrstuhl von Leopold Gmelin. Sein hervorragender Ruf in der Fachwelt und das moderne Laboratorium zogen Generationen von Chemiestudenten an die Ruperto Carola.

 

 

Creuzer

Georg Friedrich Creuzer (1771 bis 1858)

Klassischer Philologe und Mythologieforscher

Die Berufung des Marburger Philologen Georg Friedrich Creuzer auf den Lehrstuhl für Philologie und Geschichte an der Ruperto Carola 1804 war der Ausgangspunkt der kurzen Epoche der Heidelberger Romantik. Zu Creuzers Marburger Freundeskreis gehörte der Dichter Clemens Brentano, der ihm nach Heidelberg folgte, wo er zusammen mit Achim von Arnim die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ veröffentlichte. Creuzer hielt an der Ruperto Carola Vorlesungen über antike Literatur, Archäologie und Mythologie. Im Zuge der Neuorganisation der Universität nach den Napoleonischen Kriegen, an der er maßgeblich beteiligt war, gründete Creuzer 1807 das Seminar für Klassische Philologie, zudem war er mehrfach Dekan der Philosophischen Fakultät.

 

 

Hoimar von Ditfurth
Foto: ZDF /
Wilhelm Zander

Hoimar von Ditfurth (1921 bis 1989)

Wissenschaftsjournalist, Schriftsteller, Psychiater, Neurologe

Der Mediziner Hoimar von Ditfurth, der von 1968 an als außerordentlicher Professor an der medizinischen Fakultät der Ruperto Carola lehrte, wurde als Fernsehmoderator und vielseitiger Wissenschaftspublizist einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Von 1960 an trat er mit zahlreichen Publikationen zu wissenschaftlichen Themen in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunkvorträgen und Fernsehsendungen hervor. Von 1971 bis 1983 wurde das ZDF-Wissenschaftsmagazin „Querschnitte durch die Wissenschaft“ gesendet, in dem von Ditfurth schwierige wissenschaftliche Sachverhalte allgemeinverständlich erklärte und damit immer wieder hohe Einschaltquoten erzielte. 1985 veröffentlichte der überzeugte Pazifist und Umweltaktivist das Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – es ist soweit“, in dem er eine globale Bedrohung der Menschheit durch Atomkrieg, Umweltzerstörung und Bevölkerungsexplosion thematisierte. Der Kämpfer gegen Aberglaube und Pseudowissenschaft war Mitglied des deutschen PEN-Zentrums.

 

 

 

Hilde Domin
Foto: Mathias Michaelis /
DLA Marbach

Hilde Domin (1909 bis 2006)

Schriftstellerin und Lyrikerin

Die vor allem als Lyrikerin bekannte Schriftstellerin Hilde Domin studierte an der Ruperto Carola und lebte von 1961 bis zu ihrem Tod 2006 in Heidelberg. Von 1929 bis 1930 und von 1931 bis 1932 studierte sie in Heidelberg Jura, Nationalökonomie, Soziologie und Philosophie. 1932 ging sie mit ihrem jüdischen Partner und späteren Ehemann zum Auslandsstudium nach Italien, wo beide nach Hitlers Machtergreifung 1933 blieben. Über England und Kanada gelangte das Ehepaar 1940 in die Dominikanische Republik, wo sie zu schreiben begann und ihren Künstlernamen Domin entlehnte. 1954 kehrte die Schriftstellerin nach Deutschland zurück, pendelte aber noch einige Jahre zwischen Deutschland und Spanien, bevor sie sich 1961 endgültig in Heidelberg niederließ.

 

 

 

Drais
Karl Freiherr von Drais (1785 bis 1851)

Erfinder der Draisine/des Fahrrads

Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn machte sich mit zahlreichen Erfindungen einen Namen, vor allem mit der nach ihm benannten Draisine, die als Urform des heutigen Fahrrads gilt. Der Sohn eines badischen Hofrichters, der in Karlsruhe zur Schule ging, studierte von 1803 bis 1805 an der Universität Heidelberg Mathematik, Physik und Baukunst und wurde im Anschluss zunächst Forstmeister. Doch bereits nach wenigen Jahren wurde er freigestellt, um sich seinen Erfindungen widmen zu können. 1917 erfand Drais ein Laufrad, aus dem sich das heutige Fahrrad entwickelte. Zu Drais’ weiteren Erfindungen gehören zwei vierrädrige Fahrmaschinen und mehrere Schreibmaschinen. Als überzeugter Demokrat legte er 1849 seinen Adelstitel ab.

 

 

eichendorff

Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857)

Schriftsteller und Lyriker

Joseph von Eichendorff gehört zu den wichtigsten Dichtern der deutschen Romantik. Von 1807 bis 1808 studierte er in Heidelberg Jura und hörte Vorlesungen bei dem Rechtswissenschaftler Anton Friedrich Justus Thibaut, aber auch bei dem Literatur- und Philosophiedozenten Joseph Görres, dessen Vorlesungen er im Rückblick hymnisch pries. Im heutigen Stadtteil Rohrbach verliebte er sich in die Küferstochter Katharina Förster, genannt Käthchen. An die kurze Romanze erinnert Eichendorffs bekanntes Gedicht „In einem kühlen Grunde“ – der kühle Grund bezeichnet ein kleines Tal und existiert heute noch als Straße in Rohrbach. Im Alter verfasste Eichendorff weitere Gedichte und Schriften, in denen er sich an seine Studentenzeit in Heidelberg erinnerte.

 

 

Norbert Elias
Foto: CC BY-SA
Rob Bogaerts / Anefo

Norbert Elias (1897 bis 1990)

Soziologe, Kulturphilosoph und Psychologe

Norbert Elias gilt als einer der einflussreichsten Soziologen des 20. Jahrhunderts und war Begründer der Figurationssoziologie, die die Akteure und deren Verflechtungen in den Mittelpunkt der historisch-soziologischen Analyse stellt. Während seines Studiums der Medizin, Philosophie und Psychologie an der Universität Breslau besuchte Elias im Sommersemester 1919 auch Seminare an der Ruperto Carola. Von 1924 bis 1930 lebte Elias erneut in Heidelberg und arbeitete als Assistent von Karl Mannheim am Institut für Sozial- und Staatswissenschaften. Bei Alfred Weber wollte er über „Die Bedeutung der Florentiner Gesellschaft und Kultur für die Entstehung der Wissenschaft“ habilitieren, brach seine entsprechenden Arbeiten aber wieder ab. Während seiner Heidelberger Zeit nahm Elias an dem von Max Webers Frau Marianne eingerichteten sonntäglichen Jour fixe in Webers Haus teil.

 

 

 

Erich Fromm

Erich Fromm (1900 bis 1980)

Psychoanalytiker und Sozialpsychologe

Der Psychoanalytiker und Sozialpsychologe Erich Fromm war einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, dessen Bücher nach wie vor weltweit gelesen werden. Fromm studierte ab dem Sommersemester 1919 an der Ruperto Carola und wechselte 1920 von Jura zum Soziologiestudium bei Alfred Weber. 1922 promovierte er bei Weber über „Das jüdische Gesetz“. In einem Brief schrieb Fromm über sein Studium bei Weber: „Ich hatte nur einen nicht-jüdischen Lehrer, den ich wirklich verehrte und der mich tief beeinflusste: Alfred Weber, den Bruder von Max Weber. Er war auch Soziologe, aber im Unterschied zu ihm kein Nationalist, sondern ein Humanist, ein ungewöhnlich mutiger und überzeugender Mensch.“

 

 

Gadamer 100x100

Hans-Georg Gadamer (1900 bis 2002)

Philosoph

Der im März 2002 im Alter von 102 Jahren verstorbene Philosoph Hans-Georg Gadamer, der mehr als ein halbes Jahrhundert an der Universität Heidelberg wirkte, zählt zu den prägenden Gestalten der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Als Nachfolger von Karl Jaspers lehrte er seit 1949 an der Ruperto Carola, an der er auch noch lange nach seiner Emeritierung im Jahr 1968 Vorlesungen hielt. Sein Denken beeinflusste weltweit Geisteswissenschaftler verschiedenster Ausrichtung. Untrennbar mit Gadamers Namen verbunden ist die philosophische Hermeneutik. Sein 1960 erschienenes Hauptwerk „Wahrheit und Methode“ stellt eine philosophische Grundlegung der Hermeneutik als eine universale Theorie des Verstehens dar. Entscheidend für das philosophische Werk Gadamers war die Begegnung mit Martin Heidegger, bei dem er habilitierte. Die Prägung auf dessen Frage nach dem Sein und seine Analyse des Daseins als eines Sich-Verstehens verband sich bei Gadamer mit einer lebenslangen Auseinandersetzung mit der Philosophie der Antike. Seine Promotion und Habilitation beschäftigten sich mit Platon, auch seine letzten Veröffentlichungen behandelten noch den Anfang der Philosophie bei den Vorsokratikern.  Zum 100. Geburtstag des Philosophen im Jahr 2000 richtete die Ruperto Carola einen Festakt mit zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland aus.

 

 

Karl Geiler
Foto: Senkpiehl,
Uniarchiv Heidelberg

Karl Geiler (1878 bis 1953)

Rechtswissenschaftler, erster hessischer Ministerpräsident

Der Heidelberger Jura-Professor Karl Geiler war 1945/46 Ministerpräsident des damaligen Landes Groß-Hessen. Die amerikanische Militärregierung setzte den parteilosen und politisch unbelasteten Rechtswissenschaftler ein, um mit einem Allparteienkabinett bis zur ersten Landtagswahl im neuen Bundesland Hessen im Dezember 1946 die Voraussetzungen für funktionierende Strukturen auf allen politischen Ebenen zu schaffen. Geiler hatte sich nach seinem Jurastudium in Freiburg, Berlin und Heidelberg 1909 als Anwalt in einer renommierten Mannheimer Kanzlei niedergelassen. 1910 wurde er an der Ruperto Carola promoviert, 1921 habilitierte er sich und wurde zunächst außerplanmäßiger und 1928 ordentlicher Honorarprofessor für Finanz- und Wirtschaftsrecht sowie 1929 Ordinarius für Handelsrecht. Während der Weimarer Republik galt Geiler als einer der angesehensten Wirtschaftsanwälte und Finanzrechtler Deutschlands. Unter den Nationalsozialisten wurde ihm wegen seiner weiteren Zusammenarbeit mit jüdischen Juristen und seiner Ehefrau, die nicht den Vorgaben der NS-Rassegesetze entsprach, 1939 seine Professur und die Lehrbefugnis entzogen. Nach dem Ende seiner Amtszeit als hessischer Ministerpräsident wurde Karl Geiler 1947 Ordinarius für internationales Recht an der Ruperto Carola und übernahm 1947/48 das Amt des Universitätsrektors.

 

 

 

Görres

Joseph Görres (1776 bis 1848)

Gelehrter sowie katholischer und politischer Publizist

Die Epoche der Heidelberger Romantik, die die ältere deutsche Literatur wiederentdeckte, ist eng mit Joseph Görres verbunden. Görres lehrte von 1806 bis 1808 als Privatdozent an der philosophischen Fakultät der Ruperto Carola Philosophie, Ästhetik und altdeutsche Literatur und erforschte altdeutsche Volkslieder und Mythen. Seine Vorlesungen über die germanische Mythologie hörte auch der junge Joseph von Eichendorff. Zusammen mit Clemens Brentano, Achim von Arnim und Friedrich Creuzer bildete Görres das intellektuelle Zentrum der Heidelberger Romantik. Der Begründer der liberalen Zeitung „Rheinischer Merkur“ (1814 bis 1816), mit der er sich für eine freiheitliche Verfassung eines föderalistischen und demokratischen Deutschlands einsetzte, wurde später zu einem der führenden Vertreter der katholischen Publizistik und zum Vorkämpfer des politischen Katholizismus.

