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Klettern und Turnen

Zu Gast: Der serbische Sportstudent Emir Poturak
In der Ferne hören sie leises Donnerhallen. Immer wieder Bomben- und Granateneinschläge in Pristina. Gerade noch rechtzeitig konnten sie vor den Bombenangriffen der NATO in den Norden des Kosovo fliehen. Emir Poturak ist islamischer Serbe und wird mit Bruder, Schwester und Eltern Ende 1999 aus der Stadt von den Düsenjägern und den Albanern vertrieben. 1998 war die Situation gerade umgekehrt: Da gab es Übergriffe und Massaker der Serben gegen die Albaner. Das Blatt wendet sich ständig. 1999 liegt der Bosnienkrieg schon vier Jahre zurück.
Emir Poturak
"Der Balkan ist wie eine große Kreuzung, da kommt alles zusammen"
Foto : Sposny

Heute sitzt der 23-jährige Emir in einem Straßencafé auf dem Heidelberger Uniplatz. Die verwirrenden Bilder ziehen wieder an ihm vorbei, als er versucht, die Situation in seiner Heimat zu erklären. "Der Balkan ist wie eine große Kreuzung, da kommt alles zusammen", sagt er. Die ethnischen Konflikte sind schon alt und sitzen tief im Bewusstsein der Menschen dort. Demokratie hat Emir in seiner Heimat noch nicht so richtig kennen gelernt. Erste freie Wahlen gab es erst im Dezember 2000.

Deshalb hat die Association des Etats Généraux des Etudiants de l´Europe (AEGEE) im vergangenen Jahr das Projekt "Education for Democracy" ins Leben gerufen. Verfolgt wird der wissenschaftliche und kulturelle Austausch innerhalb Europas. Dafür wurden aus über 100 Bewerbern 14 Studierende aus allen ethnischen Gruppen ausgewählt, um in Deutschland und den Niederlanden zwei Semester zu studieren. Emir war übrigens der Erste, der sich zum Auswahlverfahren meldete. Heute treffen sich die Teilnehmer etwa alle fünf Wochen zu gemeinsamen Seminaren. Verständnis und Sensibilität sollen sie für die Ansichten des Gegenübers entwickeln und ihre neuen Erfahrungen austauschen. Die Hoffnung besteht darin, dass die Studierenden dieses demokratische Denken später in ihrer Heimat weitergeben. Ausflüge, zum Beispiel nach Brüssel, und der Disput mit Politikern sollen das Gemeinschaftsgefühl stärken und lebendige Demokratie aufzeigen. Eine Aktion hat Emir besonders beeindruckt: "In Den Haag konnten wir an einem Tribunal gegen einen Kriegsverbrecher beiwohnen", erzählt er. Wie sein Betreuer von AEGEE zufrieden mitteilt, seien die 10.000 Mark für die zwei Semester gut angelegt. Die Mittel stammten zu je einem Drittel vom Verein der Freunde der Universität, der Sportfakultät und dem Akademischen Auslandsamt.

Neben all diesen Pflichtveranstaltungen darf aber das Studentenleben nicht zu kurz kommen. Freunde hat der Student der Sportwissenschaften schnell kennen gelernt. Mit ihnen unternimmt er viel. Und dank des Stipendiums durch das Rektorat kann Emir am Heidelberger Nachtleben teilnehmen, wie es für andere Studenten auch üblich ist: "Disco, Kneipe und Kino, das gehört schon dazu". Schade nur, dass seine Zeit in Deutschland bald vorbei sein wird. Im Juli/August muss er wieder nach Hause. Ob er wieder zurückkommen würde? "Klar", meint er. "Besonders gefällt mir hier die Vielfalt an Menschen. Ich brauche nur wenige Meter in die Fußgängerzone zu laufen und schon höre ich fünf verschiedene Sprachen". Das werde ihm in Erinnerung bleiben. Und vielleicht die Geschichte von dem vergesslichen Theologiestudenten, der sich aussperrte. Um den Schlüsseldienst zu sparen, beauftragte er kurzerhand Emir, bei ihm im ersten Stock einzusteigen. "Gott sei Dank sind meine Lieblingssportarten Klettern und Turnen", grinst er.

Georg Sposny endpunkt

 

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Updated: 02.07.2001