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Bereichsbild

Gerontologie

Studienabschluss: Diplom
Bewerbungspflichtig: Nein
Regelstudienzeit: 4
Sprachnachweise: Keine
Sonstiges: Postgradualer Studiengang
Lehrsprache: Deutsch

Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften

Inhalt des Studiums

Eine der drastischsten Veränderungen in der modernen Industriegesellschaft betrifft den Wandel der Altersstruktur der Bevölkerung: Immer mehr Menschen leben länger als früher und werden auf eine neue Weise alt, d.h. Ältere sind heute zum Beispiel durchschnittlich gesünder als Altersgleiche früherer Jahre. Auch die Lebenszeit nach der Familienphase und nach der Erwerbstätigkeit ist deutlich ausgedehnt. Es ist damit zu rechnen, dass der Anteil der über 60-jährigen Menschen an der Gesamtbevölkerung nach der Jahrtausendwende etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen wird.

Die Wissenschaft hat sich bisher kaum mit dem Alter beschäftigt; beispielsweise hat sich die Psychologie vor allem mit der Entwicklung des Erlebens und Verhaltens im Kindes- und Jugendalter befasst. Gerontologie setzt an diesem Forschungsdefizit an und bezieht die Lebensphasen des mittleren und höheren Erwachsenenalters in ihre Analyse mit ein. Altern ist aus gerontologischer Perspektive als ein lebenslanger Prozess der Entwicklung zu verstehen.

Gesellschaftliche Strukturen haben auf diesen Prozess bisher nur langsam reagiert und blieben auf eine wesentlich jüngere Bevölkerung zugeschnitten. Obwohl wir um die Kompetenzen Älterer wissen, gibt es bislang zwar einzelne Bemühungen, aber kaum tragfähige Gesamtkonzepte, die die »Produktivität« älter werdender und alter Menschen gezielt fördern. Auch die Tatsache, dass ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen trotz hoher Kompetenzen in wirtschaftlich schlechten Zeiten vermehrt aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert werden, zeigt, dass gesamtgesellschaftliche Prozesse zur Integration der Fähigkeiten und Fertigkeiten älterer Menschen bislang keinesfalls zufriedenstellend verlaufen. Offene Fragen, wie die künftige Finanzierbarkeit der Renten oder die Absicherung des Pflegerisikos, sind ebenfalls Ausdruck dieser Strukturprobleme.

Wissenschaftlich ist belegt, dass menschliche Entwicklung lebenslang möglich ist und dass keineswegs alle alten Menschen aufgrund ihres Lebensalters zwangsläufig krank, behindert, verarmt und isoliert sind oder sie gar ihr Denk- und Erinnerungsvermögen einbüßen. Die Vorstellung eines unvermeidlichen und generellen Altersabbaus ist genauso ein Mythos wie der Glaube an einen selbstgewählten Rückzug aller älteren Menschen aus ihren sozialen Rollen. Selbstverständlich gibt es eine Anzahl älterer Männer und Frauen, die ernsthaft benachteiligt sind und private und/oder gesellschaftliche Unterstützung benötigen. Oft kumulieren in diesen Fällen schließlich lebenslange Benachteiligungen und individuelle Versäumnisse zu einer schwierigen Lebenslage im Alter. Die große Mehrheit der Älteren jedoch führt ein ausgefülltes und unabhängiges Leben.

Die Wissenschaft hat die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine optimale lebenslange Entwicklung und die Bedingungen für ein gesundes, zufriedenes Altern zu erforschen. Die Gerontologie ist die Wissenschaft des Alterns. Studien haben gezeigt, dass Altern kein eindimensionaler Prozess ist, sondern dass biologische, psychische, soziale, ökologische und epochale Faktoren den Alternsprozess konstituieren. Neben der Analyse individuellen Erlebens befasst sich die Gerontologie mit dem Altern des Einzelnen, dem Altern von Gruppen in einer Gesellschaft, dem Altern der Bevölkerung als Ganzes und möglichen Unterschieden von Alternsprozessen zu verschiedenen historischen Zeitpunkten und in verschiedenen Kulturen. Aufgrund der vielfältigen Verzweigungen gerontologischer Fragestellungen muss Gerontologie als ein multidisziplinäres Forschungsfeld verstanden werden. Dazu ist es erforderlich, dass unterschiedliche Disziplinen wie Biologie, Medizin, Psychologie, Soziologie, Pädagogik, aber auch Architektur und Städteplanung u.a.m. zur Ausbildung von Diplom-Gerontologen beitragen.

Aufbau des Studiums

Der Aufbaustudiengang Gerontologie befasst sich mit Ergebnissen gerontologischer Grundlagenforschung und bezieht sich sowohl auf individuelle Einflussfaktoren des Alterns bzw. Alters als auch auf gesellschaftliche und ökologische Bedingungen sowie auf deren Wechselwirkungen. Diese Faktoren und die sich daraus ergebenden Aufgabenstellungen werden aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen untersucht. Das Studium soll die Absolventen dazu befähigen, Kompetenzen für die wissenschaftliche und praktische Gerontologie zu entwickeln.

