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Cluster, Teraflops und Billard

Seit April neuer Informatikprofessor: Thomas Ludwig jongliert mit Bytes
Der 20-jährige Thomas Ludwig, Student der Informatik, tippte noch fasziniert auf einer Folientastatur des "Computers" ZX81 mit sage und schreibe 700 Byte Speicherplatz. Damals wie heute ein faszinierendes Baukastensystem der Technik.

Dieses Jahr erhielt Ludwig einen Tag nach seinem 40. Geburtstag seine Habilitationsurkunde zum Professor für Informatik am neugegründeten Institut für Informatik der Fakultät für Mathematik und Informatik der Ruperto Carola. Zusammen mit seinen Kollegen des interdisziplinären Instituts für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) bastelt er an Supercomputern, die zu den hundert schnellsten der Welt gehören. Dabei schließt er die Rechner zu so genannten Clustern zusammen, koordiniert und optimiert deren Rechenleistung und jongliert mit Teraflops, dass es dem Laien schwindlig wird. "Ein Teraflop sind zehn hoch zwölf floating point operations per second", erklärt er lächelnd, "und das ist sehr viel." Aha. Ein Teraflop bedeutet also, dass eintausend Milliarden Rechenoperationen in der Sekunde durchgeführt werden können. "Solche Leistungen sind zum Beispiel für die Simulation von Klima und Wetter notwendig", erläutert der Informatiker.

Prof. Thomas Ludwig
"Wir müssen als Kollegen an einem Strang ziehen können"
Foto : Sposny

Zunächst jedoch werden kleinere Brötchen gebacken. Acht miteinander verschaltete Computer sollen zunächst die digitale Auswertung von computertomographischen Untersuchungen in der Klinik beschleunigen. Das größere Vorhaben, der so genannte "Heidelberg-Cluster" des IWR, wird jedoch in naher Zukunft seinen Betrieb aufnehmen. Dazu werden 256 Rechner vernetzt. Das von Bund und Land mit insgesamt 2,5 Millionen Mark unterstützte Projekt soll eine theoretische Leistung von etwa einem Teraflops erreichen – das ist top. Der schnellste Höchstleistungsrechner schafft 12 Teraflops und steht in Amerika am "Lawrence Livermore National Laboratory".

Bei so vielen gleichzeitig ablaufenden Operationen können leicht Fehler passieren, die sich bei wochenlangen Simulationen erst spät bemerkbar machen und fatal sein können. Daher arbeitet Ludwig mit Netz und doppeltem Boden. Er schreibt und optimiert eigene Software zur Fehlersuche und -beseitigung. Der sichere Betrieb, die Optimierung und die Koordination von Rechnern sind seine Stärken. Das konnte er schon während seiner Promotion und Habilitation an der Technischen Universität München zeigen und in vielen Projekten und Kooperationen mit komplizierten Namen bestätigen. Alleine die Vielzahl seiner Aktivitäten, darunter die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekte zur Pflege von biologischen Datenbanken und zur funktionellen Genomanalyse umweltrelevanter Bakterien, zeigt, dass es Ludwig versteht, auch seine eigene intellektuelle Kapazität zu Höchstleistungen anzuspornen. Neben der Informatik hat der Logiker noch Sprachphilosophie studiert, von der er sagt, dass sie an vielen Stellen Fundamente für die Informatik legt.

Ludwig ist ein besonnener Mensch, für den Teamwork und Personalmanagement wichtig sind. "Wir müssen als Kollegen in der Lage sein, an einem Strang zu ziehen", sagt er. Dabei gefalle es ihm in Heidelberg sehr gut (auch wenn er im Büro keine Bilder aufhängen könne, wegen der darunter verlaufenden Kabel, wie er bedauert), denn die ohnehin schon wenig ausgeprägte Profilierungssucht unter Informatikern gäbe es hier nicht. "Das Klima ist prima, hier gibt es keine Grabenkämpfe", freut er sich über die Situation an seinem Institut. Dass er seine neue Rolle als Professor und Manager seiner Mitarbeiter und Studenten ernst nimmt, zeichnet sich auch an den noch nicht ausgepackten Kisten aus München in seinem Büro ab. Die wichtigsten Dinge in seinem noch etwas kahlen Zimmer scheinen das Telefon und das Notebook auf dem Schreibtisch sowie der mit roten, grünen und gelben Zetteln gespickte Terminkalender an der Wand zu sein.

Auch wenn es den Anschein hat, dass Thomas Ludwig den ganzen Tag vorm Computer sitzt, findet sich ab und an ein freier Abend, an dem er beim Tanzen mit seiner Frau außer Atem gerät. In seiner Freizeit joggt er, wenn möglich, durch Feld und Flur, um seiner Fitness etwas Gutes zu tun und um abzuschalten. Konzentration ist bei seinem anderen Hobby gefragt. Als leidenschaftlicher Billard-Spieler sucht er in Heidelberg noch die Möglichkeit dazu. Wer sich zu Carambolage-Billard hingezogen fühlt, der darf sich gerne bei Ludwig melden, am besten per E-Mail.

Die elektronische Post hat sich ohnehin zum wichtigsten Kommunikationsmittel nach draußen entwickelt. "Während einer Dienstreise nach Berlin geriet ich gezwungenermaßen in eine ganz neue Situation, wonach ich die Reise richtig genießen konnte", deutet er die zeitraubende Beantwortung von E-Mails an: "Ich war offline."

Georg Sposny Endpunkt

 

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Updated: 15.12.2001