Im Verlauf des Semesters kristallisierten sich in der durch Prof. Rüdiger Heim (Universität Heidelberg) und Prof. Gerhard Treutlein (Pädagogische Hochschule Heidelberg) geleiteten Veranstaltung durch die Beiträge von Hölz (NADA), Franke (DKFZ Heidelberg), Bette (TU Darmstadt), Rössner (Universität Marburg), Lehner (Heidelberg), Digel (Universität Tübingen), Geipel (FH Berlin), Ludwig („Der Spiegel“) und Pabst (PWC) folgende Grundzüge heraus:
- Die Grundlagen und die Bereitschaft zum aktiven Angehen der Dopingprävention sind nicht ausreichend.
- Problembewusstsein ist sowohl im organisierten Sport als auch in der Gesellschaft nur in geringem Umfang vorhanden und vorwiegend skandalorientiert.
- Dieses Zentralthema des Leistungssports findet bisher kaum akademische Aufmerksamkeit und Berücksichtigung in Lehre und Forschung. Die wenigen Wissenschaftler und Leistungssportfreunde, die sich intensiv mit Doping beschäftigen, treffen häufig auf erhebliche Widerstände.
- Doping wird es geben, so lange der Leistungssport in der heutigen Form existiert. Insofern kann es keine Problemlösung sondern nur eine Problembearbeitung geben, verbunden mit der Hoffnung auf ein Bremsen oder Verringern des Problems.
- Sensibilität für die Problemstellung ist bei Kindern und Jugendlichen im Sport weiter entwickelt als bei Erwachsenen.
- Prävention in Form von Repression bringt nur kurzfristige Verbesserungen. Nur Dopingprävention eröffnet eine Aussicht auf eine bessere Zukunft.
- Präventionsfundierende und -begleitende intensive Forschung wäre dringend nötig.
Moderne Präventionsansätze fordern das Zusammenspiel aller mit dem Leistungssport befassten Ebenen (Bette, Knörzer, Treutlein). Das Ansetzen nur am Individuum ist kaum Erfolg versprechend (Bette). Eine alle Ebenen umfassende Verhältnisprävention – Sportlerumfeld, Verein, Verband, Sportpolitik, internationale Gremien wie IOC, UNESCO oder UN – wird leichter möglich, wenn entsprechende gesetzliche Regelungen und internationale Vereinbarungen (Rössner, Lehner, Digel) vorliegen.
Letztlich entscheidend sind aber der politische und sportpolitische Wille, sauberen Leistungssport als Kulturgut zu erhalten und ihn vor Selbstzerstörungstendenzen zu schützen (Bette, Digel). Es geht um die Frage, wie viel Optimierungswahn und übertriebene Erfolgsorientierung die Gesellschaft (Geipel) aushält und ob man die Qualität einer Gesellschaft über Medaillen und Rekorde nachweisen kann, wie es in der DDR versucht wurde.
