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Mathematik und Jura – und nach vier Semestern das erste Staatsexamen

Von Petruta Tatulescu (Text und Foto)

Charalambos Sarantakis heißt der leise junge Mann mit dem griechischen Pass. Und Charalambos hat an der Ruperto Carola ein kleines Wunder vollbracht: Nicht nur, dass er der vermutlich schnellste Jurastudent Deutschlands ist und sein erstes Staatsexamen nach vier Semestern mit guten Ergebnissen abgelegt hat, darüber hinaus hat er parallel seine Diplomarbeit in Mathematik fertiggestellt und abgegeben. Hobbys, die er regelmäßig pflegt, hat er trotzdem – und er bildet sich weiter.

Charalambos, was hast Du heute gemacht?

 
"Eigentlich bin ich nur im Bett gelegen – ich muss noch ein paar Akten für die Staatsanwaltschaft in Darmstadt bearbeiten, weil ich dort jetzt mein Referendariat mache."

Wie kam es, dass Du während Deines Mathematik-Abschlusses auch noch das Staatsexamen in Jura in Angriff genommen hast?

"Ich stand kurz vor der Diplomarbeit in Mathe – ein sehr schweres Fach in Heidelberg übrigens mit einer hohen Abbrecherquote. Und ich hörte, dass sich die Prüfungsordnung in Jura ändern wird; da sich mir also die letzte Chance bot, Jura nach der alten Prüfungsordnung zu studieren und das Staatsexamen abzulegen, zögerte ich nicht lange und meldete mich zum letzten Termin an."

Warum überhaupt zwei Studiengänge?

"Jura interessierte mich, weil man sich dann besser wehren kann. Ich hatte etwas Interessantes gelesen: Jörg Blechs Buch Heillose Medizin; so habe ich zum Beispiel erfahren, dass Rechtsanwälte seltener operiert werden – womöglich, weil sie einfacher klagen können und die Ärzte deshalb vorsichtiger sind. Daraufhin habe ich mich eingeschrieben."

Wie war es Dir möglich, Jura in nur vier Semestern zu studieren?

"Im Grundstudium muss man nur drei so genannte kleine Scheine machen – drei Klausuren und drei Hausarbeiten. Das habe ich im ersten Semester erledigt. Im zweiten Semester war ich bereits im Hauptstudium und habe den großen Strafrechts-Schein gemacht. Daran hatte ich mich zwar schon im ersten Semester versucht, was aber nicht geklappt hatte …"

… Du lässt Dich also von kleineren Niederlagen nicht abbringen.

"Nein. Im dritten Semester Jura kamen dann Öffentliches und Bürgerliches Recht. Und ich habe meine Diplomarbeit in Mathematik abgegeben – leider ist es nur eine Zwei geworden. Im vierten Semester waren Juristische Methodenlehre und die Mathe-Prüfungen dran. Zu dieser Zeit habe ich auch beim Prüfungsamt angerufen und gefragt, ab wann man sein Staatsexamen in Jura ablegen kann. Dort wurde mir erklärt, dass man nach zwei Jahren an einer deutschen Hochschule die Prüfung angehen darf – aber dass das keiner schaffen würde. Trotzdem habe ich mich im März 2005 angemeldet und immerhin eine 7,3 bekommen, was im oberen Bereich liegt. Danach habe ich ein Jahr gearbeitet und jetzt mache ich Referendariat."

Welchen Beruf würdest Du denn später gerne ausüben?

"Das weiß ich noch nicht – vielleicht Patentanwalt."

Und was interessiert Dich außer Deinen Studienfächern?

"Vieles – Sprachen zum Beispiel. Politik und Geschichte interessieren mich ebenfalls. Ich habe immer Veranstaltungen in anderen Fächern belegt, so in Geschichte, Philosophie oder Toxikologie – das fand ich lustig und spannend. Es ist schade, dass sich das heute nur noch wenige leisten können, dass im Studium kaum mehr Platz dafür ist, andere Veranstaltungen zu besuchen."

Wenn Du heute noch einmal studieren würdest und Studiengebühren zahlen müsstest – würde Dir das viel ausmachen?

"Es wäre alles sehr viel schwieriger für mich, gerade weil ich nicht so viel Geld hatte. Ich habe immer nebenher gearbeitet und mich selbst mit finanziert, auch wenn mich meine Eltern während des Mathe-Abschlusses unterstützt haben. Für Praktika hatte ich allerdings nie viel übrig: Ich habe gesehen, wie Leute da ausgebeutet wurden, wie sie 40 Stunden arbeiten mussten und weniger bekommen haben als ich, als ein Werkstudent."

 

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