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Herz einer Löwin

Sportstudentin Silvana Chojnowski kickt national und international auf höchstem Niveau

Silvana Chojnowski

Foto: Uwe Grün

Mit der TSG 1899 Hoffenheim möchte Silvana Chojnowski bald auch international spielen. Champions-League-Erfahrung hat die Heidelberger Sportstudentin bereits: 2012 gelang ihr mit ihrem früheren Verein, dem FFC Frankfurt, sogar der Einzug ins Halbfinale dieses Wettbewerbs – dank eines Treffers von ihr in der 89. Minute. Zudem hofft Silvana Chojnowski, sich mit der polnischen Nationalmannschaft für die Europameisterschaften zu qualifizieren, die 2017 in den Niederlanden stattfinden.

Dutzende Male stand Silvana Chojnowski für die Junioren-Teams des DFB auf dem Platz, zu ihren größten Erfolgen zählte dabei 2012 der U-20-Vize-Weltmeistertitel. Seit dem vergangenen Jahr tritt sie für die polnische Nationalmannschaft an und gehört dort ebenfalls zu den Leistungsträgerinnen. Die 22-Jährige, die in der aktuellen Saison für den Erstligisten TSG 1899 Hoffenheim kickt, studiert an der Universität Heidelberg Sportwissenschaften und vermittelt als Tutorin ihr Fußball-Wissen an andere Studierende.

»Geht frontal auf den Gegner zu, dreht euch mit dem Rücken zu ihm ein, um den Ball an ihm vorbei zu dribbeln, und lasst ihn ins Leere laufen«, erklärt Silvana Chojnowski einer kleinen Gruppe von Sportstudentinnen. Sie haben sich auf dem Trainingsplatz der Universität im Neuenheimer Feld versammelt, um mit Silvana das technische Einmaleins des Fußballs zu üben. Der »Einfache« und der »Doppelte Übersteiger« stehen heute noch auf dem Plan. Mit routinierten Bewegungen führt Silvana die Schrittabfolge vor. Schon der kurze Ballkontakt zeigt: Hier dribbelt eine, die diese Tricks im Blut hat. Ein schneller Übersteiger rechts, einer links, ein kurzer Kick des Balls und ruckzuck hat Silvana ihren imaginären Gegenspieler übervorteilt. Bereits in der Grundschule war der gebürtigen Frankfurterin mit polnischen Wurzeln klar: Ich will Fußballerin werden.

Silvana Chojnowski

Foto: Uwe Grün

»Fußball ist von jeher mein Ding. Auch wenn ich mal platt von der Uni bin – auf das Training freue ich mich immer.«

Den rechten Unterarm von Silvana Chojnowski ziert ein großflächiges Tattoo: der Kopf eines Löwen, umrahmt von einer Reihe römischer Ziffern. Letzteres sind die Geburtstage ihrer Eltern, die sich Silvana als Symbol für die Verbundenheit mit ihrer Familie hat stechen lassen. Der Löwe steht für ihren Kampfgeist. Mit 16 Jahren erlitt sie ­einen Bandscheibenvorfall, der fast zum Karriereaus geführt hätte. Drei Ärzte prophezeiten Silvana, dass sie sich den Leistungs­sport besser abschminken solle – ein Schlag ins Gesicht für die damals vielversprechende Jugendspielerin. Durch konstantes Training und einen festen Willen konnte sie sich dennoch in die Topklasse des Fußballs vorkämpfen – auch dank der Unterstützung ihres Mentors, sportlichen Beraters und guten Freundes Edin Softic, der in dieser Zeit ihr Reha-Trainer war und der sie bis heute begleitet. Von ihm stamme auch der Spitzname »Löwin«, erzählt die Sportlerin.

»Im Kindergarten hielten mich die Betreuerinnen für hyperaktiv, empfahlen eine zusätzliche körperliche Auslastung«, erinnert sich Silvana Chojnowski an die Ursprünge ihrer Karriere. Die Eltern steckten sie ins Turntraining. Doch kaum in der Schule, kickte Silvana jede Pause mit den Jungs und wurde schließlich von ihnen zum Probetraining in den nahe gelegenen Verein eingeladen. Eigentlich sollte sie an diesem Tag bei ihrem ersten Turnwettkampf antreten, diesen Plan jedoch warf sie kurzerhand über Bord und überredete ihren Vater, sie stattdessen zum Fußballplatz zu fahren. »Papa war erst skeptisch, hat dann aber sehr schnell realisiert, wie viel mir der Sport bedeutet.« Von da an habe er bei jedem Training, jedem Turnier am Spielfeldrand gestanden und sie unterstützt. Die Mutter begleitete derweil Silvanas vier Jahre älteren Bruder zum Tanztraining – ein Bruch mit den typischen Rollenbildern, der in der Verwandtschaft immer wieder für Späße gesorgt habe, erzählt die Sportstudentin lachend.

Seit sie 18 Jahre alt ist, kann sich Silvana Chojnowski durch ihre Verträge erst mit dem FFC Frankfurt, nun mit der TSG Hoffenheim selbst finanzieren. »Leider reicht es nicht dafür, größere Beträge zurückzulegen«, bedauert die knapp 1,70 Meter große Stürmerin. Sie weiß zudem, dass sie den Fußball noch maximal zehn Jahre hochklassig betreiben kann. Auch der Bandscheibenvorfall und ein späterer Kreuzbandriss haben ihr gezeigt, wie wichtig es ist, ein zweites Standbein aufzubauen – extrem lehrreich sei die Bewältigung dieser beiden Verletzungen gewesen, so Silvana. In den letzten Jahren holte sie daher zunächst ihr Abitur nach, vor zwei Semestern dann begann sie mit dem Sportstudium. Für ihre berufliche Zukunft habe sie genaue Vorstellungen, erklärt die Fußballerin: »Ich möchte im Bereich Rehabilitation arbeiten, verletzten Spielerinnen helfen, zurück in den Sport zu finden.«

Für ihre Karriere als Fußballerin wünscht sich Silvana Chojnowski, auch auf Vereinsebene wieder international zu spielen – so wie bei ihrem Profi-Debüt 2012 in der Champions League, damals noch für Frankfurt, als ihr in der 89. Minute kurz nach ihrer Einwechslung der entscheidende Treffer gelang, um den Einzug ins Halbfinale zu sichern. Zudem hofft sie, sich mit der polnischen Nationalmannschaft für die Europameisterschaften zu qualifizieren, die 2017 in den Niederlanden stattfinden. Die Chancen stünden derzeit zwar nicht so gut – nach einem zunächst respektablen Unentschieden gegen die starken Dänen setzte es eine enttäuschende Niederlage gegen die eigentlich schwächere slowakische Mannschaft –, »möglich ist aber noch alles«, zeigt sich Silvana optimistisch. Das Vorbild der Stürmerin ist übrigens Zlatan Ibrahimović, der als einer der besten Offensivspieler der Welt gilt. »Er mag zwar reichlich selbstverliebt sein, aber mir gefällt seine Einstellung zum Spiel, sein Kampfgeist.«

Ute von Figura

Dieser Artikel ist im UNISPIEGEL 2/2016 (Seite 14) erschienen.
E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 26.07.2016
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