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Kunst- und psychiatriegeschichtlich wertvoll

Die Prinzhorn-Sammlung hat jetzt ein eigenes Museum
In der Voßstraße 2 kann die Universität nun die berühmte Sammlung Prinzhorn der Psychiatrischen Universitätsklinik in einem eigenen Museum präsentieren. Das Land hat dafür mit Unterstützung des Bundes für knapp fünf Millionen Mark das ehemalige, 1880 errichtete Hörsaalgebäude der Neurologischen Klinik im Bergheimer Klinikviertel renovieren lassen. Damit sind achtzig Jahre nach ihrem Entstehen Teile der Sammlung endlich permanent der Öffentlichkeit zugänglich.

Benannt ist die sowohl in medizinisch-wissenschaftlicher als auch in künstlerischer Hinsicht weltweit einzigartige Sammlung nach dem Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn, der in den Jahren 1919-1921 als Assistent der Heidelberger Psychiatrischen Universitätsklinik die psychiatrischen Anstalten des In- und Auslands um bildnerische Werke von Patienten bat. In diesen zwei Jahren trug Prinzhorn nahezu vollständig den heutigen Fundus von rund fünftausend Werken zusammen. Berühmt wurde die Sammlung schließlich durch dessen Buch "Bildnerei der Geisteskranken" (1922), das insbesondere Künstler der zeitgenössischen Avantgarde beeindruckte und inspirierte: u.a. Alfred Kubin, Max Ernst, Oskar Schlemmer und schließlich Jean Dubuffet, den Sammler der Art Brut.

Prinzhorn-Sammlung
Im Spiegelzelt. Von links: Prof. Martin, OB Weber, Prof. Mundt und Rektor Siebke
Foto : Kresin

Aus der Prinzhorn-Sammlung
Aus der Sammlung Prinzhorn – Holzskulptur von Johann Karl Genzel (Brendel): Frau am Kreuz (Golgatha- Kandelaber)
Abb.: Museum

Die für die Sammlung tragische "Wende" kam mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Karl Wilmanns, der Prinzhorn zu dieser Sammlung angeregt und sie seit dessen Weggang aus Heidelberg 1922 betreut hatte, verlor 1933 seine Stellung als Leiter der Psychiatrischen Klinik. Er hatte sich geweigert, seine jüdischen Assistenten zu entlassen. Wilmanns Nachfolger wurde Carl Schneider, der später im Namen des verbrecherischen "Euthanasie"-Programms Patienten ermorden ließ. Schneider hat den Nationalsozialisten auch Teile der Sammlung für die berüchtigte Wanderausstellung "Entartete Kunst" zur Verfügung gestellt. Manche der Exponate kamen nicht mehr nach Heidelberg zurück. In den Wirren der Nachkriegszeit blieb die auf dem Speicher der Klinik verwahrte Sammlung zunächst unbeachtet.

Nachdem Mitte der sechziger durch die Ärztin Dr. Maria Rave-Schwank erste Schritte in Richtung einer Neuentdeckung der Sammlung eingeleitet worden waren, bleibt es das Verdienst von Dr. Inge Jádi, sie vor dem Verfall bewahrt und seit den siebziger Jahren nach und nach mit finanzieller Unterstützung, u.a. durch die Volkswagen-Stiftung, in einen auch konservatorisch würdigen Zustand gebracht zu haben; seit 1995 wird die Sammlung in einer Datenbank erschlossen, gefördert von der Kulturstiftung Baden-Württemberg. "Es ist wirklich passiert", freute sich Jádi bei der Eröffnung – nicht ganz ohne Wehmut, denn Ende Oktober wird sie in den Ruhestand gehen. Die Leitung des Museums wandert dann zunächst kommissarisch in die Hände ihrer bisherigen Stellvertreterin Dr. Bettina Brand-Claussen, die sich bislang um die kunsthistorische Erschließung der Sammlung verdient gemacht hat. Dazu gehört die Geschichte der Sammlung im Nationalsozialismus – heute einer der Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit. Durch die jetzige Anbindung an den normalen Klinikbetrieb kann aber auch eine kontinuierliche, ideologiefreie psychiatriegeschichtliche Auseinandersetzung mit der Sammlung stattfinden.

Blick auf das Museum
Blick auf das Museum, links der Bau der Psychiatrischen Klinik
Foto : Museum

Für die feierliche Eröffnung des Museums hatte man auf dem Gelände ein Spiegelzelt aufgebaut. Nach der Begrüßung durch den Ärztlichen Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, Prof. Dr. Christoph Mundt, sprachen Staatssekretär Michael Sieber, Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke, Prof. Dr. Eike Martin (Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums) sowie Oberbürgermeisterin Beate Weber Grußworte. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Gottfried Boehm vom Kunsthistorischen Seminar in Basel. Nach dem Festakt, der musikalisch von der Schola Heidelberg mit eigens für diesen Anlass komponierten Stücken begleitet wurde, führte Dr. Inge Jádi, Kustodin der Sammlung, durch das Museum.

Öffnungszeiten des Museums: Di, Do- So: 11-17 Uhr, Mi: 11-20 Uhr – Mo: geschlossen. Hinzuweisen ist außerdem noch auf eine Ausstellung im Universitätsmuseum (Grabengasse 1), die Leben und Werk Hans Prinzhorns gewidmet ist und noch bis zum 26. Oktober besichtigt werden kann. Zusammengestellt wurde die kleine Präsentation von Thomas Röske, der eine maßgebliche Dissertation zu Prinzhorn verfasst hat. Nähere Informationen zur Sammlung und dem neuen Museum finden sich im Internet unter http://www.prinzhorn.uni-hd.de.

Oliver Fink ende

 

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Updated: 18.10.2001