Zucht genetisch veränderter Tiere

Mit dem Inkrafttreten des neuen Tierschutzgesetzes am 12. Juli 2013 unterliegt die Zucht und Vorhaltung genetisch veränderter Tierlinien der Genehmigungspflicht, wenn die Individuen dieser Linien auf Grund ihrer genetischen Veränderungen unter Umständen Schmerzen, Leiden oder Schäden erfahren können.
Diese Vorgaben sind auch zu beachten, wenn Linien importiert werden, da hier dann auch bei entsprechenden Belastungen für die Zucht eine Genehmigung beantragt werden muss.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Kriterien für die Anwendung sowie für eine Belastungseinstufung solcher belasteter Linien erstellt:

 

Festlegung von Kriterien zur Beurteilung der Belastung genetisch veränderter Versuchstiere – Allgemeiner Teil

Beurteilung neugeborener Wurf (doc)

Beurteilung Wurf beim Absetzen (doc)

Beurteilung Einzeltier (doc)

Abschlussbeurteilung (doc)

Arbeitspapier zu genetisch veränderten Tieren / Umsetzung Richtlinie 2010/63/EU

 

Dazu zählen folgende Linien:

  • alle durch embryonale Manipulationen (Transgenese, homologe Rekombination, Enzym-mediierte Mutation, Transduktion, usw.) oder durch Bestrahlung oder die Behandlung mit mutagenen Substanzen neu generierten, genetisch veränderten Linien
  • Erzeugung neuer Linien durch Kreuzung von zwei nicht belasteten Linien, wenn eine Belastung der Kreuzungsnachkommen zu erwarten ist.
  • Kreuzungsnachkommen von genetisch veränderten Linien, bei denen Belastungen erwartet werden
  • alle neu importierten, genetisch veränderten Linien, die noch nicht ausreichend charakterisiert sind
  • Spontanmutationen, die - wenn sie auftreten - gezielt weitergezüchtet werden sollen und bei denen Belastungen erwartet werden
  • Linien, die aufgrund einer genetischen Veränderung belastende Tumoren entwickeln, unterliegen kategorisch (also auch in Fällen, in denen die Tumoren erst ab einem bestimmten Lebensalter auftreten) der Genehmigungspflicht

Ausgenommen sind folgende Linien:

  • Linien, bei denen die genetisch bedingte Veränderung des Phänotyps erst durch die Gabe von Induktoren (z.B. Tamoxifen, Tetrazyklin etc.) ausgelöst wird, gelten bis zu dem Zeitpunkt der Induktion grundsätzlich als nicht belastet. Da die Induktion nur bei Tieren in einem genehmigten Tierversuch erfolgt, bleibt die Zucht der Linie genehmigungsfrei.
  • Linien, bei denen ein genetisch bedingter Phänotyp durch die Gabe von Substanzen über Futter oder Trinkwasser unterdrückt wird, gelten ebenfalls als unbelastet und damit genehmigungsfrei bis zum Zeitpunkt des Absetzens der Substanzen in einem genehmigten Tierversuch.
  • Das Vorhandensein von Reportergenen (z.B. Luciferase, LacZ) im Genom und die sich aus diesen Genen entwickelnden Moleküle führen per se nicht zu einem belastenden Phänotypen, so dass die Zucht von Linien, in die lediglich Reportergene eingebracht wurden, genehmigungsfrei ist.
  • Die Zucht immundefizienter Linien unterliegt nicht der Genehmigungspflicht, wenn – im Sinne des Refinements - die Belastung durch eine Haltung, die die Tiere vor pathogenen Keimen schützt, ausgeschlossen werden kann. Eine fehlende Berücksichtigung des Hygieneniveaus bei der tierschutzrechtlichen Bewertung der Zucht von immundefizienten Tieren ist tierschutzrechtlich kritisch. Ein adäquates Hygieneniveau muss in Tierhaltungen sicher gewährleistet sein.
  • Wildtyp-Tiere von üblichen In- oder Auszuchtstämmen oder Wildtyp-Tiere ohne standardisierten genetischen Hintergrund sowie rekombinante Inzuchtstämme oder vergleichbare Varianten stellen keine genetisch veränderten Tiere dar.
  • Linien, bei denen aufgrund der Art der genetischen Veränderung keine Belastung zu erwarten ist (z.B. Cre-Stämme, Flox-Stämme). 

Die Herstellung neuer Stämme durch homologe Rekombination embryonaler Stammzellen oder durch die Pronukleusinjektion bleibt – wie auch in der Vergangenheit – genehmigungspflichtig. Allerdings muss dabei zukünftig eine Belastungsbeurteilung anhand der oben aufgeführten Formulare durchgeführt werden. Ergibt sich bei der Beurteilung tatsächlich eine Belastung, bleibt die Zucht der Linie dauerhaft genehmigungspflichtig, d.h. sie kann ohne genehmigtes Verfahren erfolgen. Ergibt sich keine, ist auch keine Genehmigung für die weitere Zucht erforderlich.  

Verantwortlich: Tierschutz@uni-heidelberg.de
Letzte Änderung: 24.02.2014
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