Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel > Juli-September 3/2001 >

Spiel ohne Grenzen

Internationale Wettbewerbe für angehende Juristen
Die wahren Anforderungen im Berufsleben eines Rechtsanwalts erfahren angehende Juristen während ihres Studiums eigentlich kaum. Glücklicherweise gibt es da die so genannten "Moot Courts" – internationale Wettbewerbe, bei denen Jura-Studenten wirklichkeitsnah als Anwälte an einer simulierten Gerichtsverhandlung mitwirken. Seit Jahren zählen Heidelberger Teams zu den erfolgreichsten. Der "Unispiegel" wollte Näheres wissen und traf sich mit den diesjährigen Absolventen.
Aus dem Familienalbum ...
Aus dem Familienalbum der Moot Courts
Foto : privat

Jens Haubold, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, hatte sie zusammengetrommelt. Und das Ganze nahm den Charakter eines Familientreffens an. Ein Stimmengewirr setzte ein, Fotos wurden herumgereicht und man schwärmte von guten alten Zeiten, von Reisen nach Wien, Straßburg oder auch Washington, wo die Finalrunden einzelner Wettbewerbe stattgefunden hatten.

Zusammengefasst ist man bei diesem etwas anderen Spiel in Mannschaften. Inhaltlich beschäftigen sich die verschiedenen Wettbewerbe mit jeweils anderen Rechtsarten. So spielen sich etwa die Fälle des Willem C. Vis Moots im Bereich des internationalen Kaufrechts ab, die des Philip C. Jessup Moots im Bereich des Völkerrechts – zwei weitere Wettbewerbe, die in Heidelberg betreut werden, befassen sich mit Europäischem Recht und mit dem Menschenrecht.

Der Ablauf ist bei allen Wettkämpfen ähnlich. Ein Streitfall wird bekannt gegeben. Dann verwenden die einzelnen Teams viel Mühe und Zeit darauf, entsprechende Schriftsätze zu verfassen. Mühevoll nicht zuletzt deswegen, da diese in englischer (manchmal auch in französischer) Sprache abgefasst werden müssen. Der eigentliche Höhepunkt ist dann schließlich die Verhandlung vor einem mit "Profis" besetzten Gericht.

Eine ernsthafte Teilnahme fordert von den Studierenden neben besonderen fachlichen Qualitäten zum jeweiligen Spezialgebiet auch die Bereitschaft, sich ca. ein halbes Jahr lang ausschließlich dem Wettbewerb zu widmen. Zeit für das eigentliche Studium bleibt da kaum. Einmal habe er "drei Nächte ohne Schlafen" durchgemacht, berichtet einer der Teilnehmer. Unglücklich wirkt er aber keineswegs. Im Gegenteil. Nicht nur er schwärmt von den gesammelten Erfahrungen und den geknüpften Kontakten zu Jura-Studenten aus anderen Ländern, die z.T. heute noch bestehen. Und alle sind sich einig, dass sie sich wieder für eine Teilnahme entscheiden würden.

Die Wettbewerbe bieten die in der Juristenausbildung seltene Gelegenheit, das im juristischen Alltag so wichtige Auftreten und die Rhetorik zu trainieren – geradezu in Ekstase habe sie sich bei ihrem Auftritt geredet, gesteht eine Teilnehmerin begeistert. Auch die Tatsache, dass man bei dem vorgegebenen Sachverhalt abwechselnd die Interessen eines Klägers und eines Beklagten vertritt, ist im Studium alles andere als selbstverständlich, ist hier doch die Sichtweise des Richters üblich.

Materielle Vorteile können die Studierenden bei ihrem Engagement nicht erwarten. Positive Auswirkungen bei der späteren Arbeitssuche aber schon. Talent-Scouts sollen auf diesen Veranstaltungen schon gesichtet worden sein, abgesehen davon mache sich die Teilnahme in den Bewerbungsunterlagen äußerst gut. Anreiz genug also, um vielleicht selbst einmal in den Ring zu steigen. Hier allerdings sehen die diesjährigen Heidelberger Wettkämpfer noch ein kleines Defizit. Viele Kommilitonen wüßten gar nichts von dieser Möglichkeit, mehr Öffentlichkeitsarbeit ist also wünschenswert. Und auch die Resonanz innerhalb der Juristischen Fakultät könnte noch größer sein.

Wer Lust bekommen hat, kann sich auf der Homepage des Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht (www.ipr.uni-heidelberg.de) über die Wettbewerbe informieren. Dort findet man auch links zu den verschiedenen Moot Courts. Jens Haubold (Tel. 54 22 09) ist Betreuer des Willem C. Vis Moots, vermittelt Interessenten aber auch an die anderen drei in Heidelberg betreuten Wettbewerbe.

Oliver Fink endpunkt

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 02.07.2001