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Achtung: "Bombenleger" im Romanischen Keller

Studierende der italienischen Sprache präsentierten im Romanischen Keller das selbstgeschriebene Stück "I Bombaroli" (Die Bombenleger), das im Rahmen des "Theater-Universitäts-Projektes" vom Auswärtigen Amt Italiens und dem Italienischen Kultur- institut Stuttgart finanziert wurde. Mit Simona Gonella besaß man eine professionelle Regisseurin vom "Piccolo Teatro" in Mailand.
Theater im Romanischen Keller
Foto : Hähnel

Dario Fo und Giuseppe Manfridi, Galionsfiguren des zeitgenössischen italienischen Dramas, befinden sich in einer misslichen Lage: Ihnen wird wegen Obszönität und Gotteslästerung der Prozess gemacht. Um die Richter von ihrer Unschuld zu überzeugen und so die drohende Todesstrafe abzuwenden, geben sie Szenen aus ihren Stücken zum Besten. Auch das Fernsehen schaltet sich in die Debatte ein und heizt die Gemüter zusätzlich auf. Als die Integrität des Gerichts selbst in Frage gestellt wird, soll schließlich die Öffentlichkeit über die beiden Autoren urteilen. Doch diese wollen ihr Schicksal lieber selbst in die Hand nehmen: Vorsorglich inszenieren sie eine Bombendrohung und erreichen mit dieser Finte schließlich ihre Freilassung.

Das unterhaltsame Stück entstand im Rahmen eines Hauptseminars von Studierenden am Romanischen Seminar und Institut für Übersetzen und Dolmetschen. Simona Gonella, hauptberuflich Regisseurin am berühmten "Piccolo Teatro" in Mailand, unterstützte das hochmotivierte Team um die Dozentin Luciana Palazetti im Auftrag des Auswärtigen Amtes Italiens und des Italienischen Kulturinstituts Stuttgart bei der szenischen Umsetzung. Damit wurde auch die Universität Heidelberg erfolgreich in das "Theater-Universitäts-Projekt" eingebunden, das vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde und seitdem in zahlreichen europäischen Städten mit großem Zuspruch umgesetzt wird. Ziel ist es, über das Medium Theater einen Beitrag zur Verbreitung der italienischen Kultur und Sprache in Europa zu leisten.

Dem hier realisierten Konzept der "lettura drammatizzata" liegt die Idee zu Grunde, den Sinngehalt des literarischen Textes durch mimische und gestische Untermalung sowie eine die Bedeutung der Aussage unterstreichende Betonung zu verinnerlichen. Den Studierenden soll dadurch die Möglichkeit eröffnet werden, Sprache zu erleben und sich kreativ einzubringen. Nicht formale Regeln der Sprachanwendung stehen im Mittelpunkt, vielmehr soll die Lust an Kommunikation und so letztlich die Fähigkeit zum interkulturellen Dialog gefördert werden.

Normalerweise schlägt Gonella einen Text vor, der zunächst eingehend analysiert wird. Anders in Heidelberg: Hier wollten es sich die Studierenden nicht nehmen lassen, Fragmente der gelesenen und intensiv diskutierten Stücke von Dario Fo und Giuseppe Manfridi dramaturgisch in eine neue Rahmenhandlung einzubetten. Simona Gonella, die von den Vorschlägen des Hauptseminars beeindruckt war, blieb es, den Text durch einige Kürzungen und Änderungen in eine bühnenreife Form zu bringen und die Schauspieler professionell zu begleiten und anzuweisen.

Die italienische Regisseurin hat ihre Tätigkeit im "Theater-Universitäts-Projekt" schon an zahlreiche Universitäten geführt. Egal ob in Odessa oder in Madrid – gemeinsam sei allen Studierenden die große Liebe zur italienischen Sprache und Kultur. Dennoch schlägt sich, laut Gonella, auch der jeweilige kulturelle Hintergrund in der szenischen Umsetzung nieder: Jede Theatergruppe setze unterschiedliche Akzente und verleihe dem Text so einen eigenen Charakter. In Heidelberg war sie besonders beeindruckt von der intellektuellen Herangehensweise der Akteure.

Die Studierenden, die von der Zusammenarbeit mit einer "echten Regisseurin" begeistert waren, legten eine beachtliche schauspielerische Leistung an den Tag, die mit stürmischem Applaus belohnt wurde. Auch Giuseppe Manfridi, der höchstpersönlich bei der Aufführung zugegen war, war sichtlich zufrieden. Es bleibt zu hoffen, dass das "Theater-Universitäts-Projekt" auch in Heidelberg weiter lebt und den "Bombenlegern" weitere Theaterabende mit zündenden Ideen folgen.

Julia Scialpi magenta

 

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Updated: 13.12.2000