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Mehr Autonomie und starker Wettbewerb

Gespräch mit dem neuen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg
Seit Mitte Juni leitet Prof. Dr. Peter Frankenberg das Wissenschaftsministerium Baden-Württembergs. Er folgt damit Klaus von Trotha nach. Im Gespräch mit dem "Unispiegel" gab er Auskunft über seine Hochschulpolitik.
Prof. Dr. Peter Frankenberg
Prof. Dr. Peter Frankenberg wurde in Bad Honnef geboren und studierte Geografie, Geologie und Geschichte in Bonn. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Floren-Geografie der Sahara, seine Habilitationsschrift über Ähnlichkeitsstrukturen von Ernteertrag und Klima in Deutschland. Er wirkte zunächst als Professor für Geografie an der Katholischen Universität Eichstätt, dann an der Mannheimer Universität (ab 1986), deren Rektor er seit 1994 ist – seit 1997 ist er außerdem Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz

Zu den Grundprinzipien Ihrer angekündigten Hochschulpolitik zählen "mehr Autonomie" für die Universitäten und "starker Wettbewerb" auf allen Ebenen. Halten Sie die derzeitige Situation in Baden-Württemberg in dieser Hinsicht für defizitär?

Frankenberg: Der Wettbewerb unter den Hochschulen steht in Deutschland erst am Anfang und wird sich vor allem durch die Entwicklung des internationalen Bildungsmarktes rasch verschärfen. Dafür müssen die Hochschulen sich wappnen, indem sie ihre Qualitäten entsprechend zur Geltung bringen. Die Autonomie der Hochschulen dient diesem Zweck. Sie ist für mich nicht primär Freiheit vom Staat, sondern Freiheit zu einer verantwortlichen Gestaltung der Hochschule. In den vergangenen Jahren sind die Hochschulen in Baden-Württemberg viel autonomer geworden. Nun müssen sie zeigen, wie sie damit umgehen. Sie werden aus dem zunehmenden Wettbewerb gestärkt hervorgehen.

Wie sieht Ihre Vision einer autonomen Universität aus, die sich mit Erfolg auf dem Märkten positioniert?

Frankenberg: Das Idealbild einer autonomen Hochschule bemisst sich daran, in welchem Maße diese vom Staat finanziert wird. Je mehr eigene Gelder eine Hochschule einnehmen kann, desto autonomer ist sie. Und desto attraktiver kann sie sich der scientific community und den Studieninteressenten präsentieren. Die staatliche Seite wird für die eingesetzten Steuergelder immer rechenschaftspflichtig sein und ihrerseits Rechenschaft einfordern. Auch wird es immer eine strategische Hochschulentwicklungspolitik des Landes geben.

Es gehe bei Ihrer zukünftigen Politik um das "Feintuning" der Reform Ihres Vorgängers, werden Sie zitiert. Wie sehen Sie den Stand der eingeschlagenen Hochschulreform?

Frankenberg: Die baden-württembergische Hochschulreform hat die Leitbegriffe Autonomie, Leistung, Profil und Wettbewerb überzeugend in Strukturvorgaben umgesetzt. Die Reform der Leitungs- und Finanzstrukturen in den Hochschulen ist inzwischen an einem point of no return angekommen. Auch bei der Verbesserung der Studienstrukturen, auf die es ja letztlich ankommt, sind wir schon ein gutes Stück vorangekommen.

Gibt es auch eine kritische Einschätzung bisher durchgeführter Maßnahmen? Vielleicht Dinge, die sich in der Praxis anders darstellen als auf dem Reformpapier?

Frankenberg: Die Konstruktionslogik der neuen Entscheidungsstrukturen ist noch nicht in stimmiger Konsequenz auf allen relevanten Ebenen vollendet. Dadurch bestehende Schnittstellenprobleme müssen noch reduziert werden.

Sie gelten als Befürworter und Förderer von Bachelor- und Masterstudiengängen. Wie sehen Ihre Pläne hinsichtlich eines Ausbaus solcher Studiengänge aus? Werden Sie alle Fächer "über einen Kamm scheren" wollen?

Frankenberg: Nur durch die gestufte Studienstruktur wird es gelingen, die notwendige Breitenausbildung und Spitzenausbildung zu leisten. Die BA-/MA-Abschlüsse dienen dazu, die Studienstrukturen systematischer, effizienter und überschaubarer zu gestalten, indem sie einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss nach 6 Semestern anbieten und darauf das vertiefende Masterstudium aufsetzen. So sind unsere qualitativ hochstehenden Studienabschlüsse auch wieder international besser zu vermitteln. Dabei könnte es sinnvoll sein, für die Geisteswissenschaften eine eigene Konzeption von BA-Studiengängen zu entwickeln, die mehr eine breite fachwissenschaftliche und methodische Grundbildung mit interdisziplinären Elementen vorsieht und dafür weniger direkt berufsbezogene Qualifikationen, weil es hier ja oft noch keine konkreten Berufsfelder gibt.

Stichwort Studiengebühren. Die Frage besitzt für Sie im Moment keine Priorität. Können Sie uns dennoch Ihren Standpunkt zu diesem Thema erläutern?

Frankenberg: Für allgemeine Studiengebühren sprechen eine Reihe von ordnungspolitischen Argumenten. Dazu könnte die Finanzierung besserer Studienangebote und Studienbedingungen ein weiteres Motiv sein. Allerdings steht das Thema derzeit nicht zur politischen Umsetzung an. Zuvor müssen die Studienstrukturen verbessert und attraktiver gestaltet werden. Die Sachlogik der Reformschritte muss eingehalten werden.

Was sind Ihre speziellen Vorstellungen über eine stärkere Profilierung der Landeshochschulen?

Frankenberg: Zu einer autonomen Universität gehört vor allem, dass sie ihre Qualitäten, ihr Profil und ihre Leistungen in Forschung und Lehre herausarbeitet, um damit im Wettbewerb aufzutreten. Jede Universität müsste daher ihre centers of excellence definieren. Das Land hat dann allerdings die Aufgabe, die unterschiedlichen Studien- und Forschungskompetenzen mit Blick auf den Gesamtkontext zu koordinieren, um alle relevanten Wissensgebiete abzudecken. Dies betrifft auch reine Grundlagenfächer, die völlig unverzichtbar sind, so auch den Bereich der Natur- und Geisteswissenschaften. Bei der Schaffung von centers of excellence geht es also nicht primär um die Frage von Verwertbarkeit oder Mainstream-Denken der Forschung.

Welche Rolle spielt Heidelberg in der baden-württembergischen Hochschulpolitik?

Frankenberg: Was die aktive Rolle der Universität Heidelberg in der Hochschulpolitik des Landes angeht, so müsste sich diese sicherlich interessante Frage an die Universität selbst richten. Aus meiner Sicht hat Heidelberg natürlich qua Tradition eine besonders wichtige Rolle und eine sehr attraktive Position im Konzert von Wissenschaft und Forschung, und zwar in vielen Fachbereichen und Disziplinen.

Herr Professor Frankenberg, der "Unispiegel" dankt Ihnen für das Gespräch und wünscht Ihnen eine erfolgreiche Amtszeit als neuer Wissenschaftsminister des Landes Baden-Württemberg.

Die Fragen stellten Oliver Fink und Michael Schwarz endpunkt

 

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Updated: 02.07.2001