Universitaet Heidelberg
legt neues Forschungsmagazin vor
Die Universitaet Heidelberg legt soeben ihr neues Forschungsmagazin vor:
das erste Heft der "Ruperto Carola" in neuer Form. Herausgeber ist der
Rektor, "im Zusammenwirken mit der Stiftung Universitaet Heidelberg",
wie es im Impressum heisst. Mit Pressesprecher und Pressestelle der
Universitaet als Redaktion soll das Magazin Einblicke in die
Spitzenforschung der Universitaet Heidelberg geben.
Laut Editorial sind damit solche Gebiete angesprochen, auf denen die
Universitaet Neuland betritt, wie in den letzten Jahren mit dem Zentrum
fuer Molekulare Biologie (ZMBH), dem Interdisziplinaeren Zentrum fuer
Wissenschaftliches Rechnen (IWR), dem Lehrstuhl fuer Computerlinguistik,
der Japanologie und anderen Neugruendungen. Bei ihnen wolle das Magazin
der Oeffentlichkeit berichten, welche Forschungsschwerpunkte sich
herausbilden und welche Ziele man verfolgt, schreibt Rektor Prof. Peter
Ulmer auf Seite 1. Daneben sollen aber auch die traditionellen Gebiete
nicht zu kurz kommen, auf denen die Universitaet seit vielen
Jahrzehnten, zum Teil sogar Jahrhunderten, arbeitet. Auch die
Geisteswissenschaften nehmen im neuen Magazin eine zentrale Position
ein. Die Titelgeschichte ueber eine spektakulaere Entdeckung des
Aegyptologen Jan Assmann und seiner Mitarbeiter sei nur ein Beispiel.
Die "Ruperto Carola" wendet sich an Persoenlichkeiten des oeffentlichen
Lebens, an Wirtschaft, Wissenschaft und Medien sowie an Freunde der
Universitaet Heidelberg. Die meisten Beitraege sind von den Forschern
selbst verfasst. Ein Beirat, dem die Professoren Wolf Beiglboeck,
Hermann Bujard, Wolfgang Uwe Eckart, Ernst G. Jung, Helmuth Kiesel, Paul
Kirchhof und Dieter Nohlen sowie der Wissenschaftsjournalist Dr. Horst
Krautkraemer angehoeren, beraet Herausgeber und Redaktion.
Das Forschungsmagazin stehe und falle damit - schreibt der Rektor im
Vorwort - wie die Leser das Magazin akzeptieren. Genauso wichtig sei
die Mitarbeit der Forscher. "Ich bitte alle Kolleginnen und Kollegen
herzlich, die "Ruperto Carola" als Plattform zu benutzen: als ein
Werkzeug, um Interesse und Verstaendnis fuer Ihre Arbeit zu gewinnen."
Grosszuegig bebildert und durch den Graphiker des
Universitaetsjubilaeums 1986, Jan Neuffer, layoutet, umfasst Heft 1
sechs Hauptbeitraege aus der Aegyptologie, Astrophysik, Haematologie,
Molekularbiologie, Computerlinguistik und Zytogenetik. Die
Titelgeschichte von Jan Assmann berichtet ueber eine sensationelle
Entdeckung in Theben. Der Aegyptologe und sein Team erforschen dort
seit 1978 "Ramessidische Beamtengraeber" des 13. bis 12. Jahrhunderts
vor Christus. Bei ihren Grabungen gelang einer Doktorandin ein
folgenreicher Fund: sie entdeckte das bisher unbekannte Grab des
Hohenpriesters Parennefer. Der Fund veraenderte das Bild der
aegyptischen Religionsgeschichte des Neuen Reichs. Aegyptische Graeber
waren nicht hermetisch abgeriegelt, sondern zugaengliche
Gedaechtnistempel, in denen der Grabherr Besucher empfing und den
Kontakt mit den Lebenden pflegte. Das Grab musste aber auch die
Unzugaenglichkeit der Mumie gewaehrleisten, fuer ihre Sicherheit und Jen
seitsversorgung durch Grabbeigaben, Amulette und magische Sprueche
sorgen. Es war ausserdem der Ort, an dem der Tote die Goetter verehrte.
Durch die Inschriften an den Waenden der Kammern erfuhren die
Aegyptologen bisher unbekannte Details ueber die religioese Entwicklung
und die aufregende Epoche, aus der die frueheste Religionsstiftung der
Menschheitsgeschichte stammt.
