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Green Card! Was nun?

Deutsch-indische Kooperation auf dem IT-Sektor
In Deutschlands boomender Computer- und Telekom-Branche herrscht ein drastischer Mangel an qualifizierten IT-Spezialisten. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat im Februar diesen Jahres zur Eröffnung der Computerfachmesse CeBIT angekündigt, dass die Bundesregierung High-Tech-Spezialisten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union nach Deutschland holen will.

Im weit entwickelten IT-Land Indien kommen jährlich 100 000 neue IT-Spezialisten hinzu. Software-Entwicklung ist dort ein ausgesprochener Wachstumsmarkt. Dass Indien im IT-Sektor einen starken Partner für Deutschland darstellen kann, ist daher naheliegend. Die Möglichkeiten der Kooperation gehen dabei weit über den "Import" von indischen IT-Spezialisten hinaus. Die Indian Software Service Companies Association (ISSCOM), eine gemeinnützige Organisation indischer IT-Unternehmer und ihrer Mitarbeiter, und das Cross-Cultural Leadership Forum (CLF), ein Projektteam an der Universität Heidelberg, haben im August diesen Jahres eine Zusammenarbeit zur Förderung deutsch-indischer Kooperation im IT-Sektor vereinbart. Durch diese strategische Partnerschaft sollen deutsche und indische Unternehmen unterstützt werden. Die gemeinsame Durchführung von Managementseminaren, öffentlichen Veranstaltungen sowie weiteren Beratungsleistungen soll dabei praktische Hilfe bieten.

Zum offiziellen Auftakt der Partnerschaft veranstalteten CLF und ISSCOM am 13. September 2000 im Senatssaal der Universität Heidelberg eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema "Green Card! Was nun?". Auf dem Podium wurde CLF vertreten durch seine Projektleiterin Frau Prof. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Prorektorin für Internationale Beziehungen der Universität Heidelberg, während als Sprecher für ISSCOM Herr Umesh Aggarwal, Executive Director der ISSCOM auftrat. Herr Chandrashekar V. Badami, Business Development Manager von Wipro Technologies, Indiens größtem IT-Unternehmen, repräsentierte die indische Softwareindustrie, und Herr Srinivas Reddy von SAP Laps India sprach als Inhaber der neuen Green Card auf dem Podium. Moderiert wurde die Diskussion von Mike Enskat, CLF-Mitglied und Politologe am Südasien-Institut der Universität Heidelberg.

Interesse an Deutschland wecken

Im voll besetzten Senatssaal wurde die Kooperation von CLF und ISSCOM von allen Seiten begrüßt. Man war sich einig, dass eine Förderung der deutsch-indischen Kooperation im IT-Sektor notwendig ist und beiden Seiten nur dienlich sein kann. Auf eine Befürchtung aus dem Publikum hin, Deutschland müsse sich wohl mit zweitklassigen IT-Experten aus Indien zufriedengeben, da die Topleute ohnehin die USA als Arbeitsmarkt bevorzugten, wurde von indischer Seite versichert, dass es aufgrund des elitären Hochschulsystems in Indien keine zweitklassigen Absolventen gebe – schon bei der Aufnahme an die Universität werde strengste Auslese betrieben.

Als Problem werden eher mangelnde Deutschkenntnisse auf Seiten der Inder angesehen. Allein mit guten Englischkenntnissen komme man in Deutschland auch in der englischsprachig dominierten IT-Branche nicht weit. Selbst Unternehmen in Deutschland mit Englisch als offizieller Unternehmenssprache hätten Schwierigkeiten, diese auch intern durchzusetzen. Zunächst müsse daher das Interesse an Deutschland geweckt und damit auch ihre Bereitschaft bestärkt werden, die deutsche Sprache zu lernen. Ein indischer Diskussionsteilnehmer kritisierte dabei die mangelhafte Vermarktung Deutschlands im Ausland. Von Deutschland wisse und höre man in Indien kaum etwas, geschweige denn – SAP vielleicht einmal ausgenommen – von der deutschen Softwareindustrie. Deutschland als potentiellen Arbeitsmarkt in Erwägung zu ziehen, liege daher eher fern.

Ein Thema war auch die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf die jüngsten rechtsradikalen Ausschreitungen. Schmackhaft werde Ausländern ein Leben in der Bundesrepublik damit wahrlich nicht gemacht. Mit Deutschland assoziiere man immer noch das Dritte Reich, auch wenn der kritischen Auseinandersetzung der Bundesrepublik mit dieser Zeit und der damit verbundenen intensiven Aufklärungsarbeit Respekt und Anerkennung entgegengebracht werde.

Nach Beendigung der Podiumsdiskussion bestand die Gelegenheit, bei einem Umtrunk und indischen Snacks in der Bel Etage der Alten Aula Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Die Veranstaltung fand sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Veranstaltern ein positives Echo und kann damit durchaus als gelungener Auftakt der CLF-ISSCOM-Kooperation betrachtet werden.

Yvonne Breitsprecher magenta

 

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Updated: 12.10.2000