 

 

Grondin Jean 100x100

Jean Grondin (geboren 1955)

Philosoph

Der kanadische Philosoph Jean Grondin, der seit 1991 am Département de Philosophie der Université de Montréal in Kanada lehrt und forscht, gilt als einer der profiliertesten Kenner des Werks von Hans-Georg Gadamer. Nach seinem Studium der Philosophie, Klassischen Philologie und Theologie an den Universitäten Montréal, Heidelberg und Tübingen wurde Grondin 1982 in Tübingen mit einer Arbeit zum Wahrheitsbegriff Gadamers promoviert. Von 1982 bis 1990 lehrte er an der Université Laval, von 1990 bis 1991 an der Université d’Ottawa. Bekannt wurde Jean Grondin mit seiner Biografie Gadamers sowie mit zahlreichen Arbeiten zur Gadamerschen Hermeneutik, zur klassischen deutschen Philosophie, zu Metaphysik, Phänomenologie und Religionsphilosophie. Jean Grondin wurde mit nationalen und internationalen akademischen Preisen und zwei Ehrendoktorwürden ausgezeichnet und hatte Gastprofessuren an zahlreichen Universitäten inne, darunter die Universitäten von Lausanne, Minsk, Neapel, Port-au-Prince und San Salvador. An die Ruperto Carola kehrt er regelmäßig zu Forschungsaufenthalten und Besuchen zurück. Interview: "Hauptstadt der Philosophie in der Welt“

 

 

Gumbel Emil 100x100

Emil Gumbel (1891 bis 1966)

Mathematiker und politischer Autor

Der Statistik-Professor Emil Julius Gumbel, der von 1923 bis 1932 an der Universität Heidelberg lehrte und forschte, machte sich nicht nur auf seinem Fachgebiet, sondern auch als politischer Autor und Justizkritiker einen Namen. Als Reaktion auf den Terror der rechtsgerichteten Freikorps zu Beginn der Weimarer Republik, recherchierte und veröffentlichte er Anfang der 1920er Jahre die juristische Verfolgung aller politischen Morde seit der Novemberrevolution 1918. Gumbel wies nach, dass die weit überwiegende Zahl der politisch motivierten Morde im Zeichen des Rechtsterrorismus begangen worden war, diese aber wesentlich weniger hart bestraft wurden als Morde der politischen Linken oder häufig sogar ungesühnt blieben. Zusammen mit seinem Eintreten für Pazifismus machte er sich damit viele Feinde im national-konservativen Lager. Öffentliche Äußerungen Gumbels zogen mehrere Disziplinarverfahren nach sich, die von scharfen Angriffen der einflussreichen nationalsozialistischen Studentenschaft begleitet wurden, aber auch von Solidaritätsbekundungen etwa von Albert Einstein oder dem damaligen Heidelberger Studenten Golo Mann. 1932 entzog das Kultusministerium Gumbel schließlich nach einem Antrag der philosophischen Fakultät die Lehrerlaubnis. Nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte er als Jude 1933 zunächst nach Paris und 1940 in die USA. 1955/56 erhielt er Wiedergutmachungszahlungen und es wurde ihm die Pension eines Ordinarius gewährt. 1966 starb Gumbel in New York – in Deutschland war der Mathematiker, nach dem die „Gumbel-Verteilung“ benannt ist, außerhalb der mathematischen Fachkreise weitgehend vergessen. 1991 rehabilitierte die Universität Heidelberg Gumbel zu seinem 100. Geburtstag mit einer akademischen Gedenkfeier, bei der die Unrechtmäßigkeit seiner Entlassung ausdrücklich festgestellt wurde. Porträt: Krieg gegen einen Pazifisten

 

 

Monika Harms
Foto: Rainer Wohlfahrt

Monika Harms (geboren 1946)

Generalbundesanwältin a. D. beim Bundesgerichtshof (2006 bis 2011)

Monika Harms studierte von 1966 bis 1967 an der Ruperto Carola Jura. Als erste Frau an der Spitze der Bundesanwaltschaft leitete sie von Juni 2006 bis September 2011 als Generalbundesanwältin die oberste Strafverfolgungsbehörde Deutschlands. Zuvor arbeitete sie bereits seit 1987 als Richterin am Bundesgerichtshof, 1999 wurde sie zur Vorsitzenden Richterin ernannt. Seit 2008 ist Monika Harms Honorarprofessorin für das Fachgebiet Strafrecht, Strafprozessrecht und Steuerstrafrecht an der Universität Halle-Wittenberg. Von 2010 bis 2014 war sie Vorsitzende des Hochschulrates der Universität Leipzig. Interview: "Wenn sich Chancen bieten, muss man sich auch mal bewegen“

 

 

 

Sigi Harreis
Foto: SWR /
Ludwik Erdmanski

Sigi Harreis (1937 bis 2008)

Journalistin, Autorin und Moderatorin

Die Journalistin und Moderatorin Sigi Harreis war die erste Showmasterin im deutschen Fernsehen. An der Ruperto Carola studierte sie Englisch und Spanisch, bevor sie am Sprachen- und Dolmetscherinstitut in München die Prüfung als fremdsprachliche Wirtschaftskorrespondentin ablegte. Ihre Fernsehkarriere startete Harreis als Kabelhilfe und Scriptgirl beim Bayerischen Rundfunk, ab 1968 arbeitete sie als Journalistin und Moderatorin in Hörfunk und Fernsehen. 1982 übernahm Harreis die Moderation der beliebten Ratesendung „Die Montagsmaler“, die bis 1996 mit großem Erfolg in der ARD lief. Ende der 1990er Jahre zog sie sich ins Privatleben zurück.

 

 

 

Winfried Hassemer

Winfried Hassemer (1940 bis 2014)

Jurist, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts (2002 bis 2008)

Der Rechtswissenschaftler Winfried Hassemer, der von 2002 bis 2008 Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts war, studierte in Heidelberg vom Sommersemester 1959 an drei Semester Jura. Nach weiteren Stationen an den Universitäten Genf und Saarbrücken wurde er 1967 promoviert und 1972 habilitiert. Seine berufliche Laufbahn begann Hassemer 1964 als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Saarbrücken. 1970 wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität in München, bevor er 1973 Professor für Rechtstheorie, Rechtssoziologie, Strafrecht und Strafverfahrensrecht an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main wurde. Von 1991 bis 1996 war Hassemer Datenschutzbeauftragter des Landes Hessen. Im Mai 1996 wählte der Bundesrat ihn als Richter in den Zweiten Senat des Bundesverfassungsgerichts, 2002 wurde er Vorsitzender des Zweiten Senats und Vizepräsident des Gerichts, aus dem er 2008 nach Ablauf seiner Amtszeit ausschied. Danach arbeitete er als Anwalt und war unter anderem „Ombudsman“ bei der Schufa und „Neutraler Mittler“ bei Daimler. Interview: "Heidelberg war für mich ein Traum“

 

 

Georg von Hatzfeld
Foto: Uniarchiv Heidelberg

Georg von Hatzfeld (1929 bis 2000)

Verleger und Finanzmakler, einer der beiden Studenten, die 1950 Helgoland besetzten

Georg von Hatzfeld machte 1950 als Heidelberger Student mit der friedlichen Besetzung Helgolands Schlagzeilen. Der Sohn des Dichters Adolf von Hatzfeld studierte Volkswirtschaft in Heidelberg, als er am 20. Dezember 1950 gemeinsam mit seinem Kommilitonen René Leudesdorff auf Helgoland drei Fahnen hisste – die Deutschland- und die Helgoland-Flagge sowie die Flagge der Europäischen Bewegung. Helgoland, das im April 1945 mit britischen Bombenangriffen unbewohnbar gemacht worden war, diente zu dieser Zeit der britischen Armee weiterhin als Übungsplatz für Bombenabwürfe. Mit der Protestaktion trugen die beiden Heidelberger Studenten dazu bei, dass Helgoland 1952 wieder an Deutschland übergeben wurde, wofür sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden.

 

 

 

hebbel

Christian Friedrich Hebbel (1813 bis 1863)

Lyriker und Dramatiker

Christian Friedrich Hebbel war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker des 19. Jahrhunderts. Beeinflusst von Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Arthur Schopenhauer ist er literatur- und geistesgeschichtlich zwischen Idealismus und Realismus angesiedelt. Hebbels Trauerspiel „Maria Magdalena“ war eines der ersten Werke des Realismus und die erste deutsche Tragödie, die im Kleinbürgertum spielte. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen bildete sich Hebbel zunächst autodidaktisch. An der Universität Heidelberg nahm er von April bis September 1836 an Veranstaltungen des Jurastudiums teil – da ihm die nötigen Schulzeugnisse fehlten, durfte er nur hospitieren.

 

 

Hegel

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 bis 1831)

Philosoph

Der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel war der Hauptvertreter des deutschen Idealismus. Er wurde vor allem durch seine zielgerichtete Geschichtsauffassung und die von ihm ausgebaute dialektische Methode aus These, Antithese und Synthese bekannt. Hegels Werk gliedert sich in die Gebiete Logik, Naturphilosophie und Geistesphilosophie. Sein Denken hatte einen starken Einfluss auf die Geistesgeschichte und hinterließ vor allem in der Philosophie der Geschichte, die Hegel als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ sah, starke Spuren. So gilt Hegels Philosophie, die Karl Marx stark prägte, als Grundstein des Marxismus. Hegel arbeitete als Hauslehrer, Redakteur und Gymnasialdirektor, bevor er Professor in Heidelberg, Berlin und Jena wurde. An der Ruperto Carola hatte er von 1816 bis 1818 den philosophischen Lehrstuhl inne. Er hielt Vorlesungen zu Logik, Metaphysik und Naturrecht sowie zu Ästhetik und Geschichte der Philosophie.

 

 

Stefan Hell
Foto: Bernd Schuller

Stefan Hell (geboren 1962)

Physiker und Nobelpreisträger (2014)

Der Physiker Stefan Hell erhielt 2014 für seine Arbeiten zur Entwicklung der superauflösenden Fluoreszenzmikroskopie jenseits der Auflösungsgrenze des Lichts gemeinsam mit zwei amerikanischen Wissenschaftlern den Nobelpreis für Chemie. Der Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und Leiter einer Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ist Mitglied des Exzellenzclusters CellNetworks der Ruperto Carola. Er studierte Physik an der Universität Heidelberg und wurde hier im Jahr 1990 auch promoviert. Von 1991 bis 1993 arbeitete er am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg. Anschließend folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien). An der Ruperto Carola schloss er im Jahr 1996 seine Habilitation im Fach Physik ab. Als Leiter einer Nachwuchsgruppe wechselte der Wissenschaftler im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Dort ist Prof. Hell seit 2002 Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik. Seit 2003 – in diesem Jahr wurde er auch zum außerplanmäßigen Professor an der Ruperto Carola ernannt – leitet er am DKFZ die Abteilung „Optische Nanoskopie“. Seine Arbeitsgruppe forscht im BioQuant-Zentrum der Universität Heidelberg.

