[Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg]

Forschungsmagazin "Ruperto Carola" - Heft 3/93


Forschungsmagazin Heft 3: Universitaet Heidelberg beteiligt an Japanschau und Beweis der Fermatschen Vermutung Seit jeher wussten Japaner mehr ueber Europa als Europaeer ueber Japan. Durch die umfangreichste Ausstellung japanischer Kunst, die je in Deutschland zu sehen war, soll sich an diesem Missverhaeltnis etwas aendern. Was Heidelberg mit der Schau im Berliner Martin- Gropius-Bau zu tun hat, zeigt Kunsthistoriker Lothar Ledderose in der Titelgeschichte von Heft 3 des neuen Forschungsmagazins der Universitaet. Thema Nummer 2 der Mitte Oktober erschienenen "Ruperto Carola": molekulare Kalziumschalter im Herzen. Danach geht es um Zahlentheorie aus Heidelberg, die dazu beitrug, eine der beruehmtesten Vermutungen in der Mathematikgeschichte nach 365 Jahren zu beweisen. Beitraege aus der Hochenergiephysik und der Molekularbiologie, ueber mathematische Optimierung und das Verhaeltnis zwi schen Universitaeten und Grossforschungseinrichtungen runden das Magazin ab. Im Editorial zieht Michael Schwarz eine erste Bilanz, ob die Idee und das Konzept des Blatts bei den Lesern ankamen. Acht Farbseiten geben dann einen optischen Eindruck, was "Japan und Europa: 1543- 1929", die grosse Ausstellung in Berlin, in diesen Monaten bietet. Zu sehen sind wichtige Exponate der Japanschau - sie umfasst auf mehr als 4000 Quadratmetern rund 180 Objekte aus Japan und 500 aus anderen Sammlungen. Der Autor, Lothar Ledderose vom Kunsthistorischen Institut der Universitaet, dem die wissenschaftliche Leitung obliegt, erlaubt durch seinen Text einen Blick hinter die Kulissen der Ausstellung. Unser Herz schlaegt unermuedlich, ein ganzes Leben lang. Tag fuer Tag pumpt es in ueber 100 000 Schlaegen fast 70 Hektoliter Blut durch den Kreislauf. Jedesmal, wenn sich der lebenswichtige Hohlmuskel zusammenzieht, muessen die Myosinmolekuele in seinen Zellen heftig "rudern". Um diesen Mechanismus bei jedem Herzschlag neu in Gang zu bringen, sind intrazellulaere molekulare Schalter notwendig, die auf Befehl des "Herzschrittmachers" durch Kalziumteilchen betaetigt werden. Der Muskelphysiologe Johann Caspar Rueegg und sein Team haben die herzinterne Schaltung erforscht und beschreiben sie im neuen Forschungsmagazin. Themenwechsel zur Mathematik: Am Abend des 23. Juni dieses Jahres herrschte im Mathematischen Institut der Universitaet Heidelberg helle Aufregung. Die elektronischen Briefkaesten quollen ueber, und auf den Computer-Bildschirmen flimmerten Texte wie: "Just heard that A. Wiles has proved Fermat's theorem. This is fantastic! Do you confirm?" Ein vertracktes Raetsel, das Generationen von Mathematikern beschaeftigt hat, schien geloest. Die Anfragen aus aller Welt richteten sich nicht von ungefaehr an den Forschungs- Schwerpunkt Arithmetik. Der Zahlentheoretiker Matthias Flach ist massgeblich an der Entwicklung neuer Methoden beteiligt, die es ermoeglichten, eine der beruehmtesten Vermutungen in der Mathematikgeschichte nach 365 Jahren zu beweisen. Sein Beitrag in der "Ruperto Carola" macht auch fuer Laien klar, wo die Faszination dieser Frage liegt. "Pipelines und Partonen": Einen tiefen Blick ins Proton wagen zwei Arbeitsgruppen am Institut fuer Hochenergiephysik und am Physikalischen Institut der Universitaet Heidelberg. Die Experimente im Rahmen des HERA-Projekts am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg erlauben den Forschern, mit bisher unerreichtem Aufloesungsvermoegen Einblick in die Struktur des Protons zu nehmen. Karlheinz Meier berichtet in seinem Text ueber das Innere der subnuklearen Materie. Eingeblendet ist eine Box des ehemaligen DESY-Chefs: Volker Soergel, seit dem Fruehjahr wieder in Heidelberg, zeigt Kooperationen hiesiger Forscher mit auswaertigen Zen tren auf. Zum Ueberleben brauchen Menschen und Tiere ein leistungsfaehiges Nervensystem, das Informationen moeglichst schnell vom Gehirn an die ausfuehrenden Organe weiterleitet. Den Wirbeltieren gelang in der Evolution die erfolgreichste Erfindung: um den Informationsfluss zu beschleunigen, isolieren sie ihre Nervenfasern mit Hilfe von spezialisierten Zellen, den Oligodendrozyten. Welche Baustein daran beteiligt sind und was geschieht, wenn die Isolierung defekt ist, erforschen Klaus-Armin Nave und seine Mitarbeiter im Zentrum fuer Molekulare Biologie an Maeusen mit veraendertem Erbgut, neurologischen Mausmutanten. Was Nave vor kurzem dem baden-wuerttembergi schen Ministerpraesidenten vorstellte, beschreibt er nun in der "Ruperto Carola". Heft 3 des Magazins legt den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Themen. Auch der naechste Text handelt von Mathematik: Mit neuen Methoden der mathematischen Optimierung arbeiten Forscher am Interdisziplinaeren Zentrum fuer Wissenschaftliches Rechnen an der Optimierung von Robotern, U-Bahnen, chemischen Anlagen, Materialpruefungsverfahren und Motorventilen. Die oft verblueffenden Zeit-, Energie- und Ressourceneinsparungen, aber auch die Qualitaetsgewinne zeigen, dass diese Methoden des wissenschaftlichen Rechnens sich zu einer Schluesseltechnologie fuer die heimische Industrie entwickeln koennten. Autor Hans Georg Bock und seine Mitarbeiter schildern den Stand der Forschung auf diesem Gebiet. Wer sonst koennte das Verhaeltnis zwischen Universitaeten und der Grossforschung treffender kommentieren als der Heidelberger Physiker Hans Joachim Specht? Seit 1992 wissenschaftlicher Geschaefts fuehrer der Gesellschaft fuer Schwerionenforschung in Darmstadt, immer wieder auch beratend fuer die Bundesregierung taetig, stellt Specht in dem neuen Magazin seine Meinung zum Thema "Verbund forschung" dar. Zum Abschluss dann die Rubrik "Kurzberichte junger Forscher". Annette Streusloff vom II. Physiologischen Institut beschreibt neue Erkenntnisse, wie die Informationsuebermittlung in der Gefaess muskulatur funktioniert. Vom Sprachdenken der Barockzeit handelt ein Text von Andreas Gardt. Das Magazin "Ruperto Carola" kostet als Einzelheft zehn Mark plus Versand. Es kann, ebenso wie das Foerderabo zu 60 Mark, bestellt werden bei: Pressestelle der Universitaet Heidelberg, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg. Up
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