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Anfahrtsbeschreibung

 

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Das Archiv der Universität Heidelberg

Von Werner Moritz

Mit der Gründung der Universität Heidelberg im Jahre 1386 ergab sich das Problem der Verwahrung aller Urkunden, die ihre Privilegien und ihren Besitzstand sicherten, von selbst. Der erste Rektor, Marsilius von Inghen, entsprach 1388 diesem Erfordernis, indem er die bis zu Anfang Februar jenen Jahres eingekommenen Urkunden in einer eigens hierfür gekauften und in der Heiliggeistkirche deponierten Kiste unterbringen ließ. Der Vorgang kann als Geburtsstunde des Archivs der Universität gelten, obwohl damit zunächst natürlich weder die eigenständig räumliche noch die institutionelle Begründung einer solchen Einrichtung verbunden war. Der gewachsene Umfang der Dokumente ließ wohl erst im 16. Jahrhundert zu Zeiten Ottheinrichs eine anspruchsvollere Unterbringung ratsam erscheinen. 1557 brachte man das Archiv in der Sakristei des Augustinerklosters unter und ordnete es neu. Ende 1604 unterstellte man das Archiv der Aufsicht des Syndikus und verlagerte es in die „curia academica“, die seit 1583 im neuen Contubernium eingerichtet worden war.

Das für die Pfalz so unglückliche 17. Jahrhundert hinterließ seine tiefen Spuren auch im Universitätsarchiv. Vor den Bedrohungen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Archiv 1621 zunächst nach Heilbronn, später dann in die Reichsstadt Frankfurt am Main ausgelagert. Erst 1651 kehrte es nach Heidelberg zurück, womit die Kette der Auslagerungen aber noch nicht beendet war. Zweimal, 1693 und 1703, bot sich nochmals Frankfurt vorübergehend als Zufluchtsort an. Einige in Heidelberg zurückgelassene Archivalien fielen der Katastrophe des Jahres 1693 zum Opfer, so insbesondere der Matrikelband für die Jahre 1662 bis 1689. Im 18. Jahrhundert hatte das Archiv gravierende Verluste nicht mehr zu beklagen.

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Die zwischen 1800 und 1810 eintretenden landes- und verwaltungsgeschichtlichen Veränderungen, der Übergang der Universität unter die staatliche Aufsicht, führten zu einer vorübergehenden Entwertung des Archivs. Seit 1830 wurde es nicht mehr betreut. Es lag nahe, ein für die Zwecke der Verwaltung mittlerweile gänzlich überflüssiges Archiv einer Einrichtung zu übergeben, die die Bestände als doch immerhin historisch noch schätzenswerte Schriftgutsammlung in ihre Obhut nahm. 1838 bemühte sich das Generallandesarchiv Karlsruhe um die Übernahme der Heidelberger Archivalien; sie verblieben jedoch im Eigentum der Universität und wurden 1845 der Universitätsbibliothek übergeben – für die Dauer von mehr als 100 Jahren.

Der innere Ordnungszustand des Archivs vermittelte inzwischen bereits einen chaotischen Eindruck. Aber niemand kann es verwundern, wenn die Bibliothekare nun nach ihrem methodischen Verständnis die Archivalien der Handschriftenabteilung zuwiesen, dabei auch gebundene Akten als „Codices“ ansahen, Gedrucktes indessen (wie z. B. Gesetzesblätter, Vorlesungsverzeichnisse oder Adressbücher) in die Buchbestände der Bibliothek integrierten - und damit die Ordnung des Archivs schwerlich verbesserten.

Karl Zangemeister (1837-1902), der erste hauptberufliche Leiter der Universitätsbibliothek, erhielt Ende des 19. Jahrhunderts die Weisung, das Archiv neu zu verzeichnen. Die Neuordnung der Archivalien begann, nach Vorarbeiten im August 1888, im Januar des Jahres 1889. Übertragen wurde die Aufgabe dem Privatdozenten Dr. Adolf Koch. Vorgesehen waren zwei Jahre, doch konnte die Arbeit schließlich erst 1892 zum Abschluss gebracht werden, nachdem noch verschiedene andere Bearbeiter hinzugezogen worden waren.

Nachfolger im Amt als Vorstände des Archivs waren nach Zangemeisters Tod (1902): Jacob Wille (seit 1912 Bibliotheksdirektor, Vorstand des Archivs bis 1929); Rudolf Sillib (1929-1934) und Karl Preisendanz (1935-1945). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Archiv von Prof. Dr. Hermann Finke vertretungsweise bis zu seinem Tode am 8.1.1947 geleitet. Mit Prof. Dr. Walter Peter Fuchs berief die Universität am 15.11.1947 erstmals einen Historiker in die Funktion des Universitätsarchivars, doch blieb das Archiv nach wie vor dem Direktor der Universitätsbibliothek unterstellt. Fuchs versah das Amt bis zum Sommersemester 1952; er übergab es am 31.8.1952 an den damaligen Studienassessor Hans Krabusch, der die Betreuung des Archivs im Nebenamt übernahm. Nach dem Ausscheiden Krabuschs (wohl im Herbst 1962) wurde das Archiv von verschiedenen Hilfskräften betreut; seit Ende desselben Jahres versah offenbar für etwa 12 Jahre Prof. Dr. Ahasver von Brandt das Amt eines Senatsbeauftragten für das Universitätsarchiv.

