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Forschung am ambulanten Patienten

Otto-Meyerhof-Zentrum im Beisein der Kinder des 1938 von den Nazis vertriebenen Nobelpreisträgers eingeweiht
In einem gemeinsamen Festakt des Landes Baden-Württemberg und des Universitätsklinikums Heidelberg wurde das Otto-Meyerhof-Zentrum für ambulante Medizin und klinische Forschung vom Land an das Klinikum feierlich übergeben und eingeweiht.
Einweihung des Otto-Meyerhof-Zentrums
Hut ab – Otto Meyerhofs Söhne Georg G. Meyerhof und Walter F. Meyerhof (von links) sowie die Tochter Bettina M. Emerson besichtigen und bestaunen das nach ihrem Vater benannte Zentrum für ambulante Medizin.
Foto : Winter

Im Namen des Rektorats der Universität Heidelberg begrüßte Prorektor Prof. Dr. Jochen Tröger die Gäste des Festaktes zur Einweihung. Er freute sich außerordentlich, dass auch die Tochter des Namensgebers, Dr. Bettina Emerson, und die Söhne, die Professoren Georg und Walter Meyerhof, gekommen seien. "Die Universität Heidelberg empfängt dankbar diese Geste der Kinder Otto Meyerhofs an unsere Ruprecht-Karls-Universität. Otto Meyerhof gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die den Kontakt zu der Heimatuniversität nach der Zeit des Nationalsozialismus wieder aufgenommen haben", sagte der Prorektor. Dies "war damals einer der wichtigen Schritte, der Universität Heidelberg wieder zu Ansehen zu verhelfen".

Das Konzept des Otto-Meyerhof-Zentrums sei ohne Frage innovativ. Forschung am ambulanten Patienten erschließe für die Medizinische Forschung eine bisher eher als Randgruppe wahrgenommene Klientel. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse dieser Forschung dem ambulanten Patienten schnell zugute kommen. Hierbei sei zu bedenken, dass in Zukunft sicher die Zahl der ambulanten Patienten auf Kosten der stationär versorgten Patienten schnell wachsen werde. Prorektor Tröger wünschte den Nutzern des in Rekordzeit fertig gestellten Otto-Meyerhof-Zentrums exzellente wissenschaftliche Ergebnisse.

Das Otto-Meyerhof-Zentrum ist ein Verfügungsgebäude für ambulante Medizin und klinische Forschung, mit dem das Universitätsklinikum Heidelberg der Tendenz zur Verlagerung medizinischer Behandlungsmaßnahmen vom stationären in den ambulanten Bereich Rechnung tragen will. Ambulante Patienten werden zunehmend in die Forschung und Lehre einbezogen, das heißt, ihnen werden zielgerichtet Verfahren der ambulanten und tagesklinischen Maximalversorgung verfügbar gemacht. Hierfür müssen neue Strukturen geschaffen werden, die eine Verzahnung von ambulanter Krankenversorgung mit klinischer Forschung und biomedizinischer Grundlagenforschung gewährleisten.

In seiner inhaltlichen Ausrichtung und Aufgabenstellung soll sich das Otto-Meyerhof-Zentrum der Lösung von bisher kaum oder nur unzureichend behandelbaren Krankheitsformen widmen. Hier handelt es sich besonders um chronische Krankheitsbilder, die nur in einer Kooperation zwischen medizinischer und biologischer Grundlagenforschung neue Perspektiven erhalten können. Die Arbeitsgebiete des Otto-Meyerhof-Zentrums orientieren sich an inhaltlichen Forschungsschwerpunkten der medizinischen und biologischen Fakultäten Heidelbergs. Neue medizinische Verfahren der Diagnostik und Therapie auf der Basis molekular-medizinischer Erkenntnisse sollen entwickelt werden. Mit dem Otto-Meyerhof-Zentrum wird sich die Leistungsfähigkeit der medizinischen Forschung am Standort Heidelberg entscheidend verbessern.

Otto-Meyerhof-Zentrum
Blick auf das neu gebaute Otto-Meyerhof-Zentrum für ambulante Medizin
Foto : Universität

Benannt ist das Gebäude nach Otto Meyerhof (geboren am 12. April 1884 in Hannover, gestorben am 6. Oktober 1951 in Philadelphia), einem der größten Biochemiker des 20. Jahrhunderts. Für seine "Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Sauerstoffverbrauch und Milchsäurestoffwechsel im Muskel" erhielt er 1922, zusammen mit dem englischen Physiologen A.V. Hill, den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. 1929 übernahm Otto Meyerhof die Leitung des Instituts für Physiologie am neu gegründeten Kaiser Wilhelm Institut für medizinische Forschung in Heidelberg und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor der Medizinischen Fakultät ernannt. In dieser Zeit gelang ihm die Entdeckung der Rolle des Adenosintriphosphats (ATP) als operativer Substanz im Energiestoffwechsel der Zelle sowie die Analyse der Einzelschritte der Glykolyse (Embden-Meyerhof-Weg).

Nachdem ihm bereits 1935 unter dem Druck der Nationalsozialisten die Lehrbefugnis entzogen worden war, wurden 1938 die Bedingungen für ihn so schwierig, dass er beschloss, Deutschland zu verlassen. Er arbeitete zunächst zwei Jahre in Frankreich, ehe er schließlich in die Vereinigten Staaten emigrierte. Dort erhielt er eine Professorenstelle an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia. Um an ihm begangenes Unrecht wieder gut zu machen, wurde er 1949 erneut zum Honorarprofessor in Heidelberg ernannt und wirkte in dieser Zeit auch beim Wiederaufbau des Klinikums mit; Meyerhof starb 1951 an den Folgen seines zweiten Herzinfarkts.

Michael Schwarz endpunkt

 

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Updated: 02.07.2001