Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Startseite der Universität
Presse-Kontakt, WWW-Team Volltext-Suche, E-Mail-Suche, Datenbank-Suche Alle Seiten im Überblick English

Startseite > Presse > Publikationen > unispiegel

Was heißt Ökologische Ökonomik?

Einem Nachwuchswissenschaftler-Team geht es am Beispiel der Beweidung semi-arider Gebiete um Grundsätzliches
Namibia liegt bekanntlich im südlichen Afrika und gehört zu jenem Teil der Erde, den man in klimatischer Hinsicht als semi-arid (halbtrocken) bezeichnet. Es regnet dort kaum und zudem schwanken die Niederschlagsmengen. Dennoch werden die dürren Gras- und Savannenlandschaften, die es dort gibt, beweidet. Wie eine solche Bewirtschaftung funktioniert und was man daraus lernen kann, untersucht gerade ein Nachwuchswissenschaftlerteam der Universität Heidelberg und des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle.
Rinderzucht der Ova Himba in Omuramba

Vorbildliche Beweidung einer sensiblen, weil halbtrockenen Landschaft: Rinderzucht der Ova Himba in Omuramba, Kaokoland (Namibia). Foto : Zimmermann


Vorgenommen hat man sich dafür zwei Fallbeispiele: Zum einen die Gamis-Farm südlich der Hauptstadt Windhoek, auf der auf rund 300 Quadratkilometern Fläche eine kommerzielle Schafszucht betrieben wird. Zum anderen die Weidenutzung durch das Volk der Ova Himba, das 16.000 Menschen umfasst und im Nordwesten des Landes in halbnomadischer Lebensweise die Rinderzucht betreibt. Rund 620.000 Euro hat die Volkswagenstiftung für das auf drei Jahre angelegte Projekt "Ökologische Ökonomik: Modellierung und konzeptionelle Fundierung am Beispiel von Beweidung in semi-ariden Gebieten" von Dr. Stefan Baumgärtner vom Interdisziplinären Institut für Umweltökonomie der Universität Heidelberg und Dr. Karin Frank vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH (Sektion Ökosystemanalyse) bewilligt. Einer von drei hochkarätigen Forschungsaufträgen, die von der Stiftung im Rahmen ihrer Initiative zur Nachwuchsförderung in der fächerübergreifenden Umweltforschung in Höhe von 1,67 Millionen Euro vergeben wurden.

Etwa zwei Drittel der Erdoberfläche sind semi-aride Gebiete, sie bilden die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen in Afrika, Australien, Südasien und Lateinamerika. Eine landwirtschaftliche Nutzung dieser Regionen stellt zweifellos eine große Herausforderung dar. Zwar hätten sich die natürlichen Ökosysteme auf die Bedingungen eingestellt, erklärt Stefan Baumgärtner, Projektleiter auf Seiten der Heidelberger, doch sind sie sehr empfindlich und können leicht übernutzt werden. Die Folgen sind dann verheerend: Verwüstung und damit ein nicht wieder rückgängig gemachter Verlust von Weideland, zumindest aber eine dramatische Verschlechterung der Bodenqualität. Beispiele dafür gibt es leider genug. Allerdings auch Gegenbeispiele einer sinnvollen Nutzung.

Warum Namibia? "Wir brauchten etwas, wo die empirische Feldforschung schon geleistet ist und das Ökosystem wie auch das wirtschaftliche System schon ganz gut modelliert sind, um zur nächsten Ebene zu kommen", erläutert Stefan Baumgärtner. Die nächste Ebene? Es gehe nämlich darum, einen Beitrag zur modelltheoretischen und konzeptionellen Weiterentwicklung der "ökologischen Ökonomik" zu leisten. Das heißt, die Fallbeispiele dienen auch dazu, generelle Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie genau sich veränderte ökologische und ökonomische Rahmenbedingungen auswirken. Die Forschungsergebnisse sollen verallgemeinerbar sein. Somit ist dieses Projekt auch ein ehrgeiziger Beitrag zur wissenschaftstheoretischen Grundlegung der noch jungen Disziplin Umweltökonomie.

Deswegen war es notwendig, sich ein einfaches System vorzunehmen. Die Ökologie der semi-ariden Gebiete erfüllt dieses Kriterium – in der Regel fünf Gras- und zwei Buscharten. Und auch die Ökonomie ist simpel. "Das reduziert sich aufs einfachste Tausch- und Martkbeziehungen", so Baumgärtner. Im Rahmen der ökonomischen Untersuchung geht es unter anderem um Kredit- und Versicherungsmöglichkeiten, dem Standardprogramm der Entwicklungshilfe. Dem stehen die Nachwuchswissenschaftler allerdings kritisch gegenüber. Im Moment zeige sich, dass der wirtschaftliche Erfolg in einer umweltschonenden Bewirtschaftung des fragilen Gebiets liegt – im Grunde werde das Ökosystem als Versicherung genutzt, Schwankungen etwa im Niederschlag bewirken kaum extreme Ausschläge im Ertrag. Wenn nun aber Kredit- und Versicherungsmöglichkeiten von außen implementiert werden, so Baumgärtner, bestehe die Gefahr irreversibler Schäden des Ökosystems, denn dann müssten Farmer nicht mehr in schonender Weise mit den sensiblen Gegebenheiten umgehen.

Eine Frage der Strategie

Wie man es richtig macht, zeigen die Ova Himba, klassische Selbstversorger, aber auch der Schafzüchter, den Stefan Baumgärtner und seine Mitstreiter ebenfalls als Fallbeispiel ins Visier genommen haben. Warum das gerade bei Letztgenanntem, obwohl gewinnorientiert, im Gegensatz zu benachbarten Farmern so schonend und so erfolgreich klappt, muss das Forscherteam allerdings noch herausfinden. Welche Strategie hat er nun? "Das wüssten wir auch gerne. Er hat uns geantwortet, dass er die Strategie von seinem Vater übernommen hat", lacht Baumgärtner.

Eines der anwendungsorientierten Ziele des Projekts ist es, am Ende konkrete politische Empfehlungen für wirtschaftliches Handeln in Namibia zu geben – etwa auf dem Versicherungssektor. Das andere große Ziel bleibt freilich, zu lernen, wie verschiedene Disziplinen methodisch zusammenarbeiten – auch der Brückenschlag zu den Naturwissenschaften spielt da eine wichtige Rolle. "Bislang unterbelichtet ist nämlich die Frage, wie das eigentlich wissenschaftstheoretisch funktioniert", betont Baumgärtner – Interdisziplinarität schreibe sich ja heute jeder auf die Fahne. Auswirken wird sich das Forschungsprojekt schließlich auf die Lehre am hiesigen Institut für Interdisziplinäre Umweltökonomie, geplant sind beispielsweise Seminare zur Wissenschaftstheorie interdisziplinärer Forschung. Und vielleicht erfährt man in einem anderen Seminar dann auch noch, was genau den besagten Schafszüchter so erfolgreich macht.
Oliver Fink ende

 

Zurück

Top

Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Neues im Netz | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg.
Updated: 06.07.2004