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Mit dem Nachtzug von Florenz nach Heidelberg

Der italienische Politikwissenschaftler Mario Caciagli kam als Humboldt-Stipendiat an die Ruperto Carola

Caciagli
Mario Caciagli

In den 90er Jahren setzte sich Mario Caciagli regelmäßig in Florenz in den Nachtzug, um für ein paar Tage nach Heidelberg zu fahren. Sein Ziel: Die Bibliothek des Instituts für Politische Wissenschaft (IPW). „Ich brauchte für meine Forschungen viele Bücher und Zeitschriften, und das war einfach eine sehr gute Bibliothek“, sagt der Professor für Politikwissenschaft, der bis zu seiner Emeritierung Anfang 2013 an der Universität Florenz lehrte und forschte. Kennengelernt hatte er die von ihm so geschätzte Bibliothek während mehrerer Forschungsaufenthalte am IPW als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in den 70er und 80er Jahren und als Gastprofessor im Sommersemester 1991.

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Prof. Dr. Klaus von Beyme

Dass der „Humboldtianer“ Caciagli sich die Ruperto Carola als Gastgeber aussuchte, lag vor allem an seinem Heidelberger Kollegen Klaus von Beyme, der als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Politikwissenschaftler gilt. „Ich wollte mich gerne für ein Humboldt-Stipendium bewerben und dafür musste ich ein gutes politikwissenschaftliches Institut als Gastgeber aussuchen“, erklärt Mario Caciagli. „Also habe ich Klaus von Beyme, der auch in Italien schon bekannt war, gefragt, ob das Institut mich als Gastforscher annehmen wolle.“ Von Beyme stimmte zu und so kam der Experte für Parteien- und Wahlforschung sowie Regionalpolitik im Sommer 1979 erstmals an die Ruperto Carola, an der er bis zum Frühjahr 1980 forschte. „Seither sind Klaus von Beyme und ich befreundet“, erklärt er. 1984 und 1986 kehrte Caciagli für weitere Forschungsaufenthalte an den Neckar zurück, und im Sommersemester 1991 hielt er schließlich als Gastprofessor am IPW ein Seminar zu Politik in Italien.

 

Viele Forschungsaufenthalte in Deutschland

Florenz

Foto: Sherseydc, Creative Commons BY-SA 1.0

Florenz

Neben Gastprofessuren an weiteren europäischen Hochschulen, darunter auch die Universität Bonn, lehrte und forschte Mario Caciagli vor allem an der Universität Florenz, die auch seine eigene Alma Mater war. „Ich habe mich schon in der Schule immer sehr für Geschichte, Zeitgeschichte und Politik interessiert und mich dann entschieden, in Florenz Zeitgeschichte zu studieren“, erzählt er. Wie in Deutschland auch etablierte sich Politikwissenschaft als universitäres Lehrfach in Italien erst in der Nachkriegszeit. Schon bald spezialisierte sich Caciagli auf Parteien- und Wahlforschung und arbeitete nach dem Studium einige Jahre bei einem Forschungszentrum in Rom. 1964 ging er zusammen mit seiner Frau, einer italienischen Germanistin, an die Universität Saarbrücken, an der er bis 1967 als Lektor für Italienisch tätig war. „In dieser Zeit entwickelte sich meine Leidenschaft für deutsche Politik und Geschichte“, erklärt er. So fuhr er nach der Rückkehr nach Italien, wo er nach Stationen an einer Schule und den Universitäten Padua und Catania schließlich nach Florenz zurückkehrte, immer wieder für Forschungsaufenthalte nach Saarbrücken und an andere deutsche Hochschulen wie Bonn oder Berlin.

„Ich war überall, ich kenne fast alle deutschen Städte“, erzählt Caciagli lachend. Auch die DDR lernte er 1979 kennen, als seine Frau während seines ersten Heidelberg-Aufenthalts einer beruflichen Einladung nach Weimar folgte und er sie dort besuchte. Allerdings war die innerdeutsche Kommunikation damals eher schwierig, so dass das Ehepaar über den Umweg Italien miteinander kommunizieren musste: „Die telefonische Verbindung war unmöglich, also musste ich bei meiner Schwiegermutter in der Toskana anrufen und ihr meine Neuigkeiten mitteilen, woraufhin dann meine Frau ihre Mutter anrief, um zu erfahren, was ich so machte. Auch meine Fahrt nach Weimar mit Auto und Zug war ziemlich kompliziert.“

Mit all diesem Erfahrungswissen wurde Deutschland zu einem der Lehr- und Forschungsschwerpunkte des Politikwissenschaftlers. Unter anderem hat er ein Buch über Regionen in Europa geschrieben, in dem er auch die deutschen Bundesländer behandelt, und zahlreiche Aufsätze über das Wahlverhalten in der Bundesrepublik. Auch im Ruhestand ist der Begründer der Italienischen Gesellschaft für Wahlstudien (SISE), deren Vorsitz er von 1983 bis 1986 innehatte und deren Ehrenvorsitzender er heute ist, weiterhin wissenschaftlich aktiv. Unter anderem ist Mario Caciagli Herausgeber der halbjährlich erscheinenden Zeitschrift „Quaderni dell’ Osservatorio elettorale“. Und auch bei Heidelberg Alumni International (HAI) engagiert er sich und kam im Februar 2013 zur Gründungsveranstaltung des italienischen Alumni-Clubs nach Rom: „Die Club-Gründung ist eine hervorragende Idee, die auch funktionieren kann – so bleiben wir in Kontakt!“, freute er sich damals. Mit einem Wiedereinladungsprogramm von HAI war Caciagli im September 2013 erneut in Heidelberg, um neue Projekte mit dem IPW anzustoßen – und dabei konnte er gleich auch die Bundestagswahl live vor Ort beobachten.

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Letzte Änderung: 24.10.2014
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