 

 

 

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Hermann von Helmholtz (1821 bis 1894)

Physiologe, Physiker und Universalgelehrter

Hermann von Helmholtz, der von 1858 bis 1871 eine Professur an der Ruperto Carola innehatte, gehört zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts und gilt als einer der letzten Universalgelehrten. Helmholtz’ Forschungsgebiet reichte von Medizin über Physik und Mathematik bis zu Psychologie, Musik und Philosophie. Während seiner Zeit an der Ruperto Carola lehrte er die Fächer Physiologie und Anatomie, wandte sich aber auch mehr und mehr physikalischen Interessen zu, so dass er anschließend an der Universität Berlin eine Professur in Physik übernahm. Zu Helmholtz’ zahlreichen wissenschaftlichen Leistungen gehören unter anderem das Gesetz „Über die Erhaltung der Kraft“, die Bestimmung der Wellenlängen des ultravioletten Lichts und die Errechnung der Leistungsgrenze des Lichtmikroskops sowie Forschungen zu Hydrodynamik und Elektrodynamik. Außerdem entwickelte er unter anderem einen Augenspiegel, mit dem erstmals die Netzhaut sichtbar gemacht werden konnte, und ein Gerät zur Messung der Hornhautkrümmung. Wegen seiner Studien zu Wirbelstürmen, Gewitter, Wellen und Gletscher gilt er zudem als Gründungsvater der modernen Meteorologie. Seit 1995 ist die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, ein Verbund großer außeruniversitärer Forschungszentren, nach ihm benannt.

 

 

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Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894)

Psychiater, Schriftsteller („Struwwelpeter“)

Der Psychiater Heinrich Hoffmann, der als Schöpfer des „Struwwelpeter“ weltberühmt wurde, studierte von 1829 bis 1832 Medizin an der Ruperto Carola. In seinen Lebenserinnerungen schrieb Hoffmann über diese Zeit: „Wenn der Student in Heidelberg eben nicht viel arbeitet, soll man nicht ein strenges Urteil über ihn fällen. Es ist dort ein Verführen zum Müßiggang, zum Träumen, zum Herumflanieren, wie nirgends in Deutschland. Es ist die wunderbar herrliche Gegend, die milde Luft, die Wälder, die Täler, der Fluss, sie alle rufen: ‚Komm heraus, komm zu mir und wirf die Bücher in die Ecke!’" Nach seinem Studium arbeitete Hoffmann in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main als Arzt. 1851 wurde er ärztlicher Leiter der städtischen Nervenheilanstalt und sorgte für nachhaltige Verbesserungen im Umgang mit psychisch Kranken, die er als Patienten behandelte – bis dahin hatten sie als arbeitsscheu, vom Teufel besessen oder kriminell gegolten und waren weggesperrt worden. Das Kinderbuch „Struwwelpeter“ schrieb Hoffmann 1844 als Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn Carl, da er die üblichen Kinderbücher nicht kindgerecht fand. Hoffmann war überdies politisch engagiert und Mitglied im Vorparlament, das die erste deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche vorbereitete.

 

 

Marli Hoppe-Ritter
Foto: Ritter Sport

Marli Hoppe-Ritter (geboren 1948)

Unternehmerin und Kunstförderin

Marli Hoppe-Ritter ist zusammen mit ihrem Bruder Alfred Ritter Eigentümerin des von ihren Großeltern gegründeten Süßwarenherstellers Alfred Ritter GmbH & Co. KG („Ritter Sport“) und Vorsitzende des Beirats des Unternehmens. Seit Mitte der 80er Jahre fördert sie junge Künstler, 2005 eröffnete sie das „Museum Ritter“, in dem ihre Kunstsammlung ausgestellt wird, die sich auf das Quadrat in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert hat. Marli Hoppe-Ritter, die sich selbst als Alt-68erin bezeichnet, studierte zur Zeit der Studentenbewegung Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre an der Ruperto Carola zunächst Volkswirtschaft und dann Jura. Nach dem Studium arbeitete sie als Rechtsanwältin. Sie war Mitbegründerin des ersten und heute noch bestehenden Frauenhauses in Heidelberg, dessen Finanzierung sie mit einem Darlehen ermöglichte. 2012 erhielt Hoppe-Ritter für ihre „innovative Unternehmenspolitik und für herausragendes Mäzenatentum“ den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.

 

 

 

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Wolfgang Huber (geboren 1942)

evangelischer Theologe, von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der EKD

Der evangelische Theologe Wolfgang Huber, der von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war, war als Student und Professor Mitglied der Ruperto Carola. Huber studierte ab 1960 bis zur Promotion 1966 Theologie in Heidelberg, Göttingen und Tübingen. Nach einer Zeit als Vikar und Pfarrer in Württemberg kehrte er 1968 nach Heidelberg zurück, wo er bis 1980 Mitarbeiter und stellvertretender Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) war. 1972 habilitierte sich Huber in Heidelberg in Systematischer Theologie, ab 1980 lehrte und forschte er als Professor für Sozialethik in Marburg. 1984 kehrte er an die Ruperto Carola zurück, wo er zehn Jahre als Professor für Systematische Theologie tätig war. 1994 verließ Huber Heidelberg, um Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg zu werden, 2003 übernahm er als Nachfolger von Manfred Kock bis 2009 das Amt des EKD-Ratsvorsitzenden. Die Universität Heidelberg verlieh Wolfgang Huber 2012 die Ehrensenatorenwürde für sein nachhaltiges Engagement für die Belange der Universität.

 

 

iqbal

Muhammad Iqbal (1877 bis 1938)

Indischer Dichter und Philosoph, Nationaldichter Pakistans

Der Dichter, Philosoph und Politiker Muhammad Iqbal, der als geistiger Vater Pakistans gilt, war 1907 zum Philosophie- und Literaturstudium in Heidelberg. "Mein Aufenthalt in Heidelberg war ein wundervoller Traum", schrieb er rückblickend. Zur Erinnerung wurde in Heidelberg ein Ufer des Neckars nach Iqbal benannt, an dem sich auch ein Stein mit seinem Gedicht "Am Abend" befindet. Am Südasien-Institut der Universität wurde anlässlich Iqbals 100. Geburtstag ein auf jeweils drei Jahre angelegtes Allama Iqbal Professorial Fellowship eingerichtet, das der Vertiefung der wissenschaftlichen Kooperation zwischen Deutschland und Pakistan dient.

 

 

karl jaspers

Karl Jaspers (1883 bis 1969)

Philosoph, Psychiater

Karl Jaspers, der als Vertreter der Existenzphilosophie einer der wichtigsten deutschsprachigen  Philosophen des 20. Jahrhunderts war, lehrte und forschte als Psychiater und Philosoph an der Ruperto Carola. Jaspers studierte von 1906 an in Heidelberg Medizin und wurde 1909 mit einer Arbeit über „Heimweh und Verbrechen“ promoviert. 1913 legte er an der Philosophischen Fakultät seine Habilitationsschrift „Allgemeine Psychopathologie“ vor, die noch heute als richtungsweisendes Standardwerk der Psychiatrie gilt. In seiner wissenschaftlichen Arbeit als Psychologe und Psychiater beschäftigte sich Jaspers zunehmend mit philosophischen Fragen und wechselte schließlich an das philosophische Seminar, an dem er 1922 Ordinarius wurde. Während der NS-Zeit erhielt Jaspers wegen seiner jüdischen Ehefrau und seiner politischen Haltung Lehr- und Publikationsverbot. Zwei Wochen, bevor das Ehepaar 1945 deportiert werden sollte, wurde Heidelberg von der US-Armee befreit. Nach Kriegsende gehörte Jaspers dem sogenannten Dreizehnerausschuss an, der den Neuaufbau der Universität organisierte. Er nahm seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Ruperto Carola wieder auf, die ihm 1946 die Ehrensenatorenwürde verlieh. Auch aus Enttäuschung über die politische Entwicklung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der keine ernsthafte Diskussion über die NS-Zeit stattfand, wechselte Jaspers 1948 in die Schweiz an die Universität Basel und wurde 1967 Schweizer Staatsbürger. Bis zu seinem Tod 1969 äußerte er sich immer wieder zu zeitpolitischen Fragen wie zur atomaren Aufrüstung oder zum Ost-West-Konflikt, aber auch zur politischen Entwicklung der Bundesrepublik. Seit 1983 verleiht die Ruperto Carola zusammen mit der Stadt Heidelberg den Karl-Jaspers-Preis, der anlässlich Jaspers’ 100. Geburtstag gestiftet wurde. 2010 wurde am Universitätsklinikum Heidelberg eine Karl-Jaspers-Professur für philosophische Grundlagen der Psychiatrie eingerichtet, die Brücken zwischen Philosophie, Psychiatrie und Neurowissenschaften schlagen soll. Das Karl Jaspers Zentrum für Transkulturelle Forschung der Universität ist Sitz des Exzellenzclusters „Asien und Europa im globalen Kontext “.

 

 

Reinhard Karl
Foto: DAV/Eva Altmeier

Reinhard Karl (1946 bis 1982)

Erster Deutscher auf dem Gipfel des Mount Everest

Am 11. Mai 1978 erreichte Reinhard Karl als erster Deutscher den Gipfel des höchsten Bergs der Erde, des Mount Everest. Der damals 31-Jährige war als Fotograf Mitglied der österreichischen Expedition, mit der Reinhold Messner und Peter Habeler erstmals den Mount Everest ohne Sauerstoffflasche bestiegen. 1969 war Karl bereits zusammen mit Hermann Kühn in anderthalb Tagen die bis dahin schnellste Durchsteigung der Eiger-Nordwand gelungen. Am 19. Mai 1982 wurde er im Himalaya Opfer einer Eislawine und starb. Bis zu seinem Tod war Karl an der Ruperto Carola in Geographie, Chemie, Sport und Mineralogie eingeschrieben.

 

 

 

Hans-Peter Kaul
Foto: Hans Hordijk

Hans-Peter Kaul (1943 bis 2014)

Vize-Präsident des Internationalen Strafgerichthofs (IStGH) in Den Haag

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag kann als Lebenswerk von Hans-Peter Kaul gelten. Als Verhandlungsführer der deutschen Delegation stritt Kaul von 1996 bis 2002 leidenschaftlich für die Einrichtung des Gerichts, an dem er dann auch als erster Deutscher Richter war. Der Richter, Völkerrechtler und Diplomat hatte an der Ruperto Carola Jura studiert und beide Staatsexamen abgelegt. Der mitten im Zweiten Weltkrieg geborene Jurist nannte als Antrieb für seinen unermüdlichen Einsatz für die Errichtung eines Weltstrafgerichts „die Erlebnisse der unglaublichen, ich betone das ausdrücklich, der unglaublichen faktischen und moralischen Katastrophe, die Deutschland über die Welt und über sich selbst gebracht hat“. Bevor Hans-Peter Kaul Richter in Den Haag wurde, hatte er jahrzehntelang als Diplomat gearbeitet: Im Auswärtigen Amt kümmerte er sich um die Vereinten Nationen, später war er in den Deutschen Botschaften in Israel, Norwegen und Washington sowie in der Deutschen Vertretung der Vereinten Nationen in New York tätig. 2002 wurde er zum Botschafter des Auswärtigen Amts für den IStGH ernannt, an dem er ein Jahr später Richter wurde. Von 2004 bis 2009 wirkte Hans-Peter Kaul als Vizepräsident des Gerichts, 2006 wurde er für eine zweite Amtszeit bis 2015 wiedergewählt. Im Juli 2014 starb er jedoch nach kurzer, schwerer Krankheit. Geprägt von seinen Erfahrungen sagte der Hauptmann der Reserve kurz vor seinem Tod, er sei zum Pazifisten geworden, der nur in absolut äußersten Notfällen den Einsatz bewaffneter militärischer Gewalt tolerieren könne: „Denn sie führt fast automatisch zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Es gibt keinen Militäreinsatz ohne Verbrechen.“

 

 

 

gottfried keller

Gottfried Keller (1819 bis 1890)

Schriftsteller und Lyriker

Der Schweizer Dichter Gottfried Keller ist einer der bedeutendsten Vertreter des bürgerlichen Realismus. Von Oktober 1848 bis Mai 1850 studierte er mit einem Stipendium der Zürcher Regierung an der Ruperto Carola Geschichte, Philosophie und Literatur. Keller erlebte in Heidelberg das Ende der Badischen Revolution mit und hörte im Rathaussaal Vorlesungen des von revolutionären Studenten eingeladenen Philosophen Ludwig Feuerbach. Die Bekanntschaft mit Feuerbach und dessen Philosophie wurde zu einem zentralen Erlebnis für Keller, das er in seinem Roman „Der grüne Heinrich“ verarbeitete. Keller verliebte sich in Heidelberg unglücklich in Johanna Kapp, die Tochter des Philosophie-Professors Christian Kapp, die heimlich mit Feuerbach liiert war. Seinen Liebeskummer verarbeitete er im Gedicht „Schöne Brücke, hast mich oft getragen“, das an die Alte Brücke gerichtet ist.

