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Kabelbrände im Gehirn: das große Vergessen

Auf dem ZMBH-Forum: neue Forschungen zur Alzheimer-Krankheit
Aus Anlass des 60. Geburtstags eines der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Alzheimer-Krankheit, Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad T. Beyreuther, veranstaltete das Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) im Mai das jährlich stattfindende Forum mit dem Titel "Genes, Proteins and Brain Disease". Forscher aus den USA, Australien und Europa trafen sich, um ihre neuesten Ansätze und Ergebnisse in Sachen neurodegenerativer Erkrankungen zu präsentieren.

Obwohl die dreitägige Veranstaltung auch für die interessierte Öffentlichkeit gedacht war, waren es doch vorwiegend Wissenschaftler, die den Vorträgen lauschten. Trotzdem konnten die Organisatoren am Ende des Symposiums eine sehr erfreuliche Bilanz ziehen, schließlich waren die Vorträge immer sehr gut besucht. Der außerordentlich hohe Stellenwert der Veranstaltung für Redner und Publikum zeigte sich daran, dass viele Forschungsergebnisse hier in Heidelberg erstmals einem breiten Fachpublikum präsentiert wurden.

Prof. Dr. Colin Masters
Weggefährte: Prof. Dr. Colin Masters
Foto : Sposny

Der Kongress begann mit einem historischen Rückblick von Prof. Colin Masters (Melbourne), einem langjährigen Weggefährten Beyreuthers. Beide Wissenschaftler können sich nicht nur über eine erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Ursachenforschung der Alzheimerkrankheit freuen, sondern auch über einige gemeinsame Forschungspreise, mit denen sie in den letzten Jahren geehrt wurden. Nach wie vor stand bei allen Rednern des Forums zum Thema Alzheimerkrankheit das abgelagerte Eiweiß (Amyloid Abeta) im Blickpunkt bei der Suche nach wirkungsvollen Möglichkeiten zu Therapie und Diagnose. Eine besonders frühe und damit wertvolle Diagnose wird nach Professor Younkin aus den USA sehr bald mit einem Bluttest möglich sein. Neu entdeckte Eiweißstoffe, die selbst an der Entstehung des Amyloid beteiligt sind, wurden als vielversprechende Ansatzpunkte für eine Heilung präsentiert, ebenso wie kleine und kleinste Moleküle, denen man bisher eine so große Bedeutung nicht zugetraut hatte. Hier wurde beispielsweise die Wirkung von Kupferionen, die für den menschlichen Organismus essentiell sind und die offensichtlich bei der Alzheimerkrankheit eine Rolle spielen, kontrovers diskutiert. In Mäusen, die genetisch verändert sind und das humane Gen für das Amyloid-Vorläuferprotein besitzen, zeigte sich, dass die zusätzliche Gabe von Kupfer über die Nahrung die Lebenserwartung dieser Tiere wieder auf das normale Maß verlängert. Auch Fette, wie zum Beispiel Cholesterin und abgeleitete Stoffwechselprodukte wurden als Modulatoren für die Entstehung des Amyloid präsentiert.

Bei den Vorträgen über die genetischen Ursachen waren sich die Alzheimer-Forscher einig, dass einige Risikogene bisher unentdeckt geblieben sind, die über den Zeitpunkt des Ausbruchs der Krankheit bestimmen und die noch gefunden werden müssen. Als Erfolg hartnäckiger Bemühungen präsentierte Prof. Aguzzi aus Zürich Ergebnisse, die zeigen, dass eine Impfung gegen Prionenkrankheiten, die durch die BSE-Krise bekannt geworden sind, prinzipiell möglich ist. Erkenntnisse daraus werden sich nach Meinung vieler Wissenschaftler aber auch auf andere verheerende Krankheiten übertragen lassen (wie zum Beispiel Parkinson), die zusammen mit Alzheimer, Amyotropher Lateralsklerose und Polyglutaminkrankheiten aufgrund krankhaft gefalteter Eiweißstoffe auch als so genannte "Proteinfaltungskrankheiten" bezeichnet werden.

The KTB Show
Wer wird Miilionät – Porträt des Wissenschaftlers als Showmaster: Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad T. Beyreuther
Foto : Sposny

Am Schluss der Konferenz zeigte sich, dass das Konzept der Organisatoren aufgegangen war: namhafte Wissenschaftler aus Europa, USA und Australien einzuladen, die über hochaktuelle Themen referieren, und das zu Ehren eines weltweit führenden Wissenschaftlers auf dem Gebiet der Alzheimerkrankheit: Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad T. Beyreuther, Direktor des ZMBH, Vorsitzender der BioRegion Rhein-Neckar-Dreieck und als Staatsrat Ratgeber der alten und neuen baden-württembergischen Landesregierung.

Nach so viel Wissenschaft sorgte die Geburtstagsparty im ZMBH für Anspannung der Lachmuskulatur. Beyreuthers Arbeitsgruppe zeigte sehr viel Kreativität bei der Gestaltung der Konrad-Timotheus-Beyreuther-Show, kurz "KTB-Show". Wer die Vorlieben und Hobbies des Direktors bis dahin noch nicht kannte, wurde aufgeklärt: Liebhaber der klassischen Musik (insbesondere Oper), Weinkenner und leidenschaftlicher Radsportler. Aber auch Fragen zu seinen Mitarbeitern kamen nicht zu kurz. Eine Frage aus dem Spiel "Wer wird Millionär?" lautete: "Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Ihrer Laufbahn als Forscher verschlissen? 71, 74, 73 oder 72?" Da kam der Alzheimerforscher schon ins Straucheln, aber seine langjährige Sekretärin half ihm auf die Sprünge: 72. Und wie es sich gehörte, bekam er nach jeder Antwort einen Preis – vom Schokoriegel bis zur Rose. Über ein Geschenk freute sich Beyreuther besonders: Er bekam einen eigenen Fahrradständer geschenkt, der am Seiteneingang des Instituts aufgebaut wird. Normalerweise werde solch eine Ehrung nur den Emeritierten zuteil, freute er sich.

Beim anschließenden Teil des Abends wurde noch gefeiert und getanzt bis in die Puppen. Wer bis zum Ende gegen 1.30 Uhr blieb, schaute am nächsten Morgen bei den letzten Vorträgen etwas trübe aus den Augen. Erwähnenswert noch ist "Beyreuther´s Raritätenkabinett", in dem eine Auswahl der typischen Beyreuther-Fliegen zu sehen war, mit dazu passender Beschreibung. Die "Kleine Aß-Fliege" (Drosophila plaques) bevorzuge höhere Laboratorien, erfährt man. Seit Sommer 2000 vermehre sie sich stark im ZMBH – eine Anspielung auf Beyreuthers Firma Abeta, die sich zur Zeit noch im 4. Stock des Instituts befindet. Beyreuther ist sehr stolz auf seine Mitarbeiter und lobte die unentdeckten Talente der Unterhaltungsbranche, die nicht nur Kreativität im täglichen Forschungsalltag, sondern auch bei solchen Anlässen zeigten.

 

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Updated: 02.07.2001