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"Heidelberg Alumni International" startet Fortbildung für libanesische Ärzte

Die erste deutsch-libanesische Konferenz für Arbeits-, Unfall- und Umweltmedizin gab in Beirut und Byblos entscheidende Impulse.

Fortbildung für libanesische Ärzte
Lebhafter Meinungsaustausch: Professor Mustafa Khogali von der American University Beirut während der Diskussion
Foto : Saueressig
Die Arbeits- und Umweltmedizin steckt im Nahen Osten noch in den Kinderschuhen. Eine entsprechende Facharztausbildung gibt es in vielen Ländern nicht, die Bedeutung des Bereichs wird nicht ausreichend gewürdigt trotz eines offensichtlichen Bedarfs. Beispiel Libanon: Zwar schreibt das Gesetz eine betriebsärztliche Betreuung vor, doch diese wird in der Praxis nur selten durchgeführt. Die Arbeitsmedizin führt hier ein ein Schattendasein. Um das zu ändern, startete Heidelberg Alumni International eine Fortbildung für libanesische Ärzte.

Die Anregung dazu gaben die zahlreichen Heidelberger Medizinabsolventen aus dem Libanon. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Als ersten Schritt veranstaltete Heidelberg Alumni International im Sommer 1999 ein Weiter-bildungsseminar mit rund 20 Teilnehmern. Der zweite Schritt führte Ende Mai in den Libanon selbst: zur ers-ten deutsch-libanesischen Konferenz für Arbeits-, Unfall- und Umweltmedizin in Beirut und Byblos.

Einer der Referenten war neben anderen der Heidelberger Arbeitsmediziner Dr. Michael C. Dietz vom Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin. Das Interesse war groß: Neben zahlreichen Wissenschaftlern nahmen auch Vertreter des libanesischen Arbeitsministeriums teil. Der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Jürgen Siebke, ließ es sich nicht nehmen, die Konferenz mit zu eröffnen: "Diese Veranstaltung ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung des lebenslangen Lernens, dem besonders in der Medizin eine wachsende Bedeutung zukommt."

Auf dem Programm standen Themen wie Lärmschäden und Gefahren durch den Umgang mit neurotoxischen Chemikalien sowie Lungenerkrankungen durch Asbest. Aber auch scheinbar simple Aspekte wie der Einsatz von Arbeitshandschuhen kamen zur Sprache. Der Schutz der Mitarbeiter ist sehr wichtig. Der Arbeitsmediziner Prof. Iman Nuwayhid von der American University of Beirut (AUB) stimmte dem zu: "Wenn die Beschäftigten gesund bleiben, hat auch das Unternehmen mehr davon."

Die deutschen Experten besuchten außerdem eine Transformatorenfabrik und die größte Kabelfabrik des Landes und informierten sich vor Ort über die Arbeitsbedingungen. Sie machten Vorschläge für den Umgang mit Chemikalien und Arbeitsmitteln – als sinnvolle wissenschaftliche Ergänzung zum wirtschaftlichen Export der deutschen Maschinen, die hier zum Einsatz kommen.

Wie wichtig die Libanesen die Initiative nehmen, erklärte Prof. Mustafa Khogali (AUB): "Je mehr Wissenschaftler und Ärzte über diese Themen sprechen, desto besser. Deshalb gibt uns die Konferenz einen guten Anschub." Der Organisator und Heidelberger Alumnus Dr. Hikmat Rizk (Lebanese American University) zeigte sich mit der Konferenz zufrieden: "Mit solchen Veranstaltungen können wir ein Bewusstsein für die Bedeutung der Arbeitsmedizin in unserer Region aufbauen." Einen ersten "Bildungs"-Effekt hatte das Seminar bereits: Denn in Beirut und Byblos kamen erstmals libanesische Arbeits- und Umweltmediziner zusammen, die zuvor noch gar nichts voneinander gewusst hatten – der Beginn eines künftigen Netzwerks. Allein schon deshalb haben die Mediziner aus dem "Ländle" gute Arbeit geleistet.

Peter Saueressig punkt

 

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Updated: 12.07.2000