 

 

Eberhard Kempf

Eberhard Kempf (geboren 1943)

Jurist, bekannter Strafverteidiger

Der Frankfurter Anwalt Eberhard Kempf, der unter anderem an der Ruperto Carola Jura studierte und in Heidelberg seine ersten Erfahrungen als Anwalt sammelte, war und ist Rechtsbeistand zahlreicher Prominenter aus Politik und Wirtschaft. So vertrat er unter anderen den damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess, den Bauunternehmer Jürgen Schneider, der in den 90er Jahren mit einer Milliardenpleite in die Schlagzeilen geriet, den britischen Wertpapierhändler Nick Leeson, der 1995 mit riskanten Spekulationen die älteste Investmentbank Großbritanniens in den Bankrott stürzte, und den FDP-Politiker Jürgen Möllemann in der Parteispendenaffäre. Zu seinen Mandanten gehörte aber auch der RAF-Anwalt Klaus Croissant und der Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein, der wegen seiner Beteiligung am OPEC-Anschlag Anfang der 2000er-Jahre vor Gericht stand. Im Prozess um die Entführung und Ermordung des Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler war Kempf als Anwalt der Eltern Vertreter der Nebenklage.

 

 

Wolfgang Ketterle

Wolfgang Ketterle (geboren 1957)

Physiker und Nobelpreisträger (2001)

Der Physiker Wolfgang Ketterle erhielt 2001 für die experimentelle Erforschung der Bose-Einstein-Kondensation gemeinsam mit zwei amerikanischen Wissenschaftlern den Nobelpreis für Physik. Zuvor verbrachte Ketterle prägende Jahre in Heidelberg, zuerst als Student der Physik und später als Postdoktorand am Physikalisch-Chemischen Institut. Ketterle wuchs in Eppelheim bei Heidelberg auf und begann 1976 an der Ruperto Carola sein Physikstudium. Nach dem Vordiplom wechselte er an die Technische Universität München. 1989 kehrte er nach seiner Promotion in München an die Ruperto Carola zurück, bevor er 1990 zunächst als Gastforscher in die USA an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston ging, an dem er seit 1997 einen Lehrstuhl innehat. In seiner Heidelberger Zeit war Ketterle maßgeblich an Pionierexperimenten beteiligt, bei denen Methoden der mehrdimensionalen Laserspektroskopie entwickelt wurden, die er am MIT erfolgreich bei der mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Bose-Einstein-Kondensation und der Realisierung eines ersten Atomlasers einsetzen konnte.

 

 

kirchhoff

Gustav Robert Kirchhoff (1824 bis 1887)

Physiker, Mitbegründer der Spektralanalyse

Gustav Kirchhoff, der von 1854 bis 1874 an der Ruperto Carola lehrte und forschte, zählt zu den bedeutendsten Physikern des 19. Jahrhunderts. In seine Heidelberger Zeit fällt die Entdeckung der Spektralanalyse zusammen mit Robert Wilhelm Bunsen und deren Anwendung auf die Sonnenstrahlung, mit der Kirchhoff die Astrophysik begründete. Auch die Formulierung des Strahlungsgesetzes, das zum Tor für die Quantenphysik wurde, geschah in Heidelberg. Kirchhoffs theoretische und experimentelle Forschungen sind außerordentlich vielseitig und umfassen elektrische, magnetische, optische, elastische, hydrodynamische und thermische Vorgänge. Seine berühmten Vorlesungen über experimentelle und theoretische Physik zogen viele Studenten an die Ruperto Carola. In jedem Semester hielt er täglich von 11 bis 12 Uhr seine Vorlesung über Experimentalphysik. Nach ihm ist das Kirchhoff-Institut für Physik (KIP) benannt.

 

 

helmut kohl
Foto: Bundesarchiv
Engelbert Reineke
CC-BY-SA

Helmut Kohl (1930 bis 2017)

CDU-Politiker, Bundeskanzler von 1982 bis 1998

Helmut Kohl studierte von 1951 bis 1958 Geschichte, Jura und Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Während seiner Studienzeit hörte er Vorlesungen führender Politikwissenschaftler wie Waldemar Gurian und Arnold Bergstraesser. 1958 promovierte Kohl bei dem Historiker Walther Peter Fuchs zum Thema „Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945“. Parallel wirkte er in den Jahren 1956 bis 1958 als wissenschaftlicher Assistent am Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Ruperto Carola. Schon vor Beginn seines Studiums war Kohl der CDU beigetreten. Dort engagierte er sich unter anderem beim Aufbau der Jungen Union Ludwigshafen. 1959 wurde er erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt. Sieben Jahre später stieg er zum Landesvorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz auf, bevor er 1969 das Amt des Ministerpräsidenten des Landes übernahm. Im Jahr 1976 zog Kohl, mittlerweile Bundesvorsitzender der CDU, erstmals in den Bundestag ein. Sechs Jahre später übernahm er nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt das Amt des Bundeskanzlers, welches er 16 Jahre innehatte. Während seiner Regierungszeit machte Kohl sich vor allem um die Währungsunion, die deutsch-französischen Beziehungen und die Wiedervereinigung verdient. Noch heute gilt er gemeinhin als „Kanzler der Einheit“. Eine besondere Ehrung wurde Kohl 1998 mit der Ernennung zum „Ehrenbürger Europas“ durch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zuteil. Seiner Alma Mater ist Helmut Kohl bis heute eng verbunden. In einem Grußwort anlässlich der Wiedereröffnung der Neuen Universität 2011, deren Schirmherrschaft er übernommen hatte, sagte er: „Über all die Jahre bis heute sind mir Heidelberg und seine Universität immer ein Stück Heimat geblieben.“

 

 

 

Kovalevskaja

Sofja Kovalevskaja (1850 bis 1891)

Mathematikerin, weltweit erste Mathematik-Professorin

Die Russin Sofja Kovalevskaja, die 1889 in Stockholm als weltweit erste Frau eine ordentliche Professur für Mathematik erhielt, schrieb bereits 1869 an der Universität Heidelberg Wissenschaftsgeschichte: Vom Sommersemester an nahm sie an Vorlesungen teil und war damit die erste Frau, die an der Ruperto Carola eine Zulassung als Hörerin erhielt. Mit Mut und Beharrlichkeit erkämpfte sich die Offizierstochter, bei der sich schon früh eine mathematische Begabung zeigte, ihre Karriere: Sie brachte sich zunächst selbst Trigonometrie bei, bevor sie Mathematik-Unterricht nehmen durfte. Mit 18 Jahren ging sie eine Scheinehe ein, um ohne Zustimmung ihres Vaters ins Ausland reisen und dort studieren zu können. Das war in Russland auch als Gasthörerin zu dieser Zeit nicht möglich. Im Sommersemester 1869 begann Kovalevskaja in Heidelberg unter anderen bei Hermann von Helmholtz ein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften. Nach drei Semestern ging sie nach Berlin und wurde dort vom damals bekanntesten deutschen Mathematiker Karl Weierstraß privat unterrichtet, da in Berlin Frauen nicht als Gasthörerinnen zugelassen wurden. Durch Vermittlung des mit Weierstraß befreundeten schwedischen Mathematikers Gösta Mittag-Leffler erhielt sie schließlich 1884 eine Stelle als Privatdozentin in Stockholm. 1889 erhielt Kovalevskaja als erste Frau eine Mathematik-Professur sowie den Preis der schwedischen Akademie der Wissenschaften. Porträt: Sofja Kovalevskaja – die weltweit erste Mathematik-Professorin

 

 

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Foto: Ortner

Juliane Kokott (geboren 1957)

Juristin, Generalstaatsanwältin am Gerichtshof der Europäischen Union

Die Juristin Juliane Kokott ist seit Oktober 2003 auf Vorschlag der Bundesregierung Generalanwältin am Gerichtshof der Europäischen Union in Luxemburg. 2009 wurde sie für weitere sechs Jahre in ihrem Amt bestätigt. Nach ihrem Jura-Studium in Bonn, Genf und Washington wurde Kokott 1985 an der Ruperto Carola promoviert. Ihr Referendariat absolvierte sie am Landgericht Heidelberg, danach erwarb sie einen weiteren Doktortitel an der Universität Harvard in den USA. 1992 habilitierte Kokott sich in Heidelberg und lehrte anschließend an den Universitäten Augsburg, Heidelberg, Mannheim und Düsseldorf, bevor sie 1999 an die Universität St. Gallen ging. Dort war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Völkerrecht, Internationales Wirtschaftsrecht und Europarecht sowie Direktorin des Instituts für Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht. Juliane Kokott lebt in Heidelberg, ist verheiratet und hat sechs Kinder. Interview: "Mut zum Erfolg"

 

 

 

nikolaus von kues

Nikolaus von Kues / Nikolaus Cusanus (1401 bis 1464)

Humanist, Philosoph, Theologe und Mathematiker

Nikolaus von Kues, auch Cusanus genannt, war eine führende Gelehrtenpersönlichkeit der europäischen Geistesgeschichte zwischen Mittelalter und früher Neuzeit. Der Philosoph, Theologe und Mathematiker gab als Universalgelehrter auf verschiedenen Wissensgebieten Impulse, die weit über seine Zeit hinausreichten. So lehrte er beispielsweise die Unendlichkeit des Kosmos, bei der die Erde nicht Mittelpunkt des Weltalls sein könne – eine Ansicht, die erst 100 Jahre später von Kopernikus bestätigt wurde. An der Ruperto Carola studierte Nikolaus von Kues 1416 die artes liberales und schloss mit einem baccalaureus in artibus ab, bevor er 1417 zum weiteren Studium nach Padua ging. Nach Cusanus ist das Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland benannt.

