Ruperto Carola 2/94
Forschungsmagazin der Universität Heidelberg
Die weniger bekannten Seiten des Denkers
Friedrich Nietzsche stehen im Mittelpunkt
"Ruperto Carola", das Forschungsmagazin der Universität
Heidelberg, spannt in seiner Ausgabe 2/94 einen weiten Bogen:
hier "Friedrich Nietzsche zwischen Philosophie und Philologie",
dort ein neues Bild der Geburt von Gasplaneten. Auf der einen
Seite Texte aus Molekularbiologie und Physikalischer Chemie, auf
der anderen aus Endokrinologie und Chirurgie. Nicht nur für
Experten verständlich stellt die Universität wichtige
Forschungsprojekte dar.
Im Editorial beschreibt "Ruperto Carola"-Redakteurin Claudia
Waßmann, daß "Datenautobahnen" in der Wissenschaft schon Realität
geworden sind. Die Rede ist von Internet und der elektronisch
weltweit abrufbaren Forschungsdatenbank der Universität
Heidelberg. Der erste Haupttext des Heftes stammt aus der
Astrophysik. Er steht in enger Verbindung mit einem Ereignis, das
im Juli 1994 Schlagzeilen machte: der Kollision von Jupiter und
einem Kometen, den er schon vor zwanzig Jahren unbemerkt in
seinen Bann gezogen hatte. Auf einer elliptischen Bahn kreiste
"P-Shoemaker-Levy 9" seither um den Planeten. Die letzte
Begegnung war für den Kometen tödlich. Das Magazin beschreibt,
wie Himmelskörper der Größe Jupiters entstehen. Günther Wuchterl,
damals am Institut für Theoretische Astrophysik, zeichnete mit
Hilfe leistungsstarker Rechner ein neues Bild von der
Planetengeburt am Firmament.
Seit einigen Jahren wird Friedrich Nietzsches philologischer
Nachlaß am Heidelberger Seminar für Klassische Philologie
erforscht, im Rahmen der in den sechziger Jahren von den
Italienern Giorgio Colli und Mazzino Montinari begonnenen
historisch-kritischen Gesamtausgabe seiner Schriften. Die
Titelgeschichte der "Ruperto Carola 2/94" zeigt eine wenig
bekannte Seite des Denkers. Sie stammt aus der Feder von Leibniz-
Preisträger Glenn W. Most, einem Nachfolger auf dem Lehrstuhl des
mit Nietzsche eng befreundeten Gräzisten Erwin Rohde, der von
1886 bis 1898 Professor in Heidelberg war.
Themenwechsel zur Molekularbiologie. Transportprozesse haben im
täglichen Leben große Bedeutung. Wir verschicken Briefe und
Pakete, geben Koffer am Flughafenschalter ab, zum automatischen
Transport ans Reiseziel. Eine umfangreiche Logistik hinter den
Kulissen ist notwendig, um ein Gepäckstück von Station zu Station
weiterzuleiten. Ähnliche Transportprozesse gibt es auch in jeder
Zelle des menschlichen Körpers. Proteine müssen von ihrem
Syntheseort, dem Zytosol, an verschiedene Stellen innerhalb der
Zelle oder aus der Zelle hinaus an verschiedene Orte im Körper
verschickt werden. Bernhard Dobberstein, jetzt am Zentrum für
Molekulare Biologie der Universität Heidelberg, entschlüsselte
Teile des Zustellsystems der Zelle.
Von einem "Konzert der Moleküle" handelt der nächste Beitrag. Am
Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg
spüren Michael Grunze und sein Team treffsicher Substanzen wie
Proteine oder Schwermetallionen in winzigen Mengen auf - mit
Hilfe von Schallwellen. Gelöste Moleküle versetzen ihren
akustischen Sensor in Schwingung wie eine Saite. Je mehr
Teilchen, desto tiefer der "Ton", in der Umweltanalytik ebenso
wie in der medizinischen Diagnostik. Für die Zukunft haben sich
die Physiker und Chemiker vorgenommen, auch die Verbindung von
körpereigenen Proteinen mit den künstlichen Oberflächen
medizinischer Materalien zu belauschen.
Mit der rechten Hand etwas aufbauen und es mit der linken
zerstören? Das klingt absurd. Nicht für die Zellen im Knochen.
Permanent bilden die einen Knochenmasse und die anderen lösen sie
wieder auf. Überwiegt der Abbau, tritt Knochenschwund ein,
Osteoporose. Gerät hier der Dialog der Zellen durcheinander?
Reinhard Ziegler und seine Mitarbeiter von der Abteilung Innere
Medizin I, Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechsel,
erforschen das Auf und Ab im Knochengebälk. Bei der Suche nach
neuen Therapieansätzen für die Osteoporose haben sie auch die
Spur der Vererbung aufgenommen - genau hiervon handelt ihr
Bericht.
Ein Portrait rundet Heft 2/94 ab: "Arbeitslos wird die Chirurgie
nicht". Michael Schwarz zeichnet nicht nur den Lebensweg des
Heidelberger Chirurgen Christian Herfarth nach, sondern
beschreibt auch seine Visionen, wohin sich die Chirurgie zu
Beginn des kommenden Jahrtausends entwickeln wird.
Wie immer umfaßt das Heft Rubriken. Unter dem Titel "Meinungen"
ruft Harald zur Hausen, Leiter des Deutschen
Krebsforschungszentrums, den Nutzen der Analyse des menschlichen
Erbguts für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen und
Erbleiden in Erinnerung. Drei "Kurzberichte junger Forscher"
stammen diesmal aus der Medizin.
Das Magazin "Ruperto Carola" kostet als Einzelheft zehn Mark plus
Versand, für Studierende fünf Mark. Es kann, ebenso wie das
Förderabo zu 60 Mark, bestellt werden bei: Pressestelle der
Universität Heidelberg, Postfach 105760, 69047 Heidelberg.
Up