Siegel der Universität Heidelberg
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Editorial

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass es sich bei Leonardos "Mona Lisa" tatsächlich um das "berühmteste Gemälde" der Kunstgeschichte handelt, dann die Reaktionen auf den Fund in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Überall auf der Welt wurde darüber berichtet. Und auch zahlreiche Experten haben sich inzwischen eingeschaltet. Manche halten die Identitätsfrage nun für geklärt. Andere wiederum – darunter auch der Direktor des Louvre, in dem das Bild hängt – sind vorsichtiger und sehen in der nun nahe liegenden Verbindung zwischen der florentinischen Kaufmannsgattin und dem geheimnisvollen Frauenbildnis noch keinen endgültigen Beleg. Tatsächlich bleiben einige Frage offen: Warum zum Beispiel unterscheidet sich die "Mona Lisa" – etwa aufgrund fehlenden Schmucks und Statussymbolen – so sehr von vergleichbaren Porträtwerken, die damals in Auftrag gegeben wurden? Fest steht, dass hier auf jeden Fall noch eine höhere, kunstphilosophische Dimension mitschwingt, die über das bloße Abbild weit hinausreicht. Das lächelnde Geheimnis bleibt also gewahrt. Dass der Heidelberger Fund dennoch von herausragender Bedeutung ist, darüber sind sich alle einig. Und er verdeutlicht mal wieder, dass die Universitätsbibliothek eben mehr ist als nur eine umfangreiche Büchersammlung. Hier finden sich einige bedeutende – mal größere, mal kleinere – Puzzleteile unserer abendländischen Kultur versammelt. Vespuccis Randnotiz ist sicher nicht die letzte Entdeckung.
Oliver Fink
Seitenbearbeiter: Email
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