 

 

Agathe Lasch

Agathe Lasch (1879 bis 1942)

Erste Germanistik-Professorin Deutschlands

Die Berlinerin Agathe Lasch, die an der Universität Heidelberg studierte und promoviert wurde, war die erste Germanistik-Professorin Deutschlands und gilt als erste germanistische Soziolinguistin. 1907 kam sie zum Germanistik-Studium an die Ruperto Carola, weil Baden zu dieser Zeit Vorreiter in Bezug auf das Frauenstudium war. An der Universität Heidelberg Frauen wurden Frauen mit Beginn des Jahres 1900 offiziell zum Studium zugelassen. 1909 wurde Agathe Lasch mit einer Arbeit zur „Geschichte der Schriftsprache in Berlin bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts“ bei dem Junggrammatiker Wilhelm Braune promoviert. Damit legte sie den Grundstein für eine wissenschaftliche Laufbahn, in der sie als Erforscherin des Niederdeutschen und Mitherausgeberin des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs hervortrat und sich darüber hinaus als Stadtsprachenforscherin einen Namen machte. Nach einer wissenschaftlichen Station in den USA habilitierte sie sich 1919 an der neu gegründeten Universität Hamburg. 1923 wurde sie zur Professorin ernannt und 1926 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Niederdeutsch berufen. Als Jüdin wurde Agathe Lasch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1934 aus dem Hochschuldienst entlassen. Ihre Bemühungen, im Ausland eine wissenschaftliche Anstellung zu finden, blieben erfolglos. Im August 1942 wurde Agathe Lasch zusammen mit rund 1.000 weiteren Opfern eines Todestransports in den Wäldern um Riga von den Nationalsozialisten ermordet. Porträt: Eine Soziolinguistin der ersten Stunde

 

 

Ursula Lehr

Ursula Lehr (geboren 1930)

Gerontologin, Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1988 bis 1991)

Die Psychologin Ursula Lehr übernahm 1986 an der Universität Heidelberg den ersten deutschen Lehrstuhl für Alternsforschung und wurde Gründungsdirektorin des Instituts für Gerontologie. Mit ihrer Arbeit etablierte sie die Alternsforschung in Deutschland. 1988 wurde Lehr als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit in die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl berufen, der sie bis 1991 angehörte. Als Ministerin weitete sie die Seniorenpolitik aus und initiierte 1989 den ersten Altenbericht der Bundesregierung. Von 1990 bis 1994 war sie Mitglied des Bundestags. Für ihre wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Leistungen wurde Lehr unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1998 wurde sie als Professorin an der Ruperto Carola emeritiert.

 

 

Leudesdorff 100x100

René Leudesdorff (1928 bis 2012)

Theologe und Publizist, einer der beiden Studenten, die 1950 Helgoland besetzten

René Leudesdorff machte 1950 als Heidelberger Student mit der friedlichen Besetzung Helgolands Schlagzeilen. Der Sohn der Bauhaus-Künstlerin Lore Ribbentrop-Leudesdorff war Theologie-Student in Heidelberg, als er am 20. Dezember 1950 gemeinsam mit seinem Kommilitonen Georg von Hatzfeld auf Helgoland drei Fahnen hisste – die Deutschland- und die Helgoland-Flagge sowie die Flagge der Europäischen Bewegung. Helgoland, das im April 1945 mit britischen Bombenangriffen unbewohnbar gemacht worden war, diente zu dieser Zeit der britischen Armee weiterhin als Übungsplatz für Bombenabwürfe. Mit der Protestaktion trugen die beiden Heidelberger Studenten dazu bei, dass Helgoland 1952 wieder an Deutschland übergeben wurde, wofür sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden.

 

 

Alfred Weber
Foto: CC BY SA 3.0 Parzi

Golo Mann (1909 bis 1994)

Historiker und Schriftsteller

Golo Mann, Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, war einer der wichtigsten Historiker des 20. Jahrhunderts sowie Schriftsteller und Publizist. Von 1929 bis 1932 studierte er an der Ruperto Carola bei Karl Jaspers­ Philosophie sowie lateinische Philologie und Geschichte. Seine Dissertation bei Jaspers beschäftigte sich mit dem „Begriff des Einzelnen, des Ich und des Individuellen bei Hegel“. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Mann 1933 zunächst nach Frankreich, dann in die Schweiz und USA, wo er als Hochschullehrer tätig war. Mitte der 1950er Jahre kehrte er nach Europa zurück und lebte in Deutschland und der Schweiz. Bekannt wurden vor allem seine „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ und seine Biografie Wallensteins, die zum Beststeller wurde. Mann war ein vielgefragter Redner und Kommentator des Zeitgeschehens, der zunächst Willy Brandt beriet und später Franz Josef Strauß im Wahlkampf unterstützte.

 

 

 

Maugham

William Somerset Maugham (1874 bis 1965)

britischer Schriftsteller

Der englische Erzähler und Dramatiker William Somerset Maugham studierte von 1890 bis 1891 an der Ruperto Carola Deutsch, Literatur und Philosophie. Seine Studienzeit in Heidelberg schilderte er ausführlich in seinem autobiographischen Entwicklungsroman „Of Human Bondage/Der Menschen Hörigkeit“. In einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstags sagte Maugham: „Ich kann nie vergessen, dass ich das glücklichste Jahr meines Lebens in Heidelberg verbracht habe. Es war das erste Mal, dass ich Freiheit genießen konnte, mit der Kunst in Berührung kam und schließlich das erste Mal verliebt war.“ Am 31. Mai 1961 verlieh die Ruperto Carola zur 575-Jahrfeier der Universität dem „großen englischen Romancier, Dramatiker und Essayisten, dessen Werk durch die unbestechliche Darstellung menschlicher Charaktere auch in Deutschland starken Widerhall fand“, den Titel eines Ehrensenators. Sie  würdigte damit Maughams Anteilnahme am deutschen Kulturerbe, die er seit seinem Studium in Heidelberg gezeigt habe.

 

 

Melanchthon Philipp 100x100

Philipp Melanchthon (eigentlich Philipp Schwartzerdt) (1497 bis 1560)

Reformator, Humanist, Philosoph, Philologe, Dichter

Der Humanist und Universalgelehrte Philipp Melanchthon war als Mitstreiter Martin Luthers eine treibende Kraft der Reformation. Er wirkte über 40 Jahre an der Universität Wittenberg und verfasste zahlreiche Lehrbücher, Kommentare zu antiken Schriften und biblischen Büchern, naturwissenschaftliche, historische und theologische Werke. Wegen seiner großen wissenschaftlichen Bandbreite und seines Anteils an der Entwicklung des christlich-humanistischen Bildungswesens wurde er als „Praeceptor Germaniae“ („Lehrer Deutschlands“) bezeichnet. Geboren wurde Melanchthon als Philipp Schwartzerdt in Bretten zwischen Heidelberg und Karlsruhe. Den Namen Melanchthon – die griechische Übersetzung von Schwarzerdt – gab ihm der mit ihm verwandte Humanist Johannes Reuchlin wegen seiner beeindruckenden Griechischkenntnisse schon in jungen Jahren. Bereits als Zwölfjähriger begann Melanchthon 1509 ein Studium an der Ruperto Carola. Als ihn seine Professoren wegen seines jungen Alters nicht zur Magisterprüfung zuließen, wechselte er 1512 an die Universität Tübingen. 1963 wurde in Heidelberg die Melanchthon-Forschungsstelle gegründet, die 1965 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften übernommen wurde.

 

 

 

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Alexander Mitscherlich (1908 bis 1982)

Psychosomatiker, Psychoanalytiker, Sozialpsychologe

Der Mediziner, Psychoanalytiker und Schriftsteller Alexander Mitscherlich gehört zu den großen kritischen Gelehrten der Nachkriegszeit. Er trug wesentlich dazu bei, die Psychoanalyse in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Isolation zu führen. Die Universität Heidelberg gehörte zu den wichtigen Stationen seines Lebens: 1939 legte Mitscherlich hier sein medizinisches Staatsexamen ab, 1941 wurde er bei Viktor von Weizsäcker promoviert. Danach arbeitete er als Neurologe an der Ruperto Carola. 1945 gehörte Mitscherlich dem sogenannten Dreizehnerausschuss an, der den Neuaufbau der Universität organisierte. Nach einer Zwischenstation in Zürich gründete er 1949 die Abteilung für Psychosomatische Medizin, aus der später die Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin hervorging, die erste deutsche Klinik dieser Fachrichtung. 1952 erhielt er eine außerplanmäßige Professur für psychosomatische Medizin. An der Ruperto Carola blieb Mitscherlich bis 1966, bevor er nach Frankfurt zog, wo er das von ihm gegründete Sigmund-Freud-Institut leitete. 1967 veröffentlichte er zusammen mit seiner Frau Margarethe Mitscherlich das in Heidelberg begonnene Buch „Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens“, das die Abwehrhaltung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung bei der Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit thematisierte. Internationale Beachtung fand Mitscherlich auch mit seiner Dokumentation der Nürnberger Ärzteprozesse im Jahr 1947.

 

 

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Foto: Breitinger

Margarete Mitscherlich (1917 bis 2012)

Psychoanalytikerin und Autorin

Margarete Mitscherlich war eine der bedeutendsten Psychoanalytikerinnen Deutschlands, die sich vor allem mit Analysen der deutschen Nachkriegsgesellschaft und Texten zur Frauenbewegung einen Namen machte. Die Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin wuchs als Margarete Nielsen in Dänemark auf und  studierte von 1941 bis 1944 in Heidelberg Medizin. 1947 lernte sie den Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich (1908 bis 1982) kennen, den sie 1955 heiratete und der sie mit der Psychoanalyse vertraut machte. 1949 gründete Alexander Mitscherlich die Abteilung für Psychosomatische Medizin an der Universität Heidelberg, aus der später die Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin hervorging, die erste deutsche Klinik dieser Fachrichtung. Ab 1951 arbeitete auch Margarete Mitscherlich dort. 1967 zog das Ehepaar mit dem gemeinsamen Sohn nach Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr veröffentlichten sie das viel diskutierte Buch „Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens“, das die Abwehrhaltung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung in der Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit thematisierte. Von den 70er Jahren an engagierte sich Margarete Mitscherlich in der Frauenbewegung. 2010 erschien ihr Buch „Die Radikalität des Alters“. Interview: "Jeder Patient ist eine Art Roman“

 

 

 

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Friedrich Wilhelm Murnau (eigentlich F.W. Plumpe) (1888 bis 1931)

Regisseur („Nosferatu“, „Der letzte Mann“)

Friedrich Wilhelm Murnau war neben Fritz Lang und Ernst Lubitsch einer der wichtigsten deutschen Regisseure der Stummfilmzeit. Murnau, der eigentlich Friedrich Wilhelm Plumpe hieß, studierte von 1910 bis 1911 an der Ruperto Carola Philologie und Kunstgeschichte und war Mitglied einer Studentenbühne. Bei einer Aufführung wurde der Theaterregisseur Max Reinhardt auf ihn aufmerksam, der ihn überzeugte, sich an seiner Schauspielschule in Berlin ausbilden zu lassen. Plumpe nahm den Künstlernamen Murnau nach dem Ort Murnau am Staffelsee an. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg begann er, Filme zu drehen. Murnaus vom Expressionismus beeinflusste Werke wie „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) und „Der letzte Mann“ (1924), in denen Traumwelt und Realität ineinander fließen, zählen zu den Klassikern der Filmgeschichte und stellen wichtige Stationen in der Entwicklung der Filmtechnik dar.

 

 

Auma Rita Obama

Auma Rita Obama (geboren 1960)

Germanistin, Halbschwester von US-Präsident Barack Obama

Die kenianische Germanistin Auma Obama erlangte als Halbschwester von US-Präsident Barack Obama internationale Bekanntheit. Obama begann mit 16 Jahren auf dem Gymnasium in Nairobi Deutsch zu lernen und interessierte sich für Nachkriegsautoren wie Wolfgang Borchert und Christa Wolf. 1980 kam sie mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes nach Heidelberg und studierte an der Ruperto Carola Deutsch. Nach dem Examen 1987 schloss sie ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ab und promovierte gleichzeitig an der Universität Bayreuth. Obama lebte insgesamt 16 Jahre in Deutschland, anschließend arbeitete sie in England für ein lokales Jugendamt und in Kenia für das Hilfswerk Care. Seit November 2014 ist sie Mitglied des Weltzukunftsrats WFC, der sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen einsetzt. Die Buchautorin hält weltweit Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit mit dem Schwerpunkt Kenia.

