Anregungen der Terhart-Kommission (2000)
Begründung für die Einrichtung von Zentren für Lehrerbildung
Empfohlenes Grundkonzept
Organisationsstruktur
Mögliche Aufgabenbereiche
Zentren für Lehrerbildung als koordinierende Einrichtungen
Verzahnung mit den anderen Phasen der Lehrerausbildung
Der nachfolgende Textausschnitt ist Bestandteil des Abschlussberichts der von der Kultusministerkonferenz im September 1998 beschlossenen Kommission "Lehrerbildung", in der Fachleute aus Wissenschaft und Bildungsadministration "grundsätzliche und aktuelle Fragen der Lehrerbildung" (p. 10) erörtern sollten, "wobei alle Phasen, Institutionen und Prozesse der Lehrerbildung einbezogen werden sollten" (ibid.). Vorsitzender dieser Kommission war Prof. Dr. Ewald Terhart, der den Abschlussbericht im Auftrag der Kommission herausgegeben hat.
Im Abschnitt 4.5 des Berichts äußert sich die Kommission zur Gründung von universitären Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung (p. 109-112):
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Die Kommission regt die Gründung von universitären Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung an. Die Zentren können - quer zur universitären Struktur der Fächer/Fachbereiche - die notwendigerweise übergreifenden Belange und Interessen der Lehrerbildung an den Universitäten vertreten. Dadurch wird dem Sachverhalt Rechnung getragen, dass Lehrerbildung erst aus dem Zusammenspiel verschiedenster Disziplinen und Institutionen entsteht und insofern der Koordination bedarf. Ein zweiter, ebenso wichtiger Gesichtspunkt ist die Verknüpfung von Lehrerbildung mit Schul- und Unterrichtsforschung bzw. Lehr-Lern-Forschung. Die Kommission empfiehlt die Etablierung dieser Zentren an Universitäten. Dabei schlägt die Kommission kein einheitliches, verbindliches Modell vor. Vielmehr sieht sie Chancen in der Verwirklichung unterschiedlicher Modelle und Optionen, die den Bedürfnissen und Anforderungen an den jeweiligen Standorten entsprechen. Die Kommission spricht sich jedoch trotz einer weitgehenden Offenheit in der Ausgestaltung von Zentren gegen das Modell eines nur an Forschungsvorhaben ausgerichteten Zentrums aus, da dieses zu sehr einer Forschungslogik verpflichtet und insofern z. B. an der Akquirierung von Drittmitteln orientiert wäre. Ebenso geht es nicht darum, alle Universitätsmitglieder, die dominierend mit Lehrerbildung zu tun haben, hier zusammenzufassen, auf diese Weise gleichsam eine neue Fakultät mit entsprechenden Rechten zu schaffen und die Universität insgesamt auf diese Weise von ihrer Verantwortung für Lehrerbildung zu entlasten. Ebenso lehnt die Kommission das Modell von Zentren als bloßen administrativen Betriebseinheiten ab. Ein derartiges Modell wäre allzu sehr an Serviceaufgaben - analog etwa zum Organisationsbüro für Praktika - orientiert. Als eine nicht-wissenschaftliche Einrichtung wäre es zwangsläufig weniger an den inhaltlichen und forschungsbezogenen Fragestellungen in der Lehrerbildung ausgerichtet. Die Kommission empfiehlt die Einrichtung von wissenschaftlichen Zentren, die einen mittleren Weg zwischen den genannten abzulehnenden Extremen verfolgen und in denen die Aspekte Lehre und Studium, Forschung, Beratungstätigkeit, Koordination und Serviceaufgaben im Rahmen der Lehrerbildung zusammengeführt werden. Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung sollen als institutionelle Verortung der Interessen und Belange der Lehrerbildung an Universitäten etabliert und genutzt werden. An den Standorten, an denen funktionierende Senatskommissionen für Lehrerausbildung bestehen, könnten solche Zentren als administrative Infrastruktur dieser Kommissionen dienen und deren Arbeit unterstützen und ihre Wirkung erhöhen. Die Verantwortung für die Ausgestaltung und die Leitungsstruktur der Zentren sollten die Universitätsleitungen übernehmen (z. B. Prorektoren für Lehre). Die Schwerpunktsetzung in der Programmatik kann dann nur von den Beteiligten vor Ort festgelegt und ausgestaltet werden. Die Zentren sollten im Rahmen der Evaluation der Lehrerbildung auf den Prüfstand gestellt und regelmäßig evaluiert werden. Da derzeit noch unzureichende Informationen über derartige Zentren in Deutschland vorliegen, wäre die Festschreibung eines bestimmten Modells für solche Zentren unangemessen. Die Zentren sollen nicht als Universität in der Universität fungieren. Vielmehr soll mit einer freiwilligen Doppelmitgliedschaft den an der Lehrerbildung beteiligten Personen eine quer zur Struktur der Fächer bzw. Fakultäten liegende Einrichtung zur Unterstützung notwendiger Kooperationen zur Verfügung gestellt werden. Mitglieder der Zentren können sein: Fachdidaktiker, Erziehungswissenschaftler, Fachwissenschaftler, Haupt- und Fachseminarleiter, Mentoren, Schulleiter, Mitarbeiter der Lehrerfort- und -weiterbildung, der Prüfungsämter und der Behörden. In den Führungsgremien sollten auch Studierende angemessen vertreten sein. Den Zentren können folgende Aufgabenbereiche übertragen werden:
Die Zentren sollten eng mit den Schulbehörden, den Studienseminaren, den Ausbildungsschulen und Ausbildungslehrern, den Trägern von Lehrerfort- und -weiterbildung sowie den Prüfungsämtern zusammenarbeiten. Nicht selten festzustellende Probleme der mit der Integration in die Universitäten erfolgten Fach-zu-Fach-Zuordnung von Fachdidaktiken (Randständigkeit in den Fächern, Verzicht auf Forschung) könnten durch die Mitgliedschaft und die Zusammenarbeit in den Zentren abgemildert werden. Zentren für Lehrerbildung und Schulforschung könnten dazu beitragen, dass die Forschung der an der Lehrerbildung beteiligten Gruppen sich verstärkt den vordringlichen Aufgaben der Verbesserung des Unterrichts zuwendet. Dabei könnte sich insbesondere die fachdidaktische Forschung im interdisziplinären Zusammenhang anderer Fachdidaktiken und in Kooperation mit Psychologen und Erziehungswissenschaftlern weiterentwickeln. Über die universitären Zentren ist eine verstärkte Mitwirkung von Fachwissenschaftlern, Fachdidaktikern, Erziehungswissenschaftlern und Pädagogischen Psychologen in der zweiten und in der dritten Phase der Lehrerbildung zu betreiben. Die Universitäten könnten und müssten einen essenziellen Beitrag zur Differenzierung und Aktualisierung der Wissensgrundlagen leisten. Durch eine Beteiligung in der zweiten Phase würden mögliche Unzulänglichkeiten der universitären Lehrerbildung leichter erkannt, wie auch umgekehrt die Universitäten zur Weiterentwicklung der 2. Phase beitragen könnten. Insgesamt wird der Berufsfeldbezug der universitären Lehrerbildung verstärkt und schulbezogene Forschung angeregt. |