[Ruprecht-Karls-Universitaet Heidelberg]

Forschungsmagazin "Ruperto Carola" - Heft 1/93


Universitaet Heidelberg legt neues Forschungsmagazin vor Die Universitaet Heidelberg legt soeben ihr neues Forschungsmagazin vor: das erste Heft der "Ruperto Carola" in neuer Form. Herausgeber ist der Rektor, "im Zusammenwirken mit der Stiftung Universitaet Heidelberg", wie es im Impressum heisst. Mit Pressesprecher und Pressestelle der Universitaet als Redaktion soll das Magazin Einblicke in die Spitzenforschung der Universitaet Heidelberg geben. Laut Editorial sind damit solche Gebiete angesprochen, auf denen die Universitaet Neuland betritt, wie in den letzten Jahren mit dem Zentrum fuer Molekulare Biologie (ZMBH), dem Interdisziplinaeren Zentrum fuer Wissenschaftliches Rechnen (IWR), dem Lehrstuhl fuer Computerlinguistik, der Japanologie und anderen Neugruendungen. Bei ihnen wolle das Magazin der Oeffentlichkeit berichten, welche Forschungsschwerpunkte sich herausbilden und welche Ziele man verfolgt, schreibt Rektor Prof. Peter Ulmer auf Seite 1. Daneben sollen aber auch die traditionellen Gebiete nicht zu kurz kommen, auf denen die Universitaet seit vielen Jahrzehnten, zum Teil sogar Jahrhunderten, arbeitet. Auch die Geisteswissenschaften nehmen im neuen Magazin eine zentrale Position ein. Die Titelgeschichte ueber eine spektakulaere Entdeckung des Aegyptologen Jan Assmann und seiner Mitarbeiter sei nur ein Beispiel. Die "Ruperto Carola" wendet sich an Persoenlichkeiten des oeffentlichen Lebens, an Wirtschaft, Wissenschaft und Medien sowie an Freunde der Universitaet Heidelberg. Die meisten Beitraege sind von den Forschern selbst verfasst. Ein Beirat, dem die Professoren Wolf Beiglboeck, Hermann Bujard, Wolfgang Uwe Eckart, Ernst G. Jung, Helmuth Kiesel, Paul Kirchhof und Dieter Nohlen sowie der Wissenschaftsjournalist Dr. Horst Krautkraemer angehoeren, beraet Herausgeber und Redaktion. Das Forschungsmagazin stehe und falle damit - schreibt der Rektor im Vorwort - wie die Leser das Magazin akzeptieren. Genauso wichtig sei die Mitarbeit der Forscher. "Ich bitte alle Kolleginnen und Kollegen herzlich, die "Ruperto Carola" als Plattform zu benutzen: als ein Werkzeug, um Interesse und Verstaendnis fuer Ihre Arbeit zu gewinnen." Grosszuegig bebildert und durch den Graphiker des Universitaetsjubilaeums 1986, Jan Neuffer, layoutet, umfasst Heft 1 sechs Hauptbeitraege aus der Aegyptologie, Astrophysik, Haematologie, Molekularbiologie, Computerlinguistik und Zytogenetik. Die Titelgeschichte von Jan Assmann berichtet ueber eine sensationelle Entdeckung in Theben. Der Aegyptologe und sein Team erforschen dort seit 1978 "Ramessidische Beamtengraeber" des 13. bis 12. Jahrhunderts vor Christus. Bei ihren Grabungen gelang einer Doktorandin ein folgenreicher Fund: sie entdeckte das bisher unbekannte Grab des Hohenpriesters Parennefer. Der Fund veraenderte das Bild der aegyptischen Religionsgeschichte des Neuen Reichs. Aegyptische Graeber waren nicht hermetisch abgeriegelt, sondern zugaengliche Gedaechtnistempel, in denen der Grabherr Besucher empfing und den Kontakt mit den Lebenden pflegte. Das Grab musste aber auch die Unzugaenglichkeit der Mumie gewaehrleisten, fuer ihre Sicherheit und Jen seitsversorgung durch Grabbeigaben, Amulette und magische Sprueche sorgen. Es war ausserdem der Ort, an dem der Tote die Goetter verehrte. Durch die Inschriften an den Waenden der Kammern erfuhren die Aegyptologen bisher unbekannte Details ueber die religioese Entwicklung und die aufregende Epoche, aus der die frueheste Religionsstiftung der