 

 

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Martin Opitz (1597 bis 1639)

Barock-Dichter

Martin Opitz war ein bedeutender Dichter des Barock und Begründer der Schlesischen Dichterschule, den Johann Christoph Gottsched als „Vater der deutschen Dichtkunst“ bezeichnete. In seinem 1624 erschienenen „Buch von der Deutschen Poeterey“ beschäftigte sich Opitz, der 1619 an der Ruperto Carola studiert hatte, als einer der ersten Gelehrten mit der Poetik der deutschen Sprache. Opitz formulierte darin Regeln und Grundsätze einer neu zu begründenden hochdeutschen Dichtkunst, die sich nicht nach den antiken Versmaßen richten, sondern eine eigene metrische Form finden sollte. Das Werk beeinflusste die gesamte deutsche Barockdichtung.

 

 

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Leoluca Orlando (geboren 1947)

Italienischer Politiker und Anti-Mafia-Aktivist

Leoluca Orlando studierte Ende der 1960er Jahre in Heidelberg Jura. Er war von 1985 bis 1991 und von 1993 bis 2000 Bürgermeister von Palermo und wurde im Mai 2012 erneut in das Amt gewählt. Sein entschiedener Kampf gegen die Mafia führte dazu, dass seine erste Amtszeit als „Frühling von Palermo“ bezeichnet wurde. Nachdem 1992 die beiden Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellini ermordet worden waren, stand Orlando ganz oben auf der Todesliste der Mafia. 2002 veröffentlichte er seine Biografie „Ich sollte der Nächste sein“.

 

 

Radbruch

Gustav Radbruch (1878 bis 1949)

Rechtswissenschaftler, Justizminister in der Weimarer Republik

Der Heidelberger Jura-Professor Gustav Radbruch gilt als einer der einflussreichsten Rechtsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Habilitation in Heidelberg  war er von 1904 bis 1914 zunächst Privatdozent und dann Außerordentlicher Professor für Strafrecht, Prozessrecht und Rechtsphilosophie an der Ruperto Carola. Von 1920 bis 1924 war Radbruch SPD-Abgeordneter des Reichstags. Von 1921 bis 1923 gehörte er als Justizminister den Kabinetten von Joseph Wirth und Gustav Stresemann an und setzte Teile einer Strafrechtsreform um. 1926 kehrte er an die Universität Heidelberg zurück und schlug 1928 das Amt des Justizministers unter Reichskanzler Hermann Müller aus, weil er seine Aufgabe in der Wissenschaft sah. 1933 wurde Radbruch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als erster Universitätsprofessor aus politischen Gründen seines Amtes enthoben. 1945 gehörte er dem sogenannten Dreizehnerausschuss an, der den Neuaufbau der Universität organisierte, und leitete als Dekan den Aufbau der Juristischen Fakultät. Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht beriefen sich in mehreren Urteilen auf die sogenannte Radbruchsche Formel zum Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

 

 

Ritter

Alfred Ritter (geboren 1953)

Unternehmer und „Ritter-Sport“-Chef

Alfred Ritter ist Vorsitzender der Geschäftsführung und zusammen mit seiner Schwester Eigentümer des von seinen Großeltern gegründeten Süßwarenherstellers Alfred Ritter GmbH & Co. KG. Außerdem ist er Mitbegründer, Aufsichtsratsvorsitzender und Gesellschafter der Ritter Gruppe, die Vakuumröhrenkollektoren und ökologische Heizsysteme produziert. 1972 begann er in Heidelberg ein Studium der Volkswirtschaftslehre, wechselte aber nach vier Semestern zur Psychologie. Von 1982 bis 1986 war er in Heidelberg als Psychologe mit eigener Praxis tätig. Nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl stieg er als Unternehmer in die Energie- und Umwelttechnik ein. 2005 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG. Ritter wurde unter anderem mit dem Deutschen Solarpreis und als Öko-Manager des Jahres 1997 ausgezeichnet.

 

 

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Jose Rizal (1861 bis 1896)

philippinischer Nationalheld

Der Freiheitskämpfer, Schriftsteller und Arzt Jose Rizal kritisierte in seinen Büchern die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Philippinen, die damals spanische Kolonien waren. Zwischen 1882 und 1892 hielt er sich überwiegend in Europa auf, von Februar bis August 1886 auch in Heidelberg, wo er sich an der Ruperto Carola in Augenheilkunde fortbildete und dabei auch die Feierlichkeiten zum 500. Universitätsjubiläum miterlebte. Zurück auf den Philippinen gründete er 1892 die gewaltlose Reformbewegung „Liga Filipina“. Nach Ausbruch der philippinischen Revolution wurde Rizal als angeblicher Rädelsführer verhaftet und am 30. Dezember 1896 hingerichtet.

 

 

Thomas Roth
Foto: NDR

Thomas Roth (geboren 1951)

ARD-Journalist

Thomas Roth studierte ab 1971 Anglistik und Germanistik an der Universität Heidelberg. Nach einem Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart startete er 1984 seine Karriere als Fernseh- und Hörfunkjournalist. Als Spezialist für politische Berichterstattung moderierte er unter anderem das Magazin „Weltspiegel“ und berichtete als stellvertretender Korrespondent in Kairo über den Golfkrieg. Zwischen 1988 und 2013 leitete Roth die ARD-Studios in Johannesburg, Moskau und New York sowie das Hauptstadtstudio in Berlin. Von 1995 bis 1998 wirkte er zudem als Hörfunkdirektor beim WDR. Größere Bekanntheit erlangte Roth durch sein „Russisches Tagebuch“, ein filmisches  Porträt der russischen Gesellschaft, Kultur und Politik. Für seine journalistische Berichterstattung wurde er unter anderem mit dem „Friedrich-Joseph-Haas-Preis“ für besondere Verdienste um die deutsch-russische Verständigung ausgezeichnet. Seit August 2013 ist Thomas Roth „Erster Moderator“ der ARD-„Tagesthemen“. „Heidelberg war eine ungeheuer anregende Zeit für mich – vielleicht sogar die schönste Zeit überhaupt“

 

 

 

Philipp Schaeffer
Foto: Gedenkstätte
Deutscher Widerstand

Philipp Schaeffer (1894 bis 1943)

Sinologe und Widerstandskämpfer im Dritten Reich

Philipp Schaeffer, der 1943 als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus hingerichtet wurde, gilt als der erste Doktorand des Sinologischen Instituts der Ruperto Carola. Ab 1920 studierte er in Heidelberg Philologie und wurde 1923 mit einer Arbeit über den Buddhisten Nagarjunas und dessen „60 Sätze des Negativismus“ promoviert. Zu Schaeffers Heidelberger Freunden zählte auch Netty Reiling, die später als Schriftstellerin Anna Seghers Berühmtheit erlangt. 1926 ging Schaeffer nach Berlin, wo er eine Anstellung an der Bezirkszentralbibliothek Berlin-Mitte fand, die er in den folgenden Jahren zu einer der bedeutendsten sozialwissenschaftlichen Bibliotheken in Berlin entwickelte. 1928 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands ein. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war Schaeffer trotz mehrerer Verhaftungen im Widerstand aktiv. Im Herbst 1942 wurde er wegen Hochverrats verurteilt und am 13. Mai 1943 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee enthauptet. In Erinnerung an den Widerstandskämpfer wurde die Zentralbibliothek Berlin-Mitte 1952 in „Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer“ umbenannt. Porträt: Weiß und rot

 

 

 

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Joseph Victor von Scheffel (1826 bis 1886)

Schriftsteller

Der aus Karlsruhe stammende Dichter Joseph Victor von Scheffel studierte mit Unterbrechungen von 1844 bis 1847 an der Ruperto Carola Jura und germanische Philologie. 1849 wurde er in Heidelberg „summa cum laude“ in Jura promoviert. Ende des 19. Jahrhunderts war Scheffel einer der populärsten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Generation, von ihm stammen auch viele bekannte Studentenlieder sowie das Lied „Alt-Heidelberg, du feine“, das in seinem 1854 veröffentlichten Versepos „Der Trompeter von Säckingen“ enthalten ist. Nach ihm ist der Scheffel-Preis benannt, der seit 1928 jedes Jahr an rund 700 Gymnasien mit Schwerpunkt Baden-Württemberg an die besten Abiturienten im Fach Deutsch vergeben wird. In Heidelberg tragen eine Straße und eine Schlossterrasse seinen Namen.

 

 

Schirrmacher

Frank Schirrmacher (1959 bis 2014)

Journalist und Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

Frank Schirrmacher, der an der Ruperto Carola Germanistik, Philosophie und Anglistik studierte, galt als einer der führenden deutschen Intellektuellen der Gegenwart. Er prägte nicht nur das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), sondern mit seinen Buchveröffentlichungen auch gesellschaftspolitische Debatten zu Themen wie demographischer Wandel, Lehren aus der weltweiten Finanzkrise ab 2008 und Herausforderungen des Internet-Zeitalters. Frank Schirrmacher studierte von 1979 bis 1985 an der Universität Heidelberg. Zu seinen ersten journalistischen Beiträgen gehört ein dreiseitiger Artikel im „Unispiegel“ vom Dezember 1981, in dem er über sein Studienjahr als Austauschstudent am Clare College in Cambridge berichtete. Nach seinem Examen wurde er am 1. Juli 1985 Redakteur im Feuilleton der FAZ, in dem er von 1989 bis 1993 die Redaktion „Literatur und literarisches Leben“ leitete. 1994 wurde er in den Kreis der Herausgeber der Zeitung aufgenommen. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählt das 2004 erschienene Buch „Das Methusalem-Komplott“, in dem er die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft thematisierte und das in 14 Sprachen übersetzt wurde. Frank Schirrmacher wurde für seine publizistische Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache (2007) und dem Ludwig-Börne-Preis (2009). Im Juni 2014 erlag er im Alter von 54 Jahren einem Herzinfarkt.

 

 

Schlink

Bernhard Schlink (geboren 1944)

Autor („Der Vorleser“) und Jurist

Der Autor und Jurist Bernhard Schlink wurde mit der in der Kurpfalz spielenden Krimi-Trilogie um den Privatdetektiv Gerhard Selb und mit seinem in Hollywood verfilmten internationalen Bestseller „Der Vorleser“ bekannt. Als Sohn des Heidelberger Theologie-Professors Edmund Schlink, der von 1953 bis 1954 auch Rektor der Ruperto Carola war, wuchs Bernhard Schlink in Heidelberg auf. Er studierte an der Ruperto Carola und in Berlin Jura und wurde 1975 in Heidelberg promoviert. Von 1982 bis 2009 war er Professor für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Rechtsphilosophie an den Universitäten Bonn und Frankfurt am Main sowie an der Humboldt-Universität in Berlin. Von 1987 bis 2006 war er zudem Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen. In seinen Romanen beschäftigt sich Schlink häufig mit dem Themenkomplex von Politik, Recht und Gerechtigkeit, Glauben und Schuld. Im Jahr 2000 übernahm er die Poetikdozentur an der Universität Heidelberg.

