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Olympia-Gold an der Ruperto Carola

1972 gewann der Heidelberger Student und Hockey-Nationalspieler Dieter Freise in München

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Foto: Hentschel

Dieter Freise

Schon als kleiner Junge stand Dieter Freise bei Spielen des Hockey-Clubs Heidelberg, dessen zweiter Vorsitzender sein Vater war, hinter dem Tor, schaute zu und spielte mit dem Schläger herum. Mit zehn Jahren begann er selbst Hockey zu spielen und startete eine beeindruckende Amateur-Karriere: Mit dem HC Heidelberg wurde er zweimal deutscher Meister, mit der Nationalmannschaft Europameister – und als Krönung gehörte der „Ur-Heidelberger“, wie er sich selbst nennt, 1972 bei den Olympischen Spielen in München mit 27 Jahren zu den Gewinnern der Goldmedaille. „Olympia-Gold ist das Größte, was es für einen Sportler gibt, egal ob Profi oder Amateur“, erklärt der 67-Jährige, der an der Ruperto Carola Zahnmedizin studierte.

Freise 1972
Bild: privat
1972

1969, mit 24 Jahren, absolvierte Freise in Pakistan sein erstes Länderspiel. Für die Olympischen Spiele nahm sich der Student ein Urlaubssemester, um sich ganz auf seinen Sport konzentrieren zu können. Die deutsche Mannschaft gehörte damals keineswegs zu den Favoriten auf den Sieg: „Man hat zwar mit uns rechnen müssen, aber man dachte, dass Gold wieder an Pakistan oder Indien geht, wie immer in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, oder ansonsten an Holland oder Australien“, erzählt Freise. Doch Deutschland gewann im Finale 1:0 gegen Pakistan: „Damit war die Hockey-Vorherrschaft von Asien gebrochen.“

Freise 1972
Bild: privat
1972

Die Gewinner der Silbermedaille erwiesen sich allerdings als schlechte Verlierer, was die Freude etwas trübte: „Die Siegerehrung hat sich verzögert, weil die pakistanischen Fans das Podest gestürmt haben, und die Spieler haben sich geweigert, zur Siegerehrung zu gehen, weil sie dachten, dass sie betrogen worden seien“, erinnert sich Freise. „Ich weiß bis heute nicht, wo es bei diesem Spiel einen Betrug gegeben haben soll.“ Die pakistanischen Spieler seien lebenslang gesperrt worden, später habe der pakistanische Hockeyverband der deutschen Mannschaft als Wiedergutmachung einen riesigen Pokal überreicht, „der wird jetzt bei der deutschen Meisterschaft ausgespielt, was kaum einer weiß“, erklärt Freise.

 

Zusammenhalt bis heute

Bei den Olympischen Spielen in Montréal vier Jahre später war dann Deutschland der Favorit – und landete auf dem 5. Platz. „Da hat einiges innerhalb der Mannschaft nicht hingehauen“, erinnert sich Freise, der kurz danach seine Karriere in der Nationalmannschaft beendete, weil er im April 1976 die Zahnarztpraxis seiner Eltern übernommen hatte. Noch heute schwärmt er aber vom Zusammenhalt und der guten Stimmung in der Mannschaft von 1972 – und beides hat offenbar bis heute gehalten: Im Sommer feierten die Spieler gemeinsam das 40. Jubiläum ihres Triumphs. Und auch sonst treffen sie sich regelmäßig, seit einigen Jahren sogar jährlich.

Freise als Trainer
Bild: privat
Dieter Freise als Trainer

Zum achttägigen Jubiläumstreffen gehörte auch ein Besuch in München im Olympia-Stadion und im ehemaligen Olympia-Dorf – auch am Ort des Attentats auf die israelische Mannschaft. „Wir waren zwar alle auch eingeladen zur Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck, aber weil der Großteil unserer Mannschaft zu dieser Zeit im Urlaub war, sind wir privat dorthin gegangen“, erzählt Freise. „Mit diesem Anschlag hat damals niemand gerechnet, ich habe mich am nächsten Morgen, als ich noch nichts wusste, erstmal gewundert, dass plötzlich so viele Polizisten und Sicherheitskräfte im Dorf waren. Vorher war alles offen und frei, die Sportler sind nachts im Trainingsanzug über den Zaun zu nächtlichen Ausflügen aufgebrochen – in Montréal 1976 war es dann das genaue Gegenteil.“

1982 wurde Freise noch einmal mit dem HC Heidelberg Deutscher Meister, dann verabschiedete er sich aus dem aktiven Sport, blieb aber dem HCH noch bis 2003 als Trainer erhalten. „Das war auch noch mal eine interessante Zeit, und mit der B-Jugend der Mädchen war ich auch recht erfolgreich“, erinnert er sich. 2009 übergab er seine Zahnarztpraxis in der Heidelberger Altstadt seinem Nachfolger, seither ist er im „Unruhestand“, wie er es nennt. Als Rentner ist Freise vom Hockey zum Golf gewechselt: „Wir Hockeyspieler treffen auch Golfbälle, auch wenn die kleiner sind, aber ich spiele nicht mit viel Ehrgeiz – das habe ich lange genug gehabt!“ (2012)

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Letzte Änderung: 24.10.2014
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