Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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1,7 Milliarden Euro mehr für die Hochschulen

Verbessert: Der neue Vertrag mit dem Land sieht eine Steigerung der Grundfinanzierung vor

„Wir schaffen mit ‚Perspektive 2020‘ die Voraussetzungen für starke Hochschulen und damit für ein starkes Land“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann Anfang Januar anlässlich der feierlichen Unterzeichnung des neuen Hochschulfinanzierungsvertrags (Foto: Ministerium). Am Ende der sechsjährigen Laufzeit im Jahr 2020 werde die Grundfinanzierung der Hochschulen von heute 2,47 auf dann über 3 Milliarden Euro pro Jahr angestiegen sein – über die Gesamtlaufzeit des Vertrags flössen rund 2,2 Milliarden Euro zusätzlich in die Grundmittel. „Baden-Württemberg ist damit das erste Land, das bei der Grundfinanzierung der Hochschulen die Empfehlung des Wissenschaftsrats umsetzt“, betonte Kretschmann.

„Mit dem Vertrag schaffen wir Planungssicherheit für unsere Hochschulen“, ergänzte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. „Die Hochschulen haben damit nun die Freiheit, bis zu 3800 neue Stellen in der Grundfinanzierung einzurichten.“ Über die Anhebung der Grundmittel um jährlich drei Prozent hinaus ist auch eine Erhöhung des Sanierungsbudgets Bestandteil des neuen Vertragswerks: Ein Bauprogramm von jährlich 100 Millionen Euro ergänzt die bisherigen Landesmittel im Hochschulbau von rund 220 Millionen Euro pro Jahr. „Bei der Erhöhung der Grundfinanzierungs- und der Baumittel bringt das Land insgesamt rund 1,7 Milliarden Euro zusätzlich ein. Das ist ein klares Bekenntnis zum Innovationsstandort Baden-Württemberg“, so Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid.

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Bis 2020 wird Baden-Württemberg demnach rund 1,7 Milliarden Euro neue Mittel für die Finanzierung der Hochschulen aufwenden. Die andere Hälfte des Grundmittelaufwuchses von 1,1 Milliarden Euro wird durch die sogenannte Veredelung von Programm- in Grundmittel erreicht: Programmfinanzierungen des Landes werden verstetigt und schrittweise in die Grundfinanzierung überführt. Die Qualitätssicherungsmittel von 150 Millionen Euro sind ebenfalls Teil dieser Veredelung – hierbei verbleiben aber 20 Millionen Euro zur Verbesserung der Lehre, über die die Studierenden fortan in einem gesetzten Rahmen entscheiden können. Ferner werden die Energiekosten der Universitäten eigens berücksichtigt, indem die entgangenen Steigerungsraten der vergangenen 18 Jahre ausgeglichen und künftig dynamisch um drei Prozent pro Jahr vermehrt werden.

Gegenstand des neuen Hochschulfinanzierungsvertrags sind im Gegenzug definierte Qualitätsziele auf Seiten der Hochschulen. Diese betreffen die Befristung von Arbeitsverträgen im wissenschaftlichen und wissenschaftsunterstützenden Bereich, Anstrengungen zur Verringerung der Abbruchquoten, Qualitätsstandards im Promotionsverfahren, Strategiefähigkeit und Steuerung, Open-Access-Bestrebungen sowie Verbesserungen bei der Gleichstellung und der Energieeffizienz. Darüber hinaus erklären sich die Hochschulen bereit, grundsätzlich während der Laufzeit des Vertrags mindestens das Studienplatzangebot des akademischen Jahres 2013/14 für Hochschüler im ersten Fachsemester in den grundständigen Studiengängen – bereinigt um Sondereffekte in Folge des doppelten Abiturjahrgangs – zu gewährleisten.

Wortlaut des neuen Hochschulfinanzierungsvertrags (pdf)

Pressemitteilung des MWK mit Video
Pressemitteilung der HRK zum Vertragsabschluss

Freiraum schaffen, Menschen fördern, Campus gestalten

Verschönert: Barockgarten an der Jesuitenkirche soll zum Ort der Kommunikation werden

„Zukunft stiften“: Unter diesem Motto steht eine Kampagne der Ruperto Carola, mit der in den kommenden fünf Jahren ein Grundvermögen zur wirksamen Unterstützung der Entwicklung der Universität aufgebaut werden soll. Die Kampagne basiert auf drei Säulen: Zum einen will die Universität einen Finanzstock errichten, der die Handlungsspielräume der Hochschule erweitert und sie unabhängiger von Politik und Konjunktur macht – „Freiraum schaffen“ heißt diese Säule. „Menschen fördern“ ist ein zweites Kampagnenziel, das die Unterstützung von Top-Wissenschaftlern und herausragenden jungen Talenten in den Blick nimmt. Als dritte Säule sollen im Zuge von „Campus gestalten“ dringend erforderliche Infrastrukturmaßnahmen gefördert werden, zu denen auch Projekte gehören, die der Bewahrung des wissenschaftlichen Erbes dienen.

