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Sevil Korkmaz liebt Herausforderungen – in der Wissenschaft wie in der Musik

Sevil Korkmaz mit ihrem Bruder Barıs

Foto: Vögele

Sevil Korkmaz mit ihrem Bruder Barış bei einem Auftritt der Band »Barış ve Damlalar« auf dem Sommerfest 2013 der Universität Heidelberg.

»Jeder in der Türkei soll uns kennen. Das ist das Ziel.« Sevil Korkmaz lacht. »Ich weiß nicht, ob das jemals passieren wird«, räumt sie ein. »Aber ein guter Ansporn ist es allemal.« Die gebürtige Türkin ist stellvertretende Leiterin der herzchirurgischen Forschung am Uniklinikum Heidelberg und befasst sich dort mit einem Stipendium der Medizinischen Fakultät mit Herzmuskelerkrankungen. Doch nicht nur als Wissenschaftlerin ist die 36-Jährige vielen ein Begriff. Auch als Sängerin der türkischen Pop-Band »Barış ve Damlalar« hat sie sich einen Namen gemacht.

Nach den Anfängen ihrer musikalischen Laufbahn gefragt, muss Sevil Korkmaz weit zurückdenken: »Das war ein Jahr, nachdem meine Großmutter, mein Bruder und ich aus der Türkei nach Frankreich gezogen sind«, erinnert sich die Herzspezialistin. »Auslöser war ein Sommerfest meiner Schule, bei dem sich jedes Kind an einer Aufführung beteiligen sollte.« Weil die damals Zwölfjährige keine Lust auf die bereits existierende Theater-AG hatte, beschloss sie, eine türkische Volkstanzgruppe zu gründen. Zwanzig Kinder schlossen sich ihr an, acht Monate trainierten sie und gewannen sogar den Bürgermeister der Stadt als Unterstützer. Auch nach dem Schulfest trat die Gruppe zusammen auf. Irgendwann – als Erweiterung ihres Tanzprogramms – kam dann die Musik hinzu: Sevil, ihr drei Jahre älterer Bruder Barış sowie die gemeinsame Freundin Elodie sangen, die Gruppe tanzte zu ihren Rhythmen.


»Uns war immer klar, dass die Musik nur ein Hobby ist, die Wissenschaft geht vor.«
 

Sevil Korkmaz
Sevil Korkmaz

Was bei einem Schulfest seinen Anfang nahm, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer erfolgreichen Musikkarriere: 1994 gewannen die drei als »Barış ve Damlalar« den ersten Platz bei einem Jugend-Musik- Wettbewerb in Paris und wurden von einem türkischen Produzenten entdeckt. Wenig später nahmen sie ihre ersten Songs auf. 100.000 Alben haben Sevil Korkmaz und ihre Band in ihrer Hochphase verkauft, 2006 erreichte ihr Hit »Melisa« Platz drei der türkischen Charts, Auftritte vor bis zu 20.000 Zuschauern folgten – das alles parallel zur schulischen Ausbildung und dem Studium in Frankreich. Der große Durchbruch von »Barış ve Damlalar« liegt zwar schon einige Jahre zurück, doch noch immer werden Songs der Band in türkischen Radiosendern gespielt, noch immer treffen tagtäglich Fanbriefe ein, und noch immer wird Sevil auf der Straße erkannt und angesprochen – selbst hier in Heidelberg.

»Wir haben Zeit«, meint Sevil Korkmaz auf die Frage, wie sie das ambitionierte Ziel erreichen will, ihren Bekanntheitsgrad in der Türkei noch zu steigern. »Uns war immer klar, dass die Musik nur ein Hobby ist, die Wissenschaft geht vor.« Denn nicht nur Sevil arbeitet ehrgeizig in ihrem Forschungsfeld, ihr Bruder ist Biochemiker, die Dritte im Bunde, Elodie Kara, ist Molekularbiologin. Die Berufe der drei und die räumliche Trennung – Sevil lebt seit sechs Jahren in Heidelberg, Barış und Elodie im französischen Tours – verhindern regelmäßige Proben und Auftritte der Band. Dennoch: Die gemeinsame Musik ist und bleibt fester Bestandteil ihres Lebens. Nach der Arbeit im Labor schreibt Sevil abends häufig an Texten und schickt diese ihrem Bruder, der die Melodien hierzu komponiert. Von Zeit zu Zeit trifft sich die Band, um die neuen Lieder einzusingen. Drei Songs hat »Barış ve Damlalar« auf diese Weise im letzten Jahr veröffentlicht.

Auch dem Tanz ist die Wissenschaftlerin treu geblieben. Wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Heidelberg gründete sie eine türkische Volkstanzgruppe für Kinder. »Ich kann einfach nicht still sitzen«, sagt Sevil Korkmaz. Die Lust, immer wieder Neues auszuprobieren, und den Biss, sich immer wieder neuen Situationen zu stellen, hat sie ihrem Vater zu verdanken. Er habe ihr früh Verantwortung übertragen, erzählt Sevil, und sie in schwierigen Situationen, wie den ersten Jahren ohne die Eltern in Frankreich, stets ermutigt. Auch im Beruf kommen ihr diese Stärken zugute. »Ich habe kein Problem, auf andere zuzugehen – auch wenn mein Deutsch sicher nicht fehlerfrei ist. Was habe ich schon zu verlieren?«

Ute von Figura

Dieser Artikel ist in der UNISPIEGEL 1/2015 (Seite 10) erschienen.
E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 08.09.2015
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