Im zweiten Magazinbeitrag, verfasst von Bodo Baschek und Rainer Wehrse,
geht es um Schwarze Loecher und Akkretionsscheiben. Ein Schwarzes Loch
ist wahrscheinlich das Zentrum einer quasi-stellaren Radioquelle, eines
Quasars, den der Mensch nur als schwachen Punkt am Himmel wahrnimmt.
Tatsaechlich leuchten die Quasare aber bis zu 1 000 000 000 000 000mal
heller als die Sonne. Wieso die Materie so hell scheint, erforschen
Wissenschaftler der Universitaet Heidelberg im Rahmen des
Sonderforschungsbereichs "Entwick lung von Galaxien" mit Unterstuetzung
der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Aufgezeigt wird, dass die
eigentliche Lichtquelle eines Quasars eine "Akkretionsscheibe" ist:
hier stroemt Gas spiralfoermig in die Schwarzen Loecher. Die
einstroemende Materie formt sich zu einer flachen Scheibe von zig
Milliarden Kilometern Breite, aber nur Hunderten Millionen Kilometern
Dicke. Die beiden Autoren beschreiben die Geometrie, Dichte, Temperatur
und Strahlungsfelder der Scheiben und modellieren die Vorgaenge im All.
Ueber einen Ausweg aus einem lebensgefaehrlichen Dilemma bei der
Therapie von boesartigen Bluterkrankungen berichtet im dritten Beitrag
Werner Hunstein. Er skizziert die "autologe Knochenmark-
Transplantation", ein neues Verfahren, mit dem Blutstammzellen vor der
Schaedigung durch hochdosierte Krebsmedikamente geschuetzt werden
koennen. Erst bringt man die "Saatkoerner" der Blutbildung in
Sicherheit, indem man waehrend einer kurzen Narkose dickfluessiges
Knochenmark aus dem Beckenknochen saugt. Auf sanfte Weise tiefgefroren,
ruhen die Blutstammzellen dann bei minus 196 Grad in fluessigem
Stickstoff. Sie bewahren ihre Faehigkeit, neue Blutzellen zu bilden, im
Eis ueber viele Jahre hinweg. Jetzt behandeln die Aerzte den Patienten
mit einer Hochdosis-Chemotherapie. Anschliessend werden die Stammzellen
computergesteuert wieder aufgetaut und dem Patienten zurueckgegeben.
Im vierten Beitrag des neuen Forschungsmagazins ist davon die Rede, wie
das "zellulaere Gedaechtnis" im heranwachsenden Organismus funktioniert.
Es gibt die Informationen weiter, dass Kopf, Beine, Arme oder Fluegel
einer Fruchtfliege an genau dem Ort wachsen, den die Natur fuer sie
vorgesehen hat. Im Zentrum fuer Molekulare Biologie erforscht Renato
Paro am Beispiel der Fliege Drosophila melanogaster die molekularen
Grundlagen dieses Vorgangs. Was Molekularbiologen an der Fliege lernen,
scheint auch beim Menschen neue Einblicke in die Entwicklung zu geben.
Wenn das "Gedaechtnis" aussetzt und die Gene falsch aktiviert werden,
sind die Folgen fatal: Krebs kann entstehen.
Wo die Forschung ueber maschinelle Sprachverarbeitung am Lehrstuhl fuer
Computerlinguistik in Heidelberg heute steht, zeigt Michael Schwarz im
naechsten Text auf. Dann geht es wieder um Krebs. Thomas Cremer und
seine Mitarbeiter beschreiben eine verfeinerte Diagnostik bei der Suche
nach verraeterischen Veraenderungen in Tumorzellen. Farbe ist hier die
Lupe der Forscher. Mit einer eigens entwickelten Faerbemethode koennen
sie selbst kleinste Veraenderungen der Chromosomen in den boesartigen
Zellen sichtbar machen.
Das neue Forschungsmagazin kostet zehn Mark pro Einzelheft und kann bei
der Pressestelle der Universitaet Heidelberg, Grabengasse 1, bestellt
werden. Als Ansichtsexemplar ist das erste Heft kostenlos (gegen 4 Mark
bei Versand). Wer die Arbeit der Redak tion unterstuetzen will, wird
gebeten, ein Foerderabonnement von 60 Mark pro Jahr abzuschliessen.
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