Diese Themenkreise bilden den Rahmen für die inhaltliche Konzeption des viersemestrigen Aufbaustudiengangs Gerontologie, der nach Abschluss eines in der Regel sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Hochschulstudiums mit mindestens der Gesamtnote »gut« aufgenommen werden kann. In diesem zweijährigen Studium finden Vorlesungen und Seminare aus den Bereichen Gerontologie, Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Entwicklungs- und Sozialpsychologie, Soziologie, Pädagogik und Sportwissenschaft statt. Die Studierenden haben innerhalb der Studienzeit drei je sechswöchige Praktika zu absolvieren. Die wichtigsten Informationen zum Studiengang sind im Folgenden dargestellt:

Studieninhalte
Der Aufbaustudiengang umfasst folgende inhaltlichen Schwerpunkte:

  • Gerontologie: Theorien und Methoden;
  • Ergebnisse gerontologischer Grundlagenforschung;
  • Gerontologische Diagnostik;
  • Interventionsgerontologische Aspekte;
  • Geriatrische und gerontopsychiatrische Grundlagen, Ergebnisse und Interventionsmethoden in den für die Gerontologie relevanten Ausschnitten;
  • Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Sportwissenschaft und weitere für die Gerontologie relevante Inhalte (z.B. Demographie, Recht, Sozialplanung);

Ein Studienplan über den Aufbaustudiengang kann bei der Fachstudienberatung am Institut angefordert werden.

Praktika: Im Laufe des viersemestrigen Studiums sind folgende drei Praktika zu absolvieren:

  • Ein sechswöchiges Praktikum in der offenen Altenarbeit;
  • Ein sechswöchiges Praktikum im Rahmen der institutionalisierten Altenhilfe;
  • Ein Forschungspraktikum.

In den beiden erst genannten Praktika soll es darum gehen, den Studierenden einen Einblick in die praktische Arbeit mit alten Menschen zu geben, erworbene Kenntnisse praktisch umzusetzen bzw. die gerontologische Praxis (gegebenenfalls kritisch) zu reflektieren. Das Forschungspraktikum kann vorbereitend der Diplomarbeit dienen, sei es durch eine Analyse der aktuellen Literatur, der Gewinnung oder Analyse empirischen Materials, der Durchführung einer Untersuchung oder der Teilnahme an Interventionsmaßnahmen. Für jedes Praktikum soll ein schriftlicher Bericht den Aufgabenbereich und die gewonnenen Erfahrungen zusammenfassen.

Die Prüfung kann nach vier Semestern abgelegt werden. Sie besteht aus drei mündlichen Teilprüfungen (Gerontologie, Geriatrie und Gerontopsychiatrie) und einer schriftlichen Examensarbeit. Die mündlichen Prüfungen können nach Abschluss des ordnungsgemäßen Studiums abgelegt werden. Nach Bestehen der mündlichen Prüfungen erfolgt die Zuteilung der schriftlichen Examensarbeit, die auf empirisch gewonnenen Daten aufbauen soll. Der Bearbeitungszeitraum beträgt drei Monate.

Ist die Abschlussprüfung bestanden, verleiht die jeweilige Fakultät des sozialwissenschaftlichen Faches der Universität Heidelberg das Diplom für Gerontologie und die Bezeichnung Diplom-Gerontologe/Diplom-Gerontologin.

Forschungsschwerpunkte

Im Bereich der Forschung konzentriert sich das Institut für Gerontologie auf eine Verbindung zwischen gerontologischer Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung. Die Schwerpunkte bilden dabei:

  • kognitive Leistungsfähigkeit im Alter
  • Altersbilder in der Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf intergenerationelle Beziehungen
  • Entwicklung von Konzepten und Strategien zur Erhaltung und Förderung der Selbständigkeit und Selbstverantwortung (»Kompetenz«) im Alltag
  • Mitarbeit bei der Entwicklung von Rehabilitations-, Versorgungs- und Betreuungsangeboten für ältere Menschen, die an körperlichen und / oder seelischen Erkrankungen leiden sowie für deren Angehörige
  • Mitarbeit bei der Entwicklung altenfreundlicher und altengerechter Bildungs- und Betreuungsangebote in der Kommune
  • Kooperation mit Organisationen und Unternehmen bei der Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Bildungs- und Qualifizierungsangeboten für ältere ArbeitnehmerInnen.

Formalia

Zulassung

Diplom: Es besteht keine Zulassungsbeschränkung; Informationen zur Immatrikulation finden Sie hier.
Zulassungsvoraussetzung ist der Abschluss eines in der Regel sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Hochschulstudiums mit mindestens der Gesamtnote „gut“.

Für ausländische Studienbewerber gelten besondere Regelungen. Informationen erhalten Sie beim Akademischen Auslandsamt der Universität Heidelberg (Seminarstraße 2).

Studien- und Prüfungsordnungen

Prüfungs- und Studienordnung

Prüfungsausschuss

Zuständig für Anrechnungs-, Anerkennungs- und Prüfungsfragen ist der jeweilige Prüfungsausschuss, bzw. das Prüfungsamt. Nähere Informationen erhalten Sie bei der betreffenden Fachstudienberatung.

Studiengebühren

Für den postgradualen Studiengang Gerontologie fallen Studiengebühren in Höhe von € 500,- pro Semester an. Zusätzlich ist  ein Beitrag für das Studentenwerk und ein Verwaltungskostenbeitrag zu bezahlen.

Gebührenordnung

Fachstudienberatung

PD Dr. Eric Schmitt
Bergheimerstraße 20, Zi. 148
Mo 14-15 Uhr und nach Vereinbarung
Tel.: +49 (0)6221-54-8182
E-Mail: Eric.Schmitt@gero.uni-heidelberg.de

Kontakt

Institut für Gerontologie
Bergheimerstraße 20
D-69115 Heidelberg

Tel.: +49 (0)6221-54-8181
Fax: +49 (0)6221-54-5961
E-Mail: Traute.Schroth@urz.uni-heidelberg.de
Internet: www.gero.uni-heidelberg.de/
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Letzte Änderung: 01.11.2012