zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Redaktion
Zum Journal

 

Fahrer unter 25 sind achtmal mehr gefährdet

Fehlende Fahrpraxis, hohes Alter, Medikamente und Rauschmittel sind unterschätzte Risiken im Straßenverkehr. Das ist das Ergebnis eines Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin vom 15. bis 17. März in Heidelberg.

Fahranfänger unter 25 Jahren haben sage und schreibe ein achtmal höheres Risiko, einen Unfall am Steuer zu verursachen, als erfahrene Wagenlenker zwischen 25 und 65 Jahren. Etwa dasselbe Risiko besteht für über 75-jährige Fahrer. Sitzen die älteren Chauffeure weniger als 8000 Kilometer jährlich am Steuer, erhöht sich das Risiko sogar noch gegenüber der Gruppe der Fahranfänger, berichtete Prof. Rainer Mattern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin und Ärztlicher Direktor des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Uniklinikum Heidelberg.

 
Gleichwohl verzeichnete der Kongress in Heidelberg eine positive Entwicklung der Unfallstatistik: Bei 54 Millionen zugelassenen Kraftfahrzeugen, das sind siebenmal mehr als 1957, geht die Zahl der tödlich verletzten Unfallopfer dennoch stetig zurück – was unter anderem auf eine bessere Fahrzeugsicherheit mit Airbags, Sicherheitsgurten und Kindersitzen zurückzuführen ist, an deren Entwicklung die Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin maßgeblich beteiligt war. 2006 waren auf Deutschlands Straßen 5094 Tote zu beklagen.

 

Die Gründe für die höheren Unfallrisiken bei jungen Fahranfängern liegen in Selbstüberschätzung bei mangelnder Erfahrung sowie in mangelnder Fahrtüchtigkeit nach dem Genuss von Alkohol und illegalen Drogen wie Cannabis, berichteten Experten anlässlich des Kongresses. Ältere Verkehrsteilnehmer sind eher durch schlechtes Sehen, langsames Einschätzen von Verkehrssituationen und verminderte Reaktionsgeschwindigkeit eingeschränkt. Diese Unsicherheiten werden aber bis zur Grenze von etwa 75 Jahren oft geschickt durch das Meiden schwieriger Fahrsituationen bei Nacht oder schlechtem Wetter kompensiert. Ein auf Senioren ausgerichtetes Fahrtraining kann Unsicherheiten abbauen helfen.

 

Gerade bei älteren Fahrzeuglenkern können Medikamente wie Beruhigungs- und Schlafmittel sowie die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit noch zusätzlich einschränken. So steigt das Unfallrisiko nach Einnahme von Beruhigungsmitteln um 20 Prozent. Europaweite Projekte wie die Studie DRUID ("Driving under the influence of alcohol, drugs and medicines") versuchen, Rahmendaten für die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit nach Einnahme von Genussmitteln, Drogen und Medikamenten zu ermitteln, berichtete Prof. Josef Kunz, Präsident der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch-Gladbach. Wegen der individuellen Aufnahme dieser Substanzen im Blut seien Grenzwerte aber sehr umstritten; über die Möglichkeit einer Festlegung von Missbrauchs-Grenzwerten ähnlich der Promillegrenze beim Alkohol werde derzeit noch geforscht.

Berauschende Mittel hatten 2005 statistisch gesehen einen Anteil von 0,3 Prozent an den Unfallursachen. Die Dunkelziffer sei jedoch hoch, erläuterte Prof. Gerold Kauert, Leiter des Instituts für forensische Toxikologie am Zentrum der Rechtsmedizin der Universität Frankfurt/Main. Während Alkoholproben zum Standard polizeilicher Ermittlung gehören, werden Unfallteilnehmer erst seit wenigen Jahren häufiger auf Drogeneinnahme getestet und müssen bei nachgewiesener Einnahme illegaler Substanzen mit Sanktionen rechnen.

 

Konsumenten von Medikamenten mit beeinträchtigenden Nebenwirkungen sind hingegen derzeit noch nicht vom Straßenverkehr ausgeschlossen. Dies sei vom Gesetzgeber so gewollt, aber unter Sicherheitsaspekten schwer nachvollziehbar, erläuterte der Toxikologe. Immerhin gehe es um die möglicherweise fehlende Sicherheit zum Führen von Fahrzeugen. Derzeit bestehe daher für jeden Wagenlenker die Verantwortung, die eigene Fahrtüchtigkeit kritisch zu prüfen und im Zweifelsfall das Auto stehen zu lassen, betonte Kurt-Rüdiger Maatz, Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Die Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin e.V. mit Sitz am Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg hat derzeit etwa 350 Mitglieder: Ärzte, Psychologen, Toxikologen, Ingenieure und Juristen. Aufgaben und Ziele sind die Rettung von Menschenleben, die Erhaltung der Mobilität und die Qualitätssicherung bei der Feststellung von Fahreignung und Fahruntüchtigkeit. Die Mitglieder widmen sich insbesondere der Erforschung menschlichen Versagens als Unfallursache, beispielsweise durch Krankheit, Arzneimittel, Alkohol und Rauschmittel oder physiologische Leistungsminderung.
www.gesellschaft-verkehrsmedizin.de

Kontakt:

Prof. Rainer Mattern
Direktor des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. 06221/568911 (Sekretariat)
E-Mail: rainer.mattern@med.uni-heidelberg.de

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Rechtsmedizin-und-Verkehrsmedizin.119.0.html

 

zurueck Zum Journal