 

 

Robert Schumann

Robert Schumann (1810 bis 1856)

Komponist

Der Komponist und Pianist Robert Schumann studierte von Sommer 1829 bis Sommer 1830 an der Ruperto Carola Jura. An der Stelle seiner ersten Unterkunft in der Seminarstraße befindet sich heute das Romanische Seminar der Universität. In einem Brief an seine Mutter schrieb Schumann über dieses Quartier, es grenze „rechts an das  Irrenhaus und links an die katholische Kirche, daß ich wahrlich im Zweifel bin, ob man verrückt oder ob katholisch werden sollte. Er besuchte häufig die Konzerte der Heidelberger Musikgesellschaft und beteiligte sich am 24. Januar 1830 an einem Konzert im Heidelberger Museum. Im Sommer 1830 gab Schumann sein Jurastudium auf, um Pianist zu werden. In seinem Abgangszeugnis stand zu seinem Verhalten als Student: „Was dessen Betragen betrifft, so war solches den akademischen Gesetzen gemäß und anständig. Wegen Theilnahme an verbotenen Studenten-Verbindungen war er bei uns nicht in Untersuchung.“

 

 

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Anna Seghers (1900 bis 1983)

Schriftstellerin

Anna Seghers (eigentlich Netty Reiling), wurde am 19. November 1900 in Mainz geboren. Nach dem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Philologie und Sinologie in Köln und Heidelberg wurde sie 1924 an der Ruperto Carola mit der Dissertation „Jude und Judentum im Werk Rembrandts“ promoviert. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden ihre Bücher verboten und verbrannt und sie floh noch 1933 mit ihrer Familie nach Frankreich und 1941 weiter nach Mexiko. 1947 kehrte Anna Seghers nach Deutschland zurück und lebte zunächst in West-Berlin, von 1950 bis zu ihrem Tod in Ost-Berlin. Von 1952 bis 1978 war sie Präsidentin des Schriftstellerverbands der DDR. Seghers erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1947 den Georg-Büchner-Preis. Ihr Roman „Das siebte Kreuz“, der die Flucht von sieben Gefangenen aus einem Konzentrationslager schildert, wurde 1944 in Hollywood verfilmt.

 

 

Erwin Sellering
Foto: Studio Berger,
Schwerin

Erwin Sellering (geboren 1949)

SPD-Politiker, ehemaliger Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern

Erwin Sellering war von 2008 bis 2017 Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Er studierte Anfang der 1970er Jahre unter anderem in Heidelberg Jura und war danach als Richter an den Verwaltungsgerichten Gelsenkirchen und Greifswald tätig. 2000 wurde er Justizminister in Mecklenburg-Vorpommern, 2006 wechselte er in das Amt des Sozial- und Gesundheitsministers. Im Oktober 2008 übernahm er in der laufenden Legislaturperiode das Amt des Regierungschefs in Schwerin und wurde 2011 als Ministerpräsident wiedergewählt. Nachdem Sellering im November 2016 nach erneut gewonnener Landtagswahl seine dritte Amtszeit angetreten hatte, teilte er Ende Mai 2017 mit, dass er wegen einer Krebserkrankung sein Amt niederlegen werde. Anfang Juli 2017 löste ihn die bisherige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Regierungschefin ab.

 

 

 

Tilman Spengler
Foto: Katharina Kreye

Tilman Spengler (geboren 1957)

Sinologe, Schriftsteller und Journalist

Tilman Spengler studierte in Heidelberg Sinologie, Politik und Geschichte. Der Historiker und Schriftsteller war unter anderem Mitherausgeber der Kulturzeitschrift „Kursbuch“ und begleitete als China-Experte 2001 Bundeskanzler Gerhard Schröder und 2008 Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach China. Spengler ist Kuratoriumsmitglied des „Sinologie Heidelberg Alumni Netzwerk“ (SHAN). In einem Interview mit SHAN sagte er 2008 über seine Verbindung zu Heidelberg: „Zum ersten Mal eine Sinologievorlesung gehört, zum ersten Mal einen Fluss durchschwommen, zum ersten Mal in einer Universitätsbibliothek gearbeitet, zum ersten Mal hoffnungslos verliebt.“

 

 

 

Staeck
Foto: Manfred Mayer

Klaus Staeck (geboren 1938)

Plakatkünstler und Verleger

Der Heidelberger Klaus Staeck ist der wohl bekannteste politische Plakatkünstler Deutschlands und Präsident der Akademie der Künste. Er wurde 1938 in Pulsnitz bei Dresden geboren und wuchs in Bitterfeld auf. 1956 übersiedelte er in den Westen und wiederholte in Heidelberg das Abitur, da die DDR-Reifezeugnisse in der Bundesrepublik nicht anerkannt wurden. Von 1957 bis 1962 studierte er in Heidelberg, Hamburg und Berlin Jura, absolvierte anschließend sein Referendariat und war einige Jahre in Heidelberg als Anwalt tätig. Parallel zum Studium arbeitete Staeck, der 1960 in die SPD eintrat, bereits künstlerisch. 1965 gründete er den Verlag „Edition Tangente“, der später zur „Edition Staeck“ wurde und Kunstwerke internationaler Künstler wie Joseph Beuys vertreibt. Anfang der 1970er Jahre wurde er mit satirischen Plakaten bekannt. Staeck war Mitbegründer der Internationalen Kunst- und Informationsmesse Düsseldorf/Köln, aus der die Art Cologne hervorging, und nahm viermal an der Dokumenta teil. Gegen viele seiner Plakate wurde geklagt, er führte 41 Prozesse, die er alle gewann. Inzwischen umfasst sein künstlerisches Werk mehr als 300 Plakate, die weltweit in mehr als 3.000 Ausstellungen zu sehen waren. Seit 2006 ist Klaus Staeck Präsident der Akademie der Künste. Interview: "Ich musste mich früh für eine Haltung entscheiden“

 

 

 

Stock
Foto: Berlin-Brandenb.
Akademie

Günter Stock (geboren 1944)

Mediziner, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Günter Stock studierte von 1965 bis 1970 an der Ruperto Carola Medizin und war anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Physiologischen Institut. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität Göteborg habilitierte er sich 1978 in Heidelberg für das Fach Physiologie, 1980 übernahm er eine Professur für Vegetative Physiologie. 1983 wechselte Günter Stock zur Schering AG, bei der er zunächst den Bereich Kardiovaskuläre Pharmakologie und ab 1987 das Institut für Pharmakologie leitete. Von 1989 bis 2005 war er als Mitglied des Schering-Vorstands zuständig für Forschung und Entwicklung. Seit 2006 ist Günter Stock Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, seit 2008 Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und seit 2012 Präsident des Zusammenschlusses von 53 europäischen Wissenschaftsakademien, ALLEA. Stock ist zudem Mitglied verschiedener Kuratorien, Aufsichtsräte und wissenschaftlicher Institutionen. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise, darunter das Große Bundesverdienstkreuz für sein „herausragendes persönliches Engagement in der Wissenschafts- und Forschungspolitik“. Interview: "Man muss Wissenschaftlern die Freiheit geben, sich irren zu dürfen“

 

 

 

Hans-Christian Ströbele
Foto: B90 / Die Grünen

Hans-Christian Ströbele (geboren 1939)

Grünen-Politiker

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele studierte im Wintersemester 1960/1961 und im Sommersemester 1961 in Heidelberg und anschließend in Berlin Jura und Politikwissenschaft. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt und war als Gründungsmitglied des „Sozialistischen Anwaltskollektivs“ Verteidiger in den Prozessen gegen RAF-Terroristen. Später gehörte Ströbele zu den Gründern der linksalternativen Tageszeitung „taz“ und des späteren Berliner Landesverbands der „Grünen“. 1985 zog er bis 1987 erstmals für die Grünen in den Bundestag ein, seit 1998 ist er wieder Bundestagsmitglied, seit 2002 sogar der erste Grünen-Abgeordnete mit Direktmandat. Ströbele ist das dienstälteste Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums und sorgte im Herbst 2013 mit einem Treffen mit dem US-Whistleblower Edward Snowden für weltweites Aufsehen. Außerdem ist er der Neffe des Sportreporters Herbert Zimmermann, der mit seiner emotionalen Radioreportage beim Endspiel der Fußball-WM 1954 berühmt wurde – zusammen mit seinen Geschwistern hat Ströbele die Rechte an der „Tor, Tor, Tor!“ – „Deutschland ist Weltmeister!“- Reportage.

 

 

 

Thiele
Foto: ESA

Gerhard Thiele (geboren 1953)

Astronaut

Der deutsche Astronaut Gerhard Thiele studierte von 1978 an Physik an der Universität Heidelberg und wurde 1985 am Institut für Umweltphysik promoviert. 1986 suchte die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt, die Vorgängerorganisation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, nach deutschen Wissenschaftsastronauten. Gerhard Thiele bewarb sich zusammen mit 1.799 Kandidaten auf einen von fünf Plätzen. In verschiedenen Etappen wurden die Raumfluganwärter über mehrere Jahre auf ihre Missionen vorbereitet. Der Shuttleflug Gerhard Thieles im Februar 2000 dauerte 11 Tage, 5 Stunden und 39 Minuten, fand in einer Höhe von rund 235 Kilometern statt und diente der Vermessung der Erdoberfläche mittels Radar. Heute arbeitet Thiele bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA in Noordwijk, Niederlande. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Interview: "Handschuhsheim wurde so etwas wie mein zweites Wohnzimmer

 

 

 

Bernhard Vogel
Foto: KAS / Urban

Bernhard Vogel (geboren 1932)

CDU-Politiker, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (1976 bis 1988) und Thüringen (1992 bis 2003)

Der CDU-Politiker Bernhard Vogel war als einziger deutscher Politiker Ministerpräsident in zwei Bundesländern – Rheinland-Pfalz und Thüringen. Er wuchs als jüngerer Bruder des SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel in Gießen und München auf. Ab 1953 studierte er Politische Wissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft in Heidelberg und München und schloss sein Studium1960 mit einer Promotion bei Dolf Sternberger in Heidelberg ab. Von 1961 bis 1967 war er Lehrbeauftragter am Heidelberger Institut für Politische Wissenschaft. 1967 wurde Vogel im Kabinett Altmeier Kultusminister von Rheinland-Pfalz, 1976 übernahm er als Nachfolger von Helmut Kohl das Amt des Ministerpräsidenten. Seit 1974 war er auch Vorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU. Als es infolge eines heftigen innerparteilichen Streits auf dem Landesparteitag 1988 in Koblenz zu einer Kampfkandidatur um den Parteivorsitz kam, unterlag Vogel und trat daraufhin als Ministerpräsident zurück. 1989 übernahm er den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung, den er bis 1995 innehatte. Von 1992 bis 2003 war Vogel Ministerpräsident von Thüringen und von 1993 bis 2000 auch Vorsitzender der thüringischen CDU, deren Ehrenvorsitzender er seit 2004 ist. 2003 ernannte der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel Bernhard Vogel zum Professor. Interview: "Stolz auf die prägenden Jahre in Heidelberg"

 

 

 

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Antje Vollmer (geboren 1943)

Theologin und ehemalige Grünen-Politikerin

Antje Vollmer, die von 1994 bis 2005 die erste Bundestagsvizepräsidentin der Grünen war, studierte von 1962 bis 1968 unter anderem in Heidelberg Theologie. Nach mehrjähriger Arbeit  als wissenschaftliche Assistentin an der Kirchlichen Hochschule in Berlin und als Pastorin in Berlin-Wedding wurde sie 1973 promoviert. Zugleich absolvierte sie ein Zweitstudium der Erwachsenenbildung und arbeitete im Anschluss bis 1982 als Dozentin in der ländlichen Bildungsarbeit in Bielefeld-Bethel. 1983 wurde Vollmer Mitglied der ersten grünen Bundestagsfraktion, 1985 trat sie den Grünen bei. Mit Unterbrechungen war sie bis 2005 für die Partei im Bundestag, zeitweise auch als Fraktionsvorsitzende. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Parlament arbeitet sie als freie Autorin. Interview: "Im Sommer haben wir am Neckar nachts Kirschen geklaut“

 

 

Rosie Gräfin Waldeck
Foto: Rowohlt Archiv

Rosie Gräfin Waldeck (1896 bis 1977)

