[Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg]

Forschungsmagazin "Ruperto Carola" - Heft 4/94


Ruperto Carola 4/94 Forschungsmagazin der Universitaet Heidelberg: Heidelberger Psychologen untersuchen sprachliche Diskriminierung Heft 4/94 der "Ruperto Carola", Forschungsmagazin der Universitaet Heidelberg, bringt diesmal mehr und kuerzere Texte als gewohnt. 13 Beitraege beschreiben ein breites Spektrum von Aegyptologie und Psychologie bis hin zu Kieferchirurgie und Biopharmazie. Auf der Titelseite angekuendigt - unter stimmungsvollem Foto mit Heidelberger Uni- Daechern - eine nachdenklich stimmende Studie von Carl Friedrich Graumann, Thema: sprach- liche Diskriminierung. Offen auslaenderfeindli- che Aeusserungen, sagt der Psychologe, sind in der Bundesrepublik selten geworden. Aber wie sieht es mit den verdeckten, den unterschwelli- gen aus? Die Beitraege, schreibt Prorektor Prof. Norbert Greiner im Editorial des Hefts, waren ur- spruenglich konzipiert fuer die Eroeffnungsveran- staltung zum Tag der Offenen Tuer am 11. Juni 1994. Die Resonanz habe das Rektorat der Universitaet veranlasst, die Vortraege nahezu un- veraendert in einem Heft zusammenzustellen. Hinzu kamen weitere Themen, die, von den Fakultaeten urspruenglich vorgeschlagen, aus Zeitgruenden am Tag der Offenen Tuer nicht vorgestellt werden konnten. Das Heft wolle "im Zusammenhang einer in der Oeffentlichkeit oftmals sachfernen und verzerrten Diskussion ueber die Leistung und Aufgaben der Universitaet" den Blick auf das Wesentliche lenken: auf die Forschung, die an der Universi- taet betrieben wird - und auf ihre Qualitaet. Aus der Aegyptologie stammt der erste Text: das Grab als heiliger Ort. Seit 1978 arbeitet das Aegyptologische Institut in der Felsgraeberne- kropole von Theben im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 2,2 Millionen Mark gefoerderten Projekts "Ramessidische Beamtengraeber" daran, Grab- anlagen der Ramessidenzeit freizulegen und zu restaurieren. Beim zweiten Text geht es um weniger erhabene Dinge. Diskriminierendes Handeln wird im Denken und Sprechen vorbe- reitet. Dabei sind auslaenderfeindliche Aeusserun- gen oft erst durch ein gemeinsames Vorwissen zu erkennen. Diese impliziten Formen der Diskriminierung untersuchen Heidelberger Psy- chologen im Rahmen des Sonderforschungsbe- reichs 245 "Sprache und Situation". Themenwechsel zur Kieferchirurgie. In der Klinik fuer Mund-, Zahn- und Kieferkrankheiten der Universitaet Heidelberg arbeitet ein Team unter Leitung von Joachim Muehling an der dreidimensionalen Navigation durch unueber- sichtliches Operationsgebiet. Die Entwicklung eines computergestuetzten Lotsen fuer den Ope- rateur hat konkrete Formen angenommen. Und auch im naechsten Text des Magazins geht es um Neues aus der Medizin: einen Blasenschrittmacher fuer Querschnittsgelaehmte. Klaus Peter Juenemann von der Urologischen Klinik der Fakultaet fuer Klinische Medizin Mannheim berichtet. Um die Bedingungen fuer Gesundheit und Zu- friedenheit im Alter zu ergruenden, hat Ursula Lehr die "Interdisziplinaere Studie des Erwach- senenalters" ins Leben gerufen. An der auf 20 Jahre angelegten Untersuchung beteiligen sich mehrere Universitaeten in ganz Deutschland. Unter Federfuehrung des Instituts fuer Gerontologie forschen in Heidelberg selbst drei Arbeitsgruppen. Finanziert wird die Studie zu gleichen Teilen von Bund und Land. Fuer die vorgesehene Laufzeit bis 2013 stehen pro Jahr 1,3 Millionen Mark zur Verfuegung. Der Text aus der Feder der ehemaligen Bundesministerin zeigt, wie weit das Projekt vorangekommen ist. Welche oekonomischen Folgen die Bonner Steuerreformplaene fuer das Portemonnaie der Bundesbuerger haben werden, untersucht Manfred Rose im naechsten Beitrag. Kochen bei Kuehlschranktemperatur: Science Fiction oder Wirklichkeit? Im Rahmen eines EU-Projekts, an dem europaweit zwoelf Ar- beitsgruppen beteiligt sind, untersucht Horst Ludwig am Institut fuer Pharmazeutische Tech- nologie und Biopharmazie mit seinen Mitarbei- tern, wie sich Lebensmittel durch hohen hy- drostatischen Druck besser haltbar machen las- sen. Die EU foerdert das Gesamtprojekt von 1993 bis 1995 mit 1 767 372 ECU. Aus der Physik stammt Text 8 des Magazins. Wie weit sind die Untersuchungen im Rahmen der gro- ssen internationalen H1-Kollaboration bei DESY in Hamburg vorangekommen? Welche Rolle spielen die Heidelberger Forscherteams unter Leitung von Franz Eisele am Physikalischen Institut und von Karlheinz Meier am Institut fuer Hochenergiephysik? Der Leser wechselt zur Geschichte der Altertumswissenschaften. Der fuer seine Forschungsarbeiten mit dem Leibniz-Preis der DFG in Hoehe von 1,5 Millionen Mark ausgezeichnete Graezist Glenn W. Most will mit einer internationalen Arbeitsgruppe die Geschichte und die Methodologie der Altertumswissenschaften und anderer Philologien erforschen. Hiervon handelt sein Text, waehrend der folgende einen Blick auf die "Strukturen der oeffentlichen Sphaere in China" wirft. Sinologe Rudolf G. Wagner schreibt auch ueber die Entwicklung eines Rechtswesens, das die Menschenrechte des Einzelnen sichert, und ueber die freie Presse. Thema: Umweltmedizinische Ambulanz. Immer mehr Patienten fuehren ihre Beschwerden auf "Umwelteinfluesse" zurueck, vor allem auf Um- weltschadstoffe. Dem traegt die Umweltmedi- zinische Ambulanz Rechnung, die im Oktober 1993 am Hygiene-Institut der Universitaet Hei- delberg ihr Pforten oeffnete. Unter Leitung von Dieter Eis geht die Ambulanz dem Verdacht von Patienten nach. Sprachgeschichte, Soziolinguistik, Sprachkon- taktforschung und Dialektologie bilden die Schwerpunkte des Graduiertenkollegs "Dynamik von Substandardvarietaeten", das von 1994 bis 1996 mit etwa 1,2 Millionen Mark von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefoerdert wird: ein Projekt der Neuphilologi- schen Fakultaet unter Leitung von Edgar Radtke und Klaus J. Mattheier, skizziert in der "Ruperto Carola". Im letzten Beitrag schliess- lich berichtet Heinz Haefner ueber Forschungen zum Thema Selbstmord und seine moegliche Ausloesung durch Vorbilder im Fernsehen. Spannend hier, wie Teile der Medien mit einer unliebsamen Wahrheit umgingen. Das Magazin "Ruperto Carola" kostet als Ein- zelheft zehn Mark plus Versand, fuer Studie- rende fuenf Mark. Es kann, ebenso wie das Foer- derabo zu 60 Mark, bestellt werden bei: Pres- sestelle der Universitaet Heidelberg, Postfach 105760, 69047 Heidelberg. MS Up
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