[Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg]

Forschungsmagazin "Ruperto Carola" - Heft 4/93


Februar 1994 Forschungsmagazin "Ruperto Carola" Heft 4: Von "High-Tech im Innenohr" bis zur ernüchternden Bilanz bundesdeutscher Familienpolitik Von "High-Tech im Innenohr" handelt die Titelgeschichte des neuen Forschungsmagazins der Universität Heidelberg, "Ruperto Carola" 4/93. Das soeben erschienene Heft stellt ein künstliches Sinnesorgan, die einzige bewährte Hilfe für beidseitig ertaubte Patienten, vor. Texte über die Detektivarbeit Heidelberger Althistoriker in Rom, das Management im "Kraftwerk Blatt" und die Folgen fehlerhafter Sicht der USA durch deutsche Politiker in der Weimarer Republik runden die Themenpalette ab. Ernüchternd fällt die Bilanz von 40 Jahren Familienlastenausgleich in der Bundesrepublik aus, die das Magazin zieht. Und schließlich geht es um "das Reich der Zahlen und Bilder" am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen. Im Editorial beschreibt Prorektorin Christine Heym ein neues, attraktives Konzept, das die Fakultät für Klinische Medizin Mannheim vorlegte - sie gehört zur Universität Heidelberg. In dem geplanten Projekt sollen die molekularen Ursachen neurologischer Erkrankungen aufgespürt werden. Die Fakultät verfolgt einen grundsätzlich anderen Ansatz als bei der traditionellen äthiologischen - also von einem bestimmten Krankheitsbild ausgehenden - Erforschung genetischer Aspekte von Nervenkrankheiten. Hier sollen genau definierte Änderungen des genetischen Codes in Nervenzellen erst in einem nächsten Schritt neurologischen Symptomen zugeordnet werden - das Stichwort heißt Gen-knock out. Wie das Magazin im ersten Haupttext zeigt, vermag keins der modernen Kommunikationsmittel zu leisten, was die antiken Vorbilder tun. Noch nach mehr als 2000 Jahren geben in Stein gehauene Botschaften Zeugnis von der Mentalität, den Vorstellungen und politischen Normen der damals lebenden Römer. Vorausgesetzt, man befragt die Steine richtig, und das haben Mitarbeiter des Seminars für Alte Geschichte getan. Géza Alföldy liefert Details über die fruchtbare Zusammenarbeit italienischer und deutscher Wissenschaftler. Vom "Management im Kraftwerk Blatt" ist dann die Rede - es geht um die Produktionsstätte Photosynthese. Die chamäleonartige Anpassungsfähigkeit der Pflanzen und ihres Stoffwechsels ist eine Herausforderung für Biotechnologen. Auch der Ertrag von Nutzpflanzen sowie die Prognosen des künftigen Weltklimas hängen davon ab. Im Botanischen Institut erforscht Mark Stitt die Steuerung der Kraftwerke in den Blättern. Er stellt seine Ergebnisse in der "Ruperto Carola" dar. Themenwechsel zur Geschichte: Am 5. Mai 1928 wurde dem deutschen Außenminister Gustav Stresemann und dem amerikanischen Botschafter Jacob Gould Schurman in Heidelberg die Ehrendoktorwürde verliehen. Dieser Tag symbolisiert die kurze Phase aktiver Kooperation zwischen den USA und Deutschland in der Weimarer Republik. Schurman, der ehemalige Student der Universität Heidelberg, ermöglichte durch eine Spendensammlung den Bau der Neuen Universität. Am Historischen Seminar sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen im Zeitalter der Weltkriege ein wichtiger Forschungsgegenstand. Detlef Junker stellt in seinem Text die Unfähigkeit deutscher Politiker dieser Zeit dar, die USA realistisch einzuschätzen. Das Gehör nimmt unter den Sinnesorganen des Menschen eine besondere Stellung ein. Es dient nicht nur der Vermittlung eines ständigen und nicht abschaltbaren Informationsaustauschs zwischen Umwelt und Gehirn, sondern ist außerdem Voraussetzung für jede zwischenmenschliche Kommunikation. Für beidseitig ertaubte Menschen gibt es nur eine bewährte Hilfe, das Cochlea-Implantat. Sebastian Hoth aus dem Team von Professor Hagen Weidauer an der Heidelberger Hals-Nasen- und Ohrenklinik berichtet in der Titelgeschichte des Magazins über den bisher einzigen künstlichen Ersatz für ein Sinnesorgan. In der deutschen Familienpolitik spielt der "Familienlastenausgleich" seit den 50er Jahren eine zentrale Rolle. Sein Ziel war und ist, wirtschaftliche Belastungen der Sorgeberechtigten, die durch die Erziehung von Kindern entstehen, wenigstens teilweise aufzufangen. Doch wie sieht die Realität seit vier Jahrzehnten aus? Nach umfangreichen Studien zieht der Heidelberger Wirtschaftswissenschaftler Franz-Ulrich Willeke eine ernüchternde Bilanz: Der duale Familienlastenausgleich konnte nicht auf dem früher erreichten Niveau stabilisiert werden. Willekes Längsschnittanalyse deckt Ungerechtigkeiten auf. Nach einem Portrait des Mathematikers Willi Jäger nimmt Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof kritisch zur Staatsverschuldung Stellung. Das Magazin "Ruperto Carola" kostet als Einzelheft zehn Mark plus Versand. Es kann, ebenso wie das Förderabo zu 60 Mark, bestellt werden bei: Pressestelle der Universität Heidelberg, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg. Up
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