Journalistin und Autorin

Die Mannheimerin Rosie Goldschmidt, die in Heidelberg Kunstgeschichte studierte und 1920 bei Alfred Weber summa cum laude promoviert wurde, war im Berlin der Goldenen Zwanziger eine bekannte Journalistin und machte später unter dem Namen Rosie Gräfin Waldeck in den USA Karriere. Ihre journalistische Laufbahn startete sie nach einer gescheiterten Ehe mit dem bekannten Berliner Gynäkologen Ernst Gräfenberg. Nachdem sie sich als Journalistin mit Reiseimpressionen aus der Sowjetunion und Westafrika einen Namen gemacht hatte, heiratete sie 1929 den Verleger Franz Ullstein und löste aufgrund einer Verleumdungskampagne als vermeintliche deutsch-französische Doppelagentin einen Gesellschaftsskandal aus. 1931 ging die gebürtige Jüdin noch vor dem Machtantritt Adolf Hitlers in die USA. 1935 ging sie eine Scheinehe mit dem ungarischen Grafen Armin von Waldeck ein. Der Kriegsausbruch 1939 machte Rosie Gräfin Waldeck zu einer gefragten Expertin für das Dritte Reich und verhalf ihr zum journalistischen Durchbruch in den USA. Nach Kriegsende war sie zunächst mit einem historischen Roman erfolgreich, in den 50er Jahren geriet die einst erfolgreiche Journalistin allerdings in Vergessenheit. Porträt: Das schillernde Leben der Rosie Gräfin Waldeck

 

 

 

Alfred Weber

Alfred Weber (1868 bis 1958)

Nationalökonom und Soziologe

Alfred Weber wurde 1907 an die Ruperto Carola berufen, an der er – unterbrochen vom Ersten Weltkrieg und der NS-Diktatur – bis kurz vor seinem Tod Nationalökonomie und Kultursoziologie unterrichtete. In Heidelberg beendete er 1908 sein nationalökonomisches Hauptwerk „Über den Standort der Industrien“, bevor er sich vorwiegend kultursoziologischen Studien zuwandte und diese Forschungsrichtung an der Ruperto Carola einführte. Von 1923 bis 1933 leitete er das nationalökonomische Institut, das er in „Institut für Sozial- und Staatswissenschaften“ umbenannte. Weber engagierte sich neben seiner wissenschaftlichen Arbeit auch politisch: Im Kaiserreich war er vor allem sozialpolitisch aktiv, nach 1918 kämpfte er für den Erhalt der Weimarer Demokratie. Im März 1933 ließ sich Weber nach öffentlichen Protesten gegen das NS-Regime in den Ruhestand versetzen. 1945 gehörte er zum sogenannten Dreizehnerausschuss, der den Neuaufbau der Ruperto Carola organisierte, und kehrte an die Universität zurück, die ihm 1948 die Ehrensenatorenwürde verlieh. 1955 wurde er emeritiert. Weber engagierte sich für den demokratischen Neubeginn, wurde Mitglied der SPD und sprach sich gegen die Stationierung von Atomwaffen in der Bundesrepublik aus. Nach ihm ist das Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg benannt. Das Grab von Alfred Weber befindet sich wie das seines Bruders Max Weber und von dessen Ehefrau Marianne auf dem Heidelberger Bergfriedhof.

 

 

Marianne Weber
Gemälde: Marie Davids
1900

Marianne Weber(1870 bis 1954)

Rechtshistorikerin, Frauenrechtlerin und Politikerin

Die Ehefrau von Max Weber machte sich nicht nur als Frauenrechtlerin einen Namen, sondern auch als Rechtshistorikerin, Politikerin, Autorin und Förderin des wissenschaftlichen Werks ihres Mannes. Auch wenn ihr in jungen Jahren als Frau die offizielle Zulassung zum Studium verwehrt blieb, besuchte sie Vorlesungen und Seminare an den Universitäten Freiburg und Heidelberg, an denen ihr Mann lehrte. Wissenschaftlich widmete sie sich neben philosophischen Themen vor allem der Rechtsgeschichte der Frauen, zu der 1907 ihre umfangreiche Übersicht „Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung“ erschien. Nach dem Tod ihres Mannes editierte sie dessen wissenschaftlichen Nachlass. Außerdem engagierte sich Marianne Weber in der Frauenbewegung, in der sie als zeitweilige Vorsitzende des Bundes deutscher Frauenvereine auch eine Führungsrolle übernahm. Mit Einführung des Frauenwahlrechts wurde sie 1919 für die Deutsche Demokratische Partei (DDP), zu deren Gründern Max Weber gehörte, in die Badische Verfassungsgebende Versammlung gewählt. Von 1911 bis 1919 hielt Marianne Weber im Wohnhaus des Ehepaares einen Jour fixe für Wissenschaftler und Studenten ab, der zum Zentrum des Heidelberger Geisteslebens wurde. Nach dem Tod ihres Mannes 1920 ließ sie 1924 diesen Gesprächskreis wieder aufleben, dessen Mittelpunkt nun ihr Schwager Alfred Weber wurde und dessen engste Mitglieder 1945 eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau der Universität Heidelberg übernahmen. Zu den Teilnehmern dieser beiden Diskussionsrunden gehörten unter anderen Gustav Radbruch, Karl Jaspers, Ernst Bloch, Ernst Toller, Martin Dibelius und Walter Jellinek. Als Würdigung ihrer wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Verdienste verlieh die juristische Fakultät der Ruperto Carola Marianne Weber 1922 die Ehrendoktorwürde.

 

 

 

Max Weber

Max Weber (1864 bis 1920)

National- und Sozialökonom, Jurist, Soziologe

Das Werk Max Webers, der gleichermaßen Jurist, National- und Sozialökonom, Soziologe, Politikwissenschaftler und Historiker war, gilt als moderner Klassiker. Seine Schrift „Politik als Beruf“ ist auch rund 100 Jahre nach seinem Tod noch ein Standardwerk der Politikwissenschaft. Die Universität Heidelberg erlebte Max Weber als Studenten und als Lehrenden. Nach seinem Jura-, Philosophie-, Geschichte- und Nationalökonomiestudium unter anderem an der Ruperto Carola (1882/83) übernahm Weber nach Stationen in Berlin und Freiburg 1897 das Ordinariat für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft in Heidelberg. Wegen einer Nervenerkrankung musste er seine Lehrtätigkeit bereits früh einschränken und 1903 ganz aufgeben, so dass er fortan nur noch Privatgelehrter war. Als Ersatz für das ihm fehlende Seminar richtete Webers Frau Marianne einen regelmäßigen Gesprächszirkel im Salon ihres Hauses ein. An diesem Jour fixe, der von 1911 bis 1919 stattfand, nahmen Freunde der Familie und enger verbundene Kollegen sowie viele jüngere Wissenschaftler und empfohlene Studenten teil, er war neben dem George-Kreis der bedeutendste Zirkel des intellektuellen Heidelberg dieser Zeit. 1909 war Max Weber einer der  Mitbegründer der noch heute bestehenden Deutschen Gesellschaft für Soziologie, daneben war er auch politisch aktiv: 1896 gehörte er zu den Gründern des Nationalsozialen Vereins und 1918 der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). In seinem früheren Wohnhaus, dem Max-Weber-Haus, befindet sich heute das Internationale Studienzentrum der Ruperto Carola, zudem ist das Institut für Soziologie nach ihm benannt.

 

 

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Margret Wintermantel (geboren 1947)

seit 2012 Präsidentin des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD), 2006 bis 2012 Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Margret Wintermantel trat 1972 nach einem Studium der Psychologie und Publizistik in Mainz als Assistentin in die Forschungsabteilung des Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg ein. 1986 habilitierte sie sich an der Ruperto Carola, an der sie bis zu ihrem Wechsel an die Universität des Saarlandes 1992 lehrte und forschte. Von 2000 an war sie Präsidentin der Universität des Saarlandes, bevor sie 2006 HRK-Präsidentin wurde. Seit 2012 ist Margret Wintermantel Präsidentin des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes.

 

 

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Ursula Wölfel (geboren 1922)

Kinder- und Jugendbuchautorin

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Ursula Wölfel studierte von 1941 bis 1942 in Heidelberg Germanistik, Philosophie, Psychologie und Geschichte. Nach Ende des Krieges absolvierte sie eine Lehrerausbildung am Pädagogischen Institut in Jugenheim und setzte berufsbegleitend ihr Studium in Frankfurt am Main fort. Von 1955 bis 1958 unterrichtete Wölfel als Sonderschullehrerin in Darmstadt. 1959 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch. Seit 1961 ist Ursula Wölfel als freie Schriftstellerin tätig und gilt als eine der bedeutendsten deutsch­sprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen der Gegenwart. Sie verfasste zahlreiche Bücher, die mit vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt und in über 15 Sprachen übersetzt wurden. 1991 erhielt sie für ihr Gesamtwerk den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises.

 

 

Angelika Zahrnt

Angelika Zahrnt (geboren 1944)

Ökonomin

Angelika Zahrnt war von 1998 bis 2007 als erste Frau Bundesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Nach einem VWL-Studium in Heidelberg (1963 bis 1968) arbeitete sie ein Jahr am Lehrstuhl von Prof. Dr. Carl Christian von Weizsäcker an der Ruperto Carola und wurde 1973 bei Prof. Dr. Adolf Angermann promoviert. Weiter berufliche Stationen waren Siemens, das Stadtentwicklungsreferat München und die Abteilung Landesplanung der Hessischen Staatskanzlei. Von 1978 an war Angelika Zahrnt in der Familie, freiberuflich und ehrenamtlich tätig, unter anderem im Öko-Institut Freiburg. 1986 begann ihre Mitarbeit auf der Bundesebene des BUND, 1998 wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Seit 2008 ist sie Ehrenvorsitzende. Angelika Zahrnt hat unter anderem zur ökologischen Steuerreform und zum Thema Nachhaltigkeit publiziert und war Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung (2001 bis 2013). 2009 verlieh ihr das Land Baden-Württemberg den Ehrentitel „Professorin“. 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Interview: "Wir müssen unabhängiger vom Wirtschaftswachstum werden“

 

 

Zuckmayer Carl Cc By Sa Bundesarchiv Bild 146-2005-0008
Foto: Bundesarchiv,
CC-BY-SA

Carl Zuckmayer (1896 bis 1977)

Schriftsteller

Der Schriftsteller Carl Zuckmayer studierte von Mai 1919 bis zum Ende des Sommersemesters 1920 an der Ruperto Carola unter anderem Kunstgeschichte und Philosophie. Als ihm die Universität 1967 die Ehrenbürgerwürde verlieh, sagte er in seiner akademischen Festrede, er habe „nie wirklich und konsequent studiert, nie eine akademische Laufbahn abgeschlossen“. In Heidelberg freundete sich Zuckmayer unter anderem mit den späteren Widerstandskämpfern Carlo Mierendorff und Theodor Haubach an. „Wenn ich an Heidelberg zurückdenke, erscheint es mir in einem immerwährenden Glanz von Frühlicht und Morgensonne, von Heiterkeit, Illumination, Beschwingtheit und geistiger Erregung“, erinnerte er sich später an seine Studienzeit. Mit Stücken wie "Der fröhliche Weinberg" (1925) und "Der Hauptmann von Köpenick" (1931) war Zuckmayer einer der bestbezahlten Autoren der Weimarer Republik. Im Dritten Reich wurden seine Werke verboten und Zuckmayer, dem die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, ging ins Exil. Nach dem Krieg lebte er abwechselnd in den USA und Europa und konnte an seinen früheren literarischen Erfolg anknüpfen. Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde erklärte die Ruperto Carola: „Die Universität erneuert damit das akademische Bürgerrecht einem ihrer ehemaligen Studenten, der durch sie formende Eindrücke erfuhr, der, dem lebendigen Geist dieser Universität verhaftet, mit seinen Freunden wider den Ungeist der Zeit wachsam stritt, der ein Bild der Universität der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und vieler ihrer besten Gestalten entwarf, das auch künftige Generationen mahnt und verpflichtet.“

 

 

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 04.07.2017
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