Aktuelle Forschungen der Universität
"Ruperto Carola" Heft 2/95
Ineffizienz läßt sich dem Sozialstaat trotz enorm gestiegener
Leistungen nicht vorhalten. Zu diesem Ergebnis gelangt eine
vergleichende Analyse des Heidelberger Politologen Manfred Schmidt,
die als Titelbeitrag von Heft 2/95 des Forschungsmagazins "Ruperto
Carola" der Universität Heidelberg erscheint. Der mit dem
renommierten Leibniz-Preis ausgezeichnete Wissenschaftler untersucht
international das arbeitsteilige Verhältnis zwischen Staat und Markt
und wägt Vor- und Nachteile der verschiedenen Konstellati onen ab.
Die weiteren Themen des Magazins: sprunghafte Fortschritte in der
Neuroradiologie, Jugendliche und ihre Entwicklungsaufgaben, Maßnahmen
zum Schutz des Grundwassers, russische Autoren als Vorbilder der
amerikanischen Literatur des 20.Jahrhunderts,
neue Wege des Zentrums für Medizinische Forschung in Mannheim.
"Universitäten als reine Dienstleistungsbetriebe?" Im Editorial
schließt sich Rektor Prof. Peter Ulmer inhaltlich der Titelgeschichte
an und ruft zum Nachdenken über das brisante Thema Spenden auf. Zwar
sei die Spendenbilanz der Heidelberger Universität gerade in letzter
Zeit sehr positiv, doch von solchen Dimensionen wie in England oder in
den USA könne man nur träumen. Neben einem stagnierenden
Verantwortungsgefühl gegenüber kulturellen und wissenschaftlichen
Gemeinschaftsinteressen beklagt er auch, daß
deutsche Uniangehörige in der Vergangenheit versäumt hätten,
persönliche Kontakte mit potentiellen Spendern zu pflegen. Vor dem
Hintergrund der enormen Anstrengungen, mit denen sich die
Unilandschaft derzeit selbst neu strukturiert, hofft Ulmer auf ein
baldiges Umdenken zugunsten der Ruprecht-Karls-Universität.
Sowohl der operative Eingriff ins Gehirn als auch die Strahlenbelastung in
Diagnostik und Therapie werden in Zukunft immer öfter vermieden werden
können. Im Anschluß an die Titelgeschichte beschreibt Klaus Sartor
aus der Neurologischen Uniklinik die fortg eschrittenen Möglichkeiten
der radiologischen Darstellbarkeit des Kopfes. Standardverfahren wie
die Computertomographie werden mit 3-D-Datensätzen verbessert und
damit die räumlichen Verhältnisse im Körper am Graphikbildschirm
einsichtiger. Auch die strahlenfreie Erfassung der Hirnfunktionen
mittels Kernspin- und Magnetresonanztomographie entwickeln sich rasant
und bieten neue Ansätze in der Erforschung und Behandlung von
Schlaganfällen oder dauerhaften Hirnfunktionsstörungen. Die Kinder-
und Jugendpsychiatrie ist Gegenstand des nächsten Beitrags mit dem
Titel "Wer bin ich eigentlich?". Jugendliche haben schwierige
Entwicklungsaufgaben, die Veränderung von Körperbild und Denken zu
bewältigen. Nimmt die Gesellschaft ihre Krisen ernst, können sich
Identität, Selbstbewußtsein und Autonomie dennoch produktiv
entwickeln. Franz Resch, Leiter der Abteilung Kinder- und
Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Klinik, plädiert dafür,
Jugendlichen bei "wichtigen Weichenstellungen" unter die
Arme zu greifen.
Altlasten bedrohen gegenwärtig bundesweit in
schätzungsweise tausend Fällen unsere wichtigste Trinkwasserressource,
das Grundwasser. Ist Prävention die lohnendste Maßnahme? Diese Frage
diskutiert und beantwortet Wolfgang Kinzelbach vom Institut für Umwelt
physik im folgenden Aufsatz. Kinzelbach und seine Arbeitsgruppe
entwickeln Meßmethoden und Rechenverfahren, die in der Praxis helfen,
Sanierungsmaßnahmen effektiv und kostengünstig zu gestalten.
Die Erzählkunst der russischen Autoren Dostojewskij, Tolstoj, Turgenjew
und Tchechow hatte auf die amerikanische Literaturszene des 19. und
20. Jahrhunderts einen prägenden Einfluß. Mord, Krieg und
Vergänglichkeit waren zu dieser Zeit Themen, die auch jun ge
amerikanische Autoren umtrieben. Diese Affinitäten und die Rezeption
der russischen Literatur in Amerika stellt Horst-Jürgen Gerigk vom
Slavischen Institut vor.
Ein Interview mit Klaus von Ackern, Dekan
der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität
Heidelberg, beschließt die Reihe der Beiträge des neuen Magazins. Er
gibt Auskunft über die zukünftigen Schwerpunkte in der klinischen
Forschung, die Organisation des Zentrums für Medizinische Forschung
Mannheim, wichtige Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen
der Region und die Mannheimer Nachwuchsförderung "FORMAT".
Das Magazin schließt mit seinen Rubriken "Drittmittel", "Kurzberichte
junger Forscher", "Meinungen" und dem Bericht "Aus der Stiftung
Universität Heidelberg".
Ein Einzelheft "Ruperto Carola" kostet 10 DM
plus Versand, für Studierende 5 DM. Es kann, ebenso wie das Förderabo
für 60 DM, bestellt werden bei:
Pressestelle der Universität Heidelberg,
Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg.
Up