Menschheitsgeschichte stammt. Im zweiten Magazinbeitrag, verfasst von Bodo Baschek und Rainer Wehrse, geht es um Schwarze Loecher und Akkretionsscheiben. Ein Schwarzes Loch ist wahrscheinlich das Zentrum einer quasi-stellaren Radioquelle, eines Quasars, den der Mensch nur als schwachen Punkt am Himmel wahrnimmt. Tatsaechlich leuchten die Quasare aber bis zu 1 000 000 000 000 000mal heller als die Sonne. Wieso die Materie so hell scheint, erforschen Wissenschaftler der Universitaet Heidelberg im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Entwick lung von Galaxien" mit Unterstuetzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Aufgezeigt wird, dass die eigentliche Lichtquelle eines Quasars eine "Akkretionsscheibe" ist: hier stroemt Gas spiralfoermig in die Schwarzen Loecher. Die einstroemende Materie formt sich zu einer flachen Scheibe von zig Milliarden Kilometern Breite, aber nur Hunderten Millionen Kilometern Dicke. Die beiden Autoren beschreiben die Geometrie, Dichte, Temperatur und Strahlungsfelder der Scheiben und modellieren die Vorgaenge im All. Ueber einen Ausweg aus einem lebensgefaehrlichen Dilemma bei der Therapie von boesartigen Bluterkrankungen berichtet im dritten Beitrag Werner Hunstein. Er skizziert die "autologe Knochenmark- Transplantation", ein neues Verfahren, mit dem Blutstammzellen vor der Schaedigung durch hochdosierte Krebsmedikamente geschuetzt werden koennen. Erst bringt man die "Saatkoerner" der Blutbildung in Sicherheit, indem man waehrend einer kurzen Narkose dickfluessiges Knochenmark aus dem Beckenknochen saugt. Auf sanfte Weise tiefgefroren, ruhen die Blutstammzellen dann bei minus 196 Grad in fluessigem Stickstoff. Sie bewahren ihre Faehigkeit, neue Blutzellen zu bilden, im Eis ueber viele Jahre hinweg. Jetzt behandeln die Aerzte den Patienten mit einer Hochdosis-Chemotherapie. Anschliessend werden die Stammzellen computergesteuert wieder aufgetaut und dem Patienten zurueckgegeben. Im vierten Beitrag des neuen Forschungsmagazins ist davon die Rede, wie das "zellulaere Gedaechtnis" im heranwachsenden Organismus funktioniert. Es gibt die Informationen weiter, dass Kopf, Beine, Arme oder Fluegel einer Fruchtfliege an genau dem Ort wachsen, den die Natur fuer sie vorgesehen hat. Im Zentrum fuer Molekulare Biologie erforscht Renato Paro am Beispiel der Fliege Drosophila melanogaster die molekularen Grundlagen dieses Vorgangs. Was Molekularbiologen an der Fliege lernen, scheint auch beim Menschen neue Einblicke in die Entwicklung zu geben. Wenn das "Gedaechtnis" aussetzt und die Gene falsch aktiviert werden, sind die Folgen fatal: Krebs kann entstehen. Wo die Forschung ueber maschinelle Sprachverarbeitung am Lehrstuhl fuer Computerlinguistik in Heidelberg heute steht, zeigt Michael Schwarz im naechsten Text auf. Dann geht es wieder um Krebs. Thomas Cremer und seine Mitarbeiter beschreiben eine verfeinerte Diagnostik bei der Suche nach verraeterischen Veraenderungen in Tumorzellen. Farbe ist hier die Lupe der Forscher. Mit einer eigens entwickelten Faerbemethode koennen sie selbst kleinste Veraenderungen der Chromosomen in den boesartigen Zellen sichtbar machen. Das neue Forschungsmagazin kostet zehn Mark pro Einzelheft und kann bei der Pressestelle der Universitaet Heidelberg, Grabengasse 1, bestellt werden. Als Ansichtsexemplar ist das erste Heft kostenlos (gegen 4 Mark bei Versand). Wer die Arbeit der Redak tion unterstuetzen will, wird gebeten, ein Foerderabonnement von 60 Mark pro Jahr abzuschliessen. Up
Verantwortlich: Der Rektor Webmaster's letzte Änderung: 30.11.96