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Nach der Arbeit zum Inline-Skaten

 
Portrait der Strukturbiologin Prof. Dr. Irmgard Sinning

Prof. Sinning
Foto : privat
Vorbei an unzähligen Kühlschränken und Laborgerätschaften betritt man durch das Labor am Ende des Gangs das kleine, um nicht zu sagen winzige Büro von Prof. Dr. Irmgard Sinning. Platzmangel gilt als normal am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL). Eigentlich sei sie ja seit Anfang des Jahres am Biochemie-Zentrum (BZH) der Universität Heidelberg, wo sie die Professur für Strukturchemie/Biochemie besetze, erklärt sie, aber leider sei bisher die Renovierung ihrer Räume noch im Planungsstadium.

Nach dem Studium der Lebensmittelchemie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München 1980 bis 1984 beschloss sie, in die Biochemie zu wechseln. In ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München bearbeitete sie daher ein biochemisches Thema aus dem Bereich der Membranforschung bei Prof. Hartmut Michel, dem Chemie-Nobelpreisträger von 1988. Noch während ihrer Doktorarbeit folgte Prof. Sinning ihrem Betreuer an das Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt/Main, wo sie auch nach ihrer Promotion als Postdoc von 1989 bis 1991 weiterarbeitete. Um ihr Wissen über Proteinkristallographie zu vertiefen, ging sie für zweieinhalb Jahre an das Biomedical Centre der Universität Uppsala, Schweden, in die internationale Forschungsgruppe von Prof. Alwyn Jones. Seit 1994 arbeitet die gebürtige Schwäbin (mit Betonung auf dem bayerischen Schwaben als Ursprungsland) als Gruppenleiterin am EMBL. Hier habe sie vor allem die Möglichkeit geschätzt, ihr Interesse an Membranproteinen und Proteintransport mit den Mitteln der modernen Strukturbiologie, also sehr interdisziplinär, verfolgen zu können, eingebettet in die Infrastruktur eines internationalen Forschungsbetriebs. Hinzu komme die Unabhängigkeit dieser Position, wie sie im deutschen Hochschulsystem leider nicht (oder nur in Ausnahmefällen) zu finden sei. Mit ihrer internationalen Gruppe arbeitet Prof. Sinning hauptsächlich in der Grundlagenforschung. Eines ihrer Projekte erforscht die Strukturfunktionsbeziehungen von Membranproteinen, die Informationsübertragung über Membranen vermitteln, ein weiteres Projekt untersucht den Transport zu Membranen, geht also der Frage nach, wie Proteine ihren letztendlichen Bestimmungsort in der Zelle finden und wie dieser Prozess reguliert wird.

Diese beiden Hauptprojekte will sie auch am Biochemie-Zentrum weiter vorantreiben. Gerade die für die Universität Heidelberg kennzeichnende gute wissenschaftliche Infrastruktur und die Nähe zu Instituten wie dem EMBL oder dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie das moderne Konzept des BZH habe ihre Entscheidung zu Gunsten der Professur in Heidelberg beeinflusst. Die Tatsache, dass mit dem BZH ein Zentrum gegründet wurde, das sich aus drei Fakultäten zusammensetzt, sieht sie als vielversprechende Entwicklung. Für das "Aufweichen" allzu starrer Strukturen spreche auch, dass sie nicht habilitiert ist. Für ihre Forschungsarbeit hofft sie, werde sich nicht allzuviel ändern. Allerdings sei dies wohl eine Wunschvorstellung, da einerseits die Rekrutierung von hochmotivierten Mitarbeitern sicherlich schwieriger wird, andererseits die Verwaltungsarbeit zunimmt und natürlich die Lehrtätigkeit hinzukommt. Bisher, bekennt die junge Professorin freimütig, habe sie abgesehen von Lehrveranstaltungen in Uppsala und am EMBL sowie der Betreuung von Doktoranden, Diplomanden und Praktikanten noch keine allzu großen Erfahrungen in der Lehre sammeln können. Auf die Arbeit mit ihren Studenten freue sie sich, da sie so auch die Chance bekomme, sich selbst durch die erneute Auseinandersetzung mit den Grundlagen ihres Fachs weiterzubilden sowie Nachwuchswissen- schaftler zu fördern und – nicht ganz uneigennützig – auch zu rekrutieren. Moderne Strukturbiologie sieht sie als Wachstumsbranche mit guten Zukunftsaussichten. Für die Ausbildung des Nachwuchses biete dieses Fach auf Grund der Interdisziplinarität besondere Vorteile.

Die Frage nach ihrer Freizeit bringt die lebhafte Professorin erst einmal zum Lachen. Ihre Freizeit sei eher knapp bemessen, deshalb müsse sie die Mußestunden intensiv nutzen. Gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe vom EMBL geht sie im Sommer zum Inline-Skaten, zum Beispiel auf den Hockenheimring, im Winter auch zum Skifahren. Spätes-tens seit ihrem Schweden-Aufenthalt in Uppsala ist sie ein Skandinavien-Fan, dem das entspannte Leben in den nördlichen Kreisen besonders gut gefällt. Dass ihr Klavierspiel im Moment ein bisschen auf der Strecke geblieben ist, bedauert Prof. Sinning, aber sie habe für ihre Gesangspartnerin, mit der sie von klassischen Liedern bis hin zu Jazz den Spass am Musizieren genossen hat, noch keinen Ersatz gefunden. Wer weiß, vielleicht ändert sich auch in dieser Hinsicht für die junge Professorin etwas.

US punkt

 

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Updated: 12.07.2000