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Wo frühe Christen die Herabkunft des "himmlischen Jerusalem" erwarteten

Internationales Forscherteam entdeckt antikes Pepouza
Unter Beteiligung Heidelberger Wissenschaftler, insbesondere des Theologen Prof. Dr. Peter Lampe, gelang es einem internationalen Forscherteam, das Jahrhunderte alte Geheimnis um Pepouza, den lange verschollenen Hauptsitz der antiken Montanisten, durch eine archäologische Entdeckung zu lüften.
Pepouza

Der Montanismus war um 165 nach Christus in Phrygien (Kleinasien) entstanden. Er trat als eine von frühen Christen gegründete prophetisch-charismatische Bewegung ins Leben, für die ekstatische Elemente und im Übrigen ein großer Einfluss von Frauen charakteristisch waren. So stand auch das Priesteramt beiden Geschlechtern offen. Die Montanisten breiteten sich rasch über das gesamte damalige Römische Reich aus und fassten auch in Rom und Konstantinopel Fuß. Selbst der lateinische Kirchenvater Tertullian sympathisierte mit ihnen.

Aber: "Soviel Überschwang vermag zu keiner Zeit allen Würdenträgern zu behagen", erläutert Peter Lampe. Denn die Bewegung wurde bald verketzert, der Beeinflussung durch den phrygischen Kult der Muttergottheit Kybele verdächtigt und daher von den christlichen Kaisern ab dem 4. Jahrhundert zugunsten eines "gezügelteren" Christentums verfolgt. Schließlich ging man auch gegen die geographische Keimzelle, den Hauptsitz und das sakrale Zentrum Pepouza vor. Der dort befindliche Schrein der Gebeine des Propheten "Montanus und seiner Frauen", Zielpunkt zahlloser Pilgerströme, wurde 550 nach Christus von kaiserlichen Soldaten zerstört, andere Gebäude der Montanisten, einschließlich ihres Klosters, konfisziert. Bedeutung besaß Pepouza nicht zuletzt deswegen, da die Montanisten hier die Herabkunft des himmlischen, des "Neuen Jerusalems" erwarteten, wie sie im vorletzten Kapitel der Bibel für das Weltende beschrieben wird.

Was bisherigen Wissenschaftlern nicht gelang, so dem glücklosen britischen Epigraphen Sir William Ramsay Ende des 19. Jahrhunderts, scheint nun geleistet. In einem unzugänglichen Flusstal südlich der Stadt U¸sak (in der heutigen Türkei, siehe Karte) entdeckte das Forscherteam um Prof. Peter Lampe und den amerikanischen Montanismusexperten Prof. William Tabbernee nun einen nicht bekannten Siedlungsplatz aus römischer Zeit. "Schlüssel zur Identifizierung des bisher unbekannten Siedlungsplatzes als Pepouza", so Tabbernee, "war ein mit der Stadt verbundenes Kloster, das in den antiken literarischen Quellen wiederholt auftaucht. Als wir das unzugängliche Tal abwanderten, sahen wir zunächst Reste einer römischen Straße, einer Brücke sowie einen weitläufigen antiken Friedhof neben Resten einer größeren Stadtsiedlung. Etliche hundert Meter weiter erklommen wir sodann einen in den Felsen gehauenen umfangreichen Klosterkomplex mit antiken Graffiti."

Mit Unterstützung der türkischen Regierung leitete Peter Lampe aus Heidelberg eine intensive archäologische Oberflächenuntersuchung dieser historisch bedeutsamen Siedlungskammer des antiken Phrygien ein: "Von einem Felsplateau aus ließen sich auf Anhieb weitere Geländemerkmale erkennen, die mit den Hinweisen der antiken Quellen über Pepouza übereinstimmen".

Die Grabungen werden weitergehen und dabei nicht nur die christliche Epoche dieser Siedlungskammer erfassen, sondern auch die früheren und späteren Siedlungsphasen. In einer in Flussnähe gelegenen Höhle wird möglicherweise sogar neolithisches Fundmaterial zu erwarten sein. An anderer Stelle sind etwa Spuren des Kybelekultes ersichtlich.

Oliver Fink Endpunkt

 

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Updated: 15.12.2001