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Jefferson & Co.

Exkursion des Historischen Seminars nach Amerika
Unter der Leitung von Prof. Dr. Detlef Junker, Inhaber der Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessur für Amerikanische Geschichte, fand vom 16. bis 30. September mit großzügiger Unterstützung privater und öffentlicher Sponsoren erstmals in der Geschichte des Historischen Seminars der Universität eine Exkursion an die amerikanische Ostküste statt.

In seinen 1905 erschienenen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" bezeichnete Jacob Burckhardt es als Eigenart der Amerikaner, dass sie auf "das Geschichtliche, d.h. auf die geistige Kontinuität" größtenteils verzichtet hätten. Dass diese Feststellung – wie auch immer sie für die Zeit der Jahrhundertwende zu bewerten ist – für das heutige Amerika keineswegs zutrifft, davon konnte sich jetzt, knapp hundert Jahre später, eine Gruppe Heidelberger Geschichtsstudenten überzeugen.

Jefferson Jefferson Jefferson
Kleider machen Leute – Zwei Exkursionteilnehmer bei der Anprobe amerikanischer Alltagsbekleidung des 17./18. Jahrhunderts. In der Mitte die Angestellte eines Freilichtmuseums ("Plimoth Plantation")
Fotos : Inga Müller

"The Cities of Liberty" – so war das vielfältige Programm der Reise überschrieben, die von Boston über New York, Philadelphia und Washington bis nach Virginia führte. Diese Route ermöglichte es, den Hergang der Amerikanischen Revolution, wie ihn die mitreisenden Studenten im Wintersemester zuvor bereits theoretisch erarbeitet hatten, vor Ort nachzuvollziehen: die Boston Tea Party als auslösendes Moment, erste Zusammenstöße zwischen Kolonisten und britischen Soldaten bei Lexington und Concord, die Loya- listenhochburg New York, schließlich die Ausrufung der Unabhängigkeit in Philadelphia und die entscheidende Schlacht bei Yorktown.

Auf den Landsitzen der founding fathers Jefferson und Washington ließ sich Besichtigung mit einem spätsommerlichen Naturerlebnis angenehm verbinden. Darüber hinaus wurde auch Aspekten des modernen Amerika, gerade in seiner Beziehung zu Deutschland, Beachtung zuteil: So stand neben einem Abstecher zum Stock Exchange an der New Yorker Wall Street, einem Empfang in der Deutschen Botschaft und dem Deutschen Historischen Institut ein Besuch des United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. auf dem Plan.

In ihrem Facettenreichtum ermöglichte die Studienfahrt neue Einblicke in die innere Gegensätzlichkeit des amerikanischen Geschichtsverständnisses und des damit einhergehenden Selbstbildes. So erwies sich Nietzsches Unterscheidung zwischen kritischer und monu-mentalischer Historie gerade auch auf den amerikanischen Kontext anwendbar: Als Gäste an der Harvard University und der University of Pennsylvania konnte die Gruppe im Gespräch mit Professoren und Studenten eine differenzierte Auseinandersetzung mit der nationalen Vergangenheit erfahren, während Museumsdörfer wie das koloniale Williamsburg oder die in Philadelphia mit Licht und Laser inszenierte "Lights of Liberty Tour" eher einer "monumental-heroischen" Geschichtsauffassung verpflichtet waren, in dem Sinne, "dass die großen Momente im Kampfe der einzelnen eine Kette bilden, dass in ihnen ein Höhenzug der Menschheit durch Jahrtausende hin sich verbinde, dass für mich das Höchste eines solchen längst vergangenen Momentes noch lebendig, hell und groß sei".

J. Arnold / J. Dunkhase magenta

 

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Updated: 13.12.2000