"Ruperto Carola 3/94"
Forschungsmagazin der Universität
Heidelberg
Neues aus dem Innern
des Zellkerns
Wieder einmal mußten
Naturwissenschaftler ihre Vor-
stellungen revidieren: Chromosomen
füllen nicht wie Kabelgewirr den
Zellkern. Und sie verändern ihre Ge-
stalt, nicht ihr Volumen, wenn sie
aktiv sind. Neues aus dem Innern des
Zellkerns berichtet "Ruperto Carola",
das Forschungsmagazin der Universität
Heidelberg, in der Titelgeschichte von
Heft 3/94. Weitere Themen sind die
Bildverarbeitung für die Meeresfor-
schung, Verfassungen im Vergleich und
vieles mehr.
Bundesweit in der Spitzengruppe liegt
die Universität Heidelberg bei
angeworbenen Drittmitteln für die
Forschung. Daß die andere Seite der
Medaille - der rückläufige
Landesanteil - bedenklich stimmt,
macht Forschungsdezernent Christoph
Kronabel im Editorial des Hefts
deutlich.
Dann folgt die
Titelgeschichte von Christoph Cremer.
Sein Team arbeitet am Institut für
Angewandte Physik an der Weiter-
entwicklung der Darstellungsmethoden,
mit denen die medizinische Forschung
grundlegende neue Erkenntnisse bei-
spielsweise über die Tumorentstehung
gewinnen könnte.
Im zweiten Haupttext geht es um
Bildverarbeitung für die Meeresfor-
schung in Heidelberg. Was heißt das in
einer meeresfernen Universität? In der
"heimischen Badewanne" Erkenntnisse
über den Austausch von klimarelevanten
Gasen wie Kohlendioxid an der Ober-
fläche der Weltmeere gewinnen?
Tatsächlich simulieren Bernd Jähne und
sein Team vom Institut für Um-
weltphysik und dem Interdisziplinären
Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen
in einer Wasserrinne "ozeanische
Verhältnisse". Mit Hilfe von
spezieller Beleuchtung, Fluoreszenz-
farbstoffen und Wärmebildkameras
analysieren sie Windwellen an der
Wasseroberfläche. Bilder als
"Meßergebnisse" und ihre quantitative
Auswertung mit mathematisch fundierten
Methoden erschließen neue
Erkenntnisse.
Zerstören, um Neues zu schaffen, das
ist ein Grundprinzip des Lebens.
Zerstörung ist für die Zelle le-
benswichtig, um defekte Proteine zu
beseitigen, aber auch um Proteine
gezielt und zeitlich begrenzt einset-
zen zu können und dadurch den
Stoffwechsel zu steuern. Leibniz-
Preisträger Stefan Jentsch vom Zentrum
für Molekulare Biologie der
Universität Heidelberg berichtet, wie
er die Funktionsweise und Bedeutung
der zellulären "Abfallentsorgung" für
Proteine teilweise entschlüsselt.
Themenwechsel zur Rechtsvergleichung ,
einem traditionellen Teil der
Rechtswissenschaft. Ihre praktische
Bedeutung wird oft unterschätzt. Sie
überschreitet nationale Verengungen
des Diskurses über Recht und
Gerechtigkeit und erweitert selbst
dann noch den Reflexionshorizont, wenn
Lösungsvorschläge des Auslands letzt-
lich nicht akzeptiert werden. Winfried
Bruggers Text zeigt, daß das deutsche
Verfassungsrecht von jeher dem US-
amerikanischen Rechtsdenken besondere
Aufmerksamkeit widmete.
"Max und Alfred Weber - zwei ungleiche
Brüder" ist der folgende Beitrag
überschrieben. Den Namen Alfred Weber
sucht man in der heutigen so-
ziologischen Literatur meist verge-
bens. Einer der vormals prominentesten
Vertreter einer Kulturgeschichte als
Kultursoziologie verschwand aus der
nationalen und internationalen
Diskussion so gut wie ganz. Er wurde
zum Objekt der Historiker, die in ihm
zu Recht eine bemerkenswerte Gestalt
der jüngeren deutschen Geschichte
sehen. Ganz anders steht es um Max
Weber, Alfreds älteren Bruder. Sein
Werk ist heute Gegenstand der nationa-
len und internationalen soziologischen
Diskussion. In "Ruperto Carola 3/94"
analysiert Wolfgang Schluchter die
Gründe für die unterschiedliche
Wirkung der Werke der Brüder.
Mundarten seien im Aussterben
begriffen, klagten die Verfasser
italienischer Dialektwörterbücher
schon im 19. Jahrhundert. In der Tat
spricht heute wohl kein Italiener mehr
ausschließlich den Dialekt seiner
Region, ohne die Hochsprache zu
verstehen. Doch bei ihrem Ortstermin
mit Mikrophon und Bleistift machten
Edgar Radtke und seine Mitarbeiter
eine erstaunliche Entdeckung: In
Neapel gewinnt die Kenntnis der
heimatlichen Mundart gerade bei der
jüngeren Generation wieder an
Bedeutung, wird zu einer Frage des
Prestiges. Am Romanischen Seminar
werden die Dialekte Kampaniens nun in
einem regionalen Sprachatlas zusam-
mengetragen und der Wandel der
Mundarten dokumentiert - hiervon
handelt Radtkes Text.
Rubriken runden das Heft ab. In
"Meinungen" kritisiert Eberhard
Schmidt-Aßmann die EG-Forschungs- und
Technologiepolitik. Kurzberichten
junger Forscher und der regelmäßigen
Seite "Aus der Stiftung Universität
Heidelberg" folgt neu eine Liste eben
bewilligter Drittmittelprojekte.
Das Magazin "Ruperto Carola" kostet
als Einzelheft zehn Mark plus Versand,
für Studierende fünf Mark. Es kann,
ebenso wie das Förderabo zu 60 Mark,
bestellt werden bei:
Pressestelle der
Universität Heidelberg, Postfach
105760, 69047 Heidelberg.
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