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Zwischen "Murder Music" und "Gay Propaganda". Die mediale Kontroverse über die homophoben Inhalte von Dancehall-Musik in Jamaika

Dancehall-Musik kam, wie bereits ihr Vorgänger Reggae, aus den Ghettos der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Im Fokus des in den 1980er Jahren entstandenen Genres stand aber nicht mehr die globale, anti-koloniale Idee einer Befreiung der schwarzen Menschen von Diskriminierung und Unterdrückung, sondern die Lebensrealität der Ghettobewohner_innen. Die Dancehall-Künstler_innen rückten Themen wie Gewalt, Armut, Kriminalität, explizite Darstellungen von Heterosexualität und die aggressive Ablehnung von Homosexualität ins Zentrum ihrer Texte. Dies geschieht bis heute primär aus der Perspektive männlicher Angehöriger der schwarzen Arbeiterklasse. Sie sind in der postkolonialen jamaikanischen Gesellschaft marginalisiert, weshalb Dancehall-Musik eine wichtige Artikulationsfunktion für sie einnimmt. 

Begünstigt durch die jamaikanische Emigration, vereinfachtes Reisen und moderne Medien hat sich Dancehall-Musik spätestens seit dem Millennium zu einem transnationalen Phänomen entwickelt. Die anti-homosexuellen Songtexte, welche in Jamaika aufgrund einer weit in der Gesellschaft verbreiteten Homophobie lange Zeit kaum für Aufsehen sorgten, gaben letztendlich jamaikanischen Aktivist_innen für die Rechte von Homosexuellen die Möglichkeit, international auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Nordamerikanische und europäische Schwulen-, Lesben-, und Transsexuellenorganisationen griffen die Thematik auf und verhinderten gezielt Konzerte von jamaikanischen Dancehall-Künstlern. Durch Einreiseverbote, Indizierungen, Boykotte und Konzertabsagen wurde die Diskussion zurück nach Jamaika getragen. Dies manifestierte sich besonders im Jahr 2004 in Form einer ausführlichen Debatte in den Medien, in der es einerseits um Homophobie in der Populärmusik und andererseits um den Umgang mit Homosexualität allgemein ging. 

Die Dissertation untersucht mittels einer historische Diskusanalyse die Debatte aus dem Jahr 2004 in den drei jamaikanischen Tageszeitungen The Gleaner, The Observer und The Star. Erforscht werden soll dabei unter anderem, inwiefern Homosexuelle als ›Fremde‹ konstruiert werden, welche Rolle transnationale Akteur_innen in der Debatte spielen und ob Verknüpfungen zwischen vermeintlichen humanitären Argumentationen aus dem ›Westen‹ und fortdauerndem kolonialen Rassismus existieren.


 

Zu PersonBild Helber

Patrick Helber
Transcultural Studies
University of Heidelberg
Marstallstr. 6
69117 Heidelberg
Tel: (0049) 6221/54 7856
Fax: (0049) 6221/54 7862

p.helber@uni-heidelberg.de

 

Lebenslauf

Seit November 2010
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Transcultural Studies Nachwuchsgruppe „Karibik-Nordamerika und zurück. Transkulturationsprozesse in Literatur, Populärkultur und Neuen Medien“ an der Universität Heidelberg

Mai 2009 bis Dezember 2009
Tutor im Dezernat für Internationale Angelegenheiten – Deutsch als Fremdsprache & Interkulturelle Programme der Universität Tübingen

Dezember 2009
Magister Artium an der Universität Tübingen, Magisterarbeit: Gewollte Genese eines politischen Skandals? Weshalb löste die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ eine so tiefe politische Kontroverse aus?

September 2006 bis Juni 2007
Auslandsstudium am Trinity College Dublin als Erasmus-Student

März bis April 2006
Praktikum im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Mitwirkung an der Dauerausstellung über Claus Schenk Graf von Stauffenberg

ab Oktober 2003
Magisterstudium an der Eberhard Karls Universität Tübingen in den Fächern:

  • Neuere und Neueste Geschichte
  • Politikwissenschaft

Juli 2003
Abitur am Herzog-Christoph Gymnasium Beilstein

 

Schwerpunkte

Homophobie in jamaikanischer Populärmusik, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik, Rechtsextremismus im wiedervereinten Deutschland

 

Publikationen

""Ah My Brownin' Dat!": A Visual Discourse Analysis of the Performance of Vybz Kartel's Masculinity in the Cartoons of the Jamaica Observer." Caribbean Quarterly 58.2 & 3 (2012): 116-28.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 07.01.2013
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