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Le moment, l´instant – kleine Dinge im Visier

Der Romanist Prof. Dr. Christof Weiand spürt dem Augenblick nicht nur in der Literatur nach
Seit dem Wintersemester 2000 ist Prof. Dr. Christof Weiand neuer Ordinarius (C4) für Romanische Philologie an der Universität Heidelberg und damit Nachfolger des emeritierten Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Heitmann.

Cappuccino-Duft im kleinen Hauptstraßen-Stehcafé, die Stimme einer französischen Sängerin klingt aus den Lautsprechern – "Das ist Patricia Kaas", erkennt Christof Weiand sofort, fast ein bisschen stolz. Klassische Musik mag er, aber auch jazzige Töne. Irgendwie passt das Ambiente zu einem Romanisten, dessen Schwerpunkt auf italienischer und französischer Literatur liegt. Szenenwechsel Arbeitsplatz: In dem hellen Eckzimmer fallen einem sogleich einige afrikanische Reisemitbringsel ins Auge – Geschenke, die ihn begleiten. Sie gehören zur "inneren Möblierung", erklärt Weiand, sind "ein Fremdkörper und gleichzeitig ein Bezugspunkt, ein Erweiterungsmoment". Neben dem Schreibtisch: eine alte russische Kamera auf einem Stativ. Romfotos, sparsam gerahmt, lehnen an der Wand. Momentaufnahmen im Großformat. "Ich fotografiere sehr viel, die Kamera ist immer dabei, auch jetzt." Einerseits Stilisiert-Kunsthaftes wird ins Visier genommen, andererseits Alltagsszenen, kurze Augenblicke.

Prof. Dr. Christof Weiand (Foto : Schwabe)
"Die Kamera ist immer dabei, auch jetzt"
Foto : Schwabe

Dem "erfüllten Augenblick" spürt Christof Weiand auch in der Literatur nach. Ablesen lässt sich das schon an seiner Dissertation über "Zeit und Erzählung in den Romanen Stendhals". Sie untersucht, wie der französische Schriftsteller bzw. sein Erzähler Zeitsysteme und Kontinua aufbaut, diese aber immer wieder dekonstruiert. Welche Wahrnehmung von Zeit die Figuren haben, wie sie überragende Momente erfahren, wird in einem zweiten Schritt analysiert. Zu beobachten ist eine – für die Moderne charakteristische – "unheimliche" Aufwertung des Kairos, des Zufälligen und Schicksalhaften bei Stendhal.

Besonders das kleinste Zeitelement hat es Weiand seither angetan: le moment, l'instant. Eine Ästhetikgeschichte des Augenblicks in der italienischen und französischen Literatur könnte bei seinen weiteren Forschungen entstehen; Lyrik und Novelle spielen dabei eine große Rolle. Und dass dieses Thema auch die Studierenden interessiert, hat er bereits festgestellt.

Geboren 1954 in Dernbach (Westerwald), studierte Christof Weiand an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und in Bristol die Fächer Romanistik, Anglistik und Amerikanistik, Studienaufenthalte führten ihn nach Italien und Frankreich. Auf das Staatsexamen folgte 1984 die Promotion bei Prof. Dr. Kurt Ringger in Mainz, dort auch die Habilitation über "Libri di famiglia und Autobiographie in Italien zwischen Tre- und Cinquecento" (1990). Unter die Lupe genommen werden hier die kleinen Formen des häuslichen Schreibens über sich selbst, die seit der frühen Neuzeit zunächst in Familien- und Händlerbüchern nachweisbar sind, sich aber allmählich verselbständigen und die Gattung der Autobiographie ganz neu prägen. Nach seiner Habilitation lehrte Weiand als Professor in Tübingen und zuletzt in Würzburg.

"Das wunderbare Wachsein-"Müssen", die permanente Herausforderung, sich neuen Fragen zu widmen und diese auch für andere zur Disposition zu stellen", schätzt er an seinem Beruf. Offenheit und kreatives Mitgestalten sind ihm in der Lehre wichtig: "In den Seminaren nehmen wir uns Texte vor und die werden gemeinsam diskutiert. Ein Unterrichtssystem, das dann selbstverständlich durch Hausarbeiten ausgebaut wird. Man merkt, dass die Studierenden gerne kommen und auch vorbereitet sind." Deren überregionale und internationale Herkunft ermöglicht solch ein produktives "Reizklima". Um das breite Angebot der Italianistik in Heidelberg bekannter zu machen, hat Weiand gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Edgar Radtke die Italianistentage ins Leben gerufen. Jedes Semester Vorträge, auch von Gastdozenten, ergänzt durch die kulturelle Veranstaltungsreihe Arte Romanza (siehe Unispiegel 3/2001).

Mit Vorliebe zieht es Christof Weiand in das an Kunstschätzen reiche Umbrien, die unbekanntere Nachbarregion der Toscana: "Frankreich und Italien sind meine Favoriten als Länder." Und genießt auch die mediterrane Küche, die er zu Hause selbst pflegt: "Gelegentlich koche ich gerne italienisch, aber nicht nur ein verbogenes Spaghetto, sondern schon ein bisschen mehr." – Der Ausgleich zum Schreibtisch? Joggen und Rad fahren, dabei sind Auge und Körper gleichermaßen gefordert. Wie beim Fotografieren.

Uta Schwabe ende

 

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Updated: 18.10.2001