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Das Portrait
Prof. Dr. Gyasuddin Molla: Bangabandhu-Professur am Südasien-Institut

Im vergangenen Jahr hat die Volksrepublik Bangladesh am Südasien Institut der Universität Heidelberg ein "Bangabandhu Sheikh Mujibur Rahman Professorial Fellowship" eingerichtet, benannt nach dem Staatsgründer. Nicht zuletzt der Vertiefung wissenschaftlicher Kontakte nach Südasien soll diese Gastprofessur dienen. Prof. Molla ist ihr erster Inhaber.
Prof. Dr. Gyasuddin Molla

Der Weg in die Politikwissenschaft war kein direkter. Dass er nicht dem Willen des Vaters folgte und Arzt wurde, bereut Gyasuddin Molla jedoch keineswegs. Nach einigen Semestern Ökonomik an der University of Dhaka (in seiner Heimatstadt Bangladesh) wechselte er – zunächst mehr aus Neugier – zur "political science" und damit in eine der ersten Abteilungen der 1921 von der britischen Kolonialmacht gegründeten Hochschule, die ursprünglich noch das ganze Spektrum von Politischer Ökonomie bis zur Soziologie umfasste.

Wirtschaftliche Aspekte stehen in der Arbeit des heute 52-jährigen Professors für Politikwissenschaft an der University of Dhaka nach wie vor im Zentrum, was sich schon anhand seiner Dissertation über "The Public Food Distribution System in Bangladesh – Implications for U.S. Aid" ablesen lässt.

Die Entwicklung des Parlamentarismus in seiner Heimat, die Stabilisierung staatlicher Institutionen und die nachhaltige Bekämpfung der Armut sowie die Entwicklungspolitik der Industriestaaten gegenüber Südasien nennt Molla als seine Interessengebiete. Bangladesh stehe ein weiter "Weg zur Reife" bevor, denn noch immer wird "der Wahlprozess von führenden Politikern manipuliert", so Molla. Die ausgeprägte "Personalisierung des politischen Systems" ist zudem eine "Schwäche auch der übrigen Staaten in Südasien".

Die Bevölkerung sei des politischen Machtkampfs, der mit dem beliebten Mittel des Generalstreiks stets zu Lasten der Volkswirtschaft ausgetragen wird, längst überdrüssig. Jene Obstruktionspolitik nennt er einen "schwerwiegenden Fehler", da Streikaufrufe der jeweiligen Oppositionspartei nicht nur die Regierungsarbeit beeinträchtigten, sondern wirtschaftlich enorm teuer seien. Dass er am Südasien-Institut gemeinsam mit Kollegen aus Indien und Pakistan arbeitet, ist für ihn eine reizvolle Chance der Zusammenarbeit, bedenkt man doch die politischen Spannungen zwischen diesen Ländern als Folge ihrer gemeinsamen kolonialen Geschichte.

Hier wird sich Prof. Molla einem weiteren zentralen Entwicklungsproblem seiner Heimat – wie auch des ganzen Subkontinents – widmen: dem Management der Ressource Wasser. Unter dem Titel "The Politics of Water Management in South Asia" entsteht derzeit in der Abteilung Politikwissenschaft des Südasien-Instituts ein vergleichendes Forschungsprojekt, das die Untersuchung der institutionellen Arrangements bei der Wasserverteilung in den Ländern Südasiens zum Gegenstand hat.

Wissenschaftliches Plaudern

Dass er darüber hinaus als erster ein Seminar zum Thema "Politics in Bangladesh" (im kommenden Semester am SAI) halten wird, erfüllt Prof. Molla mit Stolz und Freude, und er verleiht der Hoffnung Ausdruck, seine Tätigkeit am Bangabandhu-Chair möge "die Beziehungen zwischen Deutschland und Bangladesh in vielfältiger akademischer Hinsicht fördern".

Den regelmäßigen Austausch mit Kollegen in aller Welt über wissenschaftliche Fragen nennt der vielgereiste Politologe schmunzelnd Plaudern. Ihm liegt viel daran, die Meinungen und Erfahrungen anderer Menschen kennen zu lernen. Überhaupt ist Reisen für ihn nicht nur angenehme Pflicht, sondern zugleich ein Freizeitvergnügen. Schon plant er, sobald es seine Zeit erlaubt, die Schweiz, Frankreich und Italien zu besuchen, worauf er sich schon lange freut.

Am Neckar fühlt sich der Vater von drei Kindern, der bereits 1998 als DAAD-Stipendiat Heidelberg kennen gelernt hat, schon jetzt heimisch – umso mehr, als inzwischen auch seine Familie eingetroffen ist. Auch seine beiden älteren Kinder streben bereits einen akademischen Beruf an: So studiert die älteste Tochter Medizin, der Sohn hat ein Betriebswirtschaftsstudium begonnen.

Geradezu "verliebt in die natürliche Schönheit Heidelbergs" sei er, so dass ihm sowohl das Wohnen wie auch das Arbeiten hier sehr gut gefalle. Einziger Wermutstropfen: Nächsten April muss Prof. Molla die Stadt am Neckar wieder verlassen. Dann wird sein Jahr als erster "Bangabandhu"-Professor am Südasien-Institut beendet sein.

Prof. Molla freut sich über Kontakte. Seine E-Mail lautet: Molla31@hotmail.com, seine Telefonnummer im Institut: 54 89 38.

Matthias Paukert magenta

 

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Updated: 16.10.2000