Denn die Ruperto Carola birgt kaum zu überschauende Schätze, die es zu bewahren und verstärkt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen gilt. Die bis heute in Lehre und Forschung eingesetzten universitären Sammlungen gehören dazu oder auch die berühmten Handschriften der Universitätsbibliothek. In allen drei Säulen spielen Fonds eine besondere Rolle: Die Ruperto-Carola-Kampagne ist sozusagen der „Kick-off“ für die Implementierung dieser Fonds, die auch nach der Kampagnenzeit als dauerhafte Förderinstrumente zur Verfügung stehen sollen. Gleichzeitig will die Universität bewusst die Verantwortung für das eigene wissenschaftliche Erbe übernehmen, um es an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

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Das erste Projekt der Säule „Campus gestalten“ ist die Sanierung und Umgestaltung des Barockgartens (Foto: Universität) zwischen Merianstraße, Kettengasse, Seminarstraße und Schulgasse. Die ursprünglich im 18. Jahrhundert als Klostergarten des Heidelberger Jesuitenkollegs entworfene Anlage grenzt an das Anglistische und das Romanische Seminar sowie an die Jesuitenkirche mit ihrem Pfarrhaus und bildet den zur Universität gehörenden Innenhof des Gebäudeensembles. Gemäß dem historischen Vorbild soll die einzigartige Atmosphäre wieder erlebbar werden – bereits in diesem Jahr will man mit der Sanierung beginnen. Ehrensenator Prof. Dr. Dietrich Götze trägt mit einer namhaften Spende zu dem Vorhaben bei.

Für Studierende und alle der Universität zugehörigen oder mit ihr verbundenen Menschen ist ein offener Raum zum Lernen, Nachdenken, Diskutieren und Leben geplant, ausgestattet mit viel Grün, bequemen Sitzgelegenheiten und modernen Kommunikationszugängen (WLAN), der auch vereinzelt für Veranstaltungen universitärer Einrichtungen genutzt werden kann. Die Gartenanlage soll wieder verstärkt zu einem Aufenthaltsort von jungen Menschen aus aller Welt werden. Daher stehen auch mehr Sitzgelegenheiten, von denen einige vor Sonne und Regen geschützt sind, im Mittelpunkt der Gestaltung. Für eine sichtbare Aufwertung sollen zudem eine Erneuerung der Verbindungswege zwischen den Seminaren und dem Garten, die Instandsetzung der Rasenflächen oder die Restaurierung der Sandsteinmauer sorgen.

www.uni-heidelberg.de/zukunftstiften

Gemeinderat gab liberaleren Sperrzeiten den Vorzug

Verlängert: Gaststätten in der Altstadt dürfen seit Jahresanfang täglich länger geöffnet bleiben

In der Heidelberger Altstadt (Foto: Pro Heidelberg) dürfen Kneipen und Gaststätten seit Jahresbeginn entsprechend der baden-württembergischen Landesregelung wochentags bis 3 Uhr, in den Nächten auf Samstag und Sonntag bis 5 Uhr öffnen. Bislang hatte in der Kernaltstadt eine Sonderregelung gegolten, nach der Gaststätten spätestens um 2 und um 3 Uhr schließen mussten. In seiner Dezembersitzung entschied der Gemeinderat jedoch, die liberalere Landesregelung einzuführen. Die Mehrheit der Ratsmitglieder war der Ansicht, dass hierdurch die Besucherströme nachts entzerrt würden und so in den Altstadtgassen mehr Ruhe einkehrt. Zudem wird der Kommunale Ordnungsdienst von acht auf zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt.

In der Altstadt gibt es seit Jahren einen Konflikt zwischen Wirten und Feiernden auf der einen und Teilen der Bewohnerinnen und Bewohner auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund hatte der Gemeinderat 2009 für die Kernaltstadt eine gesonderte Sperrzeitenregelung erlassen. Anlass der aktuellen Beratungen war die Klage eines hier ansässigen Ehepaares gegen die Stadt – der vor dem Verwaltungsgerichtshof geschlossene Vergleich gab der Stadt auf, ein Lärmgutachten zu erstellen und auf dessen Grundlage die Sperrzeiten neu zu regeln. Die schalltechnische Untersuchung erkannte zwar einige kritische Bereiche, keine Belastungen aber, die man hätte als gesundheitsgefährdend einstufen können.

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Gleichwohl hatte das Rathaus daraufhin vorgeschlagen, dass die Gaststätten wochentags bereits um 1 Uhr und in den Nächten auf Samstag und Sonntag um 3 Uhr schließen sollten. Diese Regelung hätte in demjenigen Teil der Altstadt gegolten, der nach den Ergebnissen des Lärmgutachtens besonders belastet ist. Dem Vorschlag der Verwaltung zur Sperrzeitenregelung folgte der Gemeinderat aber nicht, sondern sprach sich stattdessen für die Landesregelung aus.

