[Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg]

Forschungsmagazin "Ruperto Carola" - Heft 2/93


Forschungsmagazin Heft 2: "Heidelberger Schule" oeffnete sich auch der Idee von Arbeitslagern und eugenischem Denken Zu einer Neubewertung der "Anthropologischen Medizin" kommt die "Ruperto Carola" in ihrer soeben erschienenen zweiten Ausgabe. Das neue Forschungsmagazin der Universitaet Heidelberg zeigt auf, wie aus Unzufriedenheit mit einer unpersoenlichen und materialistischen Medizin in den 20er und 30er Jahren dieses Jahrhunderts die "Heidelberger Schule" entstand, die eng mit Namen wie Ludolf von Krehl, Richard Siebeck und Viktor von Weizsaecker verbunden ist. Diese Schule rueckte den Menschen zwar wieder in den Mittel punkt des aerztlichen Blicks, oeffnete sich aber auch der Idee von Arbeitslagern und eugenischem Denken. "Schiffbruch und Rettung der modernen Medizin" heisst die Titelgeschichte von Ralf Broeer und Wolfgang Eckart. Fuenf weitere Haupt beitraege des Magazins greifen Themen aus Umweltphysik, Politologie, Materialforschung, Oekonomie und Molekularbiologie auf. Ein Editorial von Prorektor Peter Meusburger, Rubriken mit Kurzberichten, neuen Drittmittelprojekten und Meldungen aus der Stiftung Universitaet Heidelberg runden das 52 Seiten starke Hefte 2 ab. Wie es im Editorial heisst, bemueht sich die Heidelberger Universitaet verstaerkt um wissenschaftliche Kontakte zur Wirtschaft: "im Interesse der Forscher, aber auch der Absolventen". Prorektor Meusburger berichtet von einem Treffen des Rektorats mit Wissenschaftlern und Managern des Darmstaedter Chemie- und Pharmazie- Unternehmens E. Merck, bei dem neue Projekte und Entwicklungen im Bereich der Umweltanalytik zur Sprache kamen. "Wir sind bereit, aehnliche Expertengespraeche auch mit anderen Unternehmen und zu anderen Forschungsthemen durchzufuehren", schreibt er. Ob ein zweites Ozonloch droht, fragt Ulrich Platt vom Institut fuer Umweltphysik in dem neuen Magazin. Seit 1990 kreisen in jedem Winter Messflugzeuge ueber Nord-Schweden, Nord-Norwegen und Spitzbergen. Sie untersuchen die Spurengase, die Ozon abbauen. Das Ergebnis gibt keinen Grund zur Entwarnung: In der arktischen Stratosphaere, zwischen zehn und 50 Kilometern Hoehe, ist der Spurenstoffhaushalt stark gestoert. Platt koordiniert die Flugzeugmessungen im Rahmen des Europaeischen Stratosphaerischen Ozon- Experiments. Im dritten Hauptbeitrag geht es um eine - vorerst - "letzte Ideologie". Autor Klaus von Beyme skizziert, wie der Untergang des realen Sozialismus die linke Intelligenz in eine Krise stuerzte. Die "vom Kutschbock des sozialistischen Rumpelgefaehrts abge sprungene Intelligenz", so Jens Reich, verlor ihre Legitimation als Sinndeuter einer kuenftigen historischen Entwicklung zum humanen Sozialismus und musste sich als eine Elitegruppe unter vielen in die neue Gesellschaft integrieren. In dieser Situation entwickelten ost- und westeuropaeische Intellektuelle gemeinsam die Theorie der Zivilgesellschaft. Der Heidelberger Politologe beschreibt die bisher letzte Ideologie einer Bildungsschicht, die sich nicht an die Arbeitsteilung der modernen Gesellschaft gewoehnen kann und auf eine herausragende Rolle im Gang der Geschichte nicht verzichten moechte. Themenwechsel zur Materialforschung. Von einer "Haut aus Silizium" spricht Autor Peter Hess und beginnt mit der faszinierenden Vorstellung einer unversiegbaren Energiequelle - Strom, vom Himmel frei Haus und das, ohne die Umwelt zu belasten. Etwa 10 Kilowattstunden liefert die Sonne jaehrlich, die 10 000fache Menge dessen, was die Menschheit heute jedes Jahr an Energie verbraucht. Die Sache hat allerdings einen Haken: die Sonne belie fert nicht jede Region der Erde in gleichem Masse, und die breitflaechig eingestrahlte Energie zu gewinnen, ist noch recht kost spielig. Hess und sein Team im Physikalisch-Chemischen Institut arbeiten daran, grundlegende Materialprobleme zu loesen, um Solarzellen leistungsfaehiger und Sonnenstrom konkurrenzfaehig zu ma chen. Von ueberquellenden Muelldeponien, vergifteten Gewaessern und belasteten Boeden ist im naechsten Text die Rede. Besonders die chemi sche Industrie steht im Spannungsfeld von Oekonomie und Oekologie. Der Wirtschaftswissenschaftler Malte Faber und seine Mitarbeiter am Alfred-Weber-Institut untersuchen mit Unterstuetzung der Volkswagen-Stiftung, wie die chemische Industrie mit ihren Produkten, deren Einfluessen auf die Umwelt und den daraus entstehenden oekonomischen Folgen umgeht. Zu den weltweit am haeufigsten zitierten Naturwissenschaftlern gehoert Peter H. Seeburg, Direktor des Zentrums fuer Molekulare Biologie der Universitaet Heidelberg. Wie das Institut fuer wissenschaftliche Informationen in Philadelphia feststellte, veroeffent lichte er 124 Arbeiten zwischen 1981 und 1990, die 14 454mal zitiert wurden. Ein Interview von Michael Schwarz beschreibt die Stationen seiner Laufbahn - von der kalifornischen Gentechnologie-Firma Genentech an die Universitaet Heidelberg - und stellt die Schwerpunkte seiner Forschung vor. Es geht um Wachstumshormon aus der Retorte und Informationsfluesse im Gehirn. Das Magazin "Ruperto Carola" kostet als Einzelheft zehn Mark plus Versand. Es kann, ebenso wie das Foerderabo zu 60 Mark, bestellt werden bei: Pressestelle der Universitaet Heidelberg, Postfach 105760, 69047 Heidelberg. Up
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