Im Mai des Jahres 1953 wurde das Archiv in den Südflügel (Souterrain) der Neuen Universität verlegt und damit institutionell allmählich verselbständigt. Die Unterbringung des Archivs in Verbindung mit dem Historischen Seminar erwies sich jedoch relativ rasch als räumlich unzureichend. Zu Anfang der siebziger Jahre erhielt das Archiv deshalb Räume im Rückgebäude der ehemaligen Bezirkssparkasse (Friedrich-Ebert-Platz 2) zugewiesen; von dort wurde es im Winter 1998/99 an seinen heutigen Standort verlegt.

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Der Umzug an den Friedrich-Ebert-Platz fiel bereits in die Amtszeit von Dr. Hermann Weisert, der zum 1. März 1964 als erster hauptamtlicher Archivar bestellt worden war und dem Archiv bis 1988 vorstand. In seiner langjährigen Amtszeit legte Weisert umfangreiche Schriften zur Geschichte der Universität und zu den Quellen des Archivs vor. Mit Christian Renger konnte 1991 erstmals ein Facharchivar des höheren Dienstes auf Dauer für die Leitung des Archivs gewonnen werden; auf ihn folgten 1996 bis 2010 Prof. Dr. Werner Moritz und seit dem 1. Oktober 2010 Dr. Ingo Runde.

Impulse für intensivere Benutzungen des Archivs gaben bis zum heutigen Tage immer wieder äußere Anlässe, insbesondere Jubiläen. Schon im 16. Jahrhundert wertete der Theologieprofessor Georg Sohn die Aktenbestände des Archivs für seine umfangreiche „Oratio historica de fundatione et conservatione laudatissimae Academiae Heidelbergensis“ aus. Zur Fünfhundertjahrfeier der Universität im Jahre 1886 legte Eduard Winkelmann das zweibändige Urkundenbuch vor, Gustav Toepke den Anfangsband der Matrikel.

1945 hatte das Universitätsarchiv nochmals beträchtliche Verluste an neueren Beständen erlitten, wobei Verlagerungen, aber auch Eingriffe der Besatzungsmacht ursächlich wirkten. Verschwunden sind seither z. B. auch einige, bei Winkelmann im Druck noch berücksichtigte Urkunden. Die sogenannte „Neue Sammlung“ von ca. 1500 Pergamenturkunden der Universität übergab die Universitätsbibliothek dem Archiv im Jahre 1955. Nachlässe wurden aufgrund einer entsprechenden Vereinbarung bis Mitte der 1990er Jahre fast ausschließlich von der Bibliothek übernommen. Die Erschließung der älteren Aktenbestände bis etwa 1969/70, dem Jahr der neuen Grundordnung der Universität mit zuvor 6, danach 16 Fakultäten, ist weitgehend abgeschlossen; für die neueren Aktenbestände ist der Aufbau im Gange. Insgesamt umfasst das Archiv derzeit (Stand: 1.4.2010) rund 4.100 Regalmeter. Übernahme und archivische Bearbeitung der neueren Akten, die Betreuung des Bildarchivs, der Nachlässe und der rund 11.000 Personalakten setzen Schwerpunkte in der laufenden Archivarbeit. Häufige private Anfragen betreffen die Familienforschung; für sie liefern vor allem die seit 1880 im Original erhaltenen Studierendenakten (Meldebögen) eine breite Grundlage.

Die jüngste Entwicklung des Archivs war durch die Aufgabe gekennzeichnet, die Institution unter Nutzung der modernen Informations-, Kommunikations- und Reprotechniken als Dienstleistungsbetrieb so aufzustellen, dass sie trotz relativ geringer Personal- und Haushaltsmittel im Wettbewerb bestehen kann. Dafür pflegt das Archiv seit längerem bewusst auch eine Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem mit Vorträgen, Führungen und Publikationen, die im Netzwerk der Heidelberger Kultureinrichtungen stets darum bemüht ist, das Interesse an der Geschichte der ältesten deutschen Universität auch im breiten Publikum zu wecken bzw. wach zu halten.
(Fotos: Gabriel Meyer)

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Literatur:

H. Weisert, Das Universitätsarchiv Heidelberg und seine Bestände, in: Ruperto Carola, H. 52 (1973), S. 21-25

H. Krabusch, Das Archiv der Universität Heidelberg. Geschichte und Bedeutung, in: Aus der Geschichte der Universität Heidelberg und ihrer Fakultäten. Sonderbd. der Ruperto Carola, hrsg. von G. Hinz (1961), S. 82-111

E. Wolgast, Die Universität Heidelberg 1386-1986 (1986)

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Letzte Änderung: 08.01.2013