Seit Beginn unseres Jahrhunderts sind die römischen und frühbyzantinischen Ruinenstätten Syriens Gegenstand internationaler Forschung. Ihre Bauten sind oft hervorragend erhalten und daher für die antike Siedlungsgeschichte besonders interessant. Im Gegensatz zu Nord- und Südsyrien fanden die zahlreichen Ruinenorte Mittelsyriens weniger Beachtung. Doch fordern gerade diese Siedlungen dazu heraus, die Lebensbedingungen der damaligen Zeit und die Grundlagen für den offensichtlichen Wohlstand ihrer Einwohner zu untersuchen. 1997 begannen die archäologischen Arbeiten in el Anderin, einem der bedeutendsten Ruinenorte dieser Region. Sie werden geleitet von Christine Strube vom Archäologischen Institut der Universität Heidelberg. Ruperto Carola 1/98, das Forschungsmagazin der Universität Heidelberg, berichtet hiervon in seiner Titel-Story. Weiteres Top-Thema ist die neuentdeckte Wirkung eines Hormons, das für die Therapie des Bluthochdrucks unbekannte Wege eröffnet. In dem Magazin geht es außerdem um die Rush-hour am Zellkern, eine stolze Bilanz des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit nach 30 Jahren sowie Neues zur Diabetes-Behandlung.
Die Mittel für Goethe-Institute müßten erhöht, nicht gekürzt werden, fordert Prorektor Prof. Heinz-Dietrich Löwe im Editorial des Forschungsmagazins, das Hindernisse und Attraktivität des Studiums von Ausländern in Deutschland zum Inhalt hat. Nach Löwes Meinung müssen mehr Studienplätze zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel in Heidelberg im Fach Medizin. Hier bewerben sich zehnmal soviele qualifizierte Anwärter, wie Plätze vorhanden sind. Seine weitere Forderung: Das Steuerrecht ist so zu ändern, daß Spenden und Stiftungen attraktiver werden!
Diese Frage sucht das neue Forschungsmagazin zu beantworten. Die Vorstellungen, die wir uns über die Vorgänge in unserem Körper machen, müssen von Zeit zu Zeit revidiert werden, wenn die Wissenschaft zu neuen Erkenntnissen kommt und noch detaillierter, im immer Kleineren, etwa die Wirkung von Hormonen versteht. So geschehen bei den Steroidhormonen, die zum Teil als Streßhormone bekannt sind. Innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten kann zum Beispiel Aldosteron über einen neu entdeckten Weg die Kreislaufregulation beeinflussen. Der Durchmesser der Gefäße verändert sich und damit der Blutfluß. Die ersten Schritte der schnellen Wirkung ziehen langfristige Veränderungen im Funktionszustand von Zellen nach sich. Die Entdeckung, daß Aldosteron ein akut wirksames Kreislaufhormon ist, öffnet möglicherweise Wege zur Entwicklung neuer Therapieansätze für Hypertonie oder Herz-insuffizienz. Am Institut für Klinische Pharmakologie haben Martin Wehling und Michael Christ die schnellen Steroidwirkungen untersucht.
Im Inneren der Zelle herrscht reger Verkehr, weil die Bibliotheken, die die Baupläne für die Eiweißproduktion aufbewahren (der Zellkern) und die Produktionsstätten, die nach diesen Bauplänen arbeiten (das Zytoplasma), durch die Kernhülle räumlich voneinander getrennt sind. Hier kommen die Kernporen ins Spiel, die den gesamten Verkehr durch die Kernhülle kontrollieren. Seit Jahren arbeiten Wissenschaftler daran aufzuklären, wie die Poren im Detail aufgebaut sind und welche Aufgaben die einzelnen Porenbausteine übernehmen, zum Beispiel die Einlaßkontrolleure. Mit einem Trick ist man dabei in Heidelberg ein gutes Stück weitergekommen. Die Rush-hour an den Ein- und Ausfallstraßen des Zellkerns erforscht Ed Hurt am Biochemie-Zentrum Heidelberg. Hiervon handelt sein Text in der neuen Ruperto Carola.
Vor rund dreißig Jahren fiel die Entscheidung des Wissenschaftsrats, ein nationales Institut für psychi-atrische Forschung zu errichten. Der Grundstein für das Zentralinsitut für Seelische Gesundheit (ZI) wurde dann 1975 in Mannheim gelegt. Ziel war es, nach dem entsetzlichen Geschehen während des Dritten Reichs wieder eine psychiatrische Forschung in Deutschland aufzubauen und die Grundlagen für Reform und Verbesserung der psychiatrischen Krankenversorgung zu schaffen. Die aktuellesten Forschungsergebnisse sollten in ein modernes regionales Versorgungssystem mit Modellcharakter einfließen. Struktur, Organisation und Stellenplan des Instituts wurden nach dem Vorbild erfolgreicher Modelle des Auslands entwickelt. Professor Heinz Häfner hat das ZI aufgebaut und bis 1994 geleitet. Im Interview mit Claudia Wassmann stehen er, Heinz Schepank und Martin Schmidt Rede und Antwort.
Die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, ist eine Krankheit von großer und wachsender Bedeutung. In der ambulanten und stationären Versorgung ist sie eine der am häufigsten gestellten Diagnosen. Die durch epidemiologische Studien geschätzte Häufigkeit der Erkrankung in Deutschland beträgt heute fünf Prozent, das entspricht vier Millionen Menschen. Im Mannheimer Stadtgebiet ist daher von 15 000 Betroffenen auszugehen. Seit der Nachkriegszeit hat die Zahl der Erkrankten stetig zugenommen: Alle 15 Jahre verdoppelte sich der Bestand. Sollte dieser Trend anhalten, wäre bis zum Jahr 2010 jeder zehnte Bundesbürger zuckerkrank. Fokko van der Woude aus der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg in Mannheim gibt in der Ruperto Carola einen Überblick über die Erkrankung und berichtet über neue Therapieansätze.
Professor Horst Seller vom I. Physiologischen Institut ist seit 1980 Vertrauensdozent der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Heidelberg. Ein Interview mit ihm, eine Übersicht über die jüngste Entwicklung der Drittmittel sowie die ständige Rubrik Aus der Stiftung Universität Heidelberg runden das Forschungsmagazin ab.
Hersteller und Verlag des Forschungsmagazins ist der Universitätsverlag C. Winter Heidelberger Verlagsanstalt.
Ein Einzelheft Ruperto Carola kostet 10 DM plus Versand, für Studierende 5 DM.
Es kann, ebenso wie das Förderabo für 60 DM (vier Ausgaben), bestellt werden bei:
Pressestelle der Universität Heidelberg, Postfach 10 57 60, 69047 Heidelberg.
Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
e-mail: michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de