Die Stadt hatte im Vorfeld, von November 2009 bis März 2010, zu vier Treffen des sogenannten „Runden Tisches Pro Altstadt“ eingeladen, um alle Akteure und Bürger an einer Lösungsstrategie zu beteiligen. Im März 2010 war daraus ein 58 Punkte umfassendes Handlungskonzept (pdf) entwickelt worden. Dieses ist Basis für eine Reihe von Maßnahmen, die helfen sollen, die Lage zu beruhigen.

Ozeanzirkulation im Atlantik stabiler als gedacht

Verändert: Wissenschaftler untersuchten Kalt- und Warmzeiten der vergangenen
140 000 Jahre

Die Ozeanzirkulation im Atlantik (Foto: Brisbane, CC BY-SA 3.0), die einen entscheidenden Einfluss auf das Erdklima hat, ist stabiler als bislang angenommen. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, an dem Wissenschaftler der Universität Heidelberg beteiligt sind. Die Wissenschaftler analysierten die nordatlantische Tiefenwasserzirkulation der vergangenen 140 000 Jahre und konnten zeigen, dass der aktuelle atlantische „warm“-Zirkulationsmodus entgegen bisheriger Annahmen selbst während der letzten Kaltzeit bestimmend war. Nach den Worten von Dr. Evelyn Böhm vom Institut für Umweltphysik lässt dies den Schluss zu, dass die derzeitige Zirkulation so stabil ist, dass ihr Zusammenbruch etwa durch Schmelzwasser von verstärkt abtauendem Grönlandeis extrem unwahrscheinlich wird. Daher sei nicht mit einem plötzlichen extremen Temperatursturz in Europa zu rechnen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

„Seit etwa zwei Millionen Jahren befindet sich die Erde in einem Eiszeitalter, das durch vereiste Pole gekennzeichnet ist und in dem sich langandauernde Kalt- und kürzere Warmzeiten zyklisch abwechseln“, erklärt Evelyn Böhm. „Der von uns untersuchte Zeitabschnitt umfasst die letzte und das Ende der vorletzten Kaltzeit sowie die letzten beiden Warmzeiten, darunter auch das derzeitige Holozän.“ An der Studie beteiligt waren neben dem Heidelberger Institut für Umweltphysik das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern, das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und die ETH Zürich.

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Für ihre Untersuchungen entnahmen die Wissenschaftler Proben eines Sedimentbohrkerns, der aus einer 4500 Meter tiefen Stelle des Meeres vor den Bermudas stammt. Mithilfe der zeitlichen Variation von Isotopenverhältnissen konnten sie die Änderungen des atlantischen Zirkulationsmusters rekonstruieren. „Diese Muster können vereinfacht in die beiden Modi ‚warm‘ und ‚kalt‘ unterteilt werden: Im ‚warm‘-Modus sinken oberflächennahe Wassermassen in nördlichen Breiten ab und bilden dann das nach Süden strömende nordatlantische Tiefenwasser. In Phasen, in denen die Zirkulation dem ‚kalt‘-Modus entspricht, erreichen die Wassermassen im Norden eine geringere Tiefe. Gleichzeitig dringt aus dem Süden antarktisches Bodenwasser weiter in den Norden vor“, erläutert Dr. Jörg Lippold von der Universität Bern, der zuvor in Heidelberg tätig war.

Entgegen bisheriger Annahmen erwies es sich, dass der „warm“-Modus nicht nur in Warmzeiten sondern auch in der letzten Kaltzeit vorherrschend war. „Wir konnten lediglich während der Höhepunkte der letzten beiden Kaltzeiten das Zirkulationsmuster des ‚kalt‘-Modus beobachten“, so Dr. Marcus Gutjahr vom GEOMAR in Kiel. „Die Ergebnisse zeigen daher, dass der ‚warm‘-Modus, dem auch das heutige Zirkulationsmuster entspricht, stabiler ist als bisher angenommen“, ergänzt Gutjahrs Kollege Prof. Dr. Martin Frank. Erst als die Eismassen während der Höhepunkte der Kaltzeiten maximal ausgedehnt waren, bewirkte abschmelzendes Süßwasser einen Kollaps der Tiefenwasserbildung im Nordatlantik über mehrere hundert Jahre mit der Folge eines weiteren Absinkens der Durchschnittstemperaturen auf der Nordhemisphäre. Rückschlüsse auf die Auswirkungen des von Menschen verursachten Klimawandels lassen sich laut Evelyn Böhm aus den aktuellen Ergebnissen indes nur begrenzt ziehen: „Die heutigen Kohlendioxid-Emissionen bedeuten einen bis dato nie dagewesenen Eingriff in das Klimasystem, aber deren Auswirkungen waren nicht Gegenstand unserer Studie.“

www.iup.uni-heidelberg.de/institut/forschung/groups/fa/marine