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Das Portrait

Der Klassische Philologe Prof. Dr. Jürgen Paul Schwindt

Seit diesem Wintersemester hat Prof. Dr. Jürgen Paul Schwindt die C4-Professur für Klassische Philologie (Lateinische Literaturwissenschaft) an der Ruperto Carola inne. Er folgt damit Prof. Dr. Michael von Albrecht nach, der 1998 emeritiert wurde.
Prof. Schwindt
Foto : privat

Im Neuen Kollegiengebäude am Marstallhof 4, wo die Klassischen Philologen residieren, wird gerade renoviert. Der Weg zu den Dozentenräumen führt vorbei an Abdeckplanen, es riecht nach frischer Farbe. Das Arbeitszimmer von Jürgen Paul Schwindt, mit Blick auf Mensa und Philosophenweg, ist bereits gestrichen – ganz in weiß, sogar die vormals holzbraunen Einbauschränke. "Die Sitzgarnitur aus den Sechzigern wird noch ersetzt werden", bemerkt Schwindt fast ein wenig entschuldigend. Bequem ist sie aber schon.

Dass einem da ein engagierter Vertreter seiner Zunft gegenüber sitzt, wird im Gespräch schnell deutlich. Vernehmlich machen müsse sich ein Fach wie die Klassische Philologie, das ihm manchmal etwas zu introvertiert erscheine. Mit durchaus harten Bandagen habe er bis zuletzt in Bielefeld um die Wiederbesetzung des vakant gewordenen Lehrstuhls für Latinistik gekämpft – eigentlich wollte man die Stelle "erledigen".

Ein ungestümer Kampfgeist ist Schwindt, dessen Name auch für einen anspruchsvollen Wissenschaftsjournalismus steht (Beiträge insbesondere für die F.A.Z.), freilich nicht. Ruhig und sachlich trägt er seine Anliegen vor. Dazu gehört insbesondere die angestrebte Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Neuphilologischen Fakultät und den Kunstwissenschaften, auf die er sich hier in Heidelberg besonders freue. Eigens dafür wurde ihm vom Rektorat eine zweite Assistentenstelle bewilligt. Von einer Romanistin besetzt, soll sie den Weg für interdisziplinäre Projekte ebnen.

Studiert hat der gebürtige Koblenzer (Jahrgang 1961) Indogermanistik, Indische und Klassische Philologie an den Universitäten in Würzburg und Bonn, wo er 1988 das Staatsexamen ablegte und 1993 promovierte. "Das Motiv der Tagesspanne. Ein Beitrag zur Ästhetik der Zeitgestaltung im griechisch-römischen Drama" lautet der Titel seiner Dissertation. Ausgehend von Aristoteles' "Poetik" ging es – so Schwindt – darum, Zeitstrukturen in antiken Dramen herauszuarbeiten, speziell das Verhältnis von Zeit und Spannungsaufbau.

Noch vor Abschluss seiner Promotion wechselte er nach Bielefeld, wo er seit 1991 die Stelle eines Akademischen Rats vertrat. Seine Habilitationsschrift konnte er dort 1997 vorlegen: "Prolegomena zu einer Phänomenologie der römischen Literaturgeschichtsschreibung. Von den Anfängen bis Quintilian". Ein Versuch, in steter Auseinandersetzung mit modernen Positionen der Literaturgeschichte einen phänomenologischen Aufriss der antik-römischen Formen literaturgeschichtlicher Arbeit zu liefern. Die dabei in den Blick genommenen Texte erwiesen sich von manchen für die Moderne charakteristischen Zwängen geschichtsphilosophischer Konstruktion frei und boten interessante Einsichten in Struktur und Erscheinungsformen römischen Redens über römische Literatur. Der im Titel genannte Begriff "Prolegomena" deutet schon an, dass Schwindt hier mit weiteren Forschungen anknüpfen will.

Als prägend nicht nur für seine Bielefelder Zeit hebt er besonders den Kontakt zu dem Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer hervor. Ein gemeinsam mit diesem konzipiertes und veranstaltetes Forschungskolleg "Metapher und Mythos" liegt in Manuskriptform bereits vor. Die Berufung nach Heidelberg verzögerte erst einmal das noch ausstehende Redigieren für die Drucklegung, die in zwei Bänden erfolgen soll.

Doch setzt Schwindt nicht nur auf große Namen. Insbesondere dem wissenschaftlichen Nachwuchs will er in Heidelberg eine Bühne bieten. Da habe er bislang hervorragende Erfahrungen gemacht. Nicht selten stammten bei Tagungen die besten Beiträge von noch jungen, hochmotivierten Wissenschaftlern.

Gewiss, Schwindts spezielle Interessen sind Literaturtheorie, Ästhetik, Kunstwissenschaft, zumal in interdisziplinärer Perspektive. Doch das traditionelle philologische Handwerk, die "genaue Text-observation", Textkritik sei ihm genauso wichtig. Das möchte er in der Lehre vermitteln. Erste Erfahrungen mit den Heidelberger Studentinnen und Studenten, – gute, wie Schwindt betont – konnte er bereits im vergangenen Sommersemester sammeln, als er den Lehrstuhl bereits vertrat.

Wie es sich für einen Klassischen Philologen eigentlich gehört, ist Schwindt ein großer Liebhaber des mediterranen Kulturraums, besonders Frankreich hat es ihm angetan. Auch deswegen lasse es sich in Heidelberg so gut leben, spürt man hier doch schon stark die Nähe zum westlichen Nachbarn – und sei es nur der morgendliche Gang in die französische Bäckerei um die Ecke. Wird er also demnächst viele Ausflüge, etwa ins benachbarte Elsaß unternehmen? Da ist sich Jürgen Paul Schwindt noch gar nicht so sicher, wurde er doch mit Beginn des Wintersemesters auch gleich zum Geschäftsführenden Direktor des Instituts bestellt. Und das bedeutet erst einmal viel Arbeit.

Oliver Fink magenta

 